Omikron breitet sich rasant aus, auch in Deutschland. Die besonders ansteckende Variante macht mittlerweile einen großen Teil der Neuinfektionen aus. Gleichzeitig gilt sie als „milder“ im Vergleich zu Delta. Wie gefährlich ist Omikron also? Einerseits für jeden Einzelnen und andererseits für die Gesellschaft als Ganzes? Und ist mit dieser Variante ein Ende der Pandemie in Sicht? Darüber spricht Moderator Peter Glück mit Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer.

In dem Gespräch geht es um folgende Themen:

• Omikron - mild oder gefährlich?

• Zwei Seiten: jeder Einzelne und die Gesamtgesellschaft

• Wie ist das Risiko für junge, geboosterte Menschen?

• 2G+ ohne Tests für Geboosterte - sinnvoll?

• Das Ende der Pandemie?

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Peter Glück - Einen schönen guten Tag. Wie gefährlich ist Omikron und ist mit dieser Variante ein Ende der Pandemie jetzt in Sicht? Darum geht's in dieser Folge Klartext Corona.

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Peter Glück - Ich bin Peter Glück von gesundheit-hören.de und heute ist Donnerstag, der 13. Januar 2022. Willkommen mal wieder bei einer neuen Folge von Klartext Corona. Leider ist die Pandemie ja auch im neuen Jahr noch Thema. Omikron, die Variante, die im November erstmals in Botswana entdeckt wurde, die breitet sich weltweit aus. Und auch in Deutschland ist diese Variante angekommen und sie breitet sich hier wirklich rasant aus. Gerade letzte Woche gab es auch wieder eine Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit neuen Beschlüssen. Die jeweiligen Corona-Regeln in den Bundesländern unterscheiden sich aber und das zeigt vielleicht auch ein bisschen die Unklarheit und Unsicherheit, die im Umgang mit Omikron gerade herrscht. Genauso geht es ja auch vielen Bürgerinnen und Bürgern. Die sind unsicher, wie sie sich gerade verhalten sollen und wie sie das eigentlich einschätzen müssen, wie gefährlich Omikron tatsächlich ist. Darüber und ob mit dieser Variante ein Pandemie-Ende in Sicht rückt, spreche ich jetzt mit der Virologin Frau Professorin Ulrike Protzer. Sie ist Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München und am Helmholtz Zentrum München.

Peter Glück - Hallo Frau Protzer, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für uns.

Prof. Ulrike Protzer - Ich grüße Sie.

Peter Glück - Also zunächst würde mich mal interessieren wie man Omikron jetzt bewerten sollte. Also ich habe gerade das Gefühl, da gibt's quasi so zwei Seiten, die man immer wieder hört. Einerseits, Omikron sei ja milder als Delta, also greift z. B. die Lunge weniger an und die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, jetzt ins Krankenhaus zu kommen und einen schweren Verlauf zu bekommen, die ist geringer. Auf der anderen Seite, da sei eben Omikron viel ansteckender und z. B. die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation warnt, Omikron ernst zu nehmen. WHO-Generaldirektor Ghebreyesus, der hat wörtlich kürzlich folgendes auf einer Pressekonferenz gesagt.

“Just like previous variants, Omicron is hospitalizing people and it is killing people.”

Also wörtlich sagt er hier - Wie die früheren Varianten auch, bringt Omikron Menschen ins Krankenhaus und tötet Menschen.

Peter Glück - Frau Professorin Protzer, vielleicht erklären Sie uns mal, wie diese beiden Seiten miteinander in Einklang zu bringen sind.

Prof. Ulrike Protzer - Die Beobachtung, dass das Virus milder ist, dass es Menschen weniger häufig ins Krankenhaus bringt, basiert vor allem auf Beobachtungen in Bereichen Südafrika, Großbritannien, wo einfach sehr viele Menschen schon eine fortbestehende Immunität haben. Das heißt ein hoher Anteil in Großbritannien ist geimpft. Dann gab's da auch heftige Wellen. Das heißt es gibt auch noch viele Menschen, die das Virus einfach durch eine Infektion schon gesehen haben. Und in Südafrika ist es so, dass einfach mehrere heftige Infektionswellen schon durchgezogen sind sozusagen durchs Land. Und deswegen ist es schwierig zu sagen diese geringere Gefährlichkeit trifft auch für alle Menschen bei uns zu. Ich glaube man kann ziemlich sicher sagen, da sind die Daten inzwischen sehr gut, für diejenigen, die eine bestehende Immunität haben, ist der Verlauf milder. Wir wissen aber noch wenig darüber, wie es für die ist, die keine fortbestehende Immunität haben. Und da sieht man eben, wenn man jetzt wieder in ein anderes Land schaut, in dem Fall nach Amerika, dass da dann doch eine ganze Menge Menschen ins Krankenhaus müssen und leider auch auf die Intensivstationen müssen. Selbst wenn das vielleicht etwas milder ist als bei Delta.

Peter Glück - Wenn man auf Deutschland blickt, dann spielt dann ja vermutlich auch eine Rolle - also sowohl die noch verhältnismäßig geringe Quote und aber auch die Altersstruktur oder jetzt im Vergleich mit Südafrika z. B.?

Prof. Ulrike Protzer - Im Vergleich mit Südafrika haben wir natürlich eine ganz andere Altersstruktur. Wir haben ja eine relativ alte Bevölkerung ähnlich wie jetzt andere europäische Länder oder auch Japan, wohingegen die afrikanischen Staaten alle eine sehr, sehr junge Bevölkerung haben. Da ist der Altersdurchschnitt einfach um ja mindestens 20 Jahre jünger als bei uns. Und entsprechend milder verläuft natürlich insgesamt die Infektion. Denn wir wissen. diejenigen, die hauptsächlich gefährdet sind, sind die ja 50+. Aber so richtig geht's dann eigentlich erst bei 65 plus los. Das macht eine ist sicherlich ein wichtiger Punkt, den man mitberücksichtigen muss.

Peter Glück - Ein anderer Punkt ist ja aber auch die schiere Masse der Infektionen, oder? Also dass Omikron ja als ansteckender gilt und das dann wiederum dazu führt – wenn extrem viele Menschen gleichzeitig infiziert sind, dann erkranken halt auch insgesamt mehr Menschen schwer.

Prof. Ulrike Protzer - Ja, das ist ja, wenn Sie die absolute Zahl an Menschen anschauen, dann ist natürlich ein großer Unterschied, ob Sie mit 1 000 Infizierten oder mit 10 000 Infizierten oder mit 100 000 Infizierten loslegen. Selbst wenn nur die Hälfte der Menschen ins Krankenhaus muss. Aber es infizieren sich statt 1 000, 10 000, dann sind es halt immer noch fünfmal so viele.

Peter Glück - Im Vergleich mit der Delta-Variante.

Prof. Ulrike Protzer - Ja das ist das ist einfach die große Zahl der Infizierten, trägt da zum Gesamtproblem bei. Das Problem ist aber ja nicht nur die Krankenhausaufenthalte, sondern das Problem, dass wir jetzt sehr schnell sehen werden, ist das Problem - Wenn viele, viele Menschen sich gleichzeitig anstecken, dann sind natürlich auch viele, viele Menschen gleichzeitig zu zuhause. Und dann wird's kritisch, Bereiche überhaupt aufrechtzuerhalten. Das fängt an beim Kindergarten, das geht weiter in der Schule. Das betrifft dann natürlich auch kritische Infrastrukturen wie die Feuerwehr oder die Wasserwerke oder die Stromversorgung bis hin zum Gesundheitsdienst. Auch dort können natürlich Menschen krank werden. Und wenn die sich infizieren und die sitzen zu zuhause als Infizierte und können nicht arbeiten, dann hat man da zwei Probleme. Mehr Menschen, die Hilfe brauchen im Gesundheitsdienst, aber weniger Menschen die sie leisten können.

Peter Glück - Genau das ist ja so ein Punkt, der uns auch immer wieder finde ich begleitet bei der Wahrnehmung dieser Pandemie und der auch in Diskussionen ja immer so eine Rolle spielt. Das sind die zwei Pole, einerseits die persönliche Betroffenheit, und wie bedroht bin ich als Einzelmensch. Und was bedeutet sowas halt für die gesamte Gesellschaft?

Prof. Ulrike Protzer - Absolut. Das ist ja etwas, was uns die ganze Zeit schon treibt, auch in der Diskussion um Impfungen. Ich muss sagen, ich finde, wie sich die junge Generation verhalten hat, wirklich vorbildlich in Deutschland. Denn die haben sich zum großen Teil impfen lassen. Nicht so sehr, weil sie sich selber unbedingt schützen wollten. Die wussten, dass sie selber jetzt nicht so eine große Gefahr haben. Aber die wollten dazu beitragen, dass das Leben wieder normal werden kann und dass wir insgesamt einen hohen Schutz gerade in der Bevölkerung bekommen. Und wenn man dann Menschen sieht, die wirklich hoch gefährdet sind und die sagen mir, ich will mich aber lieber nicht impfen lassen, dann hat man schon manchmal Probleme, das zu verstehen.

Peter Glück - Was würden Sie denn einem jungen Menschen sagen der, der jetzt so eine Haltung einnimmt - Ich bin gesund, sportlich, jung. Ich bin auch hab mich impfen lassen, ich bin sogar geboostert, ich mache mir eigentlich keine Sorgen. Dann kriege ich halt Omikron. Da komme ich schon durch.

Prof. Ulrike Protzer - Das kann man nachvollziehen. Und das wird auch so sein. Diese Omikron-Fälle wird dann zusätzlichen Booster des Immunsystems geben, für diejenigen, wo das Immunsystem - wir sagen – immunologisch schon geprimet ist - das heißt, die haben die Antigene, sei es durch eine vorherige Infektion hat durch eine Impfung, einfach schon mal gesehen. Dann gibt so eine Omikron-Infektion nochmal einen Booster, die heizt das sozusagen auf 180 hoch und dann hat man auch wirklich ne breite und qualitativ einfach sehr sehr gute Immunität. Und wenn man jung ist und hat kein Risiko schwer krank zu werden, dann kann ich die an sich gut verstehen.

Peter Glück - Sie sagen, sie können es gut verstehen, aber gleichzeitig hört man ja auch immer wieder auch ein milder Verlauf - Christian Drosten hat in seinem Podcast z. B. hat darauf auch kürzlich abgehoben, dass ein milder Verlauf ja trotzdem nicht harmlos bedeutet.

Prof. Ulrike Protzer - Das wissen wir von den vorhergegangenen Varianten, dass leider auch nach milden Verläufen eben das sogenannte Long Covid auftreten kann und Long Covid bedeutet dann schon erhebliche Einschränkungen im alltäglichen Leben. Sei es, weil man einfach nicht mehr leistungsfähig ist, sehr schnell erschöpft ist oder tatsächlich wenn man sich anstrengt, die Treppe hoch geht oder mal schneller läuft, Atemnot bekommt oder vielleicht auch ein dauerhaften Ausfall des Geruchs- oder Geschmackssinn hat. Das waren Dinge, die haben wir bei den bisherigen Varianten beobachtet und das macht einem dann natürlich auch als junger Mensch oder sogar als Kind Probleme. Ob das bei Omikron in gleichem Maße noch auftritt, das wissen wir ehrlich gesagt noch gar nicht. Dafür kennen wir auch Omikron noch zu kurz.

Peter Glück - Es ist ja vor allen Dingen auch so und das führt ja auch immer gerade auch zu Verwirrung, ist mein Eindruck, dass auch wer geimpft ist, halt trotzdem Omikron bekommen kann. Was sagen Sie denn Leuten die jetzt so eine Haltung einnehmen - Naja dann kann man sich das Impfen ja auch gleich sparen.

