Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium)

Ein nach außen gewendetes Lid – meistens ist es das Unterlid – heißt Ektropium. Das Auge ist gereizt und tränt. Rechtzeitige Operation wendet weiteren Schaden ab

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von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 01.07.2015

Überblick: Was ist ein Ektropium?

Als Ektropium wird ein vom Augapfel abstehendes, nach außen gewendetes und abgesenktes Lid bezeichnet. Meistens ist das Unterlid betroffen. Augenärzte unterscheiden verschiedene Formen (siehe unten). Am häufigsten ist das altersbedingte Ektropium.

Es entsteht, wenn das Lidgewebe im höheren Alter erschlafft. Die Folgen sind lästig, vor allem das Tränenträufeln – die Tränen fließen über den Lidrand ab –, eine Bindehautentzündung mit einem geröteten und trockenen Auge, eventuell auch eine Hornhautentzündung. Das Sehen kann beeinträchtigt sein. Die Lidfehlstellung stört Betroffene aber nicht nur wegen der Beschwerden, sondern auch kosmetisch.

Der Augenarzt stellt das Ektropium auf den ersten Blick fest. Als Therapie eignen sich bei milden Formen benetzende Augenmedikamente. Eine Korrektur ist nur operativ möglich und sollte rechtzeitig erfolgen. Denn je länger ein Ektropium besteht, desto mehr Probleme sind zu erwarten. Sie machen den Eingriff auch komplizierter.

Ektropium: Ursachen

Es gibt verschiedene Umstände, die zu einem Ektropium führen können. Häufig lassen sich dabei auch mögliche Ursachen ableiten:

  • Höheres Lebensalter: seniles oder atonisches Ektropium
  • Lähmung (Paralyse) des Gesichtsnerven: paralytisches Ektropium, zum Beispiel infolge einer Virusinfektion
  • Narben: durch Verletzungen oder infolge verschiedener Augenerkrankungen: Narbenektropium
  • Mechanisch, zum Beispiel bei entzündlich bedingter Schwellung des Lides und seiner Umgebung, bei schlecht sitzenden Brillengläsern, mitunter bei einem Tumor: mechanisches Ektropium
  • Angeboren: kongenitales Ektropium (selten)
  • Vermehrte Spannung des ringförmigen Lidschlussmuskels: spastisches Ektropium, zum Beispiel nach einer Lidverletzung oder bei vergrößertem Augapfel (ebenfalls eher selten)

Welche Symptome treten bei einem Ektropium auf?

Hat sich das Lid nachaußen gewendet, sind die Augen gereizt und tränen. Die frei liegenden Bereiche der Bindehaut und Hornhaut trocknen aus. Es kommt somit zu einem trockenen und geröteten Auge. Besteht ein Ektropium länger, entwickelt sich eine chronische Entzündung der Bindehaut und Hornhaut (chronische Konjuktivitis und Keratitis). Das Sehen wird durch die verschiedenen Faktoren beeinträchtigt oder gefährdet.

Diagnose bei auswärtsgedrehtem Lid

Das Ektropium erkennt der Arzt auf Anhieb. Um zu beurteilen, ob die Lidfehlstellung die Bindehaut oder Hornhaut geschädigt hat, überprüft er die vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe (Untersuchungsmikroskop). Ein Sehtest (Sehschärfenprüfung) sollte immer zur Augenuntersuchung gehören. Bei Bedarf schließen sich weitere Untersuchungen an.

Ektropium: Therapie

Benetzungsmittel in Form von Augentropfen, -gels und -salben halten die Augenoberfläche feucht und können die Beschwerden lindern. Hauptziel des Augenarztes ist es jedoch, die Lidabweichung zu beheben.

Bei einem altersbedingten Ektropium können verschiedene Operationen die verminderte Lidspannung erhöhen, die Lidfehlstellung dadurch korrigieren und Augenschäden vorbeugen.

Ein Ektropium aufgrund einer Gesichtslähmung (der sogenannten idiopathischen peripheren Fazialislähmung) bildet sich oft spontan zurück. Bis dahin kann jedoch einige Zeit vergehen. Bei fortbestehender Lähmung gefährdet vor allem der unzureichende Lidschluss die Hornhaut. Daher sind verschiedene, manchmal auch operative Maßnahmen notwendig, um die Hornhaut besser zu schützen, eingetretene Schäden abheilen zu lassen oder die Muskelfunktion, die den Lidschluss ermöglicht, bestmöglich wiederherzustellen.

Auch wenn Narben für ein Ektropium verantwortlich sind, kann eine Operation das verzogene Lid in die richtige Stellung bringen. Lidtumoren als Ursache eines Ektropiums werden ebenfalls chirurgisch behandelt. Die selten vorkommende angeborene Fehlstellung des Lides verschwindet oft von alleine. Manchmal hilft auch eine sanfte manuelle Lidmassage. Insbesondere wenn ein Ektropium zusammen mit anderen angeborenen Fehlbildungen des Auges auftritt, ist eine operative Korrektur sinnvoll.

Ein spastisches Ektropium kann sich von selbst lösen. Andernfalls hilft ein Eingriff, bei dem das Lid verkürzt wird.

Entzündlich bedingte Lidschwellungen sprechen häufig auf eine entzündungshemmende Therapie an; hat sich das Gewebe chronisch verändert, ist meist auch eine chirurgische Behandlung notwendig.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Beim Ektropium unterscheiden Augenärzte verschiedene Formen (siehe auch Kapitel "Überblick"). Zu den wichtigsten nachfolgend noch einige Informationen.

Weit verbreitet: Ektropium im höheren Lebensalter

In jungen Jahren sind die Strukturen (der "Aufhängeapparat") der Lider fest und straff. Dadurch bleiben sie in Form und halten die Stellung. Eine wichtige Rolle spielen dabei stützende Elemente wie die Bindegewebsplatte namens Tarsus in den Lidern und die beiden Lidbändchen im inneren und äußeren Augenwinkel. Sie verbinden die Lider mit der Knochenhaut.

Auch der ringförmige Lidschlussmuskel (Ringmuskel oder Orbicularis-Muskel) beeinflusst die Lidstellung. Darüber hinaus helfen kleine, an der Bindegewebsplatte verankerte Muskeln namens Retraktoren mit, die Lider in der richtigen Position zu halten, vor allem am Unterlid.

Altersbedingt können sich diese Strukturen verändern. Im höheren Lebensalter ist vor allem die Aufhängung des Unterlides im inneren und äußeren Augenwinkel geschwächt. Ärzte sprechen hier von einer horizontalen (waagrechten) Erschlaffung der Lidbändchen. Auch die Lidhaut gibt nach.

Hinzu kommt ein Spannungsverlust der kleinen Lidmuskeln, der Unterlidretraktoren. Der ringförmige Augenmuskel erhält dann ein Übergewicht. Er verlagert sich nach unten, dabei schiebt er die Unterkante der Bindegewebsplatte nach oben zum Lidrand hin, sie kippt nach außen. Als Folge liegt das Unterlid nicht mehr vollständig dem Augapfel an.

Ektropium bei Gesichtslähmung

Der Gesichtsnerv oder Fazialisnerv versorgt mit seinem motorischen Anteil alle mimischen Muskeln und den Ringmuskel am Auge. Die mimischen Muskeln setzen wir zum Beispiel ein, wenn wir die Stirn runzeln, die Backen aufblasen, die Lippen schürzen oder ein Lied pfeifen.

Der Ringmuskel bewirkt den Lidschluss, und wir können mit seiner Hilfe das Auge auch fest zukneifen. Bei einer peripheren Lähmung des Gesichtsnervs, einer peripheren Fazialisparese, ist eine Gesichtshälfte erschlafft.

Typisches Zeichen ist ein auf der betroffenen Seite herabhängender Mundwinkel. Lidschluss und Stirnrunzeln gelingen nicht. Der Augapfel wendet sich beim Versuch, das Auge zu schließen, nach oben und bleibt teilweise sichtbar (Bell-Phänomen). Außerdem bildet sich ein Ektropium (Lähmungsektropium) des Unterlides. Auch die "Tränenpumpe", also Muskelfasern, die für den geordneten Abfluss der Tränen sorgen, arbeitet unter Umständen nicht mehr.

Der Gesichtsnerv vermittelt aber nicht nur Muskelaktionen, sondern auch Sinneswahrnehmungen und vegetative Funktionen. Begleitend kommt es häufig zu Schmerzen hinter dem Ohr auf der betroffenen Seite, vermehrter Geräuschempfindlichkeit und Missempfindungen an der gleichseitigen Wange.

Zudem ist bei peripherer Fazialislähmung der Geschmackssinn teilweise aufgehoben, und die Bildung der Tränen- sowie Speichelflüssigkeit kann vermindert sein. Möglicherweise ist durch die Schwäche der Wangen- und Lippenmuskulatur auch das Sprechen beeinträchtigt. Allerdings liegt nicht immer eine vollständige Lähmung vor. Die Krankheitszeichen hängen auch davon ab, wo der Nerv in seinem Verlauf geschädigt worden ist.

Die Ursache der peripheren Fazialislähmung ist vielfach unbekannt. Dann sprechen Ärzte von einer idiopathischen Fazialislähmung. Die Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu. Teilweise gehen offenbar symptomlos verlaufene Virusinfekte voraus. Tatsächlich wird derzeit eine Entzündung mit erneut aktivem Herpes-simplex-Virus (es bleibt nach der Erstinfektion im Körper) als wichtige Ursache der idiopathischen Form angenommen.

Darüber hinaus gibt es periphere Gesichtsnervlähmungen, die nicht zur idiopathischen Gruppe gehören. Sie treten vor allem bei Herpes-zoster-Infektionen des Ohres, bei anderen Virusinfektionen, die zum Beispiel zu einer Mitttelohr- oder Hirnhautentzündung geführt haben, oder im Rahmen einer Borrelieninfektion auf.

Seltener sind sie Folge eines Tumors der Ohrspeicheldrüse. Manchmal liegt ein Schädelbruch (sogenannte Felsenbeinfraktur) zugrunde. Sehr selten kommt eine periphere Gesichtslähmung bei immunologischen Erkrankungen wie zum Beispiel Sjögren-Syndrom oder Sarkoidose vor.

Durchblutungsstörungen können mitunter ebenfalls eine Rolle spielen. Daneben gibt es weitere Ursachen wie etwa ein sogenanntes Cholesteatom (chronisch-eitrige Mittelohrentzündung mit Knochenzerstörung).

Ein Teil der Betroffenen hat einen Bluthochdruck oder Diabetes.

Die Folgen für das betroffene Auge: Durch das herabhängende Unterlid und den unvollständigen Lidschluss entwickelt sich schnell ein trockenes Auge. Verschiedene Schutzmaßnahmen können mögliche Komplikationen wie Entzündungen der Bindehaut und Hornhaut vermeiden helfen.

Keineswegs selten: Ektropium durch Narben

Auch Gesichts- und Lidverletzungen führen manchmal zu einem Ektropium. Es entsteht dann durch eine vermehrte Spannung des Gewebes, ausgehend von Narben oder Hautverdickungen.

Mechanisch, entzündlich oder durch einen Lidtumor bedingtes Ektropium

Als mechanische Ursachen eines Ektropiums kommen Lidschwellungen oder entzündliche Hauterkrankungen (Dermatosen) in Betracht, die das Lid mit einbeziehen. In erster Linie spielen hier Dermatosen eine Rolle, die mit Verhornungsstörungen einhergehen oder zu den entzündlichen Ekzemen gehören. Manchmal verlagern schlecht sitzende Brillengläser das Lid nach unten und außen. Gelegentlich kann eine Geschwulst (ein Tumor) zu einem Ektropium führen.

Unterschiedlich häufig: Ektropium nach Lidoperation

Mit der Größe eines Eingriffs am Lid nimmt das Risiko zu, dass das Lid anschließend in eine Auswärtsdrehung gerät. So kommt ein postoperatives Ektropium häufiger nach ausgedehnten Operationen am Lid vor, zum Beispiel wegen eines Tumors.

Sehr viel seltener tritt es nach Korrekturen anderer Lidfehlstellungen auf, etwa eines einwärtsgedrehten Lides (Entropium).

Selten: Angeborenes Ektropium

In sehr seltenen Fällen ist diese Fehlstellung des Lides angeboren. Die Auswärtsdrehung des Unterlides kann sich spontan zurückbilden. Teilweise sind aber noch weitere Fehlbildungen des Lides, des Gesichts oder der Haut vorhanden.

Ektropium: Tränenträufeln & Co. ...

Die Beschwerden bei auswärtsgedrehtem Lid hängen von der Art und vom Ausmaß der Fehlstellung ab. Wenn zum Beispiel das Tränenpünktchen am inneren Augenwinkel, das normalerweise die Tränenflüssigkeit aufnimmt, mit nach außen gewendet ist, läuft die Tränenflüssigkeit über den Lidrand ab (Tränenträufeln, fachsprachlich Epiphora).

Die Betroffenen empfinden dies natürlich als störend und wischen die Tränen oft mit der Hand oder einem Taschentuch weg. Berühren sie dabei die empfindliche Bindehaut, wird diese gereizt. Außerdem kann das Ektropium sich dadurch noch stärker ausprägen. Man sollte daher die Tränen eher durch Abtupfen und nicht durch Wischen entfernen.

... zum Beispiel Bindehautentzündung

Als Folge der Auswärtsdrehung des Lides trocknet die Bindehaut aus. Sie wird zunehmend gereizt und entzündet sich. Es entsteht ein Fremdkörpergefühl. Das Auge ist gerötet. Die frei liegende Hornhaut wird nicht mehr ausreichend benetzt und entzündet sich ebenfalls. Alles in allem verschlechtert sich das Sehen. Bei einem unvollständigen Lidschluss infolge einer Gesichtslähmung (mehr dazu im Kapitel "Ursachen") wirkt sich besonders der mangelnde Hornhautschutz schädlich aus.

Das Ektropium zieht häufig weitere Augenbeschwerden nach sich

Beschwerden wie ein tränendes, rotes, eventuell auch trockenes Auge sollte der Augenarzt stets abklären. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Lid nicht wie normal am Augapfel anliegt, sondern nach außen gewendet und abgesunken ist. Die Abweichung stellt der Augenarzt sofort fest. Dennoch sind Angaben des Patienten zu den Beschwerden und zur Krankengeschichte (Anamnese) stets hilfreich.

Bei einem Ektropium untersucht der Augenarzt immer auch die Augen genauer. So überprüft er ihre Beschaffenheit und Beweglichkeit, die Verhältnisse an den Lidern, die Pupillenweite und -reaktion, die Schmerzempfindlichkeit der Hornhaut. Spezielle klinische Tests erlauben eine Einschätzung möglicher Schwachpunkte am Lid, die zur Auswärtsdrehung geführt haben.

Mittels einer Lichtquelle, die an ein Untersuchungsmikroskop gekoppelt ist (sogenannte Spaltlampe), lenkt der Augenarzt einen gebündelten Lichtstrahl ins Auge des Patienten und betrachtet durch das Mikroskop die beleuchteten vorderen Augenabschnitte von der Bindehaut und Hornhaut bis zur Linse.

Durch die Vergrößerung lassen sich zum Beispiel krankhafte Veränderungen an der frei liegenden Bindehaut und Hornhaut wie etwa Entzündungen, Geschwüre, Narben – mögliche Folgen des Ektropiums – genau erkennen. Immer schließt sich auch eine Sehschärfenprüfung an.

Ektropium mit Gesichtslähmung: Viele Ursachen – verschiedene Fachärzte

Vorab wichtig: Bei einer plötzlich aufgetretenen Fazialisparese sollten Sie immer auch an einen Schlaganfall (Hirninfarkt) denken und bei Bedarf unverzüglich den Notarzt rufen (Notrufnummer 112).

Recht typisch für einen Hirninfarkt ist, dass die Betroffenen zwar Mund und Auge nicht mehr richtig bewegen, die Stirn aber noch runzeln können. Die zentrale Lähmung erfasst häufig jedoch weitere Bereiche der gleichseitigen Körperhälfte. Auch können Sehstörungen, Sprachprobleme, andere Störungen, etwa Verlust der Blasenkontrolle, Kopfschmerzen oder Benommenheit vorhanden sein. Patienten mit einem akuten Schlaganfall müssen so schnell wie möglich in einer entsprechenden Klinik behandelt werden.

Eine idiopathische Fazialislähmung (siehe Kapitel "Ursachen") tritt ebenfalls "aus heiterem Himmel" auf. Meist fühlen sich die Betroffenen hier insgesamt wenig beeinträchtigt, was aber einen Schlaganfall keineswegs ausschließt.

Wegen der bei einer Gesichtslähmung zahlreichen infrage kommenden Ursachen sind Ärzte mehrerer Fachbereiche in abgestimmter Weise in die Diagnostik einbezogen – etwa Internisten, Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Sie veranlassen falls notwendig weiterführende Untersuchungen.

Diese reichen von neurologischen Tests oder Untersuchungen des Ohres über unterschiedliche Laboranalysen, eventuell auch eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Lumbal- oder Liquorpunktion) bis hin zu bildgebenden Techniken wie Ultraschalluntersuchung, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie.

Konservative Therapie

Benetzende Augentropfen und Gels tagsüber sowie Augensalben nachts halten die Augenoberfläche feucht und können die örtlichen Beschwerden bei Ektropium (siehe Kapitel "Symptome") lindern. Im Vordergrund steht jedoch die Behandlung der Ursachen. Das bedeutet häufig eine Operation, entsprechend den individuellen Bedürfnissen.

Operationen bei Ektropium

Korrekturen von Lidfehlstellungen wie Ektropium oder Entropium führen Augenärzte heute überwiegend ambulant und in örtlicher Betäubung durch.

Ektropium im höheren Lebensalter

Hier geht es häufig darum, die (in der Waagrechten) verminderte Lidspannung zu erhöhen, damit sich das Unterlid wieder dem Augapfel anlegt. Das lässt sich zum Beispiel durch Eingriffe wie die sogenannte laterale Zügelplastik beziehungsweise Tarsalzungenplastik erreichen.

Dabei wird der äußere Anteil des Lidbändchens und des Lidknorpels (der Operateur formt ein zungenförmiges Teilstück) seitlich in der Knochenhaut der knöchernen Augenhöhlenwand "versenkt" und befestigt. Die Lidaufhängung wird dabei im nötigen Maß verkürzt, das Unterlid dadurch gestrafft und gleichzeitig angehoben.

Wenn sich mit dem Unterlid auch das Tränenpünktchen am inneren Augenwinkel nach außen und zudem mehr zur Lidmitte hin verlagert hat, kommen Eingriffe in Betracht, die die Lidstellung im inneren Lidwinkel verbessern. Das sind beispielsweise das Ausschneiden eines Keils (Keilexzision) im auswärtsgedrehten Bereich, die Entnahme eines rautenförmigen Stückchens aus dem Lidknorpel und der Lidbindehaut (tarsokonjunktivale Rautenexzision, Lazy-T-Operation) oder die Faltung des inneren, zur Nase hin gelegenen Lidbändchens. Dadurch wendet sich der Lidrand nach innen.

Bei einem ausgeprägten Ektropium ist es häufig notwendig, an mehreren Punkten, also im inneren und im äußeren Lidwinkel gleichzeitig anzusetzen. Das macht die Operation komplexer, da der Arzt verschiedene Verfahren in einem Eingriff miteinander kombinieren muss.

Ektropium bei Lähmung des Gesichtsnervs

Bei einer Gesichtslähmung (idiopathische periphere Fazialisparese, siehe Kapitel "Ursachen") verbessern sich die häufig Beweglichkeit und Stellung des Lides häufig im Verlauf von einigen Wochen oder Monaten von alleine. Vorsichtige Übungsbehandlung kann die Genesung unterstützen.

Das Auge wird tagsüber mit benetzenden Augentropfen und -gel, nachts mit einer Augensalbe behandelt. Eine frühzeitige Rückbildung der Lähmung (ab sechs Wochen bis sechs Monaten) lässt weitgehende Heilung erwarten. Teilweise kommt es auch noch danach zu Verbesserungen, jedoch nicht immer vollständig.

Wenn der Lidschluss nicht funktioniert, die Benetzung der Hornhaut unzureichend oder ihre Sensibilität gestört ist, wird nachts ein Uhrglasverband getragen – eine durchsichtige Plastikkappe, die mit einem Pflaster fixiert wird. Tagsüber schirmt eine dicht schließende Seitenschutzbrille das Auge ab.

Bei akuten Beschwerden durch eine Hornhautschädigung ist immer der Augenarzt gefragt. Eventuell wird er einen Salbenverband verordnen oder ein Zügelpflaster, welches das Lid hochzieht, empfehlen. Dazu verwendet man einen etwa vier bis fünf Zentimeter langen Streifen eines möglichst hautschonenden Pflasters, das es in einer Breite von zweieinhalb Zentimetern handelsüblich auf Rollen zu kaufen gibt. Pflaster mit einem weißen Stoffgewebe als Grundgerüst haben sich gut bewährt, da sie nicht elastisch sind. Das Pflaster klebt man, beginnend vom seitlichen Unterlid etwas unterhalb der Wimpernreihe, mit leichtem bis mäßigem Zug zur Seite beziehungsweise nach oben in Richtung Schläfe bis unterhalb des Augenbrauenendes. Das Unterlid wird damit horizontal gestrafft und zudem seitlich gehoben.

Manchmal ist notfallmäßig eine Lidvernähung (Verengung der Lidspalte, Tarsoraphie) im äußeren Lidwinkel notwendig. Wenn der Lidschluss nach einigen Wochen oder Monaten besser funktioniert, kann der Augenarzt die Naht wieder öffnen.

Ist das Ektropium am inneren Lidrand besonders ausgeprägt, verbindet er das Ober- und Unterlid mit kleinem Abstand zu den Tränenpünktchen durch Nähte miteinander (Lidwinkel- oder Kanthoplastik). Beide Maßnahmen dienen dazu, die Lidspalte zu verkleinern und so die Hornhaut besser zu schützen.

Mitunter setzt der Augenarzt ein Gold- oder Platinimplantat in das Oberlid ein. Das Gewicht erleichtert den Lidschluss.

Bei anhaltender Lähmung fließen mitunter die Tränen ständig über die Wange. Möglicherweise kann bei ausgeprägter Fazialisparese eine zufriedenstellende Wiederherstellung der motorischen Funktion des Gesichtsnerven durch bestimmte mikrochirurgische Naht- und Muskeltransplantat-Techniken helfen.

Ektropium durch Narben und Hauterkrankungen

Narben oder Gewebeveränderungen durch bestimmte entzündliche Hauterkrankungen (Ekzeme) können die Lidhaut verkürzen. Die Spannung auf die Lidkante nimmt dadurch zu, das Lid wird nach außen und unten gezogen. Dies lässt sich zum Beispiel durch eine bestimmte Narbenoperation namens Z-Plastik beheben. Dabei werden zwei kleine "Hautlappen" in einem bestimmten Winkel zur Narbenzugrichtung verschoben. So entsteht ein Gegenzug und gleichzeitig eine Entlastung.

Alternativ kann auch ein Hauttransplantat die erhöhte Gewebespannung mindern. Das Transplantat entnimmt der Arzt an einer anderen Körperstelle, zum Beispiel am Oberlid oder hinter dem Ohr. Falls das Lid zugleich in der Waagrechten (horizontal) erschlafft ist, ist zusätzlich eine seitliche Zügel- oder Tarsalzungenplastik (siehe oben: Ektropium im höheren Alter) notwendig.

Hauterkrankungen bedürfen außerdem einer gezielten medikamentösen Behandlung.

Mechanisch oder durch einen Lidtumor bedingtes Ektropium

Die Behandung richtet sich danach, welche Faktoren im Einzelnen am Unterlid einen Zug ausüben und so ein Ektropium verursachen. Manchmal ist eine Lidschwellung der Grund. Sie kann viele Ursachen haben und wird entsprechend therapiert. Ein Tumor wird nach den jeweils bestehenden chirurgischen Maßgaben entfernt. Anschließend wird die Lidspannung mit einem geeigneten Verfahren wiederhergestellt.

Angeborenes Ektropium

Die Behandlung richtet sich hier nach der zugrunde liegenden Fehlentwicklung. Manchmal kann sich die Auswärtsdrehung des Lides von selbst normalisieren, manchmal werden einwärtsziehende Nähte notwendig. Wenn die Lidhaut verkürzt ist, kann ein Transplantat das Gewebedefizit ausgleichen.

Ektropium nach einem Eingriff am Auge

Gelegentlich kommt es nach Lidoperationen, beispielsweise nach Entfernung eines Tumors, zum Ektropium. Auch nach kosmetischen Eingriffen wie einer "Schlupflid"- oder "Tränensack"-Operation kann als unerwünschte Folgeerscheinung ein Ektropium auftreten. Die operative Korrektur erfolgt in der Regel durch eine horizontale Lidverkürzung und Einsetzen eines Hauttransplantates.

Nachbehandlung

Nach der Operation wird das Auge für 24 Stunden mit einem Verband abgedeckt und anschließend mit einer Augensalbe behandelt. Nach etwa zehn Tagen zieht der Arzt die Wundfäden. In der ersten Zeit nach der Operation sollte man nicht am Auge reiben. Anfangs kann es sinnvoll sein, nachts eine leichte schützende Auflage zu tragen.

Wegen der Gefahr der Schwellung und Nachblutung sollten die Betroffenen in der ersten Zeit nach dem Eingriff größere körperliche Anstrengungen vermeiden.

Professor Dr. Klaus G. Riedel ist Facharzt für Augenheilkunde und war vom 1. 10. 1993 bis zum 31. 12. 2014 als Leitender Arzt an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München tätig. Seine Weiterbildung zum Augenarzt und seine Habilitation erfolgten an der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Während seiner Facharztausbildung absolvierte er ein zweijähriges Forschungsstipendium an der Augenklinik der Harvard Universität in Boston. Professor Riedel ist Mitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands. Während seiner klinischen Zeit betreute er vor allem Patienten mit grauem Star, mit grünem Star und mit Erkrankungen der Netzhaut und der Augenlider. Sein operativer Schwerpunkt war die plastische und wiederherstellende Chirurgie der Augenlider.

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