Zahnschmerzen

Ursachen von Zahnschmerzen sind kranke Zähne sowie Probleme in Kiefer, Mund und anderen Kopfbereichen. Selten gehört Zahnweh zu den Vorboten eines Herzinfarkts

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 16.09.2014

Sommerfreuden und jetzt ein erfrischendes Eis – oiih, kaum ist die kalte, süße Creme im Mund, fährt ein stechender Schmerz in den Schneide- oder Backenzahn. Was ist passiert? Die frostige Speise ist an einen offen liegenden Teil des Zahnhalses geraten. Die Zahnnerven reagieren dort höchst empfindlich auf Temperaturreize, vor allem auf Kälte. Wer dann wieder mehr für seine Zahnpflege tut, hat oft schon bald keine Probleme mehr, sollte die Ursachen aber dennoch vom Zahnarzt abklären lassen.

Hauptursachen für häufige Zahnschmerzen: Zahnprobleme

Bleiben die Beschwerden bestehen, schmerzt ein Zahn zudem, wenn Warmes oder auch Süßes ihn berührt, liegt der Verdacht nahe, dass hier Karies am Werk ist. Dann ist es höchste Zeit, den Zahnarzt aufzusuchen. Das gilt auch, wenn ein Zahn dumpf pochend oder heftig stechend schmerzt – und das dauerhaft, in vereinzelten Attacken oder nur beim Kauen und Zubeißen. Gehen Sie auch umgehend in die Praxis, wenn das Zahnfleisch wiederholt beim Zähneputzen oder Essen blutet, wenn eine ganze Zahnpartie weh tut und/oder wenn die Umgebung geschwollen ist.

Der Zahnarzt wird prüfen, ob Karies oder eine andere Zahnerkrankung schuld an den Zahnschmerzen ist, die er in der Fachsprache als Odontalgie oder Dentalgie bezeichnet. Mögliche Ursachen sind häufig eine Zahnfleischentzündung, ein entzündeter Zahnhalteapparat (Parodontitis), eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) oder der Zahnwurzel. Hinter einer geschwollenen Backe mit stark pochenden Schmerzen kann auch ein Abszess stecken, der sich im Wurzel- beziehungsweise Kieferbereich gebildet hat. Wärme verstärkt dann die Schmerzen, die häufig nachts im warmen Bett besonders quälend sind.

Fehlt der schützende Zahnschmelz stellenweise, sind die Zähne nicht nur sensibler, sondern auch krankheitsanfälliger. Einerseits kann zu heftiges, unsachgemäßes Putzen dieser so wichtigen Schicht zusetzen, andererseits führt oft mangelnde Pflege zu Schäden (siehe Kapitel "Wie Zahnschmerzen entstehen"). Einige Erkrankungen wirken sich mitunter auf die Zahnschmelzdichte aus, dazu gehören unter anderem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder bestimmte Autoimmunerkrankungen wie die Zöliakie. Diabetiker sind zudem oft anfälliger für Entzündungen – auch im Zahnbereich.

Die ersten Zähne bereiten Säuglingen und Kleinkindern kurzfristig Ungemach und schlechte Laune. Einige Erwachsene haben erneut und meist heftiger mit Schmerzen zu tun, wenn verspätet Weisheitszähne durchbrechen wollen oder andere Zähne bedrängen. Unregelmäßig gewachsene Beißer, eine fest gezurrte Zahnspange bei Heranwachsenden und im Alter eine schlecht sitzende Prothese können an Zähnen oder Kiefer ebenfalls Schmerzen auslösen.

Häufiger Druck, der auf dem Gebiss lastet und oft schmerzvoll nachklingt, entsteht auch durch seelische Anspannung. Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) ist ein Ausdruck dafür.

Wohl jeder kennt die pochenden Schmerzen, wenn nach einer Zahnbehandlung, gar nach einer Wurzeltherapie, die Betäubung nachlässt. Musste der Zahnarzt oder Kieferchirurg einen Zahn ziehen, schmerzen die freie Stelle und ihre Umgebung oft noch lange danach.