Prof. Ulrike Protzer - Wie gesagt, wenn ich eine bestehende Immunität habe, dann mache ich mir mit einer Omikron-Infektion jetzt nicht so große Sorgen. Das heißt nicht, dass ich mich als gefährdeter Mensch natürlich trotzdem versuchen sollte eine Infektion zu verhindern. Aber wenn ich ansonsten gesund und jung bin, dann wird mich diese Infektion mit einer vorbestehenden Immunität nicht umhauen. Die Frage ist was passiert, wenn ich diese vorbestehende Immunität nicht habe. Das heißt ich bin nicht geimpft und ich war auch noch nie infiziert. Dann bin ich einfach einer anderen Situation. Dann ist mein Immunsystem nicht vorbereitet. Und da und das sieht man ganz deutlich in Amerika, da sieht man aber auch in Italien, dann hat man natürlich schon immer noch ein Risiko, dass man auch schwerer erkrankt.

Peter Glück - Und es gibt auch eine Studie, die deutlich macht, dass vor allem die Booster-Impfung einen wirklich hohen Schutz vor einem schweren Verlauf auch bei Omikron bietet.

Prof. Ulrike Protzer - Wir selber haben Studien gemacht und haben uns angeschaut wie gut ist denn die Schutzwirkung, also die Neutralisation-kapazität meines Blutes das Virus abzuhalten und das springt nach einer dritten Impfung. Also wenn ich dann die Booster Impfung sozusagen als dritte Impfung bekomme springt das nochmal erheblich nach oben. Da hab ich nicht nur mehr Antikörper sondern ich habe auch qualitativ deutlich bessere Antikörper, die das Virus dran hindern sich im Körper auszubreiten. Ich kriege dann vielleicht eine Infektion, aber das ist dann ein bisschen Virus im Nasen-Rachenraum. Das kontrolliert mein Immunsystem dann auch sehr schnell. Aber es geht eben nicht in die inneren Organe hinein. Und das ist ja das was man verhindern will, was wichtig ist und auch die T-Zellen-Antwort, also die Zellen, die Immunzellen, die im Körper herum laufen und die ganze Zeit aufpassen ist da irgendwas, was da nicht hingehört. Auch die sind dann natürlich schon vorbereitet, die sind schon geprimpet, die wissen schon auch, auf was sie aufpassen müssen. Wenn ich nicht geimpft bin, habe ich diesen Schutzwall natürlich einfach nicht. Ich gehe dann hohes Risiko.

Peter Glück - Man kann als geboosterte Person eben erkranken, aber das Risiko ist geringer und vor allem eben das Risiko, schwer zu erkranken - und auch das Virus weiterzugeben. Wenn wir jetzt wieder vom Individual-Fall quasi auf die Gesellschaft blicken - wie sehen Sie das, dass geboosterte bei der 2G plus Regelung, die ja teilweise in Deutschland in Kraft ist, beispielsweise nicht mehr extra testen lassen müssen, dass sie da so ein Freifahrtschein quasi bekommen? Halten Sie das für sinnvoll?

Prof. Ulrike Protzer - Ich glaube, das kann man machen. Denn diejenigen, die geboostert sind, haben natürlich ein viel geringeres Risiko, sich selbst anzustecken. Das heißt, da ist schon ein Unterschied, ob ich eine Booster-Impfung, eine dritte Impfung hatte oder ob ich keine hatte. Und dann ist das natürlich schon ein bisschen ein politisches Werkzeug würde ich sagen, um die Menschen halt auch noch davon zu überzeugen. Wenn ich mich jetzt dritt-impfen lasse, wenn ich also meinen Impf-Zyklus komplettiere, dann hab ich halt auch eine Freiheiten wieder.

Peter Glück - Wer jetzt trotzdem zu der eher vorsichtigeren Gruppe von Menschen gehört und sagt, also bevor ich andere Menschen treffe ich mache z. B. immer noch zur Sicherheit lieber einen Selbsttest noch zu Hause. Machen diese Selbsttests bei Omikron dann noch Sinn, wie ist da jetzt der aktuelle Stand. Weil da gehen ja die Meldungen irgendwie auch hin und her. Teilweise hat es mal geheißen, eigentlich schlagen die bei Omikron eigentlich gar nicht richtig an, das wurde dann wieder zurückgenommen. Jetzt heißt es, es gibt Tests die funktionieren, andere vielleicht nicht. Bzw. es macht keinen Sinn in der Nase den Abstrich zu nehmen, sondern muss wieder auf den Rachen gehen. Wie ist da der aktuelle Stand, Ihrer Kenntnis nach?

