Hämorriden: Anzeichen, Hausmittel, OP

Hämorriden können lästiges Nässen, Jucken, Brennen oder Bluten am Po und Schmerzen beim Stuhlgang verursachen. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlung

aktualisiert am 01.02.2017

Was sind Hämorriden?

Vergrößerte Hämorriden (alte Schreibweise: Hämorrhoiden) entstehen im äußersten Darmabschnitt nahe dem Darmausgang (siehe Grafik). Dort befindet sich bei jedem Menschen ein gut durchblutetes ringförmiges Gewebepolster – das Hämorridal-Geflecht. Es erfüllt eine wichtige Aufgabe: Das Gewebe dichtet den Darm sicher nach außen ab.

Das Gewebepolster funktioniert wie ein Schwellkörper: Beim Stuhlgang entspannt sich der Schließmuskel, und das Blut fließt aus dem Hämorridalpolster ab. Anschließend strömt das Blut in die Hämorriden zurück, so dass sie wieder an Volumen zunehmen und den After sicher verschließen.

Wie entstehen vergrößerte Hämorriden?

Die Blutgefäße in diesem Gewebepolster können sich allerdings aus verschiedenen Gründen erweitern, sie leiern sozusagen aus, so dass sich das Polster knotig vergrößert. Als wichtigste Ursache für solche vergrößerten Hämorriden gilt zu starkes Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang, zum Beispiel bei chronischer Verstopfung.

In Kapitel zwei finden Sie weitere Ursachen und Risikofaktoren.

Manche Experten sind überzeugt, dass ein Toilettenhocker zu starkes Pressen verhindern kann und damit eine wirksame Maßnahme zur Verhinderung von Hämorrhoiden darstellt.

Hämorriden bei Schwangerschaft

In etwa die Hälfte aller Frauen hat während oder direkt nach der Schwangerschaft Beschwerden im Analbereich. Denn der Körper verändert sich so, dass er Hämorriden begünstigt: Erstens sorgen die Schwangerschaftshormone dafür, dass der Beckenboden und das benachbarte Bindegewebe weich und weit werden. Zweitens drücken Kind und Gebärmutter auf die Gefäße im Analbereich. Am Ende der Schwangerschaft sind schließlich die Presswehen eine weitere Belastung für das Gebiet. Was zu tun ist, wenn während oder nach einer Schwangerschaft Hämorriden auftreten, lesen Sie bei unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de.

Wie Hämorriden erkennen?

Vergrößerte Hämorriden bleiben manchmal völlig unbemerkt. Oft bereiten sie jedoch Probleme, zum Beispiel Juckreiz, Blutungen, Nässen oder Druckgefühl am After. Dann handelt es sich um ein Hämorridalleiden. Allerdings können auch viele andere Erkrankungen am After zu diesen Beschwerden führen.

Kapitel drei erklärt die vier Stadien des Hämorrhoidalleidens und Kapitel vier beschreibt die Symptome eingehend.

Was hilft bei Hämorrhoiden?

Anale Beschwerden sind weit verbreitet. Viele Betroffene trauen sich jedoch lange nicht zum Arzt, weil ihnen die Probleme im Analbereich peinlich erscheinen. Dabei ist eine frühe Therapie fast immer unproblematisch und wirkungsvoll. Von alleine bessert sich das Leiden häufig nicht, im Gegenteil.

Was ebenfalls für den Arztbesuch spricht: Hinter vermeintlichen Hämorriden-Symptomen können sich auch ernste Krankheiten verbergen, bei denen eine frühe Diagnose und Behandlung entscheidend ist.

Mehr zu Diagnoseverfahren und Behandlungsmethoden in den Kapiteln Untersuchung, Hausmittel und Medikamente und OP und andere Therapien.

Weiterführende Informationen

Ein zusätzlicher Ratgebertext verrät, welche weiteren Ursachen zu Blut am After oder einer Blutung aus dem Darm führen können.

