Kalte Hände

Verantwortlich für häufig kalte Hände und Finger sind meist Durchblutungsstörungen. Lesen Sie mehr zu den Ursachen, wie dem Raynaud-Syndrom und anderen Erkrankungen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 23.09.2014

Zärtlich besungen, oft beschrieben und von unzähligen Männern wiederholt selbst gefühlt: die eiskalten Hände einer Frau. Mit den frostigen Fingern ist es ähnlich wie mit den kalten Füßen: Frauen leiden deutlich häufiger darunter als Männer. Zu den möglichen Gründen mag es gehören, dass sie in der Regel nicht so viele wärmende Muskeln besitzt wie er und deshalb insgesamt leichter friert. Auch hat sie eher einen zu niedrigen Blutdruck und unterliegt stärker hormonellen Schwankungen.

Warum die Hände so leicht frieren

Denn Blutdruck wie Hormone spielen unter anderem eine Rolle, wenn es um die Durchblutung des Körpers geht. Und kalte Hände zeigen vor allem an, dass sie gerade nicht gut durchblutet sind. Das kann zum Beispiel passieren, wenn wir frieren.

Bei Kälte verengen sich zuerst die Gefäße in den äußersten Gliedmaßen (Extremitäten) – also in Fingern und Zehen, ebenso an der Nasenspitze, am Kinn und an den Ohrläppchen. Überall dort fließt nun weniger wärmespendendes Blut. Die Gefäße der Extremitäten reagieren besonders schnell und heftig auf Kälte- und Wärmereize. Wärmt sich der Körper wieder auf, weiten sich die Gefäße und das Blut schießt zurück in die Finger – das prickelt oft und kann mitunter richtig weh tun.

Die Haut an den Händen ist zudem besonders dünn, es fehlt normalerweise eine schützende Fettschicht. Feinste Sensoren und höchst sensible Nervenfasern leiten Kälte- wie Wärmereize nach innen weiter. Der mit bloßen Händen geformte Schneeball lässt uns bald am ganzen Körper zittern. Die dampfende Tasse Tee, mit beiden Händen umfasst, verströmt sogleich wohlige Wärme bis in den Rumpf.

Ob sich die vielen kleinen Gefäße, die die Hände durchziehen, weit oder eng stellen, darauf hat besonders das vegetative Nervensystem Einfluss. Es steuert viele Körperfunktionen wie den Hormonhaushalt, den Kreislauf, die Verdauung oder den Wärmeausgleich. Über eng vernetzte Nervenaktionen kann auch die Psyche auf die Gefäßregulation wirken. Stress oder Ängste lassen manchmal unsere Hände frieren, auch wenn es draußen nicht kalt ist.

Nicht krankhaft: Gelegentlich kalte Hände

Die einfachste Ursache für kalte Patscher oder Pranken ist also zunächst Kälte von außen, durch sinkende Umgebungstemperaturen etwa und ungenügende, zu dünne Kleidung. Wer sich dann passend anzieht und zudem noch viel bewegt, dem wird schneller wieder warm, auch an den Händen. Bewegung kurbelt die Durchblutung an. Allerdings genügt ein solcher Schutz nur für gewisse Zeit. Danach braucht der Körper wieder wärmere Luft, um die lebensnotwendige Eigentemperatur aufrechterhalten zu können.

Auch wenn die Hände nass sind, frieren sie schnell. Durch die Feuchtigkeit auf der Haut entsteht Verdunstungskälte, die Gefäße ziehen sich zusammen. Menschen, die häufig mit Wasser arbeiten, kennen das Problem: Die Finger werden nach einiger Zeit kalt, weiß und knittrig. Auch verschwitzte Hände sind oft kälteempfindlich.

Häufig Eisfinger – was ist los?

– Lebensstil

Wenn die Hände immer wieder oder dauerhaft schlecht durchblutet sind, kann das viele Gründe haben. Lebensgewohnheiten haben Einfluss auf Blutfluss, Beschaffenheit der Gefäße, Herz- und Kreislauftätigkeit, Hormon- und Nervenfunktionen. Rauchen allen voran, Bewegungsmangel, einseitige Ernährung, Alkohol, zu wenig Schlaf, Stress und seelische Belastungen spielen oft eine Rolle, wenn jemand sich immer wieder zwischendurch die fröstelnden Hände reibt.

– Verengte Gefäße

Dauerhafte Durchblutungsstörungen sind die Folge unterschiedlicher Erkrankungen. Die Hauptursache von Durchblutungsstörungen der Schlagadern, die Arteriosklerose, kann zwar grundsätzlich an allen Arterien vorkommen. Dennoch spielt sie an den Armen nicht annähernd die Rolle wie an den Beinen oder an den Herz- und Hirngefäßen. Bei kalten Händen kommen Gefäßverengungen zum Tragen, die oft mit Entzündungen zusammenhängen. Raucher neigen besonders häufig dazu. An erkrankten Gefäßwänden können sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden, die mitunter einen akuten Gefäßverschluss (Embolie) verursachen.

Den Blutfluss behindern können manchmal auch Druckschäden an Blutgefäßen und Nerven im oberen Brustkorb. Das kann der Fall sein, wenn hier anatomisch bedingte Engstellen bestehen und Veränderungen am Skelett, an Muskeln und Sehnen dazukommen. Ein solches "Thoracic-outlet-Syndrom" führt zu Durchblutungsproblemen in unterschiedlichen Gefäßen. Die Betroffenen haben oft Schmerzen von der Schulter über den Arm bis in die Finger. Und bei bestimmten Kopf-, Schulter- und Armbewegungen werden die Hände zudem oft blass und kalt.

Mitunter stören auch gut- oder bösartige Tumore und Lymphknotenvergrößerungen die Blutzufuhr oder drücken von außen auf die Gefäßwände.

– Niedriger Blutdruck

Niedriger Blutdruck führt dazu, dass die Gefäßwände durch den mangelnden Druck nicht genügend pulsieren. Die weiter vom Herzen entfernten Körperteile spüren das oft besonders. Je nach Form und Ursache des Blutniederdrucks ist dann die Durchblutung in Armen und Händen verringert, und die Hände werden blass und kalt. Bei der orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck im Stehen ab, vor allem nach dem Aufstehen oder Aufrichten aus dem Liegen.

– Herzschwäche

Ist der Herzmuskel geschwächt, kann er nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf pumpen. Auch die Hände sind dann möglicherweise nur mehr mangelhaft versorgt. Die Finger werden kalt, die Fingernägel verfärben sich wegen des Sauerstoffmangels bisweilen blau. Zu einer Herzschwäche führen unterschiedliche Herzerkrankungen.

Auch Funktions- und Durchblutungsstörungen der Lunge, etwa Lungenembolien, können verantwortlich dafür sein, dass das Herz eine geringere Blutmenge in den Kreislauf pumpt. Allerdings stehen dann die für die jeweilige Störung typischen Symptome im Vordergrund.

– Raynaud-Syndrom

Kalte Hände gehören zum Leitsymptom des Raynaud-Syndroms, einer schmerzhaften Blutleere hauptsächlich in den Fingern, verursacht durch anfallsartige Gefäßkrämpfe. Die Hände, bei einigen Betroffenen auch Füße, Ohrläppchen, Kinn und Nase, werden kalt, bläulich und blass. Sie schmerzen, verfärben sich schließlich rot. Auslöser für die Attacken ist häufig Kälte, aber auch Stress und seelische Belastungen kommen infrage. Jüngere Frauen zwischen 20 und 40 leiden öfter als Männer darunter.