Prof. Ulrike Protzer - Grundsätzlich sind diese Selbsttests natürlich lang nicht so empfindlich wie jetzt ein professioneller PCR Test. Aber wenn ich Symptome habe, dann geben Sie mir schon einen guten Hinweis. Und da schlagen Sie auch bei Omikron eigentlich noch ganz gut an. Wenn ich die mache und ich habe keine Symptome, dann ist ein bisschen das Problem, dass sehr geringe Virus-Mengen einfach nicht entdeckt werden. Und in den ersten zwei Tagen, in denen ich ja am aller ansteckendsten bin, schlagen diese selbst Tests sowieso schlecht an. Das hängt einfach damit zusammen, dass sie ein Antigen aus dem Inneren des Virus erkennen. Und erst, wenn das Virus sich so etabliert hat, dass auch Zellen im Nasen-, Rachenraum kaputt gehen, dann schlägt der Test wirklich an. Das heißt wenn ich einen Selbsttest mache, dann ist das auf jeden Fall gut, wenn ich Symptome habe, um mich zu orientieren. Wenn ich es aber einfach nur so mache, um zu sagen ich bin jetzt negativ, dann kann man nur sagen, das ist vielleicht ein bisschen vermindertes Risiko, aber es heißt nicht, dass man negativ ist. Auch wenn die meisten Tests bei Omikron noch funktionieren ist diese Limitation einfach da.

Peter Glück - Schauen wir nochmal mal auf das große Ganze bei uns in Deutschland. Sie gehen ja auch davon aus, dass um Omikron noch wirklich eine riesige Masse an Menschen in Deutschland erreichen wird?

Prof. Ulrike Protzer - Absolut, ja.

Peter Glück - Was für Maßnahmen kann man denn jetzt ergreifen um das Ganze hinauszuzögern um es eben vielleicht zu strecken? Also gibt es da Maßnahmen bzw. ist das, ja wie sinnvoll ist das, was ist jetzt das Richtige zu tun?

Prof. Ulrike Protzer - Also dieses Virus ist so ansteckend geworden, dass wir es nicht mehr vollständig stoppen können. Das war ja schon mit Delta nicht mehr möglich und das ist jetzt überhaupt nicht mehr möglich. Das heißt, das was wir tun können im Moment ist die Welle, die gerade auf uns zu - ich würde fast sagen – rast, abzubremsen. Und wir können natürlich versuchen die Folgen dieser Wellen schneller zu vermindern. Wie man die Folgen vermindert, das haben wir schon besprochen, indem man sich impfen lässt, indem das Immunsystem vorbereitet ist und damit umgehen kann. Wie man jetzt diese massive Welle abschwächen kann, da kann man immer nur wieder auf die altbewährten Möglichkeiten zurückgreifen. Also Abstand halten, Maske tragen, Menschenansammlungen gerade in Innenräumen meiden. Das ist so das was einem bleibt und was man tun kann um halt die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu vermindern auch wenn man das Virus nicht mehr komplett abblocken kann. Und wenn wir die Ausbreitungsgeschwindigkeit vermindern können, dann können wir halt hoffentlich diese Überlastung der Infrastruktur und des Gesundheitssystems einfach vermeiden.

Peter Glück - Das gilt kurzfristig. Mittel- und langfristig ist es ja so, dass wenn man jetzt den Expertinnen und auch ihnen zuhört, was Omikron für uns bedeuten kann, dann ist auch immer wieder die Rede davon Omikron könnte der Gamechanger gewissermaßen werden. Omikron könnte die Mutation sein, die die Pandemie zur Endemie werden lässt. Vielleicht mal kurz zur Einordnung. Was genau heißt endemisch? Wo liegt da dann der Unterschied? Ist das dann sowas ähnliches wie die Grippe, mit der wir uns ja schon sehr lange beschäftigen?

