Orforglipron: Abnehmpille könnte laut Studie wirksame Alternative zur Spritze werden
Eine Pille zum Abnehmen? Ohne Spritzen? Die will Hersteller Eli Lilly mit dem Wirkstoff Orforglipron auf den Markt bringen. Noch ist sie nicht zugelassen.
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Es ist ein bekanntes Problem: Wirkstoffe gegen Übergewicht wie Semaglutid oder Tirzepatid müssen bislang gespritzt werden, nicht umsonst ist in diesem Zusammenhang von „Abnehmspritzen“ die Rede. Doch eine neue Studie in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet belegt, dass eine tägliche Pille mit dem noch nicht zugelassenen Wirkstoff Orforglipron eine echte Alternative sein könnte.
Fakten zu Studien-Ablauf und Teilnehmenden
Der von Eli Lilly – dem Hersteller von Mounjaro – entwickelte Wirkstoff wurde über 18 Monate hinweg als tägliche Pille getestet. Die Teilnehmenden erhielten einmal täglich Orforglipron in verschiedenen Dosierungen (6 mg, 12 mg oder 36 mg) oder ein Placebo. Neben der Tablette erhielten alle Empfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Über 1.600 Erwachsene aus zehn Ländern nahmen an der Untersuchung teil – alles Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas.
Bei der höchsten Dosis erreichten die Teilnehmenden einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 10,5 Prozent. Zum Vergleich: In der Placebo-Gruppe, die eine Tablette ohne entsprechenden Wirkstoff erhalten hatte, lag der Gewichtsverlust bei 2,2 Prozent. Neben den purzelnden Kilos verbesserten sich außerdem die Blutzuckerwerte. Der HbA1c-Wert sank bei der höchsten Dosis um durchschnittlich 1,8 Prozent von einem Startwert von etwa 8,1 Prozent.
So wirkt Orforglipron
Die Abnehmpille mit dem Wirkstoff Orforglipron funktioniert nach demselben Prinzip wie die weit verbreiteten Abnehmspritzen, deren Wirkstoffe Semaglutid oder Tirzepatid sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten sind. Diese Substanzen ahmen ein Darmhormon nach, das die Insulinproduktion anregt und gleichzeitig das Hungergefühl reduziert. Eingesetzt werden sie vor allem bei der Behandlung von Menschen mit Typ-2-Diabetes sowie zur Gewichtsreduktion bei übergewichtigen und adipösen Menschen.
Orforglipron wird in Tablettenform einmal täglich eingenommen. Die Spritzen werden im Vergleich einmal wöchentlich injiziert. Medikamente üblicherweise einmal wöchentlich gespritzt.
Zwar gibt es in Deutschland bereits ein Präparat mit dem Wirkstoff Semaglutid in Tablettenform auf dem Markt. Es ist allerdings nur für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen.
Einordnung: Das sagen Fachleute zur Abnehmpille
Für die Versorgung wäre die Tablettenform ein wichtiger Schritt, sagt Dr. Stefan Kabisch, Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung) an der Charité Universitätsmedizin Berlin: „Eine orale Abnehmmedikation mit starker Wirkung wäre für die Mehrheit der Bevölkerung gesundheitlich relevant.“
Menschen mit sehr starkem Übergewicht könnten erfolgreich abnehmen und durch sinkendes Gewicht die verbundenen körperlichen Risiken senken. Dafür seien aber auch zusätzlich gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung nötig.
Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ), warnt zudem vor dem Jojo-Effek, den man bereits vom Wirkstoff Semaglutid kennt. Wer nicht bereit sei, sich damit lebenslang zu therapieren, nehme nach dem Absetzen nur Fett zu – man tausche also Muskeln durch Fett aus.
Einen Durchbruch bei der Adipositasbehandlung sieht Martin daher eher nicht, „denn die grundsätzlichen Probleme der GLP-1 basierten Gewichtsabnahme werden sich durch eine orale Gabe nicht ändern.“
Nebenwirkungen und Zulassung
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen von Orforglipron und sind entsprechend vergleichbar mit den Nebenwirkungen bei den Spritzen. Die Beschwerden treten meist zu Beginn der Behandlung auf und können sich mit der Zeit bessern. Auch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Erschöpfung können als Nebenwirkung auftreten. Die Beschwerden werden als leicht bis mittelschwer eingestuft.
Obwohl Orforglipron in der aktuellen Studie gute Ergebnisse zeigt, muss er erst eine Zulassung erhalten, bis er auf dem deutschen Markt verfügbar ist. Die Markteinführung wird frühestens 2026 erwartet. Orforglipron wird rezeptpflichtig sein. Menschen bekommen es also nicht frei verkäuflich in der Apotheke oder in der Drogerie.
Quellen:
- Horn D, Ryan D, Giljanovic S et al.: Orforglipron, an oral small-molecule GLP-1 receptor agonist, for the treatment of obesity in people with type 2 diabetes (ATTAIN-2): a phase 3, double-blind, randomised, multicentre, placebo-controlled trial. https://www.thelancet.com/... (Abgerufen am 21.11.2025)


