Nachgefragt! Folge 244 mit Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann

Das Transkript zur Folge 244 mit Professorin Claudia Traidl-Hoffmann:

Ein Interview über den Einfluss von Pollen auf die Verbreitung von Corona mit...

Mein Name ist Claudia Traidl-Hoffmann, ich bin Professorin für Umweltmedizin an der Universität Augsburg. Und leite auch das Institut für Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München.

Wie beeinflussen Pollen die Verbreitung von Corona?

Wir hatten schon in früheren Studien gezeigt, dass Pollen die lokale Immunantwort der Schleimhäute blockieren. Man kann sich das so vorstellen, als ob die Pollen das antivirale Schutzschild durchlöchern. Und ganz konkret funktioniert das so, dass die Pollen auf die Schleimhautoberfläche kommen und Botenstoffe hemmen, die eigentlich Viren abwehren sollten.

Und das haben wir in unterschiedlichen Systemen gezeigt. Unter anderem in einer großen Studie mit über 20 000 Probanden. Wo wir allerdings gezeigt haben, dass Schnupfenviren, also ganz normaler Schnupfen, viral bedingt während der Pollenflugsaison vermehrt ist. Und das haben wir dann als Grundlage genommen, weiter zu schauen.

Und dann haben wir im letzten Jahr eben geschaut, ob wir eine Korrelation sehen zwischen dem Pollenflug und den Corona-Infektionen. Und das jetzt wiederum ist eine rein statistische Analyse. Das heißt also, wir haben in mathematischen Modellen, natürlich korrigiert durch Störfaktoren, haben wir Pollenflug und Corona-Infektionen in Verbindung gebracht. Und zwar im Frühjahr 2020.

Und in der Tat, man sieht auch da, es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Pollenflug und Corona-Neuinfektionen.

Warum können uns Pollen anfälliger für das Coronavirus machen?

Der Pollen selbst trägt das Virus nicht. Sondern der Pollen lähmt die Immunantwort. Und das ist sogar so, dass wir einen Verzögerungseffekt sehen.

Das heißt also, der Pollen kommt auf die Schleimhautoberfläche, und dieser Effekt hält noch drei Tage an. Und wenn wir dann in diesen drei aufeinanderfolgenden Tagen dann mit dem Virus in Kontakt kommen, dann haben wir eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken. Und das wiederum hängt natürlich auch von anderen, persönlichen Risiken ab. Wie, was wir alle schon wissen, Diabetes, chronische Entzündungen. Das sind alles diese Risikofaktoren, die bereits bekannt sind.

Also, wichtig ist einfach... Es ist einfach wichtig zu verstehen, dass dieser Effekt von Pollen auf dieses Schutzschild ist ein genereller Effekt, der nicht nur bei Allergikern, sondern auch bei Nichtallergikern auftritt. Das heißt also jetzt nicht, Allergiker müssen in Panik verfallen. Sondern am Ende ist es wirklich ein genereller Effekt, der bei hohen Pollenkonzentrationen vorkommt.

Und wir sagen auch, dass Pollen einen Umweltfaktor darstellen, der Corona-Infektionen mit triggern kann. Es ist aber nicht der einzige Umweltfaktor. Hinzukommt Temperatur, Luftfeuchte, UV. Und diese Umweltfaktoren, die, ja, beeinflussen sich auch gegenseitig.

Wie kann man sich schützen?

Die einzige Möglichkeit auszuschließen, dass der Pollen das lokale Immunsystem lahmlegt, ist, nicht mit dem Pollen in Kontakt zu kommen. Und das ist natürlich jetzt eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Weil der Pollen fliegt nun mal in der Außenluft. Und wenn ich rausgehe, dann werde ich auch damit in Verbindung gebracht.

Deswegen ist die beste Möglichkeit, dass ich dann Polleninformationssysteme nutze und schaue, wie ist denn heute der Pollenflug? Und wenn er hoch ist, dann ist es wirklich sinnvoll, dass ich dann als Risikoperson eben nicht bei dem starken Pollenflug rausgehe. Und die andere Möglichkeit ist, dass ich, wenn ich dann doch rausgehe, dann wirklich eine FFP2-Maske trage, auch draußen, um dann eben zu verhindern, dass der Pollen auf die Schleimhautoberfläche kommt.

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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