Herr Stahl, wie ist die Lage der Apotheken vor Ort in Rheinland-Pfalz?

Die Lage in den betroffenen Gebieten ist dramatisch, wobei die Apotheken unterschiedlich stark betroffen sind. Wir haben heute (Stand 16.07. Mittag) die Meldung, dass 12 Apotheken ihre Betriebe schließen mussten. Das ist für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen schrecklich.

Wann können diese Apotheken wieder öffnen?

Ein Betrieb hat bereits signalisiert, dass er auch den ganzen August nicht öffnen kann. Andere wiederum können in den nächsten Tagen wieder Notdienste anbieten. Wenn man die Bilder in den Medien sieht, kann man sich das vorstellen. Die Telefone in der Geschäftsstelle der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz stehen seit gestern nicht mehr still. Die Kolleginnen haben am Telefon versucht, den Apothekerinnen und Apothekern beizustehen und Trost zu spenden.

Was bedeutet es für Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind?

Die Menschen sind Hals über Kopf aus ihren Wohnungen und Häusern geflohen. Dabei haben sie natürlich nicht ihre Medikamente dabei. Sie stehen nun in den verbliebenen Apotheken und fragen zum Beispiel nach ihren Blutdrucktabletten. Hier müssen wir als Apotheker beistehen und den besorgten Bürgern helfen und gegebenenfalls einen Arzt hinzuholen. Wir können verschreibungspflichtige Medikamente nicht ohne ärztliche Verordnung ausgeben.

Was können Sie dann tun?

Wir als Kammer versuchen in Absprache mit dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz und dem Ministerium praktikable und unbürokratische Lösungen zu finden, wie den Betroffenen rechtskonform geholfen werden kann.

Ein Positivbeispiel, das auch für den Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes steht: Ein Apotheker, der noch einen laufenden Betrieb hat, übernimmt für das Wochenende den Notdienst.

Sind auch Zulieferer von Medikamenten betroffen und ist deshalb längerfristig mit Engpässen zu rechnen?

Hierzu haben wir in der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz noch keinen Hinweis bekommen. Das schwierige in den betroffenen Regionen wird vor allem sein, dass man überhaupt hinkommt. Viele Straßen sind überspült und unpassierbar.

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