Halsschmerzen – was dahintersteckt

Wenn der Hals wehtut, steckt häufig eine Erkältung oder Grippe dahinter. Was sonst noch Halsschmerzen verursacht und was sie wieder vertreibt

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 03.01.2018

Eigentlich jeder kennt das: Es kratzt plötzlich im Hals, man fühlt sich schlapp und ahnt: Erkältung im Anmarsch. Tatsächlich sind Atemwegsinfekte mit Halsentzündungen weitaus die häufigste Ursache von Halsschmerzen – bei Kindern wie Erwachsenen. Das heißt auch: Halsschmerzen sind überwiegend harmlos.

Halsschmerzen - Ursache Nr. 1: Virusinfekte mit Halsentzündung

Bei Kindern sind acht bis zehn mal im Jahr Halsweh, Husten und Schnupfen völlig normal. Mehrheitlich sind Viren die Übeltäter, allen voran Erkältungsviren, und das bevorzugt in der kalten Jahreszeit. Seltener sind Infektionen mit anderen Virusarten im Spiel. Sie verursachen erkältungsähnliche Krankheitsbilder, Grippe, Mandelentzündungen und teilweise sogenannte Kinderkrankheiten. Weitere Informationen auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de unter Kinderkrankheiten.

Aber auch Infektionen mit Bakterien sind häufiger verantwortlich, darunter Rachen- und  Mandelentzündungen durch bestimmte Streptokokken, zudem Scharlach. Mehr dazu nachfolgend und im Kapitel "Halsschmerzen: Hauptursachen sind Infektionen" in diesem Beitrag.

Halsentzündung – viele Fachwörter

Infolge der Infektion entzündet sich die Schleimhaut im Hals. Je nachdem, wo sich die Entzündung genau abspielt – teilweise hängt das auch vom auslösenden Erreger ab – liegt eine Rachenentzündung (Pharyngitis) oder Mandelentzündung (Angina tonsillaris, Tonsillitis) vor. Wo die Mandeln liegen, zeigt die nachfolgende Grafik.

Rachen- und Mandelentzündungen können auch gemeinsam auftreten (Pharyngotonsillitis oder Tonsillopharnygitis). Ein entzündeter Kehlkopf heißt Laryngitis. Sind Kehlkopf und Rachen entzündet, entspricht das einer Pharyngolaryngitis.

Halsentzündungen kommen akut, wiederkehrend (rezidivierend) und chronisch vor. Bestehen Halsschmerzen seit höchstens zwei Wochen, sind sie akut. Meist sind sie aber schon am dritten Tag abgeklungen. Es können eine oder beide Seiten im Hals betroffen sein. Nach dem klinischen Befund unterscheiden Ärzte bestimmte Untergruppen, etwa Entzündungen mit Geschwüren.

Steckbrief Halsentzündung

  • Rachenentzündung (Pharyngitis): Ganz überwiegend sind Erkältungsviren, seltener andere Viren, Bakterien, spezielle Erreger oder Reizstoffe aus der Umwelt, verantwortlich. Die Mandeln sind hier nicht entzündet.
    Symptome der typischen "Erkältungspharyngitis": anfangs Halskratzen oder Halsschmerzen, Brennen in der Nase, Niesreiz, Schnupfen, eventuell gefolgt von Kopfschmerzen und Fieber sowie Husten. Die Halsschmerzen sind normalerweise nach zwei bis drei Tagen vorbei, die übrigen Erkältungssymptome nach einer Woche.
  • Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris, Tonsillopharyngitis): Es sind vor allem die Gaumenmandeln betroffen. Je nach Entzündungsart gibt es verschiedene Unterformen. Auslöser sind häufiger Bakterien, vor allem des Typs beta-hämolysierende Streptokokken A, und Viren.
    Symptome: Starke Halsschmerzen, die länger als zwei Tage dauern und in die Ohren ausstrahlen können ("Angina-Halsschmerzen"), Schluckbeschwerden, Beläge auf den Mandeln, Mundgeruch, kloßige Sprache, geschwollene und beim Abtasten schmerzhafte Lymphknoten am Hals, Fieber, außerdem häufig Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, bei Kindern auch Bauchschmerzen und Erbrechen.
  • Kehlkopfentzündung (Laryngitis): Bei einer Erkältung breitet sich mitunter die Schleimhautentzündung "rachenabwärts" aus. In der Folge können die Schleimhaut und Stimmbänder im Kehlkopf anschwellen, häufig lagert sich auch Schleim auf. Mitunter sind Bakterien für eine Kehlkopfentzündung verantwortlich.
    Symptome: Heiserkeit oder Wegbleiben der Stimme (Aphonie) über zwei bis drei Tage, Husten, Halsschmerzen und weitere Erkältungssymptome, etwa Fieber. Die Stimme kann der Besserung der anderen Beschwerden manchmal noch etwas hinterherhinken. Selten ist die Entzündung im Kehlkopf so stark, dass es durch die damit verbundene Schwellung zu Atemnot kommt (Notfall!).
  • Kehldeckelentzündung (Epiglottitis): Die Epiglottitis entsteht durch eine Infektion mit Bakterien, manchmal geht ein Virusinfekt der oberen Atemwege voraus. Eine Kehldeckelentzündung kommt hauptsächlich bei Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren vor. Die Impfung gegen den häufigsten Auslöser, den Keim Hämophilus influenzae b (Hib), hat die gefürchtete Krankheit zurückgedrängt.
    Symptome: Hier kann es schnell dramatisch werden. Innerhalb von wenigen Stunden kann der Eingang des Kehlkopfes zuschwellen. Ohne ärztliche Hilfe bekommt der Betroffene dann keine Luft mehr und erstickt womöglich.

Auf den zweiten Blick: Weitere Ursachen von Halsschmerzen

  • Reizstoffe in der Umwelt: Vor allem Tabakrauch, aber auch andere Chemikalien wie Lösungsmittel und Stäube stehen bei den Ursachen mit auf der Liste. Häufig macht trockene Raumluft dem Hals zu schaffen, besonders in der Heizperiode.
  • Allergien und Halsbeschwerden? Nichts Ungewöhnliches. In Deutschland sind zum Beispiel Millionen von Heuschnupfen betroffen, darunter zunehmend viele Kinder. Neben Fließschnupfen und Augenbrennen plagen anfallsartige Reizungen mit schmerzhaftem "Jucken" im Hals die Leidtragenden. Neben sogenannten Aeroallergien, also solchen, die durch Allergene in der Luft wie Pollen, Hausstaub oder Bestandteile von Schimmelpilzen ausgelöst werden, spielen auch Nahrungsmittelallergien bei Halsschmerzen – ebenfalls eher als schmerzhaftes Jucken im Hals empfunden – eine Rolle.
  • Rückflusskrankheit (Sodbrennen): Die auch gastroösophageale Refluxkrankheit genannte Rückflusskrankheit wird als Ursache für Halsschmerzen allgemein eher unterschätzt, ist jedoch vergleichsweise häufig der Grund. Saurer Mageninhalt nimmt hier zunächst die falsche Richtung im Verdauungstrakt, indem er nach oben in die Speiseröhre fließt. Je nach Ausmaß wird die Speiseröhre gereizt und entzündet sich. Zu den typischen Beschwerden gehören Sodbrennen, Luftaufstoßen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Kloßgefühl im Hals, mitunter auch Reizhusten.
  • Bei ungewöhnlichen Halsschmerzen: Auch an einen Herzinfarkt denken! Alarmsignale eines Herzinfarktes sind starke Schmerzen oder ein Brennen in der Herzgegend oder im Brustkorb, die mindestens fünf Minuten andauern. Sie strahlen häufig in die Arme, in den Rücken – zwischen die Schulterblätter, in den Hals, Kiefer oder oberen Bauchraum aus. Häufig kommen das Gefühl starker Beklemmung in der Brust, Angst und kalter Schweiß dazu. Rufen Sie dann unverzüglich den Rettungsdienst / Notarzt (Notruf: 112).
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis): Hier läuft häufig nicht nur die Nase, sondern entzündliches Sekret fließt auch den Rachen hinab (engl. postnasal drip). Das kann häufiges Räuspern, Heiserkeit, unter Umständen Halsschmerzen und Husten provozieren. Definitionsgemäß ist bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung zudem das Atmen durch die Nase seit mehr als zwölf Wochen behindert, ebenso Riechen und Schmecken.
  • Immunreaktion gegen Medikamente: Manche Arzneistoffe können bei entsprechend veranlagten Menschen nach mehrmaliger Anwendung krankhafte Immunreaktionen auslösen und dadurch bestimmte weiße Blutkörperchen schädigen. Teilweise betrifft das auch Vorstufen der Blutzellen (Agranulozytose). In der Folge kommt es zu einer vorübergehenden Immunstörung. Dabei entwickelt sich eine schwere, teils geschwürartige Mundentzündung (Stomatitis aphthosa medicamentosa), Mandelentzündung mit Halsschmerzen, Fieber, eventuell auch Schüttelfrost und eine Blutvergiftung (Sepsis).
  • Das heißt: Abwehrschwäche erhöht die Neigung zu Infektionen und damit zu schmerzhaften Entzündungen im Mund und Hals. Eine bekannte Immunschwächekrankheit ist zum Beispiel Aids, das sich infolge einer HIV-Infektion entwickeln kann. Das HI-Virus attackiert zentrale Abwehrzellen des Immunsystems. Halsentzündungen gehören zu den frühen Symptomen, können aber auch im weiteren Verlauf auftreten. Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem den Körper selbst angreift, während es gegenüber echten Feinden wie Krankheitserregern womöglich weniger Schlagkraft aufbringt, haben Krankheitserreger leichteres Spiel. Auch bösartige Erkrankungen des Immunsystems können die Immunabwehr schwächen, ebenso eine Entfernung der Milz (Splenektomie).
  • Unter einer Behandlung mit Kortison in bestimmten Anwendungen und Dosierungen über eine bestimmte Zeit, starkem Stress, Spitzenbelastungen im Leistungssport, chronischer Übermüdung, Unter- oder Mangelernährung leidet die Abwehrkaft häufig.
  • Eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich führt oft zu einer vorübergehenden schmerzhaften Schleimhautentzündung im Mund (orale Mukositis) und im Rachen. Dies kann die Ernährung vorübergehend erschweren. Das Behandlungsteam berät die Betroffenen rechtzeitig, wie sie das am besten bewältigen.
  • Unzureichende Mundhygiene und schlecht sitzendende Prothesen begünstigen Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut. Dies gilt zum Beispiel auch für übermäßigen Tabakkonsum. Alkohol erhöht zudem das Risiko für bösartige Tumoren im Mund, Rachen, Kehlkopf und in der Speiseröhre. Schmertzen teretn meist erst im Verlauf dieser Erkrankungen auf. Rauchen ist als Risikofaktor für zahlreiche Krebserkrankungen etabliert.
  • Am Rande erwähnt: Es gibt, wie manch eine/r aus Erfahrung weiß, auch einen ganz harmlosen Grund für Ärger mit dem Hals: Wahlkämpfer, Fußballfans oder Partylöwen wissen, was gilt, wenn es im Hals scheuert und die Stimme rau ist: "Redeverbot". Die Stimmbänder brauchen ein paar Tage Schonung, um sich wieder zu erholen. Statt Sprechen heißt es also höchstens Flüstern.

Welche Symptome gibt es bei Halsweh noch?

Halsschmerzen können bis ins Ohr ausstrahlen. Sie können mit Schmerzen beim Schlucken und mit sehr unangenehmem Mundgeruch einhergehen. Die Stimme ist mitunter belegt, kloßig oder heiser; vorübergehend kann sie sogar ganz versagen. Klettert die Körpertemperatur auf über 38 °C, hat der Betroffene Fieber. Mitunter kommt es auch zu Frösteln und Schüttelfrost.