Lesen Sie außerdem, welche Irrtümer es darüber hinaus in Bezug auf Hämorriden gibt.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Wovon bekommt man Hämorriden? Warum sich Hämorriden vergrößern, ist im Detail noch nicht restlos geklärt. Unterschiedliche Ursachen können wohl dazu beizutragen, dass ein Hämorridalleiden entsteht.

Pressen kann die Gefäße ausleiern

Als wichtigster Auslöser gilt zu starkes Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang – beispielsweise bei chronischer Verstopfung, wenn der Stuhl zu hart ist. Durch den Druck der "Bauchpresse" kommt es zu einer erhöhten Füllung der Hämorridalgefäße. Das Blut kann schlechter abfließen. Die Adern werden gedehnt, leiern allmählich aus, es bilden sich knotenförmige Aussackungen. Ebenfalls negativ soll sich langes Verweilen auf der Toilette auf die Hämorridalgefäße auswirken. Deshalb raten einige Ärzte davon ab, nebenbei auf der Toilette Zeitung zu lesen oder das Handy länger zu benutzen.

Ungünstig ist aber nicht nur zu harter Stuhl, sondern auch eine häufige Entleerungsfrequenz bei weicher Stuhlkonsistenz – zum Beispiel bei längerem Durchfall oder dem Missbrauch von Abführmitteln.

Angeborene Schwachstelle

Experten gehen davon aus, dass es eine vererbte Neigung zu Hämorridalbeschwerden gibt. Die Veranlagung dazu liegt dann schon in den Erbanlagen (Genen). Ein oft vermuteter Zusammenhang mit der Neigung zu Krampfadern erscheint jedoch unwahrscheinlich.

Im Alter kann das Bindegewebe generell an Festigkeit verlieren. Deshalb häufen sich Hämorriden-Probleme mit zunehmendem Lebensalter.

Risikofaktoren Husten und Übergewicht

Eine Druckerhöhung im Bauchraum – zum Beispiel durch anhaltenden Husten, Krafttraining oder Übergewicht – trägt manchmal ebenfalls zur Entstehung vergrößerter Hämorriden bei.

Während einer Schwangerschaft kann es durch den erhöhten Druck im Bauchraum sowie durch die Lockerung des Gewebes im Beckenboden zum Auftreten oder zur Verstärkung von Hämorridalbeschwerden kommen. Näheres dazu im Artikel "Schwangerschaft: Hilfe bei Hämorriden".

Seltener ist eine Herzschwäche oder eine Leberzirrhose der Auslöser: wenn sich dabei Blut in die Blutgefäße des Bauchraums und des Darms zurückstaut.

Mögliche Risikofaktoren für vergrößerte Hämorriden im Überblick:

  • starkes Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang
  • langes Verweilen auf der Toilette
  • häufige Durchfälle, flüssiger Stuhl
  • erblich bedingte Bindegewebsschwäche
  • hohes Lebensalter
  • Schwangerschaft

Wie lässt sich Hämorriden vorbeugen?

Zumindest ein paar der Risikofaktoren sollen vermeidbar sein, indem beim Stuhlgang ein sogenannter Toilettenhocker benutzt wird, einer Art Fußschemel. Dabei setzt man die Beine nicht auf dem Boden auf, sondern auf dem etwa 22 Zentimeter hohen Hocker. So entsteht eine "natürliche" Kauerstellung, in der sich schon vor tausenden von Jahren die Menschen erleichtert haben.

Weitere Tipps finden Sie im Kapitel Hausmittel und Medikamente.

Die Einteilung der Hämorriden in Schweregrade ist unter anderem wichtig, damit der Arzt entscheiden kann, welche Behandlung angemessen ist. Folgende vier Stadien kommen vor:

Stadium 1:

Die Hämorriden sind äußerlich nicht sichtbar. Nur bei einer Spiegelung des Enddarms kann der Arzt eine Vergrößerung des Gefäßpolsters feststellen (im Bild rot gefärbt). Hämorriden in diesem Stadium machen oft gar keine Symptome. Es kann aber auch schon zu Blutungen oder Hautreizungen kommen.

Stadium 2:

Die vergrößerten Hämorriden schieben sich beim Stuhlgang oder Pressen durch den After, ziehen sich aber anschließend von selbst wieder zurück. In diesem Stadium haben die Betroffenen oft das Gefühl, dass der Darm nicht vollständig entleert werden kann.

Stadium 3:

Die Gefäßpolster rutschen beim Stuhlgang, beim Pressen oder bei Anstrengungen aus dem After, und ziehen sich anschließend nicht wieder von alleine zurück. Der Betroffene muss mit den Fingern nachhelfen.

Stadium 4:

Die Hämorriden lassen sich nicht mehr in den Darm zurückschieben. Ärzte nennen dieses Stadium auch fixierter Hämorridalprolaps. Ein anhaltendes Druck- oder Fremdkörpergefühl, starkes Nässen, Schleimabgang und unter Umständen auch Schmerzen sind die Folge. Die Betroffenen meinen, ständig auf die Toilette zu müssen. Der Darmausgang hält meist auch nicht mehr dicht, so dass sich eine Stuhlinkontinenz (Schmierinkontinenz) einstellt.

Wie erkennt man Hämorriden? Nicht immer verursachen vergrößerte Hämorriden Symptome. Manche bleiben lange unbemerkt. Meistens verschlechtert sich das Leiden allerdings mit der Zeit, sofern die Auslöser fortbestehen. Das Ausmaß der Beschwerden lässt keine sicheren Rückschlüsse darauf zu, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Folgende Probleme kommen häufig vor.

Häufige Symptome bei vergrößerten Hämorriden

Blutungen: Sind die Hämorriden vergrößert, können die kleinen Blutgefäße leichter einreißen – meistens passiert das während des Stuhlgangs oder unmittelbar danach. Ein typisches Zeichen für Hämorriden ist eine schmerzlose Blutung, (meist hellrotes) Blut auf dem Toilettenpapier oder Blut im Stuhl. Das kann einmal, mehrmals oder ständig vorkommen. Die Blutung kann unterschiedlich stark ausfallen.

Stuhlschmieren: Wenn die Feinabdichtung des Afters nicht mehr richtig funktioniert, gehen immer wieder kleine Mengen Flüssigkeit, Schleim oder Stuhl ab – manchmal erkennbar als Verunreinigungen in der Wäsche.

Juckreiz, Entzündung: Warum jucken Hämorriden? Die abgehenden Sekrete reizen die empfindliche Haut im Analbereich, so dass sie juckt (Afterjucken), brennt oder nässt und ein Analekzem verursachen kann.

Druck-, Fremdkörpergefühl: Bei einem ausgeprägten Hämorridalleiden schieben sich die erweiterten Hämorriden Richtung Darmausgang oder treten sogar durch den After nach außen. Das erzeugt oft das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung. Bei höhergradigen Hämorriden kann es erforderlich sein, die hervorgetretenen Gefäßpolster wieder mit dem Finger in den Darm zurückzuschieben.

Wichtig: Weil auch andere (zum Teil gefährliche) Ursachen hinter solchen Symptomen stecken können, sollten sie unbedingt vom Arzt abgeklärt werden!

