Das Transkript zur Folge 300 mit Simon Schnetzer:

Ein Interview über die Herausforderungen  der Generation Z mit...

...Simon Schnetzer, Jungendforscher, Speaker und Futurist, und ich beschäftige mich seit 2010 mit den Lebens- und Arbeitswelten junger Menschen in Deutschland, insbesondere auch als Autor der Studie "Junge Deutsche".

Wie tickt die Generation Z?

Das, was die Generation Z möchte, ist Spaß, Sinn und Sicherheit. Spaß im Leben, aber auch in der Arbeit, Sinn, wenn sie eine Aufgabe bekommen, und die Sicherheit, dass das, was sie tun, wofür sie sich entscheiden, eine gute Entscheidung ist.

Wie hat die Generation Z die Pandemie erlebt?

Bei Jugend und Corona in Deutschland beschäftigen wir uns, oder haben uns bereits zum zweiten Mal damit beschäftigt, wie sich diese unglaubliche Veränderung... So eine krasse Veränderung in den Lebenswelten junger Menschen haben wir das letzte Mal vermutlich in der Kriegszeit 1945 erlebt.

Und was passiert denn eigentlich mit diesen jungen Menschen? die Haupterkenntnis ist, wie vielen... also dass über 50 Prozent der Jungen sagen, ihre psychische Gesundheit hat sich verschlechtert. Wenn wir die Jugendlichen befragen, wie sich die Schule, die Ausbildung, das Studium, die Arbeitswelt verändert hat, dann sehen wir auch da dramatische Verschlechterungen.

Allerdings... Wir müssen nicht nur über das Schlechte reden. Zum Beispiel Lehrer und Führungskräfte haben einen guten Job geleistet in dieser Zeit. Aber wir sehen, dass das System oder die Systeme der Ausbildung an ihre Grenzen gekommen sind, weil eben über zwei Drittel sagen, dass sich die Ausbildungsqualität, die Lehr-, die Schulqualität verändert hat.

Und neben alldem, was man natürlich beruflich, karrieremäßig sich gewünscht hätte, dass es besser läuft, haben eben auch die sozialen Beziehungen oder insbesondere die sozialen Beziehungen dieser jungen Menschen in der Zeit gelitten.

Was hat der Generation Z in der Pandemie Halt gegeben?

Das, was jungen Menschen am meisten Halt gegeben hat, oder Struktur, das waren tatsächlich Freunde und Familie. Also dieser Rückhalt in der Familie. Viele sind auch zurückgezogen, von den Jugendlichen. Entweder gar nicht erst von zu Hause ausgezogen, oder vom Studium, bei der Ausbildung wieder zurück zur Familie.

Das Wichtigste für sie war, sich wieder eine neue Struktur zu geben, weil die Struktur aus diesen Routinen... "Ich gehe in die Schule, oder an die Uni oder an die Hochschule,  ich habe meine Hobbys, mache Sport..." All das ist ja weggefallen.  Und sie mussten sich selbst diesen Tag neu strukturieren, sich selbst motivieren, in der Früh nicht im Schlabberlook sich an den Computer zu setzen, sondern ganz konkret... "Ich gehe trotzdem unter die Dusche.", "Ich mache mich schick, auch wenn es niemand sieht." 

Das sind schon so kleine...  so kleine Tipps auch gewesen, die wir sichtbar gemacht haben,  damit junge Leute anderen jungen Leuten diese Tipps geben können, weil eben... Wenn man nicht eine neue Routine schafft, dann haben ganz viele eben auch berichtet von den großen Motivationsproblemen. Die Sorgen, die man hat in der Isolation.

Und wenn man auf was hinarbeitet, Prüfungen, wenn man nicht zusammenkommt und sagt: "Wir feiern danach.", sondern wie kann man neue, auch Rituale schaffen? Auch digitale Rituale, um solche Ereignisse, auf die man hinarbeitet, dann eben zu feiern, obwohl das, wie das klassischerweise funktioniert, so in der Zeit jetzt nicht möglich war.

Welchen Einfluss hat die Zeit der Pandemie auf die Zukunft?

Womit die junge Generation leben wird,  das ist das... dieses neue Buzzword "hybrid". Hybridisierung von allem. Das wird bleiben.

Also sie werden nicht mehr einfach in die Schule gehen und sagen: "Es gibt keine Alternative zu Präsenzunterricht.", weil sie haben es erlebt, dass es auch eben digital funktionieren kann oder unter gewissen Umständen muss. Sie haben aber auch gemerkt, die Grenzen der Hybridisierung. Dass eben für bestimmte Dinge, um kreativ zu arbeiten, um ein Gefühl von Miteinander zu erleben, eben auch das Analoge, das Präsenzmiteinander braucht.

Also diese Hybridkultur werden die jungen erleben, prägen und so gestalten müssen, dass es eben nicht nur auf Kosten von Effizienz... "Ja, wir haben das Notwendige erfüllt." Sondern dass eben auch die menschliche Komponente des Miteinanders erhalten bleibt.

Ein weiteres Thema, das die Zukunft bestimmen wird, das ist dieses Gefühl von Sicherheit. Woran kann ich das als junger Mensch festmachen? Bisher waren es diese Strukturen, diese Abläufe, die man gewohnt war, und die Jungen haben jetzt erlebt, plötzlich machen Grenzen dicht, plötzlich darf ich Menschen nicht mehr sehen, ich darf abends nicht mehr raus.

Wie können wir jungen Menschen wieder die Sicherheit geben, und wenn es nur die nächste Woche zu planen ist? Da muss auch Politik ran. Aber da werden junge Menschen den Wunsch haben, sie nehmen sich jetzt zum Teil schon die Freiheit, in Parks zu gehen, obwohl es verboten ist, weil sie es brauchen. Also sie brauchen die Abwechslung, sie wünschen sich sehr stark diese Freiheiten zurück.

Und aus diesem Kompromiss heraus, immer stärker psychisch sich schlecht zu fühlen, sagen sie: "Im Abwägen  Freiheit versus schlecht fühlen... Zur Not müssen wir eben auch ein paar Regeln brechen."

Und das, was das System auch gemerkt hat jetzt, also ich hoffe, dass sie es merken, Politik, Schulen und so weiter. Wir können die Bedürfnisse junger Menschen, die sich stark verändern, nicht ignorieren.  Wir müssen in Zukunft junge Menschen stärker beteiligen. Junge Menschen werden das stärker einfordern, dass eben Zukunft nicht zufällig passiert, sondern dass sie daran mitgestalten dürfen.

Also Beteiligungskultur wird jetzt noch viel wichtiger, weil in einer Zeit von solchen Umbrüchen eben... alle Gruppen mitinvolviert sein wollen, und die jungen, die später auch mal die Zeche zahlen sollen. die Schulden, die jetzt aufgenommen werden, abbezahlen müssen, die wollen eben auch mitgestalten können.  Dass die Art, wie das Geld ausgegeben wird, ihnen auch zugutekommt. Zumindest in der Zukunft.

 

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In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen Herausforderungen in dieser besonderen Zeit berichten