Je nach Ursache sind weitere Beschwerden möglich: Husten, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Glieder- und Kopfschmerzen, juckende, brennende, tränende oder gerötete Augen und Lichtscheu. Vielfach kommen auch schmerzhaft vergrößerte Lymphknoten ("Knubbel") auf beiden Seiten am Hals oder im Nacken zum Vorschein. Mitunter treten Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Hautausschlag und Juckreiz auf.

Gerade Kleinkinder klagen bei fieberhaften grippalen Infekten sehr häufig über Bauchschmerzen oder Brechreiz. Es ist also durchaus möglich, dass sie dann beispielsweise eine Halsentzündung haben, der Bauch aber in Ordnung ist. Am besten beurteilt das der Kinderarzt.

Mehr zu den Begleitsymptomen bei Halsschmerzen in der nachfolgenden Liste "Wann zum Arzt?"

Halsschmerzen: Wann zum Arzt?

Halsschmerzen bei einer Erkältung klingen in aller Regel innerhalb von zwei Tagen wieder ab. Ein Arztbesuch ist nicht nötig. Hausmittel können der Linderung ein wenig nachhelfen (siehe Kapitel: "Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie"). Bei Hinweisen auf einen schwereren Verlauf dagegen sollte man dagegen umgehend ärztlichen Rat einholen.

Das gilt zum Beispiel bei folgenden Begleitsymptomen:

  • Ausgeprägtes Krankheits- oder Schwächegefühl
  • Länger als drei Tage anhaltendes Fieber, oder sehr hohes Fieber (über 39°C*), das länger als einen Tag dauert, oder Fieber, das nach wenigen Tagen wieder ansteigt
  • Starke, zunehmende oder wiederkehrende Halsschmerzen (im Hals, aber auch vorne am Hals)
  • Heftiger Husten
  • Kloßgefühl im Hals
  • Zunehmende oder wiederkehrende Schluckbeschwerden
  • Atemnot, ziehende, pfeifende Atmung, blaue Lippen
  • Schüttelfrost
  • Schwierigkeiten beim Mundöffnen (Kiefersperre)
  • Geschwüre im Mund, starker Mundgeruch
  • Starke Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Krankheitsausbrüche mit denselben Symptomen im Umfeld oder in Gemeinschaftseinrichtungen
  • Abwehrschwäche aufgrund anderer Grunderkrankungen und /oder einer speziellen Therapie
  • Auffälligkeiten wie Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen im Mund und Hals im Zusammenhang mit einer Medikamentenbehandlung
  • Früheres rheumatisches Fieber oder Nierenentzündung (Post-Streptokokken-Glomerulonephritis) beim Betroffenen selbst oder in der Familie (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen")

* Manche Mediziner raten, bei Fieber ab 39,5°C den Arzt hinzuziehen. Eine feste Regel gibt es nicht. Den einen schwächt eine hohe Körpertemperatur mehr als den anderen. Ziehen Sie im Zweifelsfall oder wenn der Betroffene eine Grunderkrankung hat, den Arzt lieber früher als später hinzu.

! Achtung: Hat ein Kind Fieber ab 39°C (Säuglinge bis drei Monate: ab 38°C) oder niedrigeres, aber über drei Tage anhaltendes Fieber, sicherheitshalber den Kinderarzt konsultieren. Ist das Kind jünger als zwei Jahre, sollte der Arzt es untersuchen, wenn es länger als einen Tag Fieber hat. Bei Säuglingen sind Symptome wie auffallende Schläfrigkeit, schlechtes Trinken auch ohne Fieber verdächtig, da sie trotzdem eine Infektion haben können. Mehr dazu im Ratgeber "Fieber"

Diagnose bei Halsschmerzen

Der Arzt – zunächst meist der Hausarzt – erfragt die Krankengeschichte und untersucht den Patienten gründlich. Das heißt er erstellt die Anamnese und erhebt den körperlichen Befund. Dabei betrachtet er – außer bei Verdacht auf eine Kehldeckelentzündung wegen der Gefahr, dass die Atemwege sich komplett verschließen oder es zu einem reflexartigen Herz-Kreislauf-Stillstand kommt – auch den Mund und Rachen des Betroffenen. Im genannten Ausnahmefall wird der Betroffene in einer HNO-Klinik in Notfallbereitschaft untersucht.

Bei der Abklärung von Halsschmerzen kann dem Arzt ein klinisches Punktesystem helfen (siehe ebenfalls Kapitel "Halsschmerzen: Hauptursachen sind Infektionen", Abschnitt: "Halsentzündungen durch Bakterien", und Kapitel "Halsschmerzen: Diagnose" in diesem Beitrag), abzuschätzen, ob ein Streptokokken-A-Infekt wahrscheinlich und eine Testung sinnvoll ist. Tests wie Abstrichuntersuchungen für einen Streptokokken-Schnelltest oder zum Erregernachweis in einer mikrobiologischen Kultur sind empfehlenswert, wenn sie Diagnose und Therapie, das heißt die Entscheidung für eine Behandlung mit einem Antibiotikum, stützen.

Eine Blutuntersuchung kann infrage kommen, etwa zum Beispiel ein Pfeiffersches Drüsenfieber vermutet wird. Weitere diagnostische Verfahren wie eine Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Arzt, ein bildgebendes Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT werden bei besonderen Fragestellungen oder Komplikationen veranlasst. Das gilt auch für die Entnahme von Gewebeproben.

Halsschmerzen: Hilfreiche Therapien

In der Regel genügen häufig allgemeine Selbsthilfemaßnahmen ("Hausmittel" ) zur Linderung der vorübergehend lästigen Beschwerden. Sie reichen vom Halswickel (beispielsweise bei Schluckbeschwerden eher kalt) über Tees bis zu Lutschpastillen und Gurgellösungen. Es ist wichtig, die Schleimhhaut gut feucht zu halten und ausreichend zu trinken, weil sie so ihrer Abwehrfunktion besser nachkommen kann. Mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie".

Nur wenn Halsschmerzen auf einem bakteriellen Infekt beruhen, kommt gegebenenfalls ein Antibiotikum infrage. Das hängt aber von der Diagnose und dem ärztlichen Befund im individuellen Einzelfall ab. Zur Linderung von Halsschmerzen empfiehlt sich gegebenenfalls für wenige Tage ein Schmerzmittel wie Paracetamol, das auch Fieber senkend wirkt, oder ein entzündungshemmendes Schmerzmittel.

Reizstoffen in der Umgebung sollte man, wenn möglich, aus dem Weg gehen oder sich davor schützen. Auch wäre die Gelegenheit gerade jetzt, wo die Zigarette überhaupt nicht schmeckt, günstig, um sich für immer vom Rauchen zu verabschieden. Bei vielen Allergien, insbesondere Heuschnupfen, gibt es wirksame Therapien: Gegen eher akute Reaktionen helfen verschiedene Antiallergika, längerfristig wird neben Vermeidungsstrategien vielfach eine Immuntherapie empfohlen (sogenannte Allergieimpfung).

Bei Komplikationen (siehe entsprechendes Kapitel in diesem Beitrag) oder speziellen Krankheitsbildern ist eine gezielt darauf ausgerichtete Therapie notwendig.

Darauf gehen die weiteren Kapitel dieses Beitrags teilweise näher ein. Ansonsten finden Sie unter den Textlinks zusätzliche Informationen, etwa zu Ursachen, Diagnose und Therapie der beschriebenen Krankheitsbilder.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Halsschmerzen betreffen Jung und Alt, meist mehrmals im Jahr. In bis zu 80 Prozent aller Fälle sind Viren die Auslöser. Grippeviren verursachen Halsschmerzen, häufiger noch sind Erkältungsviren schuld.

Daher lohnt ein Blick auf die Krankheitsbilder und Symptome, die diese weltweit aktiven Erreger hervorrufen können.

Tipp: Impfungen schützen im Allgemeinen gut vor den jeweiligen Infektionen. Sorgfältige Hygiene, vor allem regelmäßiges Händewaschen mit Seife, eigene Handtücher und rücksichtsvolles Verhalten bei einer Erkältung trägt dazu bei, das Ansteckungsrisiko zu senken.

Halsentzündungen durch Viren

  • Erkältungsviren vom Typ der Rhinoviren sind für gut ein Viertel bis die Hälfte aller Fälle mit Halsschmerzen verantwortlich. Die Übertragung geschieht meist indirekt über Kontakt – sei es beim freundlichen Händedruck, sei es beim Anfassen von Türklinken oder anderen infizierten Gegenständen. Anschließend reicht man sie an sich selbst weiter: von der Hand in den Mund beziehungsweise die Nase. Erkältungsviren fängt man sich zudem häufig über die Atemluft ein. Erkältungskranke Mitmenschen schleudern beim Niesen, Husten oder Sprechen ohne Maske ungewollt, aber massenweise virushaltige Tröpfchen umher. So gelangen die Erreger je nach Flugroute direkt in den oberen Atemtrakt des Empfängers, wo sie sich schnell vermehren. Hunderte Arten von Rhinoviren treiben vor allem im kalten Winterhalbjahr ihr Unwesen.

    Symptome:
    Halsweh ist ein klassisches Symptom bei Erkältungskrankheiten – im Gespann mit Schnupfen, eventuell auch Fieber (Temperatur ab 38 °C), mäßigem Husten, Kopfweh. Die Symptome sind zwar lästig, aber in der Regel harmlos und nach drei, spätestens fünf Tagen wieder vorbei. Mediziner sprechen von einer "hohen Spontanheilungstendenz".
  • Auch die gefürchteten Grippeviren (Influenza-Viren) spielen bei Halsschmerzen eine herausragende Rolle. Sie sind sehr anpassungsfähig und lösen immer wieder kleinere oder größere Epidemien aus. Es gibt drei übergeordnete Typen: A, B, C, wobei die ersten beiden saisonal auftreten und derzeit am verbreitetsten sind.

    Symptome
    :
    Eine herkömmliche Grippe verläuft ganz unterschiedlich: Das reicht von unbemerkt über leichte, erkältungsähnliche Beschwerden (siehe oben) bis hin zu ausgeprägten Krankheitsbildern, möglicherweise mit tödlichem Verlauf. So manchen erwischt die Grippe eher schleichend, andere trifft es mit Wucht aus voller Gesundheit heraus. Das beginnt mit Frösteln und starkem Krankheitsgefühl. Dazu kann schnell ansteigendes Fieber über 39 °C kommen. Halsschmerzen, trockener Reizhusten, tränende Augen, manchmal Lichtscheu, Schnupfen, Übelkeit, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sind gleichfalls häufige wie lästige Symptome. Auch Erbrechen und Durchfall können auftreten. Manche Betroffenen fühlen sich noch längere Zeit nach der Genesung schlapp und appetitlos. Die Grippe kann anfälliger für andere Infektionen machen. Vor allem chronisch kranke Patienten, etwa Herz- oder Lungenkranke, sind entsprechend gefährdet. An erster Stelle stehen Lungenentzündungen – entweder durch das Grippevirus selbst oder durch Bakterien, die sich nun leichter festsetzen können. Auch eine schon bestehende Lungenerkrankung kann Probleme bereiten. Weitere mögliche Komplikationen sind Herz- oder Gehirnentzündungen. Kinder erkranken im Zuge einer Grippe häufiger an einer Mittelohrentzündung.

    Die Vogelgrippe
    ,
    also die Infektion des Menschen mit speziellen Grippeerregern, etwa des Typs Influenza A H5N1, ist bislang weltweit nur gelegentlich aufgetreten. Bekannt wurde sie vor allem in Südostasien und Ägypten. Zwei Drittel der Betroffenen verstarben allerdings.

    Die Symptome sind relativ ähnlich wie bei der üblichen Grippe. Im Vordergrund stehen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, häufig gefolgt Husten und Atemnot.