Das Raynaud-Syndrom kann auch infolge anderer Erkrankungen auftreten. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen wie entzündliches Rheuma, Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) wie die Sklerodermie und Gefäßentzündungen.

Bluterkrankungen oder Nervenstörungen, zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall, rufen mitunter ebenfalls Krämpfe in den Arterien der Extremitäten hervor.

– Medikamente

Einige Medikamente, wie zum Beispiel Betablocker, die unter anderem einen erhöhten Blutdruck senken, führen mitunter dazu, dass sich die Arterien in den Händen zusammenziehen. Auch kann manchmal der Blutdruck zu stark absinken.

– Hormon- und Stoffwechselstörungen, Nervenschäden

Zu weiteren möglichen krankhaften Ursachen, die sich auf die Gefäßregulation auswirken, gehören Hormonstörungen. Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, frieren insgesamt leichter. Das hormonelle Ungleichgewicht bringt auch Nachteile für die Blutzusammensetzung und begünstigt Arteriosklerose.

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes greifen bei schlechter Blutzuckereinstellung die Nerven an. Ist das vegetative Nervensystem betroffen, kommt die Gefäßregulation aus dem Takt. Im Liegen ist der Blutdruck oft zu hoch, im Stehen fällt er unvermittelt ab und lässt die Hände kalt werden.

– Essstörungen

Menschen, die hungern, frieren auch. Es fehlt nicht nur die wärmende Energieverbrennung. Radikale Diäten stören das Gleichgewicht vieler Körperabläufe. Sie verändern unter anderem den Mineralstoffhaushalt. Das hat Folgen für Stoffwechsel, Blutzusammensetzung, Temperaturregelung. Essstörungen schädigen viele Körperfunktionen, so auch das Nerven- und Hormonsystem. Kältegefühl an den Händen ist nur eines unter vielen Symptomen, zu denen Mangelerscheinungen und Kreislaufprobleme führen.

– Psychische Probleme

Wer schon einmal vor Aufregung feuchte, kalte Hände bekommen hat, weiß, wie stark die Psyche unser körperliches Befinden beeinflusst – bis hin zu klammen Fingern. Nicht nur vorübergehende Stresssituationen, auch krankhafte Ängste und Depressionen lösen vielfältige körperliche Beschwerden aus.

Kalte Hände: Wann zum Arzt?

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen, wenn Sie häufig an den Händen frieren und die Gründe nicht die fehlenden Handschuhe an einem kalten Wintertag oder der ausgedehnte Aufenthalt im kühlen Wasser sind.

Das gilt insbesondere auch, wenn andere Beschwerden dazukommen, wie Hautveränderungen, Verfärbungen, Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle, Schwellungen, Schwindel und allgemeine Krankheitszeichen. Dann kann es notwendig sein, sofort zum Arzt oder in eine Klinik zu gehen.

Wenn Sie an einer chronischen Erkrankung wie Diabetes, Rheuma oder einer Hormonstörung leiden, sind vermehrt kalte Hände immer ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen (siehe Kapitel "Diagnose").

Der Hausarzt beziehungsweise ein Facharzt für innere Krankheiten (Internist) wird der erste Ansprechpartner sein. Eventuell zieht der behandelnde Arzt je nach Verdacht weitere Spezialisten hinzu, etwa einen Arzt für Herz-Kreislauf-Krankheiten (Kardiologe), für Hormon- und Stoffwechselstörungen (Endokrinologe) oder für Nervenerkrankungen (Neurologe).

Überblick über die wichtigsten Ursachen von kalten Händen

Allgemeine Ursachen, Lebensstil

  • kalte Umgebungstemperatur, unzureichender Kälteschutz, Feuchtigkeit
  • Rauchen, Alkohol
  • Hungern, Diäten
  • Zu wenig trinken
  • Bewegungsmangel
  • Vitamin- und Mineralstoffmangel (B-Vitamine, Kalzium, Kalium, Magnesium)
  • Schlafmangel
  • Stress, seelische Belastungen

(siehe unter Kapitel "Körper und Psyche" und "Therapie, Selbsthilfe")

Blutdruck, Gefäße, Durchblutung

  • Niedriger Blutdruck, (essenzielle, konstitutionelle Hypotonie, orthostatische Hypotonie = Blutdruckabfall nach dem Aufrichten oder Aufstehen)
  • Aortenbogen-Syndrom
  • Thrombangiitis obliterans (Entzündungen der Gefäßinnenhaut, meist als Folge von Rauchen)
  • Thrombosen
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose, an den Armen und Händen jedoch sehr selten)
  • Herzschwäche
  • Blutarmut
  • Tumore
  • Thoracic-outlet-Syndrom (Gefäßverengungen im oberen Brustkorb)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Medikamente (zum Beispiel Betablocker, Diuretika, Antidepressiva)
  • Verletzungsfolgen, Hautschäden

(siehe unter Kapitel "Ursachen: Blutdruck, Gefäße")

Raynaud-Syndrom, Autoimmunerkrankungen

  • Raynaud-Syndrom, Akrozyanose und andere Gefäßregulationsstörungen
  • Frostbeulen (Pernionen)
  • Entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis)
  • Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen wie Sklerodermie, Sharp-Syndrom, Sjögren-Syndrom)
  • Polymyositis und Dermatomyositis (entzündliche Muskelkrankheiten durch Autoimmunreaktionen, bei denen auch die Haut mit betroffen sein kann)
  • Polyarteriitis nodosa (seltene entzündliche Erkrankung der kleinen und mittleren Arterien)

(siehe unter Kapitel "Ursachen: Raynaud-Syndrom")

Psychosomatische und psychische Erkrankungen

  • Angststörungen (Panikattacken)
  • Depressionen
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie)
  • Fibromyalgie-Syndrom (Chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren)

(siehe unter Kapitel "Ursachen: Körper und Psyche")

Näheres zu den möglichen Ursachen finden Sie auf den folgenden Seiten (siehe auch Kapitelübersicht oben und Kapitellinks unten). Zu den meisten aufgeführten Krankheiten erfahren Sie Genaueres in speziellen Krankheitsratgebern (dazu gibt es direkte Links in den Texten). Je nach Diagnose behandeln die zuständigen Fachärzte dann gezielt das ursächliche Krankheitsbild. Kälteschutz spielt vor allem beim Raynaud-Syndrom eine wichtige Rolle.

Ganz allgemein hilft es Menschen, die zu kalten Händen neigen, wenn sie ihren Kreislauf anregen: Einmal mit Massagen und Wechselduschen beziehungsweise kalten und warmen Armbädern (Vorsicht bei bestehendem Raynaud-Syndrom!). Dann aber vor allem mit einem gesunden Lebensstil, indem sie nicht rauchen, regelmäßig körperlich aktiv sind, auf eine ausgewogene Ernährung achten und Stress abbauen (siehe Kapitel "Therapie, Selbsthilfe").

 

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2014

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Moll I (Hrsg): Dermatologie. 7. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010

Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Deutsche Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA): Die Durchblutungsstörung Raynaud-Phänomen. DGA-Ratgeber. 1. Auflage 2011. Online: www.dga-gefaessmedizin.de/patienten/dga-ratgeber.html (Abgerufen am 06.08.2014)

Altmeyer P, Paech V: Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Online: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/ Berlin Heidelberg Springer Verlag 2014 (Abgerufen am 06.08.2014)

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) (federführende Fachgesellschaft): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms. Interdisziplinäre Leitlinie, Stand 04/2012, awmf-Register Nr. 041/004. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-004.html (Abgerufen am 06.08.2014)

Möller H-J, Laux G, Deister A: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 5. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013

Klinke R, Pape H-Ch, Kurtz A, Silbernagl St (Hrsg): Physiologie. 6. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Kalte Hände: Wann zum Arzt?

Wer häufig bei gemäßigten Temperaturen an den Händen, eventuell auch an den Füßen friert oder wer besonders empfindlich auf Kälte reagiert, sollte immer einen Arzt aufsuchen. Warnzeichen können zusätzlich sein:

Der erste Ansprechpartner wird in der Regel der Hausarzt sein. Sollten jedoch zu plötzlich auftretenden kalten Händen Schweißausbrüche, Schmerzen im Brustbereich und möglicherweise Atemnot kommen, heißt es, unverzüglich den Notarzt rufen, um zum Beispiel einen Herzinfarkt auszuschließen. Ähnliche Symptome können auch Ausdruck eines Panikanfalls bei einer Angststörung sein.

Wegweisend bei kalten Händen: Beschwerdebild und körperliche Untersuchung

Die Krankengeschichte ist dem Hausarzt beziehungsweise dem Internisten zwar meist schon bekannt. Er wird aber nachfragen, was sich seit dem letzten Arztbesuch verändert hat, wie die aktuellen Lebensumstände aussehen. Wesentlich ist es für ihn zu erfahren, wie sich die Beschwerden äußern, wann sie auftreten und welche anderen Symptome sonst noch auffallen. Wichtige Informationen sind zudem, ob der Patient raucht, unter starkem Stress steht, unter Schlafstörungen und/oder Ängsten leidet oder radikal abnehmen möchte.

Eine erste körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessen gibt häufig schon Hinweise, zum Beispiel auf einen niedrigen Blutdruck. Der Arzt wird sich Finger und Hände genau ansehen. Er prüft, ob und wie sich Nägel und Haut verändert oder verfärbt haben, ob Schwellungen aufgetreten sind. Zur körperlichen Inspektion gehören darüber hinaus Pulsmessungen, das Abhören wichtiger Gefäßbahnen sowie Blutdruckmessen an beiden Oberarmen, eventuell auch an beiden Unterschenkeln. Tests wie die Faustschlussprobe oder einen Kälteprovokationstest setzt der Arzt eventuell ein, um typische Reaktionen bei einem Raynaud-Syndrom abzuklären. Eine weitere klinische Untersuchungsmethode, um die Durchblutung der Hände zu überprüfen, ist der Allen-Test.

Gegebenenfalls überweist der Hausarzt seinen Patienten an einen Internisten, der auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert ist. Infrage kommt möglicherweise ein Facharzt für Gefäßerkrankungen (Angiologe), ein Diabetologe, ein Herzspezialist (Kardiologe) oder ein Rheumatologe. Je nach Beschwerdebild und Untersuchungsverlauf kann der Hausarzt auch einen Hautarzt (Dermatologen), einen Nervenarzt (Neurologen) oder einen Orthopäden hinzuziehen. Stehen psychische Probleme im Vordergrund, ist häufig ein Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut gefragt.

Apparative und bildgebende Untersuchungen in der Diagnose frierender Hände

Wichtige Arterien begutachtet der Internist mit Ultraschalluntersuchungen (Doppler-Duplexsonografie). Ob es in den Fingern Durchblutungshindernisse gibt, kann der Facharzt über Lichtsignale bei der sogenannten Lichtphletysmografie erkennen.

Gefäßspezialisten (Angiologen) wenden noch weitere Verfahren an, um den Zustand der Blutgefäße, die Arm und Hand versorgen, zu überprüfen. Das können, je nach Verdacht, Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel (digitale Subtraktionsangiografie) sowie weiterführende Darstellungen der Arterien mit Hilfe von Computerangiografie und Magnetresonanzangiografie sein. Die Kapillarmikroskopie lässt mögliche Durchblutungsstörungen in den feinen Gefäßen (Kapillaren) am Nagelfalz erkennen.

Zusätzlich geben Messungen mit Wärmebildkameras (Thermografie) Einblick, wie gut oder schlecht einzelne Finger- und Handbereiche durchblutet sind. Solche Verfahren setzen die Fachärzte vor allem auch ein, wenn Verdacht auf ein Raynaud-Syndrom besteht.

Mögliche Labortests bei kalten Händen und Fingern

Blutuntersuchungen im Labor geben Hinweise auf entzündliche Vorgänge. Bestimmte Antikörper lassen sich jeweils bei rheumatischen Erkrankungen oder Bindegewebserkrankungen wie der Sklerodermie nachweisen.

Die Ärzte werden bei Durchblutungsstörungen je nach Verdacht auch einem eventuell noch nicht bekanntem Diabetes oder einer Herzerkrankung durch entsprechende Untersuchungen nachgehen.

Die Therapie folgt der Diagnose und zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln. Oft bessern sich damit die Symptome. Gleichzeitig helfen in vielen Fällen geeignete Maßnahmen, die Durchblutung in den Händen zu verbessern und Kältegefühl oder -attacken zu lindern (siehe auch Kapitel "Raynaud-Syndrom" und "Therapie, Selbsthilfe").

Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Häufig müde, schwindlig, dazu oft kalte Hände und Füße

Junge, schmal gebaute Frauen leiden häufiger unter einem zu niedrigen Blutdruck. Aber auch Männer können vor allem in der Wachstumsphase damit zu tun haben. Eine familiäre Veranlagung spielt dabei manchmal eine Rolle. Für die primäre Hypotonie, auch essenzielle Hypotonie genannt, gibt es keine eindeutige Ursache. Diese Form des Blutniederdrucks ist meist nicht krankhaft.

Blutdruckwerte unter 100 zu 60 mm Hg können aber auch infolge von Nervenstörungen oder Herzerkrankungen auftreten. Zu weiteren Auslösern einer solchen sekundären Hypotonie gehören Stoffwechselprobleme, etwa Diabetes, Hormonstörungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion (siehe unten) oder eine eingeschränkte Lungentätigkeit. Verantwortlich für niedrigen Blutdruck sind nicht selten auch Medikamente. Hier kommen einige Bluthochdruckmittel und wasserausschwemmende Medikamente (Diuretika) infrage, aber auch Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und andere Herzprobleme sowie Psychopharmaka.

Symptome: Wer einen zu niedrigen Blutdruck hat, fühlt sich oft müde und nicht mehr so leistungsfähig, kann sich schlechter konzentrieren, braucht morgens länger, um richtig zu starten. Bei längerem Stehen wird den Betroffenen häufig schwindlig. Auch kalte Hände und kalte Füße gehören ebenso wie Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Schlafprobleme zu den oft recht unangenehmen Beschwerden.

– Orthostatische Hypotonie

Fällt der Blutdruck ab, wenn der Betroffene aufsteht, hauptsächlich aus dem Liegen, sprechen Mediziner von einer orthostatischen Hypotonie. Nach dem Aufstehen versackt das Blut in den Beinvenen. Die Kreislaufregulation, die es ermöglicht, dass das Blut normalerweise auch bei aufrechter Körperhaltung von unten wieder nach oben zum Herzen und zum Gehirn gelangt, ist hier gestört. Das Gehirn ist kurzfristig schlechter durchblutet. Außerdem haben die Blutdruckschwankungen Folgen für die Blutversorgung in den Händen.