In diesem Zusammenhang können sich bisweilen sogenannte Phantomschmerzen entwickeln (atypische Odontalgie). Diese oft jahrelang anhaltenden Beschwerden an einem Zahn oder in einer Zahnhöhle haben dann keine erkennbare Ursache mehr. Zahlreiche weitere Therapiemaßnahmen am Gebiss bleiben erfolglos, bis das Krankheitsbild erkannt ist und gezielt mit Medikamenten sowie psychologischen Schmerztherapien und begleitenden Entspannungsmethoden behandelt werden kann. Manche Menschen erleben solche Nervenschmerzen auch ohne vorausgegangenen zahnchirurgischen Eingriff.

Einheiten mit Folgen: Kiefer, Mundhöhle und Gebiss

Dass sich Beschwerden am Kiefer und Zahnprobleme wechselseitig bedingen beziehungsweise verstärken können, ist leicht nachvollziehbar. Zahnfleischentzündungen, eine Parodontitis, Wurzelvereiterungen greifen den Kieferknochen an, wenn die Betroffenen nicht rechtzeitig gegensteuern und sich behandeln lassen. Gefahr droht durch eine mögliche Knochenentzündung im Ober- oder Unterkiefer. Dazu kann es manchmal auch durch Verletzungen, Strahlenbehandlungen oder kieferchirurgische Eingriffe kommen. Entzündete Kieferknochen rufen ihrerseits starke Zahnbeschwerden hervor.

Auch Fehlstellungen der Kiefer (kraniomandibuläre Dysfunktion) stecken mitunter hinter unbestimmten Zahn- und Gesichtsschmerzen. Abszesse oder Wucherungen im Kiefer drücken manchmal auf Zahnwurzel und -nerven.

Damit die Zähne intakt bleiben, muss auch in der Mundhöhle ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Keimen herrschen. Ist die Mundschleimhaut durch eine Infektion entzündet, kann die Entzündung auch geschwächte Zähne oder das Zahnfleisch angreifen.

Wer häufig einen trockenen Mund hat, den plagen vermehrt Zahnprobleme. Im Mund siedeln natürlicherweise unzählige Keime. Der Speichel spült einen Teil davon immer wieder weg und reinigt damit auch die Zähne. Wird zu wenig Speichel produziert, fehlt dem Gebiss ein zusätzlich schützender Film. Ursache für Mundtrockenheit können Mundatmung, zum Beispiel nachts, die Nebenwirkung bestimmter Medikamente, das Alter, aber auch Diabetes oder andere Erkrankungen sein.

Einige Menschen erleben einen sogenannten Höhenzahnschmerz, medizinisch Barodontalgie, etwa beim Bergsteigen in Höhen über 3000 Meter. Sinkt der Luftdruck in der Umgebung, führen luftgefüllte Räume unter Zahnfüllungen oder Zysten im Kiefer mitunter zu Schmerzen.

Wenn Kopf und Zähne weh tun

Schmerzen im gesamten Kopfbereich und im Gesicht können sich bis in die Zähne fortsetzen. Wer von Kopfschmerzen oder Migräne geplagt ist, spürt manchmal ein Ziehen oder einen dumpfen Druck an bestimmten Stellen im Gebiss. Nasennebenhöhlenentzündungen oder Mittelohrentzündungen ergreifen mit ihren Schmerzen auch vereinzelt Zähne oder den Oberkieferbereich. Bei einigen Menschen genügt schon eine einfache Erkältung, um Unbehagen in den Zähnen auszulösen.