    Vorbeugung der Influenza:
    Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin rät Risikogruppen zur Grippe-Impfung. Dazu gehören unter anderem Menschen ab 60 Jahren und solche, die aufgrund bestimmter chronischer Grundleiden wie zum Beispiel Bronchialasthma oder Diabetes vermehrt infektionsgefährdet sind, sodann schwangere Frauen (im Allgemeinen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhtem Erkrankungsrisiko auch schon ab dem ersten Drittel) und Heimbewohner. Wer im Krankenhaus oder Altersheim arbeitet oder beruflich viel mit anderen Menschen zu tun hat, sollte sich ebenfalls impfen lassen. Dies gilt auch für jene, die mit einem Risikopatienten zusammenleben beziehungsweise sich um ihn kümmern.

    Die Impfung deckt das Spektrum der jeweils relevanten Grippeviren ab. Wegen der Wandelbarkeit der Erreger ist sie in der Breite mitunter etwas weniger treffsicher. Jedoch ist ein anteiliger Impfschutz immer noch besser als gar keiner. Der Impfstoff wird jedes Jahr den neuen Entwicklungen bestmöglich angepasst. Zum Aufbau eines ausreichenden Impfschutzes benötigt der Körper etwa zwei Wochen. Für Risikopersonen im Hinblick auf die Vogelgrippe, zum Beispiel Personal in Geflügelhaltungen, steht ebenfalls eine entsprechende Impfung zur Verfügung.
  • Pseudokrupp/Parainfluenzaviren (Paramyxoviren): Diese Viren gehören zu den Erkältungsviren und werden ebenfalls durch infizierte Tröpfchen übertragen. Eine Besonderheit: Sie gehören zu den Auslösern des sogenannten Pseudokrupp (verengende Kehlkopfentzündung oder stenosierende Laryngitis) bei Kleinkindern. Der Pseudokrupp ist eine Entzündung der Schleimhaut des Kehlkopfes. Dabei verengt sich der Atemweg, im Prinzip ähnlich wie bei einer Epiglottitis (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Überblick"), aber das passiert in weniger auf-der-Stelle-lebensgefährlicher Form. Der Pseudokrupp kann auf erkältungsähnliche Symptome als erste Anzeichen des Virusinfektes folgen.

    Manchmal sind beim Pseudokrupp außer dem Kehlkopf (Larynx) auch die unterhalb sich anschließende Luftröhre (Trachea) und die von ihr abzweigenden kleineren Luftwege in der Lunge, die Bronchien, betroffen. Dann liegt eine "Laryngotracheitis" oder gar "Laryngotracheobronchitis" vor, allgemeiner gesagt eine "subglottische Laryngitis" beziehungsweise "Laryngitis subglottica". Glottis ist der Fachbegriff für die Stimmbänder im Kehlkopf, sub- bedeutet unter.
    Und warum überhaupt der Name Pseudokrupp? Er entstand, um das Krankheitsbild vom echten Krupp bei der Diphtherie (siehe weiter unten, Abschnitt: "Halsentzündungen durch Bakterien") abzugrenzen. Diese Krankheit ist heute dank der Impfung selten geworden.

    Typische Symptome bei Pseudokrupp:
    Plötzliche Heiserkeit, bellender Husten, vor allem nachts, pfeifendes, fauchendes Atmen, Atemnot, Unruhe, eventuell leichtes Fieber. In sehr ausgeprägten Fällen besteht allerdings auch hier womöglich Erstickungsgefahr. Beachten Sie eventuelle Alarmzeichen (siehe wiederum im Eingangskapitel "Halsschmerzen: Überblick"). Pseudokrupp-Anfälle können außerdem bei einer Allergie auftreten. Allgemein begünstigend wirken Luftschadstoffe, auch Rauchen in der Umgebung des Kindes.

    Mehr dazu im Beitrag "Pseudokrupp" auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de
  • Auf das Konto bestimmter Adenoviren gehen ausgeprägte, höchst lästige Halsentzündungen bei Schul- und Vorschulkindern.
  • Als Pharyngokonjunktivalfieber ist die Erkrankung zudem mit einer mäßigen Bindehautentzündung eines oder beider Augen, geschwollenen Lymphknoten seitlich vor dem Ohr sowie Fieber gepaart. Mögliche Komplikation ist eine Lungenentzündung. Die Fiebererkrankung tritt gelegentlich epidemisch auf. Erwachsene sind seltener betroffen.
  • Coxsackie-Viren: Auch diese Krankheitserreger infizieren gerne Kinder, meist im Alter unter sieben Jahren. Die Viren werden überwiegend über Schmierinfektionen, seltener über infizierte Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Infektionen mit Coxsackie-Viren treten vorzugsweise in den Sommermonaten auf. Das entsprechende fieberhafte Krankheitsbild heißt Herpangina. Mit Herpes hat es allerdings nichts zu tun.

    Bemerkbar macht es sich neben Fieber mit Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, Erbrechen, Bläschen und flachen Geschwüren an den Gaumenbögen. Daher wird es manchmal auch vesikuläre Pharyngitis genannt. Der Spuk dauert einige Tage und klingt dann in der Regel folgenlos ab.

    Abzugrenzen ist die ebenfalls durch bestimmte Coxsackie-Viren ausgelöste Hand-Fuß-Mundkrankheit, die unter anderem zu Beschwerden im Hals führen kann. Betroffen sind meist Kinder unter zehn Jahren.

    Symptome:
    Nach ein, zwei Tagen mit Fieber zeigen sich Bläschen im Mund (nicht aber an Lippen, am weichem Gaumen, an den Mandeln), die dann zu flachen kleinen Geschwüren (Aphthen) werden. Wenig später entwickelt sich ein nicht juckender Hautausschlag an den Handinnenflächen, Fußsohlen und im Gesäßbereich. Meist ist die Viruserkrankung innerhalb von zehn Tagen wieder ausgestanden.

    Tipp! Wichtig ist, dass die erkrankten Kinder trotz der Schmerzen im Mund und beim Schlucken genügend Flüssigkeit und Nahrung zu sich nehmen. Gekühlte Speisen, Tees und Säfte kommen meistens gut bei den kleinen Patienten an.
  • Herpes simplex-Virus (HSV-1): Die Erstinfektion mit dem Virus findet meist im frühen Kindesalter durch engen körperlichen Kontakt statt.
    Symptome:
    Der Erreger verursacht unangenehme Mundschleimhaut- und Rachenentzündungen mit schmerzhaften Bläschen (Gingivostomatitis herpetica, klassische Stomatitis aphthosa). Dazu kommen Fieber und Lymphknotenschwellungen am Hals. Nach der ersten Attacke nistet sich der Erreger verdeckt im Körper ein. Bei etwa einem Drittel der Virusträger wird er irgendwann wieder aktiv. HSV-1 entpuppt sich dann als lästiger, bei verschiedensten Gelegenheiten aufblühender Lippenherpes (Herpes labialis). Zu den Ausbrüchen kann es unter anderem durch Auslöser wie Stress, fieberhafte Infektionen ("Fieberbläschen") oder Sonnenbestrahlung ("Herpes solaris") kommen.
  • Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch (infektiöse) Mononukleose, ist das Werk des Epstein-Barr-Virus (EBV). Übertragen wird es bei engem Kontakt über Speichel. Daher der weitere Name "Kusskrankheit". Bei Kleinkindern verläuft die Infektion meist symptomlos oder höchstens wie eine leichte Erkältung. Bei den hauptsächlich erkrankenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen dagegen zeigt sich das Krankheitsbild meistens als heftige Halsinfektion. Den akuten Symptomen gehen manchmal tagelang leichtes Fieber und ein Leistungsknick voraus. Dann wird klar, warum: Es kommt zu einer Tonsillitis und / oder Pharyngitis mit starken Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen am Hals (vor und hinter dem Ohr), Fieber. Die entzündeten Mandeln können vergrößert und eitrig belegt sein. Weitere Beschwerden bestehen in Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Husten, Kopfschmerzen und Ausschlägen. Dagegen sind Naselaufen und Niesen keine EBV-Symptome! Mitunter vergrößern sich die Leber und Milz, was mit Bauchschmerzen und einer Zunahme des Bauchumfangs einhergehen kann.

    Es sind verschiedene Komplikationen möglich. Unter Umständen lebensbedrohlich wegen starker Blutung: ein spontaner Riss (Ruptur) der Milz. Zu dem seltenen Notfall kann es bei starker Schwellung der Milz kommen. Der Arzt tastet daher den Bauch bei Verdacht auf eine akute EBV-Infektion immer nur sehr vorsichtig ab. Da die Milz ein wichtiges Organ der Immunabwehr ist, versuchen Ärzte sie bei der Akutbehandlung einer Ruptur möglichst zu erhalten.

    Auch nicht ungefährlich: Im Hals kann das weiche Gewebe am Gaumen nebst entzündeter Mandeln so stark anschwellen, dass die Atmung behindert wird. Bei pfeifender Einatmung ist dringend eine Klinikbehandlung angezeigt! Die Betroffenen erhalten unter anderem sofort Kortison.

    Ebenfalls eher selten sind neurologische Komplikationen wie Nerven-, Rückenmarks- und Gehirnentzündungen, außerdem akute Veränderungen des Blutes.

    Meist klingt das Krankheitsbild innerhalb von zwölf bis 18 Tagen ab. Die vergrößerte Milz hinkt dem manchmal hinterher. Daher raten Ärzte Betroffenen mit nachgewiesener EBV-Infektion, für drei bis vier Wochen nach Symptombeginn auf Sport, insbesondere Kampf- und Kontaktsport, sowie schweres Heben zu verzichten. Der Arzt wird die Befunde regelmäßig kontrollieren, bevor er wieder grünes Licht für sportliche Aktivitäten gibt. Zu bedenken ist hier, dass die Erkrankung manchmal länger dauert und über mehrere Wochen mit anhaltendem oder wiederkehrendem Fieber verlaufen kann.

    Noch ein Problem: Bei Behandlung mit bestimmten Antibiotika – Penicillinabkömmlingen namens Ampicillin und Amoxicillin – wegen eines mutmaßlichen Streptokokkeninfektes kann ein starker, juckender Ausschlag auftreten. Eine Streptokokken-A-Pharyngitis/-Tonsillitis gehört zu den Krankheitsbildern, die der Arzt wegen ähnlicher Symptome immer ausschließen wird. Auch Infektionen mit anderen Viren gehören zu den Ausschlussdiagnosen: mit dem Zytomegalie-Virus (CMV, auch humanes Herpesvirus 5 oder HHV5 genannt), mit anderen humanen Herpesviren, HI-Virus (HIV, Erreger der Immunschwächekrankheit Aids) oder auch Parainfluenzaviren (siehe oben).

    Ganz selten verläuft ein Pfeiffer-Drüsenfieber untypisch: Ohne Lymphknotenschwellungen, aber mit stippchenförmigen Rötungen am harten Gaumen. Oder wie eine Hepatitis, gelegentlich dann mit Gelbsucht.

    Im Ratgeber "Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)" auf www. baby-und-familie.de finden Sie weitere Informationen.
  • HI-(humanes Immunschwäche-)Virus (HIV): Es ist für die HIV-Infektion beziehungsweise Aids-Erkrankung verantwortlich. Halsschmerzen und Schluckbeschwerden können im Rahmen der ersten Symptome etwa zwei bis drei Wochen nach der Infektion, aber auch erneut im späteren Verlauf auftreten.

Als Komplikation einer durch Viren ausgelösten Halsentzündung haben andere Erreger, etwa Bakterien wie Streptokokken A, leichteres Spiel und können eine bakterielle Infektion im Hals verursachen. Dazu nachfolgend mehr.

Halsentzündungen durch Bakterien

  • Streptokokken-A-Infekte: Bakterien, die mit Abstand am häufigsten Halsentzündungen verursachen, sind bestimmte Streptokokken. Die Keime werden verschiedenen Gruppen zugeordnet und diese mit Buchstaben von A bis T gekennzeichnet. Hauptverantwortlich für eine bakterielle Rachenentzündung (Pharyngitis), Angina oder beides (Tonsillopharyngitis) sind sogenannte Streptokokken der Gruppe A (GABHS-Tonsillitis oder kurz "Strep-Angina"; GABHS steht für beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, auch S. pyogenes). Bis zu einem Drittel der Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren machen einen solchen Streptokokkeninfekt durch, meistens im Winter und Frühjahr. Erwachsene erkranken ebenfalls, jedoch weniger häufig und nicht so jahreszeitenbetont. Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, gibt es immer wieder Ausbrüche von "Strep-Infektionen" von Mensch zu Mensch (Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt), da die Erreger sehr ansteckend sind.