Mögliche Komplikationen bei vergrößerten Hämorriden

  • Wenn die Hämorriden aus dem After herausrutschen, können sie eingeklemmt und ihre Blutzufuhr abgeschnitten werden. Dann bilden sich leicht Blutgerinnsel, es entsteht eine Thrombose in den Hämorridalgefäßen – mit starker Schwellung, Blutung und Schmerzen.
  • Diese Art der Thrombose darf aber nicht mit Thrombosen am Afterrand verwechselt werden – den sogenannten Perianalvenenthrombosen. Diese akuten Anschwellungen haben ihren Ursprung in rein venösen Blutgefäßen am Afterrand und keinen anatomischen Bezug zu den Hämorridalgefäßen. Perianalvenenthrombosen werden häufig fälschlich als "äußere Hämorriden" bezeichnet. Sie treten akut auf, sind anfangs schmerzhaft. Sie können zu Blutungen führen, wobei das Blut dann eher dunkel gefärbt ist. Insbesondere in der Schwangerschaft und bei der Geburt kommen Perianalvenenthrombosen gehäuft vor. Perianalvenenthrombosen heilen in den meisten Fällen rückstandslos wieder ab. Gelegentlich verbleiben äußere Hautfalten am Afterrand, sogenannte Marisken.
  • Eine gereizte und entzündete Analschleimhaut (Analekzem) reißt leichter ein. Dies kann die Entstehung einer Analfissur begünstigen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Analfissur.
  • Bluten Hämorriden lang anhaltend und besonders stark, kann sich eine Blutarmut ausbilden. Genaueres erfahren Sie im Ratgeber Blutarmut.

Viele Betroffene empfinden ihre Beschwerden als peinlich und warten deshalb lange ab, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

Hämorriden? Nicht abwarten, zum Arzt gehen

Bei Hämorriden-Problemen handelt sich um ein weit verbreitetes Leiden, für das sich keiner schämen muss. In spezialisierten Praxen gehört die Hämorriden-Therapie mit zu den häufigsten Eingriffen. Gerade in den frühen Stadien ist eine Hämorriden-Behandlung meistens unproblematisch und wirksam.

Ein weiterer wichtiger Grund spricht für einen frühzeitigen Arztbesuch: Beschwerden wie Juckreiz oder Nässen sind zwar häufig durch vergrößerte Hämorriden verursacht. Öfter stecken jedoch andere Krankheiten dahinter, beispielsweise eine Analfissur oder ein Analekzem aufgrund von Kontaktallergien, Pilzinfektionen oder anderen Hauterkrankungen. Hinter Symptomen wie Blutauflagerungen auf dem Stuhl kann sich in seltenen Fällen sogar Darmkrebs verbergen. Dann ist eine frühe Diagnose und Therapie womöglich lebensrettend.

Erster Ansprechpartner ist oft der Hausarzt. Er kann zum Spezialisten überweisen – zum Beispiel einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung "Proktologie", einem Proktologen (Spezialist für Enddarm-Erkrankungen).

Arztgespräch und Untersuchung

Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden, der Krankengeschichte und den Lebensgewohnheiten des Patienten. Er fragt zum Beispiel nach Verdauungsbeschwerden oder nach Problemen beim Stuhlgang.

Dann folgt eine Tastuntersuchung der Analregion. Dabei können bereits Veränderungen, zum Beispiel Polypen oder Entzündungen auffallen. Stark ausgeprägte Hämorriden sind eventuell bereits mit bloßem Auge erkennbar. Leicht vergrößerte Hämorriden kann der Arzt allerdings weder direkt sehen, noch tasten. Deshalb folgt üblicherweise eine genauere Inspektion mit Hilfe optischer Geräte.

Endoskopie zur weiteren Abklärung

Endoskope ermöglichen dem Arzt eine exaktere Beurteilung des Analkanals (Proktoskopie) und des Enddarms (Rektoskopie). Die Untersuchung ist üblicherweise nicht schmerzhaft, dauert nur wenige Minuten und kann meistens ambulant in der Praxis erfolgen. Eine Vorbereitung des Enddarmes ist in der Regel für diese Untersuchungen nicht notwendig.

Bei Blutungen aus dem Darm, die sich nicht durch den Befund im Enddarm erklären lassen, wird der Arzt aber dazu raten, vorsichtshalber den gesamten Dickdarm mittels Dickdarmspiegelung (Koloskopie) zu untersuchen. So lassen sich ernste Ursachen wie Darmkrebs ausschließen.

