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Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2024 fordert ein Bündnis aus Gesundheitsorganisationen, den Verkauf von Zigaretten in Supermärkten und Tankstellen zu untersagen. Stattdessen sollten die Tabakprodukte und E-Zigaretten nur noch in lizenzierten Fachgeschäften verkauft werden.

„Die gesundheitsgefährlichen Produkte sind noch immer viel zu stark präsent im Alltag – die Menschen sind dem Kaufanreiz ausgesetzt, wenn sie in der Warteschlange an der Supermarktkasse oder Tankstellentheke stehen“, sagte Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) der dpa in Heidelberg.

Enorm wichtig sei auch ein Werbeverbot an solchen Orten, so Schaller. Bisher ist Werbung am Verkaufsort noch erlaubt. Auch der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, hatte anlässlich des Weltnichtrauchertages eine weitere Einschränkung der Reklame fürs Rauchen gefordert.

Das DKFZ hat zusammen mit dem Aktionsbündnis Nichtrauchen und anderen Organisationen einen Brief an Bundestagsabgeordnete der Ampel-Koalition geschrieben, in dem sie harte Maßnahmen gegen Tabakkonsum fordern.

Im Koalitionsvertrag hatten die Parteien 2021 vereinbart, Regelungen für Marketing und Sponsoring bei Nikotin zu verschärfen. „Seither ist viel zu wenig passiert, die Koalition hat nicht geliefert“, sagte Schaller. Das Zigarettenrauchen führe noch immer zu massiven Gesundheitsschäden und Tausenden Toten in jedem Jahr. „Der Staat muss mehr tun, um den Tabakkonsum auf ein Minimum zu reduzieren.“ Unter anderem hatte die FDP einen Vorstoß von Gesundheitsminister Lauterbach verhindert, Rauchen im Auto zu verbieten, wenn Kinder und Schwangere mitfahren.

Forderung nach Einheitsverpackung

Das DKFZ und die anderen Organisationen sprechen sich zudem für eine Einheitsverpackung bei Tabakprodukten aus – Marken sollen nicht mehr zu erkennen sein. „Alle Packungen sollten olivgrün sein und in der gleichen Schriftart den Markennamen enthalten“, erläuterte Schaller. „Auch die Verpackung ist eine Werbefläche, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hat – daher sollte es die standardisierte Verpackung geben.“ Das sollte auch für Tabakerhitzer und E-Zigaretten gelten – auch sie seien Gesundheitsrisiken, betonte Schaller.

Im Internet gibt es bereits ein Werbeverbot für Tabakprodukte und E-Zigaretten. Nach Erkenntnissen des DKFZ kommt es hierbei aber häufig zu Rechtsverstößen. „In den sozialen Medien sind E-Zigaretten und Tabakerhitzer noch immer sehr präsent“, beklagte Schaller. Besonders Kinder und Jugendliche könnten dadurch beeinflusst werden und diese Produkte ausprobieren wollen. „Der Staat muss härter gegen diese Verstöße vorgehen und das Werbeverbot im Internet durchsetzen“, forderte sie.

Tabakindustrie hält nichts von weiteren Verboten

Die Tabakindustrie reagiert mit Kopfschütteln auf den Vorstoß der Rauchgegner. Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) verwies darauf, dass die Werbemöglichkeiten der Branche schon eingeschränkt worden seien, seit Jahresbeginn dürften E-Zigaretten nicht mehr auf Plakaten beworben werden. Angesichts der nur noch sehr punktuellen Wahrnehmung einschlägiger Werbung im öffentlichen Raum könne man nicht davon ausgehen, dass weitere Verbote zu einer Senkung der Raucherquote beitrügen.

Strengere Regeln in anderen Ländern

Deutschland landet auf der Tabakkontrollskala der Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer wieder auf den untersten Plätzen. Die Skala soll zeigen, wie europäische Länder die wichtigsten Maßnahmen der WHO zum Nichtraucherschutz umsetzen.

In anderen europäischen Ländern gelten teils strengere Regeln für Nichtraucherschutz. So sind zum Beispiel in Norwegen Tabakerzeugnisse an Verkaufsstellen nicht sichtbar ausgelegt. In Schweden ist das Rauchen an vielen Orten gesetzlich einheitlich verboten: zum Beispiel an Bushaltestellen, auf Schul- oder Sportgeländen, vor Restaurants und Cafés und in geschlossenen Räumen. Schweden hat eine Raucherquote von fast fünf Prozent. Aber unter fünf Prozent gilt ein Land als rauchfrei. In Deutschland sind viele Vorgaben je nach Bundesland anders geregelt.

Auch Werbung für Tabakerzeugnisse sind in Norwegen und Schweden strikter als in Deutschland. Einheitsverpackungen für Zigaretten gibt es zudem in vielen Ländern auf der Welt, unter anderem Australien, Belgien, Frankreich oder Norwegen.

127 000 Tote im Jahr

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 127 000 Menschen an den Folgen der Tabakkonsum. Die Kosten für das Gesundheitssystem belaufen sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Die Einnahmen durch die Tabaksteuer betragen dagegen etwa 15 Milliarden Euro.

Der Weltnichtrauchertag am 31. Mai soll unter Federführung der Weltgesundheitsorganisation auf die Gefahren des Tabakkonsums hinweisen. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Schutz der Kinder vor dem Einfluss der Tabakindustrie“.


Quellen: