Nagelbettentzündung: Symptome und Behandlung

Am Finger oder Zeh kann sich das Nagelbett schmerzhaft entzünden. Ursache sind meistens Erreger wie Bakterien und Pilze, die über kleine Wunden eindringen. Was dann hilft

aktualisiert am 20.02.2018

Die richtige Pflege trägt dazu bei, die Fingernägel gesund zu erhalten


Was ist eine Nagelbettentzündung?

Das Nagelbett ist das Gewebe unter dem Finger- oder Zehennagel. Keime wie Bakterien oder Pilze können zum Beispiel über kleine Wunden eindringen und entzündliche Reaktionen auslösen. Häufig ist bei einer Nagelbettentzündung nicht nur das Nagelbett infiziert, sondern auch die umgebende Nagelpartie mit Nagelfalz, Nagelwall oder Nagelhaut.

Symptome bei Nagelbettentzündung

Ist das Nagelbett akut entzündet, rötet sich das erkrankte Gewebe, schwillt an und schmerzt. Die infizierten Hautstellen fühlen sich auffällig heiß an. Häufig kommt ein typischer klopfender Schmerz dazu. Dieser entsteht durch den Pulsschlag der kleinen Blutgefäße, der zu einer vorübergehenden Druckerhöhung im entzündeten Gewebe führt.

Bei einer Infektion mit Bakterien bildet sich an den seitlichen Rändern sowie unter der Nagelplatte nach einiger Zeit Eiter, der manchmal bei Druck auf den Nagel beziehungsweise die entzündete Stelle austritt. Auch Fieber ist möglich, bisweilen schwellen die benachbarten Lymphknoten an.

Länger anhaltende, nicht oder nicht ausreichend behandelte Nagelbettentzündungen führen mitunter dazu, dass sich der Nagel verformt oder sogar abfällt. Je nachdem, wie stark sich die Nagelbettentzündung ausbreitet, kann der Finger oder die Zehe so schmerzhaft angeschwollen sein, dass die natürliche Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Besonders heftige Entzündungen können das umliegende Gewebe, Sehnen und Sehnenscheiden sowie schließlich den Knochen erfassen und dort eine schmerzhafte Knochenentzündung (Osteomyelitis) verursachen.

Bei chronischer Nagelbettentzündung zeigen sich Schäden meist an mehreren Nägeln. Die Betroffenen haben weniger starke oder kaum Schmerzen, einige bemerken die Entzündung gar nicht. Der Nagelfalz an Fingern oder Zehen kann gerötet oder bläulich verfärbt sein. Die betroffenen Stellen können auch nässen.

Wann zum Arzt?

Wer sichergehen möchte, zeigt auch eine beginnende, leichte Nagelbettentzündung erst dem Arzt, bevor er zu Selbsthilfemaßnahmen greift – und die Entzündung damit womöglich verschlimmert. Menschen, die eine chronische Krankheit wie Diabetes, Durchblutungsstörungen oder ein geschwächtes Immunsystem haben, sollten auf jeden Fall sofort einen Arzt aufsuchen.

Bei einer leichten, beginnenden Entzündung helfen oft einfache Maßnahmen wie Bäder, desinfizierende Lösungen und Cremes. Die Apotheke kann dazu beraten. Ein Arztbesuch ist aber spätestens dann ratsam, wenn die Entzündung nach der ersten Behandlung nicht zurückgeht, die Beschwerden zunehmen, die Rötung sich ausbreitet, eine Schwellung oder Überwärmung auftritt, die Schmerzen stärker werden oder gar bei jedem Pulsschlag als "klopfend" empfunden werden, oder wenn nässende oder eitrige Stellen dazukommen.

Ansprechpartner kann zunächst der Hausarzt sein, der die Entzündung behandelt oder je nach Verdacht an den Hautarzt (Dermatologen) oder auch Chirurgen überweist.

Nagelbett, Nagelhaut, Nagelfalz – wo liegt was?

Der menschliche Nagel ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Die Nagelplatte bildet den Hauptteil des Nagels. Sie besteht aus Keratin – einer festen, hornartigen Substanz.