Erkrankungen der Gesichtsnerven wie eine Trigeminusneuralgie erfassen nicht selten das Gebiss auf der erkrankten Seite. Das ist auch bei einer Gürtelrose (Herpes zoster) des Gesichts möglich. Die heftigen Schmerzen, die diese entzündliche Viruserkrankung mit sich bringt, können ins Ohr, in den Mund und bis in die Zähne ausstrahlen. Oft folgt bald der typische Ausschlag und deckt die mögliche Schmerzursache auf.

Zahnschmerzen bei einem Glaukomanfall und Herzinfarkt

Zahnschmerzen begleiten gelegentlich einen Glaukomanfall, der bei einer Augenerkrankung, dem grünen Star oder Glaukom, auftreten kann. Vorherrschend sind hier jedoch starke Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen.

! Ein Glaukomanfall ist ein Notfall, den umgehend ein Augenarzt behandeln muss.

Herzinfarktschmerzen betreffen meist die Brust, können aber auch in den Rücken, den Arm, den Bauch und den Kiefer ausstrahlen und so die Zähne miteinbeziehen. Blässe, Engegefühl in der Brust, Atemnot, kalte Schweißausbrüche, Übelkeit und Kreislaufsschwäche sind häufige Begleitsymptome. Schlimmstenfalls bricht der Kreislauf zusammen. Ganz selten stellen schmerzende Zähne oder Kieferschmerzen eines der eher untypischen Warnsymptome dar, etwa bei Frauen. 

! Bei Hinweisen auf einen Herzinfarkt ist sofort der Notarzt zu verständigen.

Zahnprobleme: Gefahr für den ganzen Körper

Über Entzündungsherde im Zahnfleisch können Krankheitserreger aus dem Mundraum in die Blutbahn gelangen und andere Körperregionen infizieren. Atemwegserkrankungen, Herzklappenstörungen, Rheuma oder ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko treten beispielsweise oft gemeinsam mit Parodonotitis auf. 

Überblick über die wichtigsten Ursachen von Zahnschmerzen

Zähne und Kieferbereich

  • Freiliegende Zahnhälse
  • Fehlender, angegriffener Zahnschmelz
  • Karies
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats und des Zahnbetts, oft fälschlicherweise als Parodontose bezeichnet)
  • Zahnwurzelentzündungen, Wurzelspitzenentzündungen
  • Abgestorbene Zähne
  • Zahnspangen, schlecht sitzende Prothesen
  • Zahnfehlstellungen, schief wachsende Zähne
  • Durchbrechende Weisheitszähne, Zahnen bei Kindern
  • Zahnbehandlungen, Zähneziehen
  • Zähneknirschen
  • Knochenentzündungen im Ober- oder Unterkiefer
  • Fehlstellungen der Kiefer (kraniomandibuläre Dysfunktion)
  • Verletzungen
  • Höhenzahnschmerzen (Barodontalgie)
  • Phantomschmerzen (atypische Odontalgie)

Mund, Kopf, Gesicht

Andere, seltene Auslöser

  • Vorboten eines Herzinfarkts

Beugen Sie Zahnschmerzen nicht nur durch angemessene Mundhygiene, sondern auch durch eine gesunde Lebensweise vor. Einseitige Ernährung mit viel Zucker greift die Zähne an. Ein Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Es führt zu Durchblutungsstörungen, die das Zahnfleisch schwächen. Entzündungen haben dann leichtes Spiel. Ein starkes Immunsystem kann schädliche Erreger besser abwehren.

Wie Zahnschmerzen entstehen, wie der Zahnarzt vorgeht und was Sie selbst am besten für Ihre Zähne tun können, zeigen die folgenden Kapitel auf (siehe auch Überblick oben am Anfang des Textes und Kapitellinks unten).

