Logo der Apotheken Umschau

Manche Skincare-Routinen können ganz schön viel Zeit in Anspruch nehmen. Die regelmäßige Serie von Pflegeschritten wird vor allem in sozialen Medien gehypt. Influencer zeigen sechs oder gar zehn Schritte, die angeblich jeder für eine wunderschöne Haut machen muss.

Wenn es um Ansprüche wie etwa Hautalterung, Pickel und die grundlegende Verbesserung des Hautbildes geht, setzen auch immer mehr Menschen auf Wirkstoff-Kosmetik. Gemeint sind damit Hautpflegeprodukte mit Wirkstoffen, deren Wirkung klinisch bestätigt wurde, etwa Hyaluronsäure, Retinol oder Niacinamid.

An dieser Stelle sei bereits ganz klar gesagt: Es gibt ein Zuviel an Hautpflege, klinische Bestätigung hin oder her! Skincare-Routine ist eine gute Idee, aber Sie sollten es damit nicht übertreiben und ganz individuell auf die Bedürfnisse Ihrer Haut schauen.

So kann eine gute Skincare-Routine aussehen

Sinnvolle Schritte für jede Skincare-Routine sind als Basis eine Reinigung und eine auf den Hauttyp abgestimmte Feuchtigkeitspflege. Damit wird den grundlegenden Stressfaktoren unserer Haut begegnet: Schmutz, Schweiß, heißes Duschwasser und trockene Heizungsluft.

Auch klinisch gesunde Haut braucht Zuwendung, meint Dr. Sören Korsing. Er ist Facharzt an der Klinik für Dermatologie der Berliner Charité und leitet die Abteilung Ästhetische Dermatologie. „Wichtig ist, dass die richtige Pflege für trockene, sensible oder fettige Haut verwendet wird. Wer unsicher ist beim Hauttyp oder Irritationen hat, sollte das einmal mit Experten abklären.“ Und er betont: „Männer-Kosmetik ist nicht unbedingt notwendig, das ist oft Marketing. Vielmehr sollte die Hautpflege an den Hauttyp angepasst sein.“