An den seitlichen Rändern der Nagelplatte befindet sich eine kleine Vertiefung, der sogenannte Nagelfalz. Das zum Handgelenk hin gelegene Ende der Nagelplatte ist durch die feste Nagelhaut abgegrenzt. Sie schützt die umliegende Haut vor Verletzungen. Die leichte Hautwölbung rings um die Nagelplatte ist der Nagelwall.

Die durchsichtige Nagelplatte liegt auf dem Nagelbett auf. Dieses ist ein gut durchblutetes Gewebe, das von vielen höchst empfindsamen Nervenendigungen durchzogen ist und den Nagel mit Nährstoffen versorgt. Durch die durchsichtige Nagelplatte schimmert das Nagelbett rosafarben hindurch.

Ursachen: Wie kommt es zur Nagelbettentzündung?

Durch offene, geschädigte Stellen in der Nagelhaut oder im Nagelwall können Keime in das Nagelbett eindringen und dort eine Entzündung hervorrufen. Die Verletzungen entstehen leicht durch falsche Nagelpflege, trockene, rissige Hände oder Füße, Schnittwunden, häufigen Kontakt mit Wasser oder aggressiven Chemikalien, die das Gewebe verätzen. Manchmal genügen schon kleinste Einstiche, etwa durch einen Splitter, um Keimen den Weg frei zu machen. Eingewachsene Nägel, Nägelkauen oder Quetschungen schädigen ebenfalls die umgebenden Schichten. An den Füßen sind oft zusätzlich Druckstellen an den Zehen für feinste Wunden verantwortlich. In ihrem Wachstum gestörte sowie brüchige Nägel ermöglichen es ebenfalls den Erregern, sich leichter auszubreiten.

Zu den typischen Krankheitserregern zählen Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken, sowie Hefepilze und Herpesviren.

Krankheiten können Nagelbettentzündungen begünstigen

Die Infektion mit Bakterien wird begünstigt durch eine Abwehrschwäche, wie sie zum Beispiel bei Patienten besteht, die einen schlecht eingestellten Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit) mit ständig zu hohen Blutzuckerwerten haben. Bei diesen Menschen kann sich die Infektion innerhalb weniger Tage auf tiefere Anteile des Fingers oder der Zehe bin hin zum Knochen ausdehnen. Auch eine flächige Ausbreitung der Bakterien in der Haut im Sinne eines Erysipels (= Wundrose) oder eine Beteiligung der Sehnenscheiden ist möglich. Ein erhöhtes Risiko für Nagebettentzündungen haben auch Menschen mit trockener Haut und Neigung zu atopischem Ekzem (= Neurodermitis).

Hefepilze wie Candida albicans oder Candida glabrata sind meistens für die chronische Form der Nagelbettentzündung verantwortlich. Diese Mikroorganismen ernähren sich bevorzugt von Zucker und können sich daher auf wunder Haut von Diabetikern mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegeln besonders gut vermehren. Gefährdet sind auch Bäcker und Konditoren, die häufig mit gezuckertem Teig in Kontakt kommen.

Möglicher Auslöser: Fehler bei der Nagelpflege

Immer noch schneiden viele Menschen das Nagelhäutchen mit einer Schere ab oder schieben die Haut unsanft mit einem harten Gegenstand zurück. Dabei entfernen sie zu viel von der schützenden Schicht und verletzen sie. Beim Nägelschneiden entstehen ebenfalls leicht kleine Wunden, wenn man an den Seiten zu schräg und zu tief in den Nagelfalz beziehungsweise -wall schneidet. Auch zu kurz geschnittene Nägel bieten dem Nagelbett weniger Schutz. Ist die Haut von Händen und Füßen trocken und rissig, schädigt eine eher grobe Pflege die Nagelumgebung noch mehr. Auch scharfe Nagellackentferner können die Nägel auf Dauer angreifen.

Manchmal fördern Medikamente Nagelbettentzündungen

Mitunter treten Nagelbettentzündungen auch als Nebenwirkungen innerlich angewandter Medikamente auf. Dazu gehören zum Beispiel Chemotherapeutika zur Behandlung von Krebs oder Vitamin A-Abkömmlinge (= Retinoide) zur innerlichen Behandlung von Schuppenflechte und Akne. Manchmal können unter der Dauerbehandlung mit kortisonhaltigen Tabletten die Wundheilung und die körpereigene Infektabwehr gestört sein. Die Neigung zu Nagelbettentzündungen erhöht sich.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt kann eine Nagelbettentzündung meist mit einer einfachen Blickdiagnose erkennen. Hierzu begutachtet er den Nagel und befragt den Patienten zu Krankheitsgeschichte und möglichen Ursachen, wie Schnittwunden, Quetschungen, Verätzungen oder dauerhaft wunden Druckstellen an den Zehen.