Das Lebensalter spielt hier eine Rolle. Menschen, die älter als 65 Jahre sind, haben häufiger damit zu kämpfen. Eine sekundäre Hypotonie und deren Auslöser können ebenfalls mit einer orthostatischen Hypotonie verbunden sein. Weitere mögliche Ursachen sind Venenleiden, Medikamentennebenwirkungen oder Störungen bestimmter Reaktionsmuster der Nerven.

Symptome einer orthostatischen Hypotonie: Morgens beim Aufstehen, beim Wechsel vom Liegen zum Sitzen oder Stehen sinkt der Blutdruck plötzlich. Es kommt zu Schwindel, Schwarzwerden vor Augen, Augenflimmern, Blässe, Schweißausbrüchen, Herzklopfen oder gar kurzen Ohnmachten (Synkopen), Kopfschmerzen. Auch kalte Hände und Füße gehören zu den Beschwerden.

– Aortenbogen-Syndrom

Kalte Hände und Schwindelgefühle sind zudem typisch für ein sogenanntes Aortenbogen-Syndrom. Die Aorta, die Hauptschlagader, bildet oberhalb des Herzens einen Bogen, von dem aus mehrere große Arterien abzweigen: Arterien, die Arme und Gehirn versorgen. Kommt es in diesen zu Engstellen, führt das dazu, dass der Blutdruck in Armen und Gehirn absinkt, im übrigen Körper aber normal bleibt. Es können auch an beiden Armen unterschiedliche Werte auftreten.

Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie von Blutniederdruck und orthostatischer Hypotonie erfahren Sie im Ratgeber "Niedriger Blutdruck (Hypotonie)".

Gefäßverengungen, die zu kalten Händen führen

Um Hände und Finger ausreichend zu versorgen, muss das Blut zum einem mit einem angemessenen Druck, zum anderen ungehindert durch die Schlagadern, die Arterien, fließen können. Entzündungen oder Ablagerungen schädigen und verengen die Blutgefäße. Dazu führt häufig eine fortschreitende Arteriosklerose. Sie ist allerdings nur selten die Ursache, wenn es um Durchblutungsstörungen an den Händen geht. Entzündliche Vorgänge wirken sich hier wesentlich stärker aus (siehe nachfolgend).

– Thrombangiitis obliterans (entzündliche Gefäßerkrankung)

Verschlüsse vor allem in den kleinen und mittleren Arterien im Hand- und Fußbereich charakterisieren diese entzündliche Gefäßerkrankung. Typische Folge ist oft ein Raynaud-Syndrom mit anfallsartigen Gefäßkrämpfen (siehe Kapitel "Ursachen: Raynaud-Syndrom"). Auch Venen können betroffen sein. Die Entzündungen entstehen an der Gefäßinnenhaut und rufen Blutgerinnsel (Thrombosen) hervor.

In erster Linie erkranken daran sehr starke Raucher in jüngeren Jahren, vor dem 40sten Lebensjahr, Männer häufiger als Frauen. Die Betroffenen weisen oft keine anderen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen auf, wie etwa erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes. Nikotinabhängigkeit ist der Hauptauslöser. Darüber hinaus können eine familiäre Veranlagung sowie Autoimmunreaktionen an der Krankheitsentstehung beteiligt sein.

Symptome: Schubweise auftretende Beschwerden, vor allem kalte, blau verfärbte Finger, auch Zehen, Schmerzen an den Händen sowie an den Füßen – dadurch hinken die Erkrankten manchmal. Es kommt zu Venenentzündungen im Hand- und Fußbereich mit roten Flecken, die später auch andere Körperteile erfassen. An den Fingerkuppen bilden sich Geschwüre, Gewebe stirbt ab.

Diagnose: Wichtigster Hinweis für den Arzt ist die bestehende Nikotinsucht. Die typischen Symptome geben weiteren Aufschluss, ebenso Farbduplex-Ultraschalluntersuchungen und eine Magnetresonanzangiografie der Arterien von Händen und Füßen, die entsprechende Gefäßverschlüsse und Umgehungsgefäße aufweisen. Bluttests können angezeigt sein, um eine rheumatische Erkrankung nicht zu übersehen. Der Gefäßspezialist wird zudem andere Gefäßerkrankungen ausschließen.

Therapie: Die Behandlung besteht in erste Linie in einem vollständigen Rauchstopp. Unterstützend wirken dabei gezielte und überwachte Entwöhnungstherapien, da die starke Abhängigkeit der Erkrankten den notwendigen Nikotinverzicht oft erschwert. Zu viele werden wieder rückfällig, und die Krankheit schreitet damit erneut fort. Schon allein das Rauchen aufzugeben kann die Erkrankung sehr günstig beeinflussen.

Die Ärzte setzen begleitend Medikamente gegen die Ausbreitung der Entzündung und die Schmerzen ein. Sie verschreiben häufig Acetylsalicylsäure und Prostaglandin-Präparate. Das sind bestimmte Abkömmlinge von körpereigenen, hormonähnlichen Substanzen. Zudem geht es darum, die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern. Schon abgestorbene Endglieder wie Finger oder Zehen müssen meist amputiert werden.

– Thoracic-outlet-Syndrom

Bei diesem Krankheitsbild geraten Gefäße und Nerven im oberen Brustkorb (Thorax) in Bedrängnis. Sie verlaufen in der anatomisch vorgebenen, durch den individuellen Körperbau mitunter verstärkten Engstelle. Haltungsschäden oder ausgeprägte Muskeln, etwa durch Bodybuilding, können den schmalen Raum zusätzlich verknappen. Arterien und Venen werden dann oft regelrecht zusammengepresst, Nerven gereizt. Das kann ebenso durch Veränderungen am Skelett, an Bändern und Sehnen oder an der Halswirbelsäule, zum Beispiel eine Halsrippe, geschehen. Es entstehen dann nicht selten Thrombosen, die mitunter auch zu akuten Gefäßverschlüssen (Embolien) im Arm sowie in Hand und Fingern führen.

Betroffen sind vor allem schlanke Frauen in jüngeren und mittleren Jahren, aber auch Männer. Die Beschwerden gestalten sich unterschiedlich, je nachdem welche Nerven oder Gefäße am meisten eingeengt sind, und in welcher Form.

Symptome: Schmerzen, die sich vom hinteren Schulterbereich innen am Arm entlang bis zur Hand und dort in Ringfinger und kleinen Finger ausbreiten. Kalte, blasse Hände sind typisch, wenn Arterien unter Druck stehen. Beschwerden bereitet es oft, den betroffenen Arm zu heben, vor allem über den Kopf, nach rückwärts zu bewegen und den Kopf zu drehen. Dazu kommen Kribbeln und Taubheitsgefühle im Arm, häufig abends im Bett, nächtliches Schwitzen, später Schwächegefühl im Arm, eingeschränkt bewegliche Finger. Mitunter treten auch Hautschäden an den Fingern auf.

Diagnose und Therapie: Die Beschwerden, eine eingehende Beurteilung der Gefäße des betroffenen Körperbereichs und Bewegungstests geben dem Arzt erste Hinweise. Aufschlussreich sind Farbduplex-Ultraschalluntersuchungen, Messungen bestimmter Nervenaktivitäten, Computer- oder Magnetresonanzangiografien sowie gegebenenfalls Untersuchungen der Fingerarterien.