Prof. Ulrike Protzer - Ich glaube die Begriffe Pandemie und Endemie werden hier nicht ganz korrekt verwendet. Eine Pandemie ist ja letztendlich eine Epidemie, die sich über mehrere Kontinente ausbreitet. Und natürlich werde ich nicht das Virus daran hindern, sich weiterhin in mehreren Kontinenten auszubreiten. Aber was wir natürlich wollen ist diese gesellschaftlich enormen Folgen, die die Pandemie für uns hat, erträglich zu machen. Und damit ist die Hoffnung, dass das übergeht in eine saisonale Infektion, ähnlich eben wie wir die mit dem Grippevirus haben. Das Grippevirus macht ja auch immer wieder Ausbreitung in ganz vielen Ländern, in ganz vielen Kontinenten, je nachdem, wo halt gerade Sommer oder Winter ist. Und ähnlich wird es vermutlich mit dem Corona-Virus dann auch sein. Das wird im Herbst, Winter wieder zu uns zurückkehren und wird Infektionen setzen. Aber wenn wir eine breite oder bestehende Immunität der der Bevölkerung haben, dann trifft uns das nicht mehr so hart. Dann wird es noch einige geben, die ein Problem haben mit ihrem Immunsystem, die vorbestehende Krankheiten haben, die sich vielleicht auch nicht entsprechend schützen können, die trotzdem krank werden. Aber für die können wir eine gute medizinische Kapazität zur Verfügung stellen. Und der Rest, der wird dann hoffentlich ähnlich wie bei einer Grippewelle das Ganze mit erträglichen Symptomen überstehen können. Das wird keine banale Erkältung werden. Das sehen wir auch jetzt bei Omega, von Infektionen von Geimpften. Das ist also schon so, dass das ne heftige Infektion ist. Aber das ist die Grippe eben auch. Und da haben wir uns ja, da haben wir auch gelernt, damit umzugehen. Und die Hoffnung ist in dem Moment, indem wir diese Saisonalität bekommen und einen breiten Schutz in der Bevölkerung haben, dass wir dann eben mit dem Corona-Virus genauso umgehen können.

Peter Glück - Stichwort breiter Schutz in der Bevölkerung, um den also aufrecht zu erhalten, auch auf lange Sicht, gehen sie davon aus, dass dafür dann eine regelmäßige Impfung für alle Bevölkerungsschichten notwendig wird?

Prof. Ulrike Protzer - Ich persönlich glaube eher, dass man das ähnlich wie bei der Grippe machen kann, dass man gefährdete Personen definiert und dass die dann eine regelmäßige Impfung bekommen und die anderen die jetzt nicht so gefährdet sind. Da würde man dann vermutlich sagen, gut, wenn die die Infektion kriegen, dann ist das halt der Booster des Immunsystems. Aber die Gefährdeten, die möchte man schützen und die wird man dann möglicherweise doch regelmäßig impfen müssen. Ganz ähnlich wie das bei der Grippe auch der Fall ist.

Peter Glück - Und auch neue Varianten würden diese Situation nicht zwangsläufig ändern? Also jetzt ist ja eben z. B. Deltakron ist so ein Stichwort, also die Kombination aus Delta und Omikron wo die aufgetaucht sind. Was bedeutet das für diese Impf-Situation?