Deutet die erste Untersuchung darauf hin, dass bestimmte Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren für die Entzündung verantwortlich sind, entnimmt der Arzt einen Abstrich und lässt diesen mikroskopisch untersuchen, um den Erreger nachzuweisen. Ist der Befund nicht eindeutig, wird eine Kultur angelegt, in der sich die Erreger vermehren. Nach einigen Tagen ist die genaue Erregerart unter dem Mikroskop zu erkennen.

Hält die Nagelbettentzündung länger an, geht sie mit starken Schmerzen oder einer Bewegungseinschränkung im Finger oder Zeh einher, wird der Hautarzt zusätzlich mithilfe einer Röntgenaufnahme oder eventuell Magnet-Resonanz-Tomografie abklären, ob die Entzündung bereits tiefer liegendes Gewebe oder schon den Knochen und das Knochenmark angegriffen hat.

Bei Hinweisen auf eine chronische Entwicklung wird der Arzt gezielt berufliche Tätigkeiten sowie Lebens- und Pflegegewohnheiten abfragen. Außerdem können zusätzliche internistische Untersuchungen notwendig sein, wie Blut- und Urintests, um etwa das Fortschreiten einer Diabeteserkrankung zu dokumentieren, sowie bildgebende Verfahren, um den Zustand versorgender Gefäße zu überprüfen.

Wie wird eine Nagelbettentzündung behandelt?

Generell gilt: Besprechen Sie lieber mit Ihrem Arzt, welche Therapiemaßnahmen in Ihrem Fall am besten geeignet sind. Experimentieren Sie besser nicht selbst herum und manipulieren Sie auch nicht im Nagelbereich.

Anfangs helfen oft warme Bäder mit entzündungshemmenden Kräuterzusätzen wie Kamille, in denen Sie die erkrankten Finger oder Zehen zweimal täglich für jeweils 20 Miunten baden. Auch desinfizierende Lösungen oder Salben, die Jod oder andere antibakteriell wirkende Stoffe enthalten, können rasch helfen, vor allem wenn Bakterien die Ursache der Infektion waren.

Bei einer stärkeren Entzündung können mitunter auch antibiotikahaltige Salben notwendig werden. Ist eine bakterielle Entzündung bereits weiter fortgeschritten und geht mit geschwollenen Lymphknoten oder Fieber einher, verordnet der Arzt gegebenenfalls auch Antibiotika in Tablettenform.

Liegt eine Infektion mit Hefepilzen vor, setzt der Arzt Salben mit einem Anti-Pilzmittel ein. Herpes-Infektionen lassen sich gut mit Virostatika behandeln, die örtlich als Salbe aufgetragen werden.

Eventuell empfiehlt der Arzt, die betroffene Stelle ruhigzustellen, beispielsweise durch Hochlagern oder mithilfe kleiner Schienen.

Manchmal sind operative Maßnahmen nötig

Größere Eiterherde muss der Arzt unter örtlicher Betäubung vorsichtig aufschneiden, damit der Eiter richtig abfließen kann. Eventuell legt der Arzt hierzu eine Öffnung durch den Nagel, oder er muss den Nagel entfernen. In der Regel bringt der Arzt anschließend einen desinfizierenden Salbenverband an. Wundbehandlung und Verbandswechsel erfolgen meist ebenfalls in der Arztpraxis. Ein entfernter Nagel wächst normalerweise innerhalb von ein paar Monaten wieder nach.

Vorsicht: Versuchen Sie nicht selbst, einen Eiterherd zu öffnen. Bakterien könnten dadurch in tiefere Gewebeschichten verschleppt werden.

Ist zum Beispiel ein eingewachsener Nagel für die Nagelbettentzündung verantwortlich, kann der Arzt den Nagel operativ verkleinern. Mitunter muss er die Nagelplatte auch vollständig entfernen.

Hat die Nagelbettentzündung bereits den Knochen angegriffen, können weitere chirurgische Eingriffe nötig sein. In seltenen, besonders schweren Fällen ist die Amputation des jeweiligen Fingers oder Zehs erforderlich, um die fortschreitende Entzündung aufzuhalten.

Therapie bei chronischer Nagelbettentzündung

Sind Nagelbereiche dauerhaft entzündet, müssen vor allem die Auslöser gemieden werden. Für Menschen, die viel mit aggressiven Stoffen umgehen müssen, bedeutet das: konsequent Schutzhandschuhe tragen und regelmäßig eine fetthaltige Creme oder Salbe auf die Hände auftragen.

Menschen, die an Durchblutungsstörungen, einer Immunschwäche oder einem Diabetes mellitus leiden, können viel bewirken, wenn sie den Therapievorgaben ihres Arztes gewissenhaft folgen. Je besser sie die Grunderkrankung im Griff haben, um so eher lassen sich Komplikationen durch eine eine verzögerte Wundheilung vermeiden. Für chronisch Kranke ist es besonders wichtig, Hände und Füße behutsam zu pflegen, Anzeichen für eine akute Entzündung ernst zu nehmen und gleich dem Arzt zu zeigen.

Wer den Verdacht hat, dass seine Nagelprobleme mit der Einnahme eines bestimmten Medikaments zusammenhängen könnten, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen.

Wie kann man vorbeugen?

Tipps für die Nagelpflege

  • Schneiden Sie Finger- und Fußnägel regelmäßig, damit sie nicht einwachsen oder brechen.
  • Feilen Sie die Fingernägel rund, aber nicht zu tief in den seitlichen Wall.
  • Fußnägel schneiden Sie gerade und feilen sie nach, damit keine scharfen Kanten bleiben, die zu Verletzungen führen könnten.
  • Schneiden Sie das Nagelhäutchen nicht mit der Schere ab. Sie können es mit einem abgerundeten, glatten Schieber sanft zurückschieben, allerdings nur, wenn die Haut nicht trocken und rissig ist. Ein Fuß- oder Handbad, pflegende Cremes und Öle machen den Hautbereich um den Nagel geschmeidig und erleichtern die anschließende Pflege.
  • Vorsicht: So lange das Nagelbett oder der äußere Bereich um den Nagel entzündet ist, sollten Sie auch die Nagelhaut nicht zurückschieben und keinen Nagellack benutzen.
  • Menschen, die aufgrund eines lange bestehenden Diabetes mellitus kein Gefühl und keine Schmerzempfindung mehr in den Füßen haben, bemerken es häufig nicht, wenn sie sich mit der Nagelschere schneiden. Daher sollten diese Patienten ihre Fußnägel grundsätzlich nicht selber kürzen, sondern lieber regelmäßig zur medizinischen Fußpflege gehen.

Vorbeugen im Alltag

  • Bei der Gartenarbeit oder Tätigkeiten, bei denen die Finger mit Chemikalien in Kontakt kommen, schützen Handschuhe vor Verletzungen oder Verätzungen.
  • Tragen Sie gut sitzende Schuhe, die den Fuß nicht einengen und zu Druckstellen und Verformungen führen.
  • Halten Sie Hände und Füße trocken und schützen Sie sie vor Kälte.
  • Tragen Sie auf die Füße mindestens einmal täglich, auf die Hände am besten nach jedem Händewaschen, eine rückfettende Creme oder Salbe auf.
  • Kommt es dennoch zu einer Wunde im Nagelbereich, helfen antiseptische (= Erreger abtötende) Lösungen und Salben, um einer Infektion mit Krankheitserregern entgegenzuwirken.
  • Menschen mit Diabetes sollten bei schmerzenden oder wunden Stellen an Fingern oder Zehen grundsätzlich sofort zum Arzt gehen, um der Entwicklung einer schweren Infektion vorzubeugen.

Beratende Expertin

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Quellen:

- Moll I: Duale Reihe Dermatologie, 8. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2016

- Fachinformation "Nagelkrankheiten / Nagelveränderungen und ihre Behandlung" des Verbandes der Podolgen

- Fachinformation "Nagelpilz und Nagelgesundheit" der European Academy of Dermatology and Venereology, deutsche Version

- Fachartikel "Diagnose und Therapie von Nagelerkrankungen: Infektionen des Nagels", Zeitschrift Haut, 03/09

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.