    Symptome: Zu den Leitsymptomen gehören starke Halsschmerzen, die länger als zwei Tage dauern und in die Ohren ausstrahlen können ("Angina-Halsschmerzen"), dazu Schluckbeschwerden, Mundgeruch, kloßige Sprache, Lymphknotenschwellungen am Hals, außerdem häufig Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, bei Kindern auch Bauchschmerzen und Erbrechen. Manchmal sind die Krankheitszeichen auch nur leicht ausgeprägt.

    Diagnose, Therapie:
    Richtungweisende Befunde sind

    -
    Eine gerötete und geschwollene Rachenschleimhaut mit eitriger Absonderung und / oder geschwollene, eitrig belegte Mandeln
    -
    Fieber
    -
    Geschwollene, druckschmerzhafte Lymphknoten am Hals
    -
    Fehlen von Husten 

    Darauf stützen sich im engeren Sinn die Kriterien (sogenannte Centor-Kriterien), die in der Summe eine Streptokokken-Mandelentzündung im Hals mehr oder weniger wahrscheinlich machen können. Sie gelten für Patienten ab 15 Jahren, für jüngere wird ein leicht abgeändertes Schema angewandt. Darauf aufbauend kann der Arzt entscheiden, ob eine Erregerdiagnostik und je nach Ergebnis eine Antibiotikumbehandlung sinnvoll ist. Ärzte wägen hier in jedem Einzelfall genau die möglichen Vor- und Nachteile ab. Mittel der ersten Wahl ist Penicillin. Bei Penicillinallergie oder nicht sicher ausgeschlossenem Pfeifferschen Drüsenfieber eignet sich zum Beispiel alternativ Erythromycin oder ein Cephalosporin. Falls ein Patient eine andere Grunderkrankung hat, die das Risiko für Komplikationen erhöht, steht eine antibiotische Therapie außer Frage.

    Zu den möglichen Krankheitskomplikationen siehe Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    Zurückhaltender als früher handhaben Ärzte heute die Operation der Gaumenmandeln (die Entfernung heißt Tonsillektomie, die Teilentfernung Tonsillotomie). Als sinnvoll wird der Eingriff vor allem bei häufig wiederholten antibiotikumbedürftigen Mandelentzündungen (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie"), bei Allergien gegen verschiedene Antibiotika, bei seltenen Komplikationen wie einem Abszess und bei einem bösartigen Tumor der Gaumenmandel – im Kindesalter de facto nicht relevant – angesehen. Eine Entfernung oder Teilentfernung der Mandeln kann auch bei nächtlichen Atemproblemen (Schnarchen und Atemaussetzer, sogenannte Schlafapnoe) durch zu große Mandeln sinnvoll sein.
  • Seitenstrangangina (Pharyngitis lateralis): Das seltene Krankheitsbild diagnostizieren Ärzte manchmal bei Patienten, denen die Mandeln entfernt worden sind: sozusagen eine Art Ersatzangina im Herbst oder Winter mit Schwellung von Lymphbahnen in der hinteren seitlichen Rachenwand. Die Rachen- und Gaumenmandeln bilden zusammen mit den Lymphsträngen (Lymphfollikeln) eine Abwehrkette gegenüber Infektionserregern. Eine Seitenstrangangina tritt mitunter nach einer Erkältung auf. Zu den auslösenden Erregern gehören oft Viren, manchmal auch Bakterien wie Staphylokokken oder Pneumokokken. In den meisten Fällen heilt sie komplikationslos aus. Zu den möglichen Komplikationen gehört eine Mittelohrentzündung.

    Symptome
    sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten am Hals, eventuell auch Ohrenschmerzen. Mitunter zeigen sich weiße Stippchen seitlich an der Rachenwand.

    Tipp:
    Bei den genannten Symptomen, insbesondere
    Lymphknotenschwellungen und Ohrenschmerzen, sicherheitshalber zum Arzt.
  • Mischinfektionen - Angina Plaut Vincent: Für Halsschmerzen verantworlich kann auch ein Keimmix aus spindelförmigen Fusobakterien und bestimmten schraubenförmigen Bakterien sein. Sie brauchen einander, um zu überleben, und können prompt krankmachende Wirkungen entfalten. Eines der dadurch ausgelösten, seltenen Krankheitsbilder heißt Angina Plaut Vincent (auch Angina ulcero-membranacea).

    Symptome:
    Dabei entwickelt sich eine geschwürartige (ulzeröse) Mandelentzündung mit Schmerzen und Schluckbeschwerden, meist auf einer Seite im Hals. Das Geschwür zeigt einen grau-grünen Belag (Membran), der zu übelriechendem Mundgeruch führt. Die Betroffenen, häufiger Jugendliche, wirken aber trotz des sehr ausgeprägten Befundes erstaunlich wohlauf, sie haben auch kein Fieber. Die Behandlung erfolgt in leichten Fällen mit einer örtlich verätzenden Therapie mit 10% Silbernitratlösung und sorgfältiger Mundhygiene. Bei Bedarf behandelt der Arzt zusätzlich mit Penicillin, manche Ärzte auch von vornherein. Sollte sich die Heilung dennoch verzögern, sind weiterführenden Untersuchungen notwendig, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Geschlechtskrankheiten: In weniger als bei einem von hundert Fällen spielen Geschlechtskrankheiten bei der Ursache von Halsschmerzen eine Rolle. Beispiele sind die Gonorrhö und die Syphilis. Beide Krankheiten werden durch Bakterien verursacht. Zu der durch das HI-Virus ausgelösten Infektion mit der möglichen Folge einer Erkrankung an Aids siehe Hinweise im vorhergehenden Abschnitt.

Halsschmerzen und sogenannte Kinderkrankheiten

Viren und Bakterien verursachen auch "Kinderkrankheiten". Im Prinzip können sich auch Erwachsene infizieren, wenn sie nicht ausreichend immun gegen die Erreger sind. Gegen die Mehrzahl gibt es einen Impfschutz. Hier fünf Beispiele:

  • Masern (Morbilli): Das Masernvirus ist hoch ansteckend. Es wird durch direkten Kontakt, etwa mit infiziertem Sekret aus Nase oder Rachen, oder infizierte Tröpfchen in der Luft übertragen. Zur Infektion kommt es, wenn die Erreger über Schleimhäute, meist der oberen Atemwege, seltener die Bindehaut, in den Körper gelangen und sich vermehren.
    Symptome:
    Die Infektion beginnt wie eine Grippe mit hohem Fieber, Schnupfen, trockenem Husten, manchmal auch Halsschmerzen. Die Augen sind aufgrund einer begleitenden Bindehautentzündung sehr lichtempfindlich. Auf der Mundschleimhaut zeigen sich kleine, weiße Flecken (Koplik-Flecken). Die Kinder wirken sehr angeschlagen. Am dritten bis siebten Tag startet der typische Hautausschlag mit bräunlichen bis rosafarbenen, teils ineinanderfließenden Flecken im Gesicht und hinter den Ohren, um sich dann über den ganzen Körper auszubreiten. Solange er vorhanden ist, sind die Kinder ansteckend. Klingt er ab, schuppt sich die Haut oft. Das Fieber sinkt meist zwischen dem fünften und siebten Tag. Die Infektion schwächt vorübergehend die Immunabwehr, sodass die Betroffenen leichter an einer anderen Infektion, etwa durch Bakterien, erkranken können. So kann es zum Beispiel zu einer bakteriellen Mittelohrentzündung kommen. Auch Lungenentzündungen (Pneumonien) sind möglich. Sie können sowohl durch das Masernvirus selbst als auch durch Bakterien entstehen. Bedrohlich ist eine spezielle Form der Masern-Lungenentzündung, die sogenannte Riesenzellpneumonie. Sie tritt vor allem bei Patienten auf, deren Immunsystem durch eine andere Krankheit oder Medikamente unterdrückt ist. Wegen Erstickungsgefahr gefährlich ist der gelegentlich vorkommende Masern-Krupp (Laryngotracheitis). Ein Masern-Kranker mit trockenem, bellendem Husten und pfeifender Einatmung muss umgehend mit ärztlicher Begleitung in die Klinik gebracht werden. An der ebenfalls gefürchteten akuten Gehirnentzündung (postinfektiöse Enzephalitis) erkrankt Schätzungen zufolge immerhin einer von tausend Masernpatienten. Tödlich verläuft die sehr seltene Spätkomplikation SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, zu der es etwa sechs bis acht Jahre nach der Infektion kommen kann.


    Mehr dazu im Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    ! Wchtig – Vorbeugung:
    Die vollständige Impfung schützt als Kombinationsimpfung vor Masern, Mumps und Röteln. Inzwischen treten hierzulande wegen mangelnden Impfschutzes wieder vermehrt Masernausbrüche auf, häufiger auch bei Erwachsenen. Sie sind, falls sie nie Masern hatten, ähnlich ansteckungsgefährdet wie Kinder unter einem Jahr: Die normale Maserngrundimpfung startet im Alter von elf bis 14 Monaten und wird im Alter von 15 bis 23 Monaten vervollständigt. Die zwei Etappen dienen dazu, einen möglichst sicheren Impfschutz zu erreichen, der ein Leben lang anhält. Liegt ein Kind nicht im Plan, wird den Eltern empfohlen, die Impfung baldmöglich zu komplettieren oder die fehlende Teilimpfung nachzuholen.

    Die Masernimpfung wurde 1970 eingeführt. Menschen ab diesem Jahrgang, die nicht sicher wissen, ob sie Masern hatten oder vollständig geimpft wurden, sollten sich impfen lassen, empfiehlt das Robert-Koch-Institut in Berlin. Denn wer sich infiziert hat, kann, bevor der Ausschlag auftritt, unwissentlich schon viele andere ungeschützte Mitmenschen angesteckt haben. Auch ungeborene Babys können sich anstecken. Außerdem sind Babys in der Immunlücke gefährdet. Sie entsteht in dem Zeitfenster zwischen Abstillen und erstem Impftermin, wenn der Nestschutz durch die mütterlichen Antikörper nachlässt, der Herdenschutz durch eine geimpfte Umgebung aber lückenhaft ist. Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt geimpft sein. Ungeimpfte Erwachsene gefährden sich und andere.

    Bei Menschen, die vor 1970 geboren sind, geht man von ausreichendem Antikörperschutz infolge durchgemachter Masern aus. Lassen Sie sich bei Fragen am besten von Ihrem Arzt beziehungsweise Kinderarzt beraten.

    Mehr im Ratgeber "Masern" und unter "Impfungen für Kinder: Kleiner Piks, großer Schutz" auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de
  • Mumps (auch Ziegenpeter oder Parotitis epidemica): Erreger sind sogenannte Paramyxoviren, zu denen auch die weiter oben erwähnten Masern- und Parainfluenzaviren gehören. Anstecken kann man sich wiederum durch infizierte Tröpfchen, seltener durch (etwa mit infektiösem Speichel in Berührung gekommene) kontaminierte Gegenstände.

    Symptome:
    Es beginnt mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Schmerzen auf einer Halsseite. Dort schwillt die Wange beziehungsweise die Ohrspeicheldrüse an – sie liegt vor dem Ohr. Häufig passiert das auch mit der kleineren Speicheldrüse unter dem Unterkieferwinkel. Der gleiche Ablauf folgt auf der anderen Seite. Ergebnis: Die Ohrläppchen stehen von den dicken Backen ab, es kommt zu Kau- und Schluckschmerzen, Ohrenschmerzen und einem trockenen, kratzenden Hals. Bauchschmerzen können anzeigen, dass auch die Bauchspeicheldrüse im Rahmen der Infektion entzündet ist. Schmerzen im Unterleib (Mädchen) weisen auf eine mögliche Eierstockentzündung hin, Hodenschmerzen (Jungen) auf eine Hodenentzündung.