Prof. Ulrike Protzer - Also Deltakron ist ja allerhöchstwahrscheinlich ein Labor-Artefakt und keine wirkliche neue Variante. Da muss man sehr vorsichtig sein in der Einstufung dessen, was auch eine neue variant of concern ist. Das sieht man schon darin, dass es nach Alpha, Beta, Gamma, Delta dann ne Weile nichts gab bis zu Omikron. Das waren nämlich alles Varianten die zwar entstanden sind, die aber keine besondere Bedeutung erlangt haben. Und wenn jetzt also eine neue Variante käme, die wieder neue Eigenschaften hat. Und das wird natürlich immer schwieriger, weil wir haben ja jetzt schon den Virus, was sich extrem schnell ausbreitet, was der Immunantwort zum Teil entgehen kann. Dann ist immer die Frage - Wie breit ist denn mein Immunsystem vorbereitet? Und da ist das, was man ganz klar sieht, die wenn ich diesen dreimaligen Kontakte des Immunsystems habe, durch eine dreimalige Impfung oder auch durch eine zweimalige Impfung und durch eine Durchbruchs-Infektion oder weil ich mich gleich in der ersten Welle angesteckt habe und mich dann hab zweimal impfen lassen, dann ist mein Immunsystem schon sehr gut vorbereitet und dann kommt mein Immunsystem selbst mit Varianten wie Omikron gut klar. Und das hoffen wir mal, hält dann auch für die nächsten Varianten, die irgendwo auftauchen könnten, an.

Peter Glück - Was mich als letztes noch interessieren würde, ist ein Blick auf die Kinder. Ich habe selbst auch zwei und deswegen interessiert mich das natürlich besonders. Wie sieht für Kinder das Risiko durch Omikron aus. So nach den Weihnachtsferien, die Schule ist in allen Bundesländern jetzt mittlerweile wieder angelaufen. Gerade die Situation für die Jüngeren, die noch nicht geimpft sind, wie, wieviel Sorgen muss man sich da machen?

Prof. Ulrike Protzer - Die haben sicherlich ein sehr hohes Risiko, sich jetzt anzustecken. Gar keine Frage. Aber die gute Nachricht ist ja, dass für Kinder diese Corona-Virusinfektion insgesamt zum Glück sehr milde verlaufen. Aber auch da ist es wieder ein bisschen ein, wie man sagen würde Numbers-Game. Wenn sich natürlich sehr sehr sehr viele Kinder gleichzeitig anstecken, dann wird es auch einige geben, die es schwerer erwischt und die ins Krankenhaus müssen. Auch das ist das, was man im Moment in den USA sieht. Aber das sind weiterhin jetzt prozentual gesehen sehr, sehr kleine Anteile, auch von den jüngeren Kindern, die dann schwerer erkranken. Und insofern glaube ich da die Schutzmaßnahmen, die wir eigentlich alle inzwischen ganz gut etabliert haben, weiter einzuhalten. Das ist das, was uns da jetzt am besten hilft.

Peter Glück - Frau Professorin Protzer, vielen Dank für die Erklärungen, die Sie uns hier geliefert haben!

Prof. Ulrike Protzer - Gern geschehen.

Peter Glück - Also ich nehme aus diesem Gespräch unter anderem mit - Es kann gut sein, dass Omikron die Mutation ist, die uns aus der Pandemie und aus dem Krisenmodus herausführen wird. Aber da diese Variante nochmal mal deutlich ansteckender ist als die bisherigen, sieht es gerade danach aus, dass in den kommenden Wochen viele Menschen zumindest soweit betroffen sein werden, dass sie krank zu Hause bleiben müssen. Und das bedeutet im Moment noch- man muss gegenwärtig darauf schauen, dass die Infrastruktur bei uns nicht gefährdet wird.

Peter Glück - Mein Name ist Peter Glück und ich hoffe, dass Ihnen dieser Podcast gefallen hat. Die Infos, die Sie hier bekommen, Ihnen ein bisschen weiterhelfen und im Übrigen finden Sie Klartext Corona und viele weitere Podcasts zu Gesundheitsthemen jederzeit im Netz unter gesundheit-hörenn.de

Klartext Corona – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau

Redaktion: Peter Glück, Kari Kungel
Schnitt und Post-Produktion: Yves Seissler, Peter Glück
Wissenschaftliche Prüfung: Dr. Roland Mühlbauer, Dr. Andreas Baum

Darum geht es in Klartext Corona

Die Hosts Peter Glück und Anja Kopf sowie Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, informieren Sie auf sachliche und gut verständliche Weise, interviewen Fachleute aus unterschiedlichen Gebieten und gehen auf Ihre Fragen ein.

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