Die Therapie richtet sich wiederum nach der jeweiligen Ursache und dem individuellen Krankheitsbild. Krankengymnastik sowie durchblutungsfördernde und schmerzstillende, bei Thrombosegefahr auch blutverdünnende Medikamente können hilfreich sein. Mitunter sind operative Eingriffe angezeigt.

– Tumore, Verletzungen

Gut- wie bösartige Geschwulste können von außen auf Gefäße drücken und den Blutstrom in die äußeren Gliedmaße behindern. Auch Fehlbildungen an den zuständigen Gefäßen oder Verletzungen sind mitunter für Engstellen und damit für Kältegefühl in den Händen verantwortlich.

Herzschwäche und andere innere Erkrankungen als Ursachen für kalte Hände

Verengte Gefäße und Durchblutungsstörungen an den Händen können zudem die Folge innerer Erkrankungen wie einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), einer Blutarmut oder Schilddrüsenunterfunktion sein. Bei diesen Erkrankungen stehen aber die jeweils charakteristischen Symptome im Vordergrund.

– Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Ist der Herzmuskel geschwächt, kann er nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf pumpen. Dadurch treten, je nachdem auf welcher Herzseite die Insuffizienz besteht, vielfältige Beschwerden auf.

Symptome sind zum Beispiel Atemnot bei körperlicher Anstrengung und später auch in Ruhe, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Husten, häufiges nächtliches Wasserlassen, Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen, Herzrasen. Die Finger können sich blau verfärben (Zyanose), ebenso die Lippen. Die Hände sind mitunter kalt und feucht.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz)".

– Blutarmut

Im Blut sind die roten Blutkörperchen mit ihrem Farbstoff Hämoglobin für den Sauerstofftransport zuständig. Gibt es im Blut zu wenig davon, gelangt weniger Sauerstoff von den Lungen in alle Körperteile, so auch in die Hände. Ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann für eine solche Blutarmut verantwortlich sein. Auch starke Blutungen, Blutverlust aus unterschiedlichen Gründen, Blutkrebs oder bestimmte Medikamente können dazu führen.

Symptome: Die Betroffenen fühlen sich vor allem müde und oft schwindelig. Sie sind blass, leiden unter Atemnot und Kopfschmerzen. Kältegefühl in Händen und Füßen kann dazukommen.

Ausführliche Informationen zu Formen, Ursachen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Blutarmut".

Andere Bluterkrankungen, bei denen zum Beispiel die Blutzellen zunehmen oder die Blutgerinnung gestört ist, beeinflussen ebenfalls die Zusammensetzung des Blutes sowie seine Fließeigenschaften. Kalte Hände gehören dann zu möglichen Symptomen.

– Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenhormone haben einen bedeutenden Einfluss auf zahlreiche Abläufe im Körper, so auch auf das Herz-Kreislauf-System, auf Nerven- und Muskelfunktionen, auf den Energieumsatz. Davon betroffen sind dann auch die Durchblutung von Händen und Füßen und das Kälte- oder Wärmeempfinden. Bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone, steigt das Risiko für Arteriosklerose und Gefäßschäden.

Symptome: Die Betroffenen haben oft einen zu niedrigen Blutdruck und frieren zudem leichter. All das kann neben vielen anderen Symptomen auch zu kalten Händen führen.

Ausführlich informiert der Ratgeber "Schilddrüsenunterfunktionen (Hypothyreose)".

Raynaud-Syndrom und andere Störungen der Gefäßregulation als Ursachen für kalte Hände

– Raynaud-Syndrom: Plötzlich schmerzende kalte Hände und Finger

Oft genügt schon der Griff um eine eisgekühlte Flasche – und die Kälte fährt schmerzlich in Finger und Hände, manchmal auch in die Zehen. Die Gefäßreaktion schießt beim Raynaud-Syndrom über das normale Maß hinaus. Die Fingerarterien ziehen sich abrupt zusammen, das Blut entweicht, die Haut wird blass und blau. Der Gefäßkrampf kann bis zu einer halben Stunde anhalten. Strömt das Blut wieder zurück in die Finger, röten sich diese oft und schmerzen. Neben Kälte können auch heftige Gefühlsregungen oder Stress solche Attacken auslösen.

Beim primären Raynaud-Syndrom sind die Ursachen weitgehend ungeklärt. Überwiegend erkranken junge Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren daran. Oft haben sie auch niedrigen Blutdruck. Die Durchblutungsstörung ist dann zwar unangenehm, aber nicht bedrohlich. Die Symptome gehen mit fortschreitendem Alter meist zurück.

Die zweite Form, das sekundäre Raynaud-Syndrom, tritt infolge einer anderen Erkrankung oder Schädigung auf. Sie betrifft dann auch ältere Menschen und ist auf beide Geschlechter gleich verteilt. Den Gefäßkrämpfen können Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen, etwa entzündliches Rheuma oder Bindegewebserkrankungen wie eine Sklerodermie und andere (siehe unten). Auch neurologische Krankheiten wie die multiple Sklerose, Nervenentzündungen, Nervenschäden im Handbereich, zum Beispiel ein Karpaltunnelsyndrom, kommen infrage. Weitere Ursachen sind manchmal Gefäßerkrankungen, etwa eine Thrombangiitis obliterans (siehe dazu Kapitel "Ursachen: Blutdruck, Gefäße").

Verantwortlich für ein sekundäres Raynaud-Syndrom sind zudem berufsbedingte Schäden. Am sogenannten Vibrationssyndrom können Menschen leiden, die jahrelang mit stark vibrierenden Geräten gearbeitet haben, etwa mit Presslufthämmern, Kettensägen und ähnlichem.

Drogenkonsum, die Wirkung von giftigen Stoffen, unter anderem aus Schwermetallen, Düngemitteln oder Pilzen, führen mitunter zu Raynaudsymptomen. Das gilt auch für einige Medikamente wie Bluthochdruckmittel, etwa Betablocker, oder Migränemittel wie Ergotamine. Letztere sind jedoch inzwischen weitgehend verboten. Darüber hinaus können abschwellende Substanzen (zum Beispiel Phenylephrin) in Schnupfenmitteln oder manche Medikamente zur Chemotherapie ein Raynaud-Syndrom auslösen.

Symptome: Bei Kälte, Nässe, psychischen Belastungen oder Stress werden die Finger, mit Ausnahme des Daumens, und Hände, manchmal auch die Zehen, kalt und blass. Sie schmerzen oft, verfärben sich blau und schließlich rot. Taubheitsgefühle können dazukommen. Beim primären Raynaud-Syndrom sind beide Seiten betroffen. Es bleiben aber keine Gewebeschäden an den Händen zurück.
Beim sekundären Raynaud-Syndrom reagiert meist nur die Hand auf einer Seite. Es können sich chronische Schmerzen und Hautschäden an Fingern oder Zehen entwickeln.

Diagnose: Nach den Beschwerden und der Krankengeschichte geben bestimmte Tests an Fingern und Händen, zum Beispiel ein Faustschlusstest und ein Kälteprovokationstest, erste Hinweise. Darüber hinaus kann der Arzt mit geeigneten apparativen Verfahren die Pulsschläge in den Fingern aufzeichnen und den Blutdruck in den Armen messen. Wichtige Untersuchungen sind für den Arzt die Kapillarmikroskopie, Ultraschallaufnahmen der versorgenden Arterien und je nach Verdacht auch eine Magnetresonanzangiografie (siehe Kapitel "Diagnose"). Mit Bluttests und gegebenenfalls weiteren Organuntersuchungen geht der Arzt möglichen Grunderkrankungen nach. Ebenso schließt er durch entsprechende Untersuchungen andere Gefäßerkrankungen aus.