Wichtig: Symptome wie Bluten oder Juckreiz sind zwar sehr häufig auf vergrößerte Hämorriden zurückzuführen. Manchmal haben solche Beschwerden aber doch ernste Ursachen – zum Beispiel Darmkrebs. Deshalb den Arztbesuch nicht auf die lange Bank schieben! Eine frühzeitige Therapie ist bei Hämorriden-Problemen außerdem einfacher als eine späte.

Hämorriden-Probleme? Das können Sie selbst tun

Erst zur Toilette gehen, wenn man wirklich muss, nicht pressen, und für einen geregelten Stuhlgang sorgen – so lauten die wichtigsten Empfehlungen, um (weiteren) Hämorriden-Problemen vorzubeugen. Eine ausgewogene und vor allem ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, dazu viel körperliche Bewegung und ausreichend Flüssigkeit helfen, einen harten Stuhl und damit unnötiges Pressen bei der Darmentleerung zu vermeiden.

Was ist die richtige Stuhlfrequenz? Jeden Tag Stuhlgang muss gar nicht sein. Auch alle drei Tage kann normal sein, sofern sich eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen lässt, und der Stuhl dabei nicht zu hart ist. Wer immer wieder Probleme mit Verstopfung hat, oder Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen, sollte unbedingt den Arzt um Rat fragen. Er kann die Ursache klären und eventuell (vorübergehend) Abführmittel empfehlen.

Auf die Hygiene achten

Auch die richtige Analhygiene hilft, Beschwerden zu lindern oder zu vermeiden. Nach dem Stuhlgang die Analregion am besten mit weichem Toilettenpapier und warmem, klarem Wasser reinigen. Den Einsatz von Feuchttüchern und Seifen stufen Experten wegen der häufigen Entwicklung von Allergien als eher ungünstig ein.

Arzneimittel: Salben, Zäpfchen, Sitzbäder

Gegen leichte Beschwerden wie Juckreiz oder Schwellungen helfen oft Salben, Cremes, Zäpfchen, Analtampons (Zäpfchen mit Mulleinlage) oder Sitzbäder aus der Apotheke. Sie enthalten zum Beispiel entzündungshemmende, örtlich betäubende oder gefäßverengende Wirkstoffe. Bei der Auswahl geeigneter Produkte berät Sie Ihre Apotheke. Die Maßnahmen können kurzfristig Symptome lindern, eignen sich jedoch nicht als Dauertherapie. Denn sie beseitigen die eigentliche Ursache nicht.

Verschiedene Verfahren kommen zur Therapie vergrößerter Hämorriden infrage. Welches individuell am besten geeignet ist, sollte mit dem behandelnden Arzt entschieden werden. Er kann über die Vorteile und möglichen Risiken der einzelnen Therapieverfahren aufklären. Zu Sklerosierung und Gummibandligatur (siehe Grafiken) rät der Mediziner vor allem in frühen Krankheitsstadien.

Die Behandlung findet meistens ambulant in der Praxis statt, ist üblicherweise schmerzlos. Manchmal sind mehrere Sitzungen nötig. Den allermeisten Patienten kann auf diese Weise gut geholfen werden. Wichtig zu wissen: Nach einiger Zeit können sich erneut vergrößerte Hämorriden bilden.

Sklerosierung ("Verödung"): Womit werden Hämorriden verödet?

Der Arzt spritzt einen Wirkstoff in die vergrößerten Gefäßpolster ein, der das Gewebe verödet und schrumpfen lässt (siehe Grafik links). Das verursacht meist keine Schmerzen. Diese sogenannte Sklerosierung oder Verödungstherapie verringert die Durchblutung des Gewebes. Die Hämorride vernarbt, schrumpft auf ihre ursprüngliche Größe zurück, und der Druck lässt nach.

Die Methode eignet sich nur bei einer leichten Vergrößerung des Hämorridalgewebes. Meist sind mehrere Sitzungen erforderlich. Die Behandlung kann auch mit einer Gummibandligatur kombiniert werden. Nach einiger Zeit können sich allerdings erneut vergrößerte Hämorriden bilden. Bei Bedarf wird die Verödungstherapie mehrfach wiederholt.