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. 6. Auflage, Köln, Deutscher Zahnärzte Verlag 2013

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Patienteninformationen. Online: www.dgzmk.de (Abgerufen am 25.06.2014)

Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung: Grundlegende Empfehlungen zur Kariesprophylaxe im bleibenden Gebiss. Wissenschaftliche Mitteilung, in: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 2013; 68(10). Online: http://www.dgzmk.de/zahnaerzte/wissenschaft-forschung/mitteilungen/details/document/grundlegende-empfehlungen-zur-kariesprophylaxe-im-bleibenden-gebiss.html (Abgerufen am 24.06.2014)

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Schumann M, Daum S, Schulzke J-D et al.: Zöliakie. Epidemiologie, Pathogenese, Differenzialdiagnostik und Therapie. In: Der Gastroenterologe 2008 –4:19-20

Häring H-U, Gallwitz B, Müller-Wieland D et al. (Hrsg.): Diabetologie in Klinik und Praxis. 6. Auflage, Stuttgart, Georg Thieme Verlag 2011

Grehn F: Augenheilkunde. 31. Aulage, Berlin, Heidelberg Springer Verlag 2012

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Holtfreter B, Empen K, Gläser S, et al.: Periodontitis Is Associated with Endothelial Dysfunction in a General Population: A Cross-Sectional Study. (2013) In: PLoS ONE 8(12): e84603. Online: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0084603 (Abgerufen am 22.07.2014)

Bochenek G, Häsler R, El Mokhtari N-E, et al.: The large non-coding RNA ANRIL, which is associated with atherosclerosis, periodontitis and several forms of cancer, regulates ADIPOR1, VAMP3 and C11ORF10. In: Hum.Mol.Genet. (2013)22(22): 4516-4527. Online: http://hmg.oxfordjournals.org/content/22/22/4516 (Abgerufen am 22.07.2014)

 

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

In der Mundhöhle reihen sich auf dem Ober- und Unterkiefer insgesamt 28 Zähne beziehungsweise 32, wenn ein Erwachsener alle vier Weisheitszähne besitzt. Idealerweise glänzen die Zahnkronen perlenweiß und stecken mit dem Zahnhals in einem rosaroten, gut durchbluteten Zahnfleisch. Die Zahnwurzel haftet sicher im Kieferknochen.

Schutzschichten bewahren den Zahn vor Schmerzen

Den ganzen Zahn mit Krone und Wurzel formt das Zahnbein, medizinisch Dentin genannt. Eine harte, mineralhaltige Schicht, der Zahnschmelz, überzieht den oberen, freiliegenden Anteil. Der feste Helm ist notwendig, da das Dentin selbst weicher ist und die Angriffe von Säuren und Keimen schlechter abwehren kann als der Zahnschmelz. Zudem verlaufen hier schon feinste Nervenfasern, die Schmerzen weiterleiten. In den Kieferknochen fügt sich das Zahnbein wie eine Wurzel ein. Es ist auch dort von Schutzschichten umgeben: Zahnzement und Zahnfleisch kleiden es gut ein, ein Fasergeflecht hält es in der Knochenvertiefung. Das Ganze bildet den Zahnhalteapparat, der sich bei einer Parodontitis (siehe unten) entzündet.

Im Dentin befindet sich ein Hohlraum mit dem bindegewebshaltigen Zahnmark, der Pulpa. Sie ist von Nerven und Gefäßen durchzogen, die über den offenen Wurzelkanal in den Kieferknochen münden. Erkrankt das Zahnmark zum Beispiel durch vordringende Karies, sind die Schmerzen beträchtlich.

Zahllose Keime tummeln sich in der Mundhöhle. Durch Zahnschmelz und Zahnfleisch sind die Zähne perfekt gegen Angriffe von Bakterien und von schädlichen Säuren abgeschirmt. Weh tut ein Zahn erst, wenn sich Lücken und Schwachstellen in den äußeren Schutzschichten auftun. Dann können die Erreger weiter vordringen, Zahnbein und Zahnmark schädigen und den Zahn schließlich ganz zerstören.

Eine schützende Funktion übernimmt zudem der reinigende Speichel. Er entsorgt Ummengen von Bakterien und anderen Erregern und spült Speisereste mit jedem Schluckvorgang weg. Außerdem enthält er Abwehrstoffe, die Entzündungen und Verletzungen im Mund schneller abheilen lassen. Wird zu wenig Speichel produziert, sind auch die Zähne angreifbarer.

Was greift die Schutzschichten des Zahns an?

Einmal sind es Verletzungen, die dem Zahnschmelz Risse und Brüche, dem Zahnfleisch Wunden zufügen. Durch scharfe, spitze Gegenstände können winzige Schadstellen entstehen, ebenso durch chemische Reizstoffe. Falsche Zahnputztechniken, mit zu viel Druck etwa, führen dazu, dass der Putzende – oft mit besten Absichten – Zahnschmelz abreibt oder Zahnfleisch zurückschiebt.

Wird dagegen zu wenig gereinigt, setzen sich auf den Zähnen Beläge und Zahnstein fest. Bakterien sammeln sich hier zuhauf und bilden zum Beispiel in Verbindung mit Zuckerresten Säuren, die sich durch den Zahnschmelz durchfressen und für Karies verantwortlich sind. Auch eine Parodontitis droht bei dauerhaften Belägen. Das Zahnfleisch entzündet sich, schwillt an, wird rot, blutet und geht immer mehr zurück. Die Zahnhälse liegen frei. Es entwickeln sich Zahnfleischtaschen, in denen sich die Keime vermehren. Die Entzündung greift unbehandelt sogar den Knochen an, der Zahn lockert sich und geht schlimmstenfalls ganz verloren.

Das Immunsystem spielt mit, wenn es um die Zahngesundheit geht

Manche Menschen haben ein sehr robustes Zahnfleisch und einen widerstandsfähigen Schmelz. Ihnen scheinen die zahlreichen Mundkeime wenig anzuhaben. Andere putzen stets gründlich, sind aber trotzdem anfällig für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis. Ihre körpereigene Abwehr ist dann offenbar nicht so erfolgreich im Kampf gegen die Krankheitserreger. Erbliche Anlagen sind zu einem Teil für ein verändert reagierendes Immunsystem verantwortlich, aber daneben auch bestimmte Krankheiten wie Diabetes oder Autoimmunerkrankungen, die ihrerseits wieder genetisch bedingt sind. Nachteilig wirken sich Risikofaktoren wie Rauchen, Stress, einseitige Ernährung, Bewegungsmangel aus.

Doch unabhängig von der individuellen Veranlagung ist eine regelmäßige Mund- und Zahnhygiene der wirksamste Schutz gegen Zahnerkrankungen und damit gegen Zahnschmerzen (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). Auf ungeputzten Zähnen vermehren sich die schädlichen Bakterien milliardenfach. Das bleibt langfristig nicht ohne Folgen.

Wer gesunde, schmerzfreie Zähne haben will, kommt trotz täglicher Putzaktionen nicht um regelmäßige Zahnarztbesuche herum – zur jährlichen Vorsorguntersuchung und Zahnsteinentfernung. Bei bestimmten Zahnproblemen, etwa bei einem erhöhten Risiko für Parodontitis, empfehlen Zahnärzte manchmal zudem eine professionelle Reinigung ein- bis zweimal im Jahr. Viele Krankenkassen bieten hier Zuschüsse an.

Zahnprobleme beginnen vielfach ohne sicht- oder spürbare Beschwerden. Frühzeitig entdeckt lassen sie sich meist ohne große Eingriffe erfolgreich behandeln.

Wenn Ihre Zähne nur gelegentlich auf kalte Speisen und Getränke oder auf Zugluft reagieren, widmen Sie der Zahnpflege mehr Aufmerksamkeit. Holen Sie sich zudem von Ihrem Zahnarzt oder in seiner Praxis von einem Zahnhygieniker (Dentalhygieniker) beziehungsweise einem speziell ausgebildeten Fachassistenten Rat.

Zahnschmerzen: Wann zum Zahnarzt?

Lassen Sie sich umgehend einen Termin beim Zahnarzt geben, wenn

  • die Beschwerden trotz sorgsamer Pflege anhalten, Ihnen auch Warmes und Süßes zu schaffen macht,
  • Sie zunächst nur in Abständen, dann immer häufiger dumpf pochende Schmerzen in einem Zahn oder einem Teil des Gebisses haben,
  • die Zahnumgebung geschwollen ist,
  • Sie häufig oder scheinbar grundlos Schmerzen haben,
  • Ihr Zahnfleisch beim Essen oder Zähnputzen immer wieder blutet oder Blutspuren hinterlässt,
  • plötzlich stechende Schmerzen einschießen,
  • es beim Kauen oder Zähnezusammenbeißen weh tut oder wenn
  • Kiefer-, Kopfschmerzen, Fieber oder Gesichtsschmerzen dazukommen.

Rufen Sie unverzüglich den Notarzt, wenn heftige Zahnschmerzen untypisch vom ganzen Kiefer auszugehen scheinen und womöglich gleichzeitig Beschwerden im Brust- oder Bauchbereich, im Arm, Nacken oder Rücken und/oder auch Übelkeit, Benommenheit auftreten. Starke Augen- und Zahnschmerzen sollten Sie sofort zum Augenarzt oder in eine Augenklinik führen.

Die Beschwerden an Zahn oder Zähnen geben erste Hinweise

Wo genau tut es weh? Wie fühlt sich der Schmerz an? Stechend, brennend, dumpf bohrend, pochend? Welche anderen Bereiche im Mund, im Kopf, im Gesicht oder am übrigen Körper schmerzen noch? Gibt es zusätzliche Beschwerden wie Schwellungen, Fieber, Übelkeit? Versuchen Sie, Ihrem Zahnarzt die Symptome möglichst genau zu beschreiben.

Der Arzt fragt außerdem nach akuten Erkrankungen, zum Beispiel einer Nasennebenhöhlenentzündung, nach erlittenen Verletzungen und, wenn sie ihm nicht schon bekannt sind, eventuellen Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Blutgerinnungsstörungen. Lebensgewohnheiten und mögliche Risikofaktoren wie Rauchen oder Stressbelastung können bei der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ebenfalls zur Sprache kommen. Es kann sein, dass der Zahnarzt Ihnen auch entsprechende Fragebögen vorlegt, insbesondere wenn Sie zum ersten Mal in die Praxis kommen oder schon länger nicht mehr dort waren.

Untersuchung der Zähne und des Mundraums

Nach dem Arzt-Patient-Gespräch tastet der Zahnarzt gegebenenfalls zunächst von außen den Hals- und Kopfbereich ab. Mit einem Spiegel und einer gebogenen, meist stumpfen Untersuchungssonde sieht sich der Zahnarzt den schmerzenden Zahn, aber auch das übrige Gebiss genau an. Der Spiegel ermöglicht ihm den Blick auf die Zahninnenseiten. Mit der Sonde fährt er über Zahn, Zahnränder und Füllungen. Auf diese Weise prüft er, wie der Zahnschmelz beschaffen ist, ob sich Beläge gebildet haben, wie fest die Füllungen sitzen. Außerdem kann er Schäden wie Karies frühzeitig aufdecken, ebenso entzündliche Vorgänge an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat (Parodontitis).

Aufschlussreich ist für ihn darüber hinaus, wie es in der gesamten Mundhöhle und auf der Zunge aussieht, wie Ober- und Unterkiefer und die Gebissteile aufeinander passen.

Haben sich aufgrund einer Parodontitis Zahntaschen gebildet, misst der Zahnarzt mit einer sogenannten Parodontalsonde ihre Tiefe. Für die Vitalitätsprobe berührt er einen verdächtigen Zahn mit einer eiskalten Substanz. Tut das weh, sind die Nerven des Zahnmarks, der Pulpa, noch aktiv. Gegebenenfalls setzt er den Zahn weiteren Reizen aus und prüft, wie dieser auf Heißes, Süßes oder Saures reagiert.

Verborgene Zahnschäden aufdecken: Bildgebende Verfahren, Labortests

Wichtige Zahnschäden, wie Karies, die in den Zwischenräumen oder unter den Deckschichten voranschreitet, kann der Zahnarzt mit Hilfe von Röntgenaufnahmen erkennen. Dazu gehören auch defekte Füllungen, Zahnwurzelentzündungen oder Abszesse und Schäden im Kieferknochen. Neue digitale Röntgentechniken kommen mit einer geringeren Strahlenbelastung aus. Um beginnende Karies frühzeitig festzustellen, bieten Zahnärzte teilweise ergänzende Früherkennungsuntersuchungen an, die aber selbst bezahlt werden müssen.
Bei einer hartnäckigen Parodontitis entnimmt der Zahnarzt Sekretproben aus einer Zahntasche, um im Labor die Krankheitserreger bestimmen zu lassen. Das ist zum Beispiel notwendig, wenn eine Antibiotikabehandlung angezeigt ist.

Die Diagnose bestimmt dann die nachfolgende Therapie, die immer auf die Ursachen ausgerichtet ist.

Kranke Zähne frühzeitig behandeln lassen

Hat der Zahnarzt eine bestimmte Zahnerkrankung festgestellt, wird er mit seinem Patienten die möglichen Behandlungsschritte besprechen. Diese hängen immer davon ab, wie weit zum Beispiel eine Karies schon vorgedrungen ist, ob eine Parodontitis sich noch im Anfangsstadium befindet oder schon dabei ist, den Kieferknochen anzugreifen. Zahnerkrankungen lassen sich erfolgreicher behandeln, wenn sie sehr früh erkannt werden.

Eine beginnende Karies etwa, die in der Regel noch keine Beschwerden bereitet, kann der Zahnarzt oft noch mit Fluoridpräparaten oder, in Einzelfällen, auch mit dem Laser behandeln. Ist sie weiter fortgeschritten, muss er die befallene Stelle ausbohren und auffüllen. Eine Zahnwurzelentzündung als mögliche Folge einer Karies erfordert eine spezielle Behandlung, bei der der Arzt oft zahnchirurgisch eingreifen muss.

Auch eine Parodontitis entwickelt sich zunächst meist unbemerkt. Zahnfleischbluten gehört zu den frühen Warnzeichen. Erste, durch Bakterien besetzte Beläge entfernt der Arzt mit geeigneten Instrumenten, auch aus den Zahnfleischtaschen. Eine regelmäßige professionelle Reinigung hält die Zahnumgebung sauber und stoppt so häufig die sich ausbreitenden Entzündungen. Das Zahnfleisch kann sich wieder besser um den Zahnhals schließen. Wichtig ist anschließend eine regelmäßige Nachsorge. Eventuell setzt der Arzt zudem Medikamente wie Antibiotika ein. Operative Eingriffe sind meist nur bei einer tiefergehenden Parodontitis notwendig, ebenso bei Abszessen, Wucherungen und anderen Kiefererkrankungen.

Zahnschmerzphasen für kurze Zeit überbrücken

Setzen sehr starke Schmerzen abends oder am Wochenende ein, können Sie auch in eine Zahnklinik gehen oder den zahnärztlichen Notdienst rufen. An einem Werktag nimmt die Zahnarztpraxis Sie in der Regel auch ohne vereinbarten Termin an. Sind die Schmerzen nicht ganz so heftig, helfen meist Schmerzmittel wie Acetysalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol, die Beschwerden über Nacht oder am Sonntag bis zum Zahnarztbesuch zu lindern. Auch kalte Auflagen auf der schmerzenden Seite wirken wohltuend. Heilpflanzenkundige kennen Gewürznelken als Mittel gegen Zahnweh. Am besten verwenden Sie Nelkenöl aus der Apotheke, das Sie auf die schmerzende Stelle auftragen.

Unverzichtbar, wenn es um die Zahngesundheit geht, sind die jährlichen Kontrolluntersuchungen mit Zahnsteinentfernung sowie gegebenenfalls eine zusätzliche professionelle Reinigung. Doch solche Vorbeugemaßnahmen können nur erfolgreich sein, wenn Sie selbst auf eine gründliche, sorgfältige Mundhygiene achten.

Die richtige Zahnpflege – jeden Tag!

  • Putzen Sie Ihre Zähne zweimal täglich drei bis fünf Minuten an Außen-, Innen- und Kauflächen oben wie unten. Bei elektrischen Zahnbürsten genügen mitunter zwei bis drei Minuten Putzzeit.
  • Achten Sie beim Putzen darauf, mit der Bürste nicht zu temperamentvoll und kräftig aufzudrücken, damit Sie den Zahnschmelz nicht abschrubben oder das Zahnfleisch zurückschieben.
  • Wechseln Sie die Zahnbürste regelmäßig, alle ein bis drei Monate.
  • Eine Zahnpasta mit Fluorid stärkt den Zahnschmelz. Besprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt, welche Zahnpasta für Sie am besten geeignet ist.
  • Vergessen Sie nicht, die Zahnzwischenräume zu säubern. Mit Zahnseide oder Interdentalbürsten werden auch die schwer zugänglichen Zahnbereiche sauber. Zahnarzt, Zahnarztassistent oder Dentalhygieniker zeigen Ihnen häufig, wie Sie dabei richtig vorgehen.
  • Mundspüllösungen unterstützen meist die Behandlung von Zahnfleischentzündungen. Wie oft und wie lange Sie Ihren Mund damit spülen sollten, klären Sie mit Ihrem Zahnarzt.
  • Vermeiden Sie aggressive Aufheller oder Polierstoffe in der Zahncreme. Sie können Zahnschmelz und Zahnhälse angreifen. Aufhellen (Bleaching) und andere Maßnahmen sollte nur der Zahnarzt durchführen.
  • Wenn Sie saure Speisen gegessen haben, etwa Obst wie Zitrusfrüchte, sollten Sie nicht unmittelbar danach die Zähne putzen. Durch die Säuren wird der Zahnschmelz vorübergehend weicher. Besser ist es, den Mund einfach mit Wasser auszuspülen.

Weitere Tipps und Empfehlungen für Ihre tägliche Mundhygiene finden Sie im Spezial "Zähne: Funktion, Aufbau, Krankheiten".

Bewusster leben – den Zähnen und der Gesundheit zuliebe

Wer häufig Zahnprobleme hat sollte nicht nur seine Putzsitten, sondern auch seine Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Rauchen Sie? Dann Schluss damit. Raucherzähne sind oft an den Verfärbungen und Ablagerungen durch die Stoffe im Qualm zu erkennen. Mundschleimhäute und Zahnfleisch sind schlechter durchblutet, da Nikotin dazu führt, dass sich die Gefäße verengen. Die Immunabwehr tut sich schwerer.

Essen Sie gerne süß und fettreich? Stellen Sie ab jetzt Ihren Ernährungsplan konsequent um und lassen Sie sich hierbei beraten. Viel Gemüse und Vollkornprodukte gehören zu einer ausgewogenen Ernährung, die auch Ihren Zähnen Gutes tut. Wer sich dazu noch ausgiebig körperlich bewegt, immer wieder entspannt und gezielt Stress abbaut, stärkt seine Abwehrkräfte. Ein solcher Rundum-Zahnschutz beugt auch vielen anderen Gesundheitsproblemen vor und erhöht ganz allgemein Ihr Wohlbefinden.