Therapie: Den Gefäßkrämpfen vorbeugen kann ein konsequenter Schutz vor Kälte und Nässe. Dicke Handschuhe und Socken, spezielle Taschenwärmer, Mützen und Schals helfen dabei. Rauchen ist absolut tabu für jeden, der an einer Gefäßstörung leidet. Auch das Arbeiten mit vibrierenden Geräten sollten Betroffene meiden. Regelmäßige Bewegung regt die Durchblutung an (Vorsicht: keine Sportarten, die die Hände stärker belasten).

Gezielt entspannen, zum Beispiel mit autogenem Training, und Stressabbau sind weitere grundlegende Maßnahmen.

Bei sehr starken Beschwerden setzen die Ärzte manchmal beim primären Raynaud-Syndrom gefäßerweiternde Medikamente ein, etwa in Form von Salben oder in schweren Fällen als Infusionen. Ob Kalziumantagonisten angezeigt sind, entscheidet der Arzt im Einzelfall, da diese Medikamente den oft schon niedrigen Blutdruck vieler Patientinnen noch zusätzlich senken können.

Beim sekundären Raynaud-Syndrom richtet sich die Therapie immer nach der Grunderkrankung.

– Akrozyanose (Rot-Blau-Sucht): Kalte, blaurote Finger

Auch an dieser Gefäßstörung in den Fingern, bisweilen in den Zehen, leiden vorwiegend junge Frauen, die meist einen niedrigen Blutdruck haben. Verantwortlich sind hormonelle Einflüsse und Fehlsteuerungen im vegetativen Nervensystem. Das vegetative Nervensystem mit seinem sympathischen und parasympathischen Anteil sowie bekannten Nervenbotenstoffen wie Adrenalin und vor allem Noradrenalin steuert neben anderen wichtigen Mechanismen die Gefäßregulation. Über diese stellen sich die Gefäße je nach Bedarf vorübergehend weit oder eng. Damit wird der Blutdruck entsprechend angepasst und die Durchblutung aller Organe und Gewebe in unterschiedlichen Situationen gewährleistet, etwa bei Kälte. Dabei kann es zu Störungen kommen wie bei der Akrozyanose, bei der die Gefäßspannung zu hoch ist.

Risikofaktoren sind Rauchen sowie mitunter Medikamente gegen Bluthochdruck, sogenannte Betarezeptorenblocker. Auch wer viel mit den Händen in nass-kalter Umgebung arbeitet, kann dazu neigen. Die Störung vergeht oft im Laufe der Jahre vollständig. Manche Frauen haben nach den Wechseljahren wieder erneut Symptome.

Symptome: Die Finger, manchmal die Zehen, werden blaurot, sind kalt, kälteempfindlich und oft feucht. Sie schmerzen in der Regel nicht. Die Beschwerden können bei Kälte und Nässe stärker werden, treten aber nicht anfallsartig auf. Seltener sind auch Nase, Ohren, Wangen, Unterarme und Unterschenkel von den Veränderungen betroffen. Die Verfärbungen gehen zurück, wenn man darauf drückt. Nimmt man den Druck weg, bauen sich die Flecken wieder von außen nach innen auf.

Diagnose und Therapie: Aufschlussreich für den Arzt sind die typischen Symptome sowie die Krankengeschichte. Untersuchungen der betroffenen Stellen und des Zustands der Gefäße, zum Beispiel mit einer Kapillarmikroskopie, festigen die Diagnose und helfen, andere Gefäßerkrankungen auszuschließen.

Die Therapie besteht in erster Linie darin, schädigende Auslöser zu meiden. Das bedeutet vor allem, das Rauchen endgültig aufzugeben und sich vor Kälte und Nässe zu schützen. Regelmäßige Bewegung regt die Durchblutung an und wirkt einem Blutniederdruck entgegen. Gegebenenfalls verschreibt der Arzt auch durchblutungsfördernde Salben.

– Frostbeulen (Pernionen)

Kalte Hände, übermäßige Kälteempfindlichkeit und Hautveränderungen bei Kälteeinwirkung können noch bei anderen Störungen der Gefäßregulation auftreten. Dazu gehören die als Frostbeulen bekannten Pernionen. Es handelt sich dabei nicht um Erfrierungen. Pernionen können entstehen, wenn Hände und Füße länger Kälte und Feuchtigkeit ausgesetzt sind, aber auch, wenn es nur mäßig kalt ist. Sie treten insbesondere von Herbst bis Frühjahr auf. Risikofaktoren sind unter anderem Rauchen, ein schon bestehendes Raynaud-Syndrom, Untergewicht und Durchblutungsstörungen. Frauen haben häufiger damit zu tun, ebenso Menschen, die vermehrt in kalt-nasser Umgebung arbeiten.

Symptome: Es bilden sich rötlich-bläuliche bis braunrote entzündliche Stellen meist auf dem Hand- oder Fußrücken. Die veränderten Hautstellen können anschwellen, schmerzen und Geschwüre bilden.

Diagnose und Therapie: Die Art der Beschwerden, ihr jahreszeitlicher Bezug sowie die Lebensumstände des Patienten geben dem Arzt entscheidende Hinweise. Mit geeigneten Untersuchungen wird er möglicherweise andere Hautveränderungen ausschließen.

Bei Pernionen besteht die Therapie in erster Linie in Kälteschutz, Wärme und eventuell in durchblutungsfördernden, mitunter auch entzündungshemmenden Salben.

Kalte Hände bei Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), bei Autoimmunerkrankungen

Ein sekundäres Raynaud-Syndrom (siehe oben) kann sich im Verlauf bestimmter Kollagenosen einstellen. Diese entzündlichen Erkrankungen des Bindegewebes erfassen in unterschiedlicher Weise viele Körperbereiche. Das können innere Organe, Gelenke, Gefäße und die Haut sein.

– Sklerodermie

Bei der Sklerodermie wird das Bindegewebe aufgrund entzündlicher Vorgänge dicker, die Gefäße verengen sich, die Durchblutung ist gestört. Die Folgen zeigen sich häufig zuerst in Fingern und Händen, dann im Gesicht.

Symptome: Finger und Hände schwellen an, sind morgens steif. Neben dem anfallsartigen Raynaud-Syndrom mit kalten, erst blassen, schmerzenden, dann bläulich und schließlich rot verfärbten Fingern stellt sich oft noch ein Karpaltunnelsyndrom ein. Muskelschwäche und Gewichtsabnahme können zusätzliche unspezifische Zeichen sein. Die Gesichtshaut wird zunehmend straff und starr. Die Erstarrung der Gewebe kann sich bei einer bestimmten Form der Sklerodermie schließlich auf die inneren Organe ausdehnen.
Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Systemische Sklerodermie".

– Sjögren-Syndrom

Diese Kollagenose ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen. Hier sind Speichel- und Tränendrüsen dauerhaft entzündet. Manchmal erkranken noch weitere Drüsen. Ein Sjögren-Syndrom kann aus ungeklärten Gründen entstehen oder sich infolge einer anderen Bindegewebserkrankung, einer rheumatoiden Arthritis (siehe unten) oder einer Leberentzündung entwickeln.