Gummibandligatur

Der Arzt streift einen kleinen Gummiring über das vergrößerte Hämorriden-Gewebe. Das vorgefallene Hämorridalgewebe wird dadurch hochgezogen, überschüssiges Gewebe abgebunden. Das Blutgefäß, das die Hämorride versorgt, wird gedrosselt. Das überschüssige Gewebe wird dadurch nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Nach einigen Tagen fällt es zusammen mit dem Gummiring einfach ab.

Allerdings ist das ambulante Verfahren nicht geeignet, wenn der Patient blutverdünnende Medikamente einnimmt.

Raffen

Bei der Rekto-Anal-Repair (RAR) wird das vergrößerte Hämorridalpolster umstochen und gerafft, die Fadenenden werden zusammengezogen und verknotet. So entsteht eine Art Lifting-Effekt: Die Nahttechnik fixiert die Hämorride dort, wo sie anatomisch eigentlich hingehört. Diese Operation erfolgt in Rückenmarks- oder Vollnarkose. Weil dabei keine Einschnitte mit entsprechenden Wunden erfolgen, verursacht das Raffen relativ geringe Schmerzen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Doppler-gesteuerte Hämorridalarterien-Ligatur (HAL). Dabei werden die zuführenden Arterien, die die Hämorriden mit Blut versorgen, per Naht verschlossen. So verringert sich die Blutzufuhr, und die Gefäßpolster schwellen ab.

Außerdem gibt es die Möglichkeiten der Vereisung und Infrarot-Koagulation. Beide nehmen bei der Hämorriden-Behandlung jedoch einen geringen Stellenwert ein. Experten schätzen die Ergebnisse als wenig überzeugend ein.

Wann muss operiert werden?

Bei fortgeschrittener Krankheit hilft meistens nur eine Operation. Auch hier gibt es unterschiedliche Methoden. Die vergrößerten Hämorriden-Anteile werden unter örtlicher Betäubung oder Allgemeinnarkose herausgeschnitten.

In der Regel ist dazu ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig. In ausgeprägten Fällen muss der Chirurg eventuell die normale Anatomie des Analkanals wiederherstellen. Auch nach einer Operation sind Krankheitsrückfälle möglich.

Verbreitete OP-Technik: die Stapler-Methode

Bei dieser Form der Operation nutzt der Arzt ein spezielles Instrument (Klammernahtgerät, siehe Grafiken). Es entfernt einen Ring überschüssiges Gewebe im Bereich des äußeren Mastdarms und fügt die Schnittränder direkt mit Klammern zusammen. Als Vorteile dieses Verfahrens gelten eine kurze Operationsdauer, weniger Schmerzen und eine schnelle Heilung.

Die Staplermethode ist insbesondere bei fortgeschrittenen Hämorriden an mehreren Stellen (zirkulär) die Methode der Wahl. Bei vergrößerten Hämorriden in einem Segment ist eher eine konventionelle Operation empfehlenswert. Dabei schneidet der Spezialist die vergrößerten Hämorriden heraus und rekonstruiert den Analkanal (sogenannte Operationen nach Parks, Ferguson, Milligan-Morgan).

Dr. med. Tobias Grundei ist Facharzt für Chirurgie mit Zusatzbezeichnung Proktologie (Enddarm-Erkrankungen). Nach Studium und Promotion an der Ludwig-Maximilian-Universität München absolvierte er seine Ausbildung zum Allgemeinchirurgen an der Chirurgischen Klinik des Klinikum recht der Isar der Technischen Universität München sowie in der Chirurgischen Klinik Seefeld, Oberbayern. Die Weiterbildung Proktologie erfolgte im Klinikum München Neuperlach in der Abteilung für Rektumchirurgie. Er war 2005 Mitbegründer des Enddarmzentrums München-Bavaria. Dort ist er als spezialisierter Koloproktologe tätig (Endoskopie, ambulante und stationäre Operationen).