    Der Ratgeber "Mumps" auf www.baby-und-familie.de beschreibt das Krankheitsbild ausführlich.
  • Scharlach: Bestimmte Streptokokken A-Bakterien (siehe oben) können auch Scharlach verursachen. Im Unterschied zu einer Streptokokken-A-Angina ist der Scharlach eine Allgemeinerkrankung. Das liegt an dem Gift, das diese speziellen Erreger bilden können. Am häufigsten betrifft die Infektion Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren. In Gemeinschaftseinrichtungen kommt sie immer wieder vor. Mediziner nennen das endemisch. Bevorzugte Jahreszeit: Herbst und Winter. Die Ansteckung erfolgt meist als Tröpfcheninfektion.

    Übrigens:
    Scharlach kann man mehr als einmal bekommen, da es unterschiedliche Stämme / Toxine gibt und sich die Immunität nach durchgemachter Erkrankung nur gegen das betreffende Toxin richtet. Allerdings sind Mehrfacherkrankungen eher selten. Eine vorbeugende Impfung ist nicht verfügbar.

    Symptome:
    Es kommt zu einer heftigen Pharyngitis mit stark geröteter Schleimhaut (Enanthem), geschwollenen Mandeln, Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen am Hals, Husten, Schüttelfrost, hohem Fieber und schnellem Puls. Am vierten Tag zeigt sich die Zunge tiefrot, vorher rot gesprenkelt (Himbeer- oder Erdbeerzunge). Viele Kinder haben auch Bauchweh und Brechreiz. Scharlach-Erreger bilden eine Art Giftstoff, der am zweiten oder dritten Krankheitstag den meist juckenden, kleinfleckigen Ausschlag verursachen kann: Ausgehend von den Achseln oder Leisten breitet dieser sich nahezu am ganzen Körper aus. Mund und Nase bleiben jedoch ausgespart (siehe auch Kapitel "Halsschmerzen: Diagnose"). Der Ausschlag geht nach sechs bis neun Tagen zurück. Ein paar Tage später beginnen die Handinnenflächen und Fußsohlen, sich zu schuppen. Die Haut kann sich regelrecht schälen. Dennoch kann der Ausschlag in den nächsten drei Wochen wiederkehren.

    Besondere Verlaufsformen:


    Meist leichter Scharlach: Scarlatinella: Manche Patienten bekommen keinen Ausschlag, da sie nicht auf das Gift reagieren, oder die Krankheit verläuft insgesamt mit nur mäßig ausgeprägten Symptomen. Wichtig hier für die Diagnose ist neben dem Erregernachweis in einer Anzüchtung im Labor (sogenannter Kulturnachweis) unter anderem, dass die Haut sich scharlachtypisch schält.

    Selten: Der lebensgefährliche toxische Verlauf:
    Überflutung des Körpers mit Streptokokkengift. Dabei kommt es zu sehr hohem Fieber, Erbrechen und Durchfall. Außerdem drohen ein Kreislaufkollaps, Krämpfe, ein Delir und Benommenheit. Betroffene müssen intensivmedizinisch behandelt werdenZu möglichen Komplikationen bei Scharlach siehe im Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    Weitere Informationen im Beitrag "Scharlach" (www.baby-und-familie.de).
  • Diphtherie: Der Erreger heißt Corynebacterium diphtheriae. Die Racheninfektion wird über keimhaltige Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Gefährlich ist das Gift Diphtherietoxin, das aber nicht alle Diphtherie-Erreger bilden. Die typischen Krankheitszeichen der Diphtherie verursachen allerdings auch die Nichttoxinbildner. Die Infektion tritt vor allem im Herbst und Winter auf. In den Industrieländern ist sie dank der Impfung im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter und im Optimalfall auch dank späterer Auffrischimpfungen stark zurückgegangen. Am häufigsten kommt die Rachen- und Mandel-Diphtherie vor. Betroffen kann aber auch der Kehlkopf (Husten, Heiserkeit) sein.

    Symptome:
    Die Infektion beginnt schleichend mit Halsschmerzen, Fieber bis 39 °C und Beschwerden beim Schlucken. Es folgen Heiserkeit, pfeifende Einatmung (Stridor) und bellender Husten (Krupp), Lähmungen am Gaumen, Lymphknotenschwellungen. Die Mandeln weisen einen grau-weißen oder bräunlichen Belag auf, der sich auch weiter im Gaumen und Rachen ausbreiten kann. Beim Versuch, die Beläge vorsichtig mit einem Spatel abzustreifen, blutet es. Typisch ist der süßliche Mundgeruch. Durch die Entzündung und Beläge kann die Schleimhaut im Hals so stark anschwellen, dass es zu bedrohlicher Atemnot kommen kann. Das Diphtherietoxin kann sich im Körper verteilen und lebenswichtige Organe schädigen. Der Erreger muss sofort vor Therapiebeginn in einem Rachenabstrich nachgewiesen, das Toxin in einem Speziallabor bestimmt, der hoch ansteckende Patient schnell isoliert und (natürlich von geimpftem medizinischen Personal) behandelt werden: mit einem Immunserum, das noch im Körper zirkulierendes Toxin neutralisiert, und mit Antibiotika, in erster Linie Penicillin. Bei Komplikationen ist eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.

    Maßnahmen zum Infektionsschutz:
    Enge Kontaktpersonen werden mit Nasen-Rachen-Abstrichen untersucht, vorbeugend mit Antibiotika behandelt und sieben Tage ärztlich beobachtet. Symptomlose Träger des Erregers erhalten ein Antibiotikum. Teilgeimpfte Kontaktpersonen werden nachgeimpft. Liegt die letzte Impfung bei ihnen länger als fünf Jahre zurück, wird sie aufgefrischt.
  • Hämophilus influenzae: Gegen diesen Keim, genauer: den Typ Hämophilus influenzae b (Hib) werden Kinder heute geimpft. In früheren Zeiten führte der Erreger bei Kleinkindern unter anderem zu der gefürchteten Kehldeckelentzündung (Epiglottitis; siehe Kapitel "Halsschmerzen: Überblick" in diesem Beitrag). Die damit einhergehende starke Schwellung der Schleimhaut am Eingang des Kehlkopfes behindert den Luftstrom, ohne ärztliche Hilfe drohten die Kinder zu ersticken. Hib kann zum Beispiel auch Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen auslösen.

    Symptome:
    Anfangs Fieber, Halsweh, Probleme beim Schlucken und eine kloßige Sprache. Pfeifendes Einatmen. Wegen der Erstickungsgefahr müssen die Patienten unverzüglich in Begleitung eines Notarztes in eine Klinik eingewiesen werden.

    Zur Therapie gehören Antibiotika.

Millionen Menschen in Deutschland, darunter zunehmend viele Kinder, leiden unter Heuschnupfen. Auslöser sind typische "Aero-Allergene" – hier Pflanzenpollen in der Luft. Aber auch chemische Reizstoffe, die mit den empfindlichen Schleimhäuten in den Atemwegen in Berührung kommen, können Probleme bereiten. Demgegenüber sind andere nicht-infektiöse Ursachen von Halsschmerzen eher selten. Hier ein kurzer Überblick.

Attackenartige Halsschmerzen: Vielleicht eine Allergie?

  • Allergien: Heuschnupfen tritt weitgehend saisonal auf. Allergischer Schnupfen aufgrund einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze dagegen kann das ganze Jahr über in wechselnder Intensität Beschwerden bereiten. Wie auch immer: Wässriger Fließschnupfen, verstopfte Nase, juckende Augen und Niesanfälle sind kennzeichende Symptome. Zudem brennt oder juckt es oft im Hals.
  • Ist es etwa eine Nahrungsmittelallergie? Juckreiz oder Brennen im Mund und Gaumen, Pelzigkeitsgefühl und Schwellungen an den Lippen, im Gaumen, eventuell auch im Kehlkopfbereich beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel wie Haselnüsse oder Steinobst – das kann tatsächlich ein sogenanntes orales Allergiesyndrom sein. Eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie wiederum liegt vor, wenn Menschen sowohl auf Pflanzenpollen, zum Beispiel Baumpollen wie Birkenpollen, als auch auf bestimmte Nahrungsmittel wie zum Beispiel (rohe) Äpfel allergisch reagieren.

    Der Grund für eine Kreuzallergie: Die Allergene ähneln sich in ihrem Aufbau. Wer gegen Frühblüher wie Birke, Erle, Hasel allergisch sind, verträgt mitunter auch Nüsse und Steinobstsorten wie Äpfel, Birnen, Pfirsiche nicht. Mehr noch: Es gibt Kreuzallergien zwischen Kräuter- und Gewürzpflanzen einerseits und bestimmten Gemüsearten andererseits. Latex und Früchte, Hausstaubmilben und Schalentiere – für manchen Allergiker sind solche Überschneidungen im Alltag tabu. Es sieht so aus, als seien No-go-Kombinationen in unbegrenzter Anzahl möglich.

Was sonst noch hinter Halsschmerzen stecken kann

  • Trockene Luft in überheizten Schlafzimmern lässt viele Menschen mit einem Kratzen im Hals aufwachen. Im Laufe des Tages legt sich das Problem, vor allem wenn man genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Einen ähnlich austrocknenden Effekt hat ständiges Atmen durch den geöffneten Mund, etwa auch bei Schnupfen, Heuschnupfen oder ständig laufender und / oder "verstopfter" Nase durch eine Nasennebenhöhlenentzündung (siehe oben). Auch starkes Schnarchen beziehungsweise eine Schlafapnoe kann mitunter  dahinterstecken. Trockene Schleimhäute sind anfälliger für Entzündungen.

    Tipp:
    Ausreichend lüften und die Zimmerluft befeuchten, am besten mit Behältern, die an die Heizung gehängt, mit Wasser gefüllt und regelmäßig gereinigt werden. Aktivieren Sie sich auch regelmäßig selbst an der frischen Luft, und mehmen Sie genügend Flüssigkeit zu sich (falls dem medizinisch nichts entgegensteht). Bei unklarem chronischem Schnupfen oder anderen Problemen mit der Nase immer zum Hals-Nasen-Ohrenarzt!
  • Reizstoffe aus der Umwelt können ebenfalls (chronische) Halsschmerzen auslösen. Dazu gehören Tabakrauch, Chemikalien wie etwa Formaldehyd oder Lösungsmittel, außerdem Stäube. Nicht zu vergessen: Scharf gewürzte Speisen und Alkohol empfinden Schleimhäute ebenfalls als aggressiv. Besonders Letzterer wirkt, chronisch konsumiert, schädlich.
  • Fremdkörper, zum Beispiel Fischgräten, können sich im Rachen verfangen und Halsschmerzen sowie Würgereiz auslösen.
    Tipp:
    Ein paar Bissen weiches Brot essen und viel dazu trinken. Damit lassen sich Gräten, sofern nicht zu groß, meistens herunterschlucken.
  • Verätzungen durch chemische Substanzen sind Notfälle. Zu Schaden kommen hier meistens Kinder, wenn es um Chemikalien für den Hausgebrauch geht. Verschlucken sie Säuren oder Laugen, wird die Schleimhaut im Mund, Rachen oder Speiseröhre schwer geschädigt, es kann zu starken Schmerzen, zum Flüssigkeitsverlust, Blutungen und Schock kommen. Zudem kann der Rachen lebensgefährlich anschwellen. Auch Kontakt der Substanzen mit Augen oder Haut ist gefährlich. Rettungsdienst (Notruf: 112) rufen, der Giftnotruf kann erste Anweisungen geben, bis der Notarzt eintrifft.

    Weitere Infos unter: "Kinder: Was tun bei Vergiftungen" auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de
  • Rückflusskrankheit des Magens und der Speiseröhre (Gastroösophageale Refluxkrankheit): Wenn saurer Mageninhalt in die obere Speiseröhre gelangt, weil der untere Schließmuskel der Speiseröhre nicht richtig funktioniert, sprechen Ärzte von einem gastroösophagealen Reflux. Warum der Schließmuskel genau versagt, ist häufig unklar. Manche Patienten haben einen Zwerchfellbruch (axiale Hiatushernie), was aber nicht die Hauptrolle spielt, oder andere Veränderungen an Speiseröhre oder Magen. Die Schleimhaut in der Speiseröhre kann sich bei einem Reflux entzünden.

    Zu den Symptomen
    gehören Sodbrennen (Brennen hinter dem Brustbein), Aufstoßen und Oberbauchbeschwerden.
    Sie können allerdings auch ohne nachweisbare Entzündung auftreten. Bei stärkerem Rückfluss kann Magensäure teilweise in die oberen Atemwege gelangen (Refluxlaryngitis). Die Folgen: Reizhusten und asthmaähnliche Beschwerden, Heiserkeit, Kloßgefühl, "Halsschmerzen" und ein unangenehmer Geschmack im Mund.

    Refluxbeschwerden kommen auch häufig in der fortgeschrittenen Schwangerschaft vor. Begünstigend wirken außerdem hoher Pressdruck im Bauch, bauchbetonte Fettsucht, ständiges Bücken, flaches Liegen, einige Medikamente wie zum Beispiel Nitropräparate, Kalziumantagonisten, Theophyllin, bestimmte Nahrungsmittel wie beispielsweise Schokolade, Kaffee, Nikotin, Alkohol, Tomatensoße, süße und fette Speisen, Säfte aus Zitrusfrüchten.
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis): Wenn Beschwerden einer Nasennebenhöhlentzündung länger als zwölf Wochen bestehen, ohne zwischenzeitlich vollständig zurückzugehen, dann ist die Krankheit chronisch geworden. Warum es überhaupt so häufig dazu kommt, ist nicht ganz klar. Eine Rolle spielen eine vermehrte Gewebebildung an den Durchgängen zur Nasenhöhle sowie entzündliche Schleimhautveränderungen in dem Bereich. Auch liegen häufig Nasenpolypen vor.

    Symptome:
    Bei einer Rhinosinusitis läuft nicht nur die Nase. Häufig fließt entzündliches Sekret auch hinten den Rachen hinunter (engl. postnasal drip). Das kann ständiges Räuspern, Heiserkeit, Halsschmerzen und Husten verursachen. Die Nase wirkt ständig verstopft, die Nasenatmung behindert. Hinzukommen können Kopfschmerzen, während Riech- (und Geschmacks-)störungen nahezu regelhaft vorhanden sind. Letztlich unterscheiden sich die Symptome bei akuter und chronischer Nasennebenhöhlenentzündung – mit und ohne Nasenpolypen – kaum. Bei chronischen Verläufen sind sie eigentlich nur schwächer ausgeprägt. Nasenpolypen begünstigen übrigens Erkältungskrankheiten.

    Ursachen, Diagnose und Therapien erklären die Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)" und "Nasenpolypen".
  • Kopf-Hals-Tumoren (hier: Rachenkrebs): Munter können bösartige Tumoren an den Gaumenmandeln (Tonsillenkarzinom) und im unteren Rachen (Hypopharynxkarzinom) entstehen. Diese insgesamt eher seltenen Tumorerkrankungen – auch Oropharynx-Karzinome genannt –, treten meistens nach dem vierzigsten oder fünfzigsten Lebensjahr auf. Männer erkranken häufiger an Rachenkrebs als Frauen. Kopf-Hals-Tumoren stehen bei Männern an vierter Stelle der Krebserkrankungen. Risikofaktoren sind Tabak- und Alkoholkonsum. Eine gewisse Rolle spielen auch Infektionen mit humanen Papillom-Viren (HPV). Anders als bei Karzinomen des Mundbodens gelten unzureichende Mundhygiene und schlecht sitzende Zahnprothesen bei Oropharynxkarzinomen inzwischen nicht mehr als Risikofaktoren. Überwiegend handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome. Plattenepithel kleidet die Mudhöhöe aus und bedeckt auch die Mandeln. Sehr selten kann sich das darunterliegende Lymphgewebe der Mandeln bösartig verändern (maligne Lymphomerkrankung).

    Zu den Symptomen
    bei einem Tonsillenarzinom gehören unterschiedlich ausgeprägte Schluckbeschwerden, meist auf einer Seite, häufig auch auffallender Mundgeruch.

    Die Diagnose stellt der HNO-Arzt durch eine genaue Inspektion des Rachens (Spiegeluntersuchung, gegebenenfalls auch eine endoskopische Laryngoskopie), die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe sowie weitere bildgebende Verfahren zur Festlegung des Krankheitsstadiums.

    Die Therapie ist chirurgisch, gefolgt von einer Strahlentherapie. Mitunter kommt auch eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie in Betracht.
  • Orale Mukositis: Bei einer Chemo- oder Strahlentherapie gegen eine Krebserkrankung kann die Schleimhaut im Mund und Rachen Schaden nehmen. Die Schleimhaut gehört zu den Geweben, deren Zellen sich schnell teilen. Im Mund- und Rachenbereich ist sie zudem sehr sensibel und dünn. Daher reagiert sie auf die genannten Therapien besonders empfindlich, kann wund werden, sich infizieren (zum Beispiel mit Candida-Pilzen) und stark schmerzen. Essen und Trinken können erschwert oder möglich sein. In schweren Fällen ist eine künstliche Ernährung notwendig.
  • Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis): Es gibt verschiedene Arten von Entzündungen der kleinen Hormondrüse am Hals (Thyreoidea). Zu deutlichen Schmerzen im Hals, die auch bis in die Kiefer und Ohren ausstrahlen können, führen vor allem die seltenen akuten eitrigen Schilddrüsentzündungen (Ursache: Infektion mit Bakterien) und, meist etwas schwächer ausgeprägt, die ebenfalls seltene subakute Thyreoiditis de Quervain (Ursache: unklar, eventuell vorausgehender Virusinfekt, Veranlagung, Immunvorgang). Beide, insgesamt sehr unterschiedliche Krankheiten haben unter anderem gemeinsam, dass Fieber auftritt und Berühren oder Druck vorne am Hals schmerzhaft ist.

    Die Diagnose stellt der Endokrinologe anhand verschiedener Blutkontrollen und bildgebender Verfahren. Die subakute Thyreoiditis kann mit einer behandlungsbedürftigen Schilddrüsenfehlfunktion einhergehen. Die akute eitrige Schilddrüsenentzündung wird mit Antibiotika behandelt, gegebenenfalls ist auch ein Eingriff nötig.
  • Verlust an weißen Blutkörperchen (Agranulozytose): Granulozyten sorgen für die Grundabwehr von Krankheitserregern. Brechen die Granulozytenzahlen im Blut ein, ist die Verteidigung des Körpers in Gefahr, und es drohen schwere Infektionen. Ursache für einen Mangel dieser Art von weißen Blutkörperchen sind immunvermittelte Reaktionen auf Medikamente. Bekannt geworden ist das Problem zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Schmerzmittel Metamizol, mit Schilddrüsenblockern (Carbimazol, Thiamazol, Propylthiouracil), mit Antibiotika wie Cotrimoxazol oder Sulfonamiden, mit Sulfasalazin (ein Entzündungshemmer), mit dem Neuroleptikum Clozapin oder dem Antidepressivum Clomipramin. Auch im Zusammenhang mit dem Antikörper Rituximab oder der kontraindizierten Gabe von Azathioprin plus Allopurinol sind Agranulozytosen beschrieben.

    Symptome
    des unter Umständen gefährlichen Krankheitsbildes sind grippeartige Symptome, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und hohes Fieber, eine akute  Schleimhautentzündung (Stomatitis) im Mund, bis hin zu einer geschwürigen Mandelentzündung. Als Komplikation ist eine Blutvergiftung (Sepsis) möglich.


    Diagnose und Therapie:
    Engmaschige Kontrollen der Patienten, die ein "Risiko-Medikament" erhalten (unter anderem Kontrollen des großen Blutbildes), können das Risiko für die Komplikation senken. Das auslösende Medikament setzt der Arzt im Verdachtsfall sofort ab oder tauscht es, wenn möglich, gegen ein anderes Präparat aus. Der Betroffene muss vorübergehend durch eine keimarme Umgebung und Antibiotika geschützt werden. Eventuell ist eine spezielle Therapie in der Klinik nötig (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie").
  • Still-Syndrom im Erwachsenenalter: Die sehr seltene Krankheit gehört zu den rheumatischen Krankheitsbildern. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass ihre Ursache unbekannt ist, das Immunsystem jedoch plötzlich eigenes Körpergewebe angreift. In der Folge kommt es zu einer Entzündung. Häufig besteht eine erbliche Veranlagung, teilweise sind bestimmte Auslöser bekannt, zum Beispiel eine Infektion. Schmerzhafte Gelenkentzündungen (Arthritis) gehören zu den führenden Symptomen. Teilweise sind schwere Krankheitsbilder möglich.

    Symptome:
    Neben den Gelenkschmerzen treten bei Rheuma häufig noch andere Beschwerden auf, da die Entzündung sich auf weitere Organe erstreckt (sogenannte Systemkrankheit). Beim Still-Syndrom Erwachsener kommt es zu deutlichen Fieberschüben ein- bis zweimal am Tag, für mindestens eine Woche. Auf dem Höhepunkt des Fiebers zeigt sich ein lachsfarbener, fleckiger Ausschlag am Rumpf und körpernah an Armen und Beinen, der jedoch sehr flüchtig ist. Stärker ausgeprägt dagegen sind Gelenkschmerzen, besonders an den Händen, und Muskelschmerzen. Beides besteht mindestens über zwei Wochen. Daneben können Halsschmerzen als sogenanntes Nebensymptom auftreten, ebernso Schwellungen von Lymphknoten und Milz.

    Richtungweisend für die Diagnose ist neben dem Beschwerdebild ein bestimmtes Muster von Blutwerten.

    Zur Therapie setzen Ärzte Kortison, Methotrexat (MTX) und spezielle Immuntherapien ein.
  • Kawasaki-Syndrom: Das Krankheitsbild beruht auf einer unklaren, möglicherweise infektiös bedingten Gefäßentzündung (Vaskulitis). Es ist die häufigste Form der Gefäßentzündung bei Kindern. Sie erkranken mehrheitlich im Alter von unter fünf Jahren.

    Symptome:
    Es kommt zu einer stark fieberhaften, schmerzhaften Halsentzündung, die nicht auf Antibiotika reagiert und über fünf Tage dauert: mit geröteter Mundschleimhaut, erdbeerroter Zunge ähnlich wie beim Scharlach, gerötetem Rachen (Hauptsymptome 1 und 2) sowie 3. vergrößerten Lymphknoten am Hals. Außerdem entwickeln sich 4. eine ausgeprägte Bindehautentzündung, 5. ein Hautausschlag und 6. Veränderungen an den Hand- und Fußinnenflächen: erst Rötungen, dann Schuppungen. In der nächsten Krankheitsphase treten Gelenkschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen auf.
    Als Komplikation sind Aussackungen (Aneurysmen) an entzündeten Herzkranzgefäßen und andere Herzschädigungen möglich. Auch die Hauptschlagader (Aorta) und andere größere Gefäße können sich entzünden. Das Risiko eines späteren Herzinfarktes oder Herztodes ist erhöht.

    Die Diagnose erfordert fünf der sechs Hauptsymptome oder vier Hauptsymptome sowie den Nachweis von Aussackungen in den Herzkranzgefäßen mittels Magnetresonanztomografie (MRT).

    Therapie:
    Mit der frühzeitigen Gabe von Immunglobulinen sowie ausnahmsweise Acetylsalicylsäure (ASS) lässt sich meist gut gegensteuern. ASS, das Kindern und Jugendlichen nur unter ärztlicher Anweisung gegeben wird, falls andere Maßnahmen bei fieberhaften Erkrankungen nicht wirken, setzt der Arzt sofort wieder ab, falls es unter der Therapie zu einer Virusinfektion kommt. Der Grund: Es könnte Gefahr drohen durch das lebensbedrohliche, wenn auch seltene Reye-Syndrom, das zu schweren Leber- und Gehirnschädigungen führen kann. Manchmal ist beim Kawasaki-Syndrom außerdem eine zusätzliche "blutverdünnende" Therapie oder eine operative Maßnahme am Herzen notwendig, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.

Eitrige Komplikationen

  • Mandelabszess: Infolge einer akuten oder chronischen Gaumenmandelentzündung, etwa durch Bakterien wie Streptokokken A (S. pyogenes), kann die Gaumenmandel vereitern. Der Prozess kann sich in das umgebende Gewebe (Weichgewebe) ausdehnen. Wird das nicht spätestens jetzt durch eine Antibiotikagabe über die Blutbahn unterbunden, droht ein Abszess in der Umgebung, zum Beispiel ein Peritonsillarabszess. Als Komplikation kann unter anderem eine Blutvergiftung auftreten (beides sind Notfälle!). Sehr selten entsteht ein Mandelabszess spontan, ohne nachweislich vorausgegangene Angina tonsillaris. Auch ein beidseitiges Vorkommen ist beschrieben.

    Symptome
    sind starke Halsschmerzen, die sich beim Kauen und Schlucken verstärken, rasch zunehmende Schluckbeschwerden sowie hohes Fieber über 39 °C oder erneuter Fieberanstieg nach vorausgegangener Mandelentzündung. Der Schmerz strahlt auf der betroffenen Seite ins Ohr und in den Nacken aus. Wegen der starken Schmerzen verweigert der Patient meist das Essen. Er neigt den Kopf zur kranken Seite, oft auch äußerlich stark geschwollenen Seite und vermeidet jedwede Kopfbewegung. Die Stimme ist kloßig, eventuell kann der Mund nicht richtig geöffnet werden (Kieferklemme), und der Speichel "läuft über". Durch die Schwellung im Rachen kann es zu erheblicher Atemnot kommen. Manchmal verschlechtert sich das Befinden rapide. Gelegentlich kann es aber auch vorkommen, dass ein Abszess eher wenig Beschwerden bereitet.

Die Diagnose stellt der HNO-Arzt durch Betasten der geschwollenen Halslymphknoten, und, soweit angesichts der Beschwerden möglich, durch eine Spiegeluntersuchung. Weiterführende Untersuchungen sind Probenentnahmen zur bakteriologischen Diagnostik und bildgebende Verfahren.

Die Therapie besteht je nach Befund und Zustand des Patienten in einer Punktion, einer Abszessspaltung und -Drainage oder einer Abszess-Tonsillektomie, also der Entfernung der vereiterten Mandel mit gleichzeitiger Abszesseröffnung. Zusätzlich wird mit Antibiotika behandelt.

Nicht eitrige Komplikationen

Sie entsprechen speziellen Folgekrankheiten bei Pharyngitis und / oder Tonsillitis durch Streptokokken-A und Scharlach. Dabei geht es um immunvermittelte, sogenannte streptokokkenallergische Nacherkrankungen wie das akute rheumatische Fieber und akute Nierenentzündungen. Das rheumatische Fieber folgt auf eine Streptokokken-A-Angina oder -pharyngitis. Dagegen kann sich eine akute Nierenentzündung, Poststreptokokken-Glomerulonephritis genannt, auch nach Streptokokken-A-Infekten der Haut und Weichteile entwickeln. Speziell die Haut-Infektionen sind kein Thema dieses Beitrags.

  • Rheumatisches Fieber: Aufgrund des hohen Lebensstandards und Veränderungen im Keimspektrum ist die Erkrankung bei uns heute eine Seltenheit.
    Symptome: Etwa zwei Wochen nach dem akuten Streptokokkeninfekt treten Allgemeinsymptome – Kopfschmerzen, Fieber, Schwitzen sowie Gelenkschmerzen und -schwellungen – auf, vor allem an großen Gelenken. Die Schmerzen wechseln von Gelenk zu Gelenk. Neben Rheumaknötchen unter der Haut (etwa ein Drittel der Fälle) oder – noch seltener – ringförmigen Hautausschlägen (Erythema anulare rheumaticum) kann es auch zu einer Herzbeteiligung kommen. Hinweise darauf geben unter anderem ein beschleunigter Puls, Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen. Bedeutsam für die Prognose ist auch, dass sich infolge einer Herzinnenhautentzündung ein Herzklappenfehler entwickeln kann.
  • Chorea minor: Diese ebenfalls als "rheumatisch" bezeichnete Komplikation tritt selten, womöglich erst Monate nach dem Streptokokkeninfekt, auf. Es kommt zu neurologischen Bewegungsstörungen, vor allem zu unkontrollierten Handbewegungen. Unter der üblichen Therapie der streptokokkenallergischen Nacherkrankung mit Penicillin und entzündungshemmenden Medikamenten klingen diese Veränderungen in der Regel ab.
  • Eine akute Nierenentzündung (akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis) als Folge der Streptokokken-A-Infektion betrifft hauptsächlich Schulkinder. Die Krankheit kann etwa zwei bis drei Wochen nach der Halsentzündung auftreten.

    Verdächtige Symptome sind Gewebeschwellungen. Am besten sind sie an den Augenlidern (Lidödeme) zu erkennen. Die Kinder haben meistens kein hohes Fieber, aber sie klagen eventuell über Kopfweh und fühlen sich krank. Der Urin kann durch Blutbeimengungen bräunlich verfärbt sein (Makrohämaturie). Der Arzt stellt einen erhöhten Blutdruck und einen krankhaften Urinbefund fest. Im Einzelfall kann es zu Komplikationen wie krisenhafter Blutdruckanstieg, Krämpfe, Benommenheit und Atemnot kommen.

    Therapie: Die Patienten sind in der Akutphase einer rheumatischen Erkrankung nach Streptokokken-A-Infekt oder einer entsprechenden Nierenentzündung zur Diagnostik und Therapieplanung am besten in der Klinik aufgehoben.
  • Neurologische Komplikationen bei Masern: Auch wenn die Masern in den nicht industrialisierten Ländern viel stärker verbreitet sind und weitaus mehr Todesfälle fordern als hierzulande: An der gefürchteten akuten Gehirnentzündung (postinfektiöse Enzephalitis) erkrankt schätzungsweise immerhin etwa einer von tausend Masernpatienten. Die lebensbedrohliche Komplikation kann sich wenige Tage nach Auftreten des Ausschlags abzeichnen.

    Warnsignale sind Symptome wie starke Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen. Nach dieser schwierigen, oftmals auch mit einem Koma einhergehenden Phase können geistige oder körperliche Behinderungen bestehen bleiben.


    Besonders schwerwiegend ist eine sehr seltene Spätkomplikation namens subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Entzündung des gesamten Gehirns verläuft tödlich. Forscher vermuten, dass eine sogenannte slow-virus-Infektion mit genetisch veränderten Masernviren zugrunde liegt. Es kommen zirka zehn Fälle auf 100.000 Erkrankte vor. Kinder unter fünf Jahren haben ein etwas höheres Risiko. Sechs bis acht Jahre nach der Infektion setzen fortschreitende geistige, psychische und neurologische Störungen ein. Schließlich kommt es zum Versagen der Hirnfunktionen.

Körperliche Untersuchung: Das berühmte "A-A-A"

Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die genauen Beschwerden des Patienten (Anamnese). Er schätzt seinen Gesundheitszustand ein und untersucht ihn gründlich. Dabei betrachtet er – außer bei Verdacht auf eine Kehldeckelentzündung – den Mund und Rachen mit einer Lichtquelle und einem Holzspatel. Der Patient sagt das berühmte "A-A-A", sodass der Zungengrund absinkt und der Gaumen mit den Mandeln besser zum Vorschein kommt.

Der Rachen zeigt sich bei einer Pharyngitis unterschiedlich stark gerötet, die Zunge oft belegt. Die Mandeln können rötlich und geschwollen aussehen (Angina catarrhalis), mit eitrigen Stippchen übersät sein (Angina follicularis) oder einen zusammenfließenden Belag (Angina lacunaris) aufweisen. Manchmal reicht er über die Mandeln hinaus. Die Rachen- und / oder Mandelentzündung kann ein- oder beidseitig auftreten.

Mund und Rachen können noch weitere Besonderheiten aufweisen. Zum Beispiel sind für die Diphtherie fest an den Mandeln haftende graue Beläge kennzeichnend. Beim Versuch, diese zu entfernen, blutet es. Für Scharlach ist unter anderem die sogenannte Himbeer- oder Erdbeerzunge typisch. Bei der einseitigen Angina Plaut-Vincent weist eine Gaumenmandel ein Geschwür mit einem grau-grünen, übelriechenden Belag auf. Überhaupt deutet ein durchdringender Mundgeruch häufig auf eine Mandelentzündung hin.

Der Arzt untersucht den Hals außen und den Nacken im Hinblick auf vergrößerte Lymphknoten. Er hört Herz und Lungen mit dem Stethoskop ab, checkt innere Organe wie die Leber und Milz, indem er den Bauch vorsichtig betastet, betrachtet die Augen und die Haut. Typisch wiederum bei Scharlach: Etwa zwei Tage, nachdem Fieber eingesetzt hat, zeigt sich der samtig erscheinende, kleinfleckige, meist juckende Hautausschlag am ganzen Körper, mit Betonung in den Achseln, Leistenbeugen und innen an den Oberschenkeln. Mund und Nase dagegen bilden ein blasses Dreieck.

Nach diesem Durchgang lässt sich meist schon einschätzen, ob eine "komplizierte" Erkrankung vorliegt oder nicht. Ein Befund- und Punkte-Katalog (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Hauptursachen sind Infektionen") kann helfen, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beispielsweise eine Streptokokken-A-Mandelentzündung von einer virusbedingten Entzündung zu unterscheiden und zusätzliche Maßnahmen wie die Untersuchung eines Rachenabstrichs (Streptokokkenschnelltest) und gegebenenfalls eine Antibiotikatherapie zu planen.

Nur in besonderen Fällen: Spezielle Untersuchungen

Manchmal ergibt sich die Notwendigkeit, den Betroffenen an andere Ärzte zu überweisen, etwa einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Heilkunde. Der HNO-Arzt führt zunächst eine möglichst sorgfältige Inspektion (Spiegeluntersuchung) durch. Falls notwendig, etwa bei negativem Schnellstest, aber dringendem Verdacht auf Streptokokken-A-Mandelentzündung, entnimmt er einen Rachen- oder Nasen-Rachenabstrich zur Untersuchung im Labor einschließlich Bakterienkultur. Weitere diagnostische Verfahren, etwa eine Kehlkopfspiegelung, sind besonderen Fragestellungen vorbehalten.

Besteht Verdacht auf ein Pfeiffersches Drüsenfieber, führen Blutuntersuchungen mit einem großem Blutbild und einem Antikörpertest auf die Spur. Manchmal sind eine Wiederholung oder ergänzende Tests notwendig. Geeignete Untersuchungen lassen bei Bedarf auch erkennen, ob eine andere Krankheit vorliegt.

Bei Komplikationen wie einem Mandelabszess (siehe dazu auch Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag) zeigt sich bei der Inspektion des Rachens zum Beispiel die erkrankte Mandel dick geschwollen, gerötet und mit Eiterschlieren belegt und daneben eine Vorwölbung am Gaumen. Das ebenfalls verdickte Gaumenzäpfchen kann zur Gegenseite abweichen. Je nach Befund ist ergänzend ein bildgebendes Verfahren wie zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung nötig. Die genaue Diagnostik und umgehend notwendige Behandlung erfolgt in der HNO-Klinik.

Vermutet der Arzt einen Tumor im Rachenbereich, wird er in der Regel die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung veranlassen. Weitere, auch bildgebende Untersuchungen dienen zur Festlegung des Erkrankungsstadiums und der entsprechenden Therapie.