Symptome: Kennzeichnend sind trockene Augen und ein trockener Mund. Dazu treten Zahnprobleme, Gelenkbeschwerden sowie manchmal Husten und Heiserkeit auf. Möglich sind unter anderem Gefäßkrämpfe mit kalten, sich verfärbenden Fingern und Händen, außerdem Magen-Darm-Probleme, Müdigkeit.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Sjögren-Syndrom".

– Sharp-Syndrom

Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Mischkollagenose, die die Krankheitszeichen verschiedener Bindegewebs- und Autoimmunerkrankungen aufweist.

Symptome: Zu den typischen Symptomen gehört ein Raynaud-Syndrom. Dazu kommen oft Schwellungen an den Händen sowie Hautverhärtungen an den Fingern. Gelenkschmerzen, Muskel- und Gefäßentzündungen sind weitere Beschwerden.

Diagnose und Therapie: Ein bestimmter Antikörper im Blut und spezielle Ablagerungen im Hautgewebe, die der Arzt mit Labortests beziehungsweise einer feingeweblichen Untersuchung feststellen kann, geben Aufschluss.

Die Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden in den betroffenen Körperbereichen einzudämmen. Mitunter setzen die Ärzte auch Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken. Die Erkrankung verläuft häufig milde, sofern sie nicht in eine Sklerodermie (siehe oben) oder eine weitere Kollagenose, den systemischen Lupus erythematodes, mündet.

– Polymyositis und Dermatomyositis

Als Ursachen für diese seltenen entzündlichen Muskelerkrankungen kommen wahrscheinlich Autoimmunreaktionen infrage.

Symptome: Kennzeichnend sind eine fortschreitende Muskelschwäche insbesondere im Becken- und Schulter-Nacken-Bereich, sowie Hautveränderungen vor allem im Gesicht und an den Händen (Dermatomyositis). Dazu kommen manchmal ein Raynaud-Syndrom, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
Erfahren Sie mehr zu Diagnose und Therapie im Ratgeber "Dermatomyositis (Lilakrankheit)".

– Polyarteriitis nodosa

Eine weitere Gruppe von Autoimmunerkrankungen stellen entzündliche Gefäßerkrankungen dar, sogenannte Vaskulitiden. Dazu gehört die seltene Panarteriitis oder Polyarteriitis nodosa. Hier entzünden sich mittlere und kleine Arterien. Dadurch können die Gefäßwände sowie umliegendes Gewebe zugrundegehen. Bisweilen liegt eine Hepatitis-B-Infektion zugrunde.

Symptome: Neben kennzeichnenden Leitsymptomen wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, Hodenschmerzen, Bauchschmerzen sowie eventuell Herzbeschwerden kann diese Erkrankung auch ein Raynaud-Syndrom aufweisen.

Diagnose und Therapie: Mit Hilfe von Laboranalysen, Aufnahmen betroffener Arterien sowie feingeweblicher Untersuchungen von Muskel- und Hautgewebeproben stellt der Arzt die Erkrankung fest.

Je nach Diagnose behandeln die Ärzte mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, und mit Kortison. Besteht gleichzeitig eine Hepatitiserkrankung, kommen möglicherweise auch antivirale Mittel und weitere Therapien zum Einsatz.

– Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis)

Unter den weit mehr als 100 rheumatischen Erkrankungen ist diese chronisch verlaufende Gelenkentzündung die häufigste. Sie erfasst die Gelenkinnenhaut, Sehnenscheiden und Schleimbeutel.

Symptome: Zu den Frühsymptomen zählen auch Durchblutungsstörungen einzelner Finger, die Kältegefühle auslösen können. Auffallend sind Gelenkschmerzen an Fingern und Händen oder Zehen, morgendliche Steifigkeit, die länger als eine halbe Stunde dauert, Schwellungen und Knotenbildung, brüchige und verfärbte Nägel. Weitere erste Anzeichen sind häufig Allgemeinsymptome wie Muskelschmerzen, leicht erhöhte Temperatur, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit.

Ausführliche Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie gibt der Ratgeber "Rheumatoide Arthritis".

Klamme Hände bei Stress, Ängsten oder Depressionen

Schweißkalte Hände vor Aufregung, frierende Glieder in Phasen seelischer Niedergeschlagenheit, blutleere, eisige Finger während einer Panikattacke: Unter Stresseinfluss und seelischer Belastung reagiert der Körper jeweils gezielt, indem er bestimmte Funktionen ankurbelt, andere herunterfährt. So rüstet er den Menschen seit Urzeiten in akuten Stressmomenten gut für Flucht oder Angriff. Die Muskeln sind dann angespannt, das Herz schlägt schneller. Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Unter ihrem Einfluss stellen sich die Gefäße je nach Bedarf eng oder weit. Dauerhaft erhöhte innere Anspannung kann schließlich über mehrere Wege zu verengten Gefäßen in den Extremitäten führen. Die Hände sind oft kalt oder klamm.

– Angststörungen

Im Rahmen von Angsterkrankungen auftretende Panikattacken gehen mit ausgeprägten, als bedrohlich erlebten körperlichen Beschwerden einher.

Symptome: Einen Panikanfall kennzeichnen häufig Herzrasen, Schwindel, Brustenge, Atemnot, Schweißausbrüche. Kalte, feuchte Hände gehören oft dazu, besonders wenn die Betroffenen hyperventilieren. Sie atmen dann in schneller Abfolge ein und aus und geben dadurch mehr Kohlendioxid als üblich nach außen ab. Die Folge ist ein Kalziumungleichgewicht zwischen Blut und Geweben und eine erhöhte Neigung zu Krämpfen, auch an Händen und Füßen.

Ausführliche Informationen zu Angst und Angsterkrankungen finden Sie im Ratgeber "Angst".

– Depressionen und andere psychische Erkrankungen

In Phasen anhaltender seelischer Belastung und depressiver Verstimmung verschiebt sich ebenfalls die Hormonausschüttung. Die Aktivität von Nervenbotenstoffen im Gehirn und im vegetativen Nervensystem ist verändert. Das wirkt sich auf viele Körperfunktionen aus, so auch auf Kälte- und Wärmeempfinden und auf die Durchblutung. Vielfach erleben Menschen, die an einer Depression oder an einer anderen psychischen Erkrankung leiden, neben den jeweils kennzeichnenden seelischen Symptomen auch zahlreiche körperliche Beschwerden. Manche frieren insgesamt leichter und haben häufig kalte Hände und kalte Füße.

Über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie informiert Sie der Ratgeber "Depressionen".

Kalte Hände und Füße durch Essstörungen

Essstörungen sind psychiatrische Erkrankungen, die durch ein verzerrtes Selbstbild und ein ausgeprägt gestörtes Essverhalten gekennzeichnet sind.

– Magersucht

Nachhaltig und lebensbedrohlich auf die körperliche Gesundheit wirkt sich der massive Gewichtsverlust aus, in den eine Magersucht führt. Es kommt zu Störungen im vegetativen Nervensystem und im Hormonhaushalt. Der Elektrolythaushalt gerät durcheinander, es entsteht ein schwerwiegender Mangel an Mineralstoffen.

Körperliche Symptome: Starke Gewichtsabnahme, Ausbleiben der Regelblutung bei Frauen, bei Männern Potenzstörungen. Zu den zahlreichen Beschwerden gehören unter anderem Herzrhythmusstörungen, Muskelabbau, Kälteempfindlichkeit, kalte Hände und Füße, Haarausfall.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Magersucht (Anorexie)".

– Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Bei einer anderen Essstörung, der Bulimie, erleiden die Betroffenen Heißhungerattacken, die sie durch anschließendes Erbrechen wieder auszugleichen versuchen. Sie entwickeln wie Magersüchtige ebenfalls deutliche Symptome einer Mangelernährung, obwohl sie häufig nicht so extrem untergewichtig sind.

Eingehend hierzu informieren Sie der Ratgeber "Bulimie (Bulimia nervosa)" und das Spezial "Essstörungen – Kampf gegen den eigenen Körper".

Fibromyalgie-Syndrom: Chronische Schmerzen und frierende Hände

Ständige Muskel- und Gelenkschmerzen stehen bei dieser komplexen Erkrankung im Vordergrund. Die Ursachen für die Schmerzen und vielfältige andere Beschwerden sind noch nicht geklärt. Geschädigte Nervenfasern sowie eine familiäre Veranlagung können eine Rolle spielen. Ein Teil der Betroffenen hat oder entwickelt Depressionen.

Symptome: Heftige Gelenk- und Muskelschmerzen in verschiedenen Körperbereichen, auch an Armen und Beinen, sind charakteristisch. Am Morgen sind Füße und Hände geschwollen und die Gelenke für etwa eine Viertelstunde steif. Müdigkeit und dennoch Schlafprobleme sind ebenfalls typisch. Es treten vielfach auch Magen-Darmprobleme, Konzentrationsstörungen, Frieren sowie kalte Hände und Füße auf.

Weiteres zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie erfahren Sie im Ratgeber "Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom)".

Krankhaft kalte Hände: Die Grunderkrankung bestimmt die Therapie

Ist eine Krankheit Ursache für kalte Hände, kommen zu frierenden, oft auch verfärbten Fingern in der Regel andere Beschwerden dazu. Nur bei wenigen Krankheitsbildern stehen kalte Hände als Hauptsymptom im Vordergrund, wie etwa beim Raynaud-Syndrom (siehe Kapitel "Ursachen: Raynaud-Syndrom") mit all seinen Facetten. Die Hände vor Kältereizen zu schützen ist dann das vordringliche Ziel. Handelt es sich um ein sekundäres Raynaud-Syndrom, zielt die Behandlung ebenfalls auf die zugrundeliegende Störung, etwa eine Bindegewebserkrankung, ab.

Sind die Hände aufgrund von Herzproblemen oder Stoffwechselstörungen mangeldurchblutet, setzen die Ärzte gezielt Medikamente und weitere notwendige Behandlungsmaßnahmen ein.

Wer den Eindruck hat, dass bestimmte Medikamente zu häufigem Frostgefühl in Fingern und Händen führen, muss immer seinen Arzt dazu befragen. Dieser wird gemeinsam mit seinem Patienten positive gegen unerwünschte Wirkungen abwägen. Eventuell ist es möglich, die Dosierung zu verändern oder das Präparat zu wechseln.

Lebensstil: Gefäßfreundlich bis in die Fingerspitzen

Menschen, die leicht kalte Hände bekommen, auch wenn es draußen warm ist, sollten zunächst einmal ihre Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Denn viele als ungesund bekannte Verhaltensweisen beeinflussen auch die Gefäßregulation in den Händen negativ. Eine gestörte Durchblutung macht sich schnell an den Extremitäten, an Händen und Füßen, bemerkbar.

– Genussgifte meiden

Rauchen steht ganz oben auf der Liste der Gefäßschädiger. Koffeinhaltige Getränke und Alkohol wirken unter anderem auf das vegetative Nervensystem, dessen aktivierender Teil der sogenannte Sympathikus ist. Unter seinem Einfluss ziehen sich gerade die Gefäße in den Händen stark zusammen. Also: Konsequenter Rauchstopp ist der erste, wichtige Schritt.

– Sich regelmäßig bewegen

Bewegungsmangel lässt das Blut schlechter zirkulieren. Sport und körperliche Aktivitäten stärken Herz und Kreislauf und schenken rundum Vitalität. Holen Sie sich gute Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene im Spezial "Sport".

– Sich ausgewogen ernähren

Wer einseitig oder unzureichend isst, dem fehlen oft wichtige Vitamine und Mineralien. Ein Mangel an B-Vitaminen, Kalzium, Kalium und Magnesium zum Beispiel kann ein Grund für blutarme, kalte Hände sein. Das Gegenprogramm bildet eine gesunde Ernährung. Sie besteht aus täglich viel Gemüse, Obst, Vollwertprodukten, aus weniger, aber dafür hochwertigem Fett, und sie enthält weniger Gesamtkalorien.

Auch zu wenig trinken hat Folgen. Das Blut verdickt, die Finger spüren den schlechteren Blutfluss. Greifen Sie also immer öfter zu Mineralwasser, Kräuter- oder Früchtetees, nicht nur Ihren Händen zuliebe. Wer Herz- oder Nierenprobleme hat, sollte allerdings die tägliche Trinkmenge mit seinem Arzt absprechen.

– Stress herunterfahren, psychische Belastungen klären

Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden in Stresssituationen vermehrt aktiv und ziehen unterschiedlichste Reaktionen im Körper nach sich. Unter anderem verengen sich die Muskeln der feinen Handgefäße. Entspannungsmethoden bringen Ausgleich, Programme zum Stressabbau zeigen neue Wege auf. Wer damit nicht weiter kommt, sollte sich nicht scheuen, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

– Schlafmangel beheben

Wer müde ist, friert leichter. Die Körpertemperatur sinkt unter Hormoneinfluss abends ab, damit wir besser schlafen. Morgens steigt sie wieder. Schlafstörungen haben auf Dauer Folgen für viele Körperfunktionen. So geraten unter anderem Herzschlag, Blutdruck, Hormone und die Körpertemperatur durcheinander. Die Hände bekommen die Auswirkungen vielfältig zu spüren.

Selbsthilfetipps gegen frostige Finger

  • Den ganzen Körper warm halten: Handschuhe allein genügen nicht immer. Wem leicht kalt wird, der sollte auch auf warm eingepackte Füße achten und den ganzen Körper gegen kühlen Wind und Luftzug abschirmen. Angepasste Kleidung hilft, die Eisluft verbreitende Klimaanlage im Sommer abstellen meist auch. In den Zimmern sollte die Luft nicht zu feucht und nicht zu trocken sein.
  • Handschuhwärmer gegen Gefäßkrämpfe: Wer an einem Raynaud-Syndrom leidet, benötigt oft extra warm gefütterte Fäustlinge oder spezielle Taschen- beziehungsweise Handschuhwärmer.
  • Hände lieben es trocken: Kommen die Hände viel mit Wasser in Berührung, etwa bei der Arbeit, schützen Arbeitshandschuhe vor längerer Nässeeinwirkung und zudem gegen chemische Stoffe, zum Beispiel aus Putzmitteln. Nach der Arbeit, nach dem Waschen oder Schwimmen heißt es, die Hände immer gut abtrocknen.
  • Handgymnastik und Massagen: Sie regen die Durchblutung an und halten die Gelenke beweglich.
  • Handpflege: Täglich eincremen und die Nägel richtig pflegen – damit beugen Sie Hautschäden und Gesundheitsproblemen an den Händen vor. Gute Tipps dazu finden Sie in unserem Spezial "Hände".