Sprechen die Anamnese und Untersuchungsbefunde für eine besondere Form der Halsentzündung, etwa infolge einer Schädigung weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), wird ein Spezialist für Bluterkrankungen (Hämatologe) den Patienten vorübergehend betreuen. Möglicherweise wird er eine Probeentnahme (Biopsie) aus dem Knochenmark empfehlen. Dieses bildet die weißen und roten Blutzellen sowie die Blutplättchen. Der Hämatologe erkennt etwa, ob tatsächlich die Zellreihe der weißen Blutkörperchen in typischer Weise betroffen ist.

Die Schilddrüse wird im Allgemeinen mittels Labortests, einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie), gegebenenfalls einer Szintigrafie (eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode) und eventuell anhand einer Zell-Diagnostik (Entnahme als eine Feinnnadelpunktion) überprüft. Daran orientiert sich auch die Therapie. Dies koordiniert ein Endokrinologe in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Ob eventuell eine Refluxkrankheit (siehe unter "Sodbrennen") vorliegt, klärt ein Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) ab. Er entscheidet in Abstimmung mit dem Hausarzt, ob etwa eine Magenspiegelung notwendig ist. Im Vorfeld kann eine Medikamentenbehandlung mit einem sogenannten Protonenpumpenhemmer dem Arzt Aufschluss darüber geben, ob die Beschwerden auf einen Reflux zurückzuführen sind. Davon ist auszugehen, wenn sie sich auf das Medikament hin bessern. Sicherheitshalber wird der Arzt zuvor auch ausschließen, dass nicht etwa Herzbeschwerden dahinterstecken.

Bei einer Geschlechtskrankheit ist im Allgemeinen ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, eventuell auch ein Urologe oder Gynäkologe, gefragt. Die Diagnose ergibt sich hier zum Beispiel aus der Blickdiagnose und aus Abstrichen, die im Urogenitalbereich entnommen und mikroskopisch untersucht werden können, bei der Syphilis auch aus Antikörpertests im Blut.

Ärztliche Behandlung: Pro & Contra?

Von Ärzten mitgeteilte Erfahrungen in Klinik und Praxis belegen:

  • Halsschmerzen sind überwiegend durch einen Virusinfekt bedingt.
  • Sie sind dann meistens nach zwei bis drei Tagen abgeklungen.
  • Die große Mehrheit der Patienten ist in der Regel nach fünf Tagen beschwerdefrei.

Daher erübrigt sich in diesen leichten Fällen meist eine ärztliche Therapie. Darin stimmen heute viele Mediziner überein – etwa Hals-Nasen-Ohrenärzte und Kinderärzte, aber auch Allgemeinärzte. Ohnehin sind Antibiotika bei reinen Virusinfekten wirkungslos. Aber auch im Falle einer leichten Streptokokkenangina ist ein Antibiotikum bei Menschen mit normaler Immunabwehr und ohne vorausgegangene medizinische Besonderheiten nicht routinemäßig notwendig, wenngleich wegen kleiner Vorteile auch vertretbar. Mehr dazu im Abschnitt "Ärztliche Therapie" weiter unten.

So helfen Sie sich bei unkomplizierten Halsschmerzen selbst

Die meisten Patienten empfinden Hausmittel als lindernd und wohltuend, etwa Gurgeln mit Salzwasser, Lutschen von Eiswürfeln und Halswickel. Viele Betroffene achten auch auf eine ausreichende Trinkmenge (wenn medizinisch nichts dagegen spricht), besonders bei Fieber, und bevorzugen eine weiche, nicht reizende Kost in der Akutphase. Sie schonen sich ein oder zwei Tage, sorgen für eine gut befeuchtete Luft in der Wohnung und rauchen nicht.

In der Apotheke werden rezeptfreie pflanzliche Mittel in Form von Tees, Gurgellösungen, Tropfen, Saft und Pastillen angeboten. Enthaltene Wirkstoffe stammen unter anderem aus Arnika, Isländischem Moos, Kamillenblüten, Kapland-Pelargonie, Lindenblüten, Salbeiblättern, Thymian. Sie können die Genesung unterstützen. Auch gibt es Lutschtabletten mit einem entzündungshemmenden Effekt und Rachensprays oder Mundspüllösungen mit örtlich betäubender beziehungsweise schmerzlindernder Wirkung (Rachentherapeutika). Sogenannte Immunstimulanzien mit Extrakten aus Sonnenhut (Echinacea spec.), Lebensbaum (Thuja orientalis) oder Färberhülse (Baptisia australis) finden in der Selbstmedikation ebenfalls Verwendung. Beliebt sind auch homöopathische Mittel.

Kurzfristig kann bei Bedarf ein Schmerzmittel wie Paracetamol oder ein entzündungshemmendes Mittel, zum Beispiel Ibuprofen oder ein anderes, nicht steroidales Antirheumatikum (Abkürzung dieser Medikamente: NSAR oder NSAID), helfen. Dazu sollte man sich jedoch vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen oder in der Schwangerschaft gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, über die man sich ebenfalls informieren sollte. Weitere Hinweise im Krankheitsratgeber "Erkältung".

Ärztliche Therapie bei Halsschmerzen

An der Notwendigkeit einer antibiotischen Therapie bei leichten Fällen mit Streptokokkenangina (siehe eingangs oben) scheiden sich oft die Geister. Ein Antibiotikum kann den Krankheitsverlauf etwas verkürzen, im Schnitt um sechzehn Stunden, mal mehr, mal weniger. Dem stehen Nachteile wie mögliche Nebenwirkungen und das Risiko resistenter Keime gegenüber. Resistent bedeutet, dass Erreger bei einem bedrohlicheren Infekt dem dann notwendigen Antibiotikum standhalten könnten.

Der Arzt wird die Therapiemöglichkeiten bei den ratsuchenden Patienten kritisch abwägen und die Vor- und Nachteile erklären. Sich eingehend ärztlich beraten zu lassen, ist also auf jeden Fall empfehlenswert. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Kinderärzte sehen eine Antibiotikumtherapie bei nachgewiesener oder hochwahrscheinlicher Streptokokkenagina nach wie vor als durchaus gerechtfertigt, aber nicht als Automatismus an. Aktuelle Behandlungsoptionen sind in einer Leitlinie zusammengefasst (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Fachliteratur").

Falls sich bei Halsschmerzen von Anfang an oder im weiteren Verlauf ein schwereres Krankheitsbild abzeichnet, ist auf jeden Fall der Arzt gefragt. Zu den Hinweisen auf einen komplizierten Verlauf gehören zum Beispiel:

  • Starke, zunehmende oder wiederkehrende Schmerzen
  • Ausgeprägte, zunehmende oder wiederkehrende Schluckbeschwerden
  • Starker Husten, oder ziehende, pfeifende Atmung, mithin Luftnot
  • Länger als einen Tag hohes Fieber (über 39°C) oder weniger hohes Fieber, das jedoch mehr als zwei bis drei Tage anhält oder erneut auftritt 

Über weitere Warnzeichen bei Halsschmerzen und wann man bei Fieber den Arzt hinzuziehen sollte, mehr im Kapitel "Halsschmerzen: Überblick".

Bei ausgeprägten bakteriellen Rachenentzündungen ist ein Antibiotikum unerlässlich. Beispielsweise geht es bei einer Streptokokken-A-Tonsillitis mit maßgeblichen Beschwerden (siehe Kapitel: "Halsschmerzen: Infektionen sind die führenden Ursachen" und Kapitel "Halsschmerzen: Diagnose"), bei Scharlach, bakterieller Kehldeckelentzündung oder Angina Plaut Vincent nicht "ohne".

Wann eine Entfernung oder Teilentfernung der Mandeln bei oder nach Mandelentzündungen ansonsten sinnvoll ist, diskutieren Hals-Nasen-Ohrenärzte momentan über die oben genannte neue Leitlinie zur Therapie von Mandelentzündungen hinaus eingehend. Sie sind mit dem Eingriff jedenfalls heute zurückhaltender, entscheiden sehr gründlich von Fall zu Fall und bestimmen derzeit die Vorgehensweisen neu. Eine mehrmals pro Jahr auftretende antibiotikumpflichtige Streptokokken-A-Tonsillitis mit weiteren Wiederholungen im Folgejahr – die "Schnittstelle" lautet: ab sechs mal – gehört zu den klaren Optionen für eine Mandeloperation.

Bei bestimmten Allergien kann eine gezielte "Allergie-Impfung" (auch Hyposensibilisierung oder spezifische systemische Immuntherapie genannt) teilweise länger anhaltende Erfolge erzielen. Die Neigung zur Allergie bliebt jedoch bestehen. Bei Bedarf blockieren antiallergisch wirkende Arzneimittel die Beschwerden. Die auslösenden Allergene sollten Betroffene nach Möglichkeit meiden.

Liegt eine Immunschwäche und in der Folge zum Beispiel eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Hauptursachen sind Infektionen") vor, so werden spezielle virushemmende Medikamente eingesetzt. Auch gegen die HIV-Infektion gibt es heute wirksame Medikamente. Zwar ist die Krankheit noch nicht heilbar, aber sie lässt sich durch die weiterentwickelte Therapie immer besser unter Kontrolle halten.

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) behandelt der Arzt mit sogenannten Protonenpumpenhemmern. Sie hemmen die Säureproduktion im Magen. Allgemeinmaßnahmen helfen zusätzlich: eine angepasste Lebensführung und Meiden möglicher Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht und Alkoholkonsum.

Die Therapie einer Schilddrüsenentzündung richtet sich nach der auslösenden Ursache (mehr jeweils im Kapitel "Halsschmerzen: Allergien, andere Krankheiten, Reizstoffe als Ursachen").

Bösartige Tumoren im Rachenbereich therapieren Krebsmediziner nach den entsprechenden Vorgaben und Leitlinien.

Komplikationen und Notfälle bei Halsschmerzen

Dazu gehören vor allem Mandelabszesse, eine Kehldeckelentzündung mit Atemnot (Epiglottitis), ein Krupp, das Kawasaki-Syndrom, eine Agranulozytose, sodann starke Schluckbeschwerden und Bauchschmerzen, etwa bei einem Pfeifferschen Drüsenfieber, und nicht zuletzt ein möglicher Herzinfarkt. Bei all diesen Krankheitsbildern (siehe auch Kapitel: "Halsschmerzen: Komplikationen") ist umgehend eine stationäre Behandlung notwendig.
Mandelabszesse werden mit Antibiotika therapiert, außerdem punktiert, gespalten und drainiert oder operativ behandelt (zum Beispiel sogenannte Abszess-Tonsillektomie: Entfernung der vereiterten Mandel und Entleerung des Abszesses). Auch bei einer Agranulozytose werden die Betroffenen mit Antibiotika behandelt. Eventuell erhalten sie zusätzlich Medikamente (sogenannte Wachstumsfaktoren), die das Knochenmark anregen, weiße Blutkörperchen zu bilden. Das mutmaßlich auslösende Arzneimittel setzt der Arzt selbstverständlich ab oder tauscht es, wenn möglich, gegen ein anderes Medikament aus.

Bei einem rheumatischen Fieber und einer Poststreptokokken-Glomerulonephritis hängt es vom Zustand des Patienten ab, ob eine Einweisung in die Klinik geboten ist, es erscheint aber in der Akutphase ebenfalls ratsam.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber

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Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf und Hals-Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und weitere Fachgesellschaften: Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. S2k-Leitlinie. AWMF-Register Nr.- 017/024. Online:
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Darai G, Handermann M, Sonntag H-G, Zöller L (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen, Berlin Heidelberg, 4. Auflage, Springer-Verlag 2012

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Mandelabszesse:
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Anzeichen Herzinfarkt:
http://www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html

Halsschmerzen und Ebola-Infektion:
http://innere-med-1.meduniwien.ac.at/fileadmin/innere1/infektiologie/Ebola_3_Steininger.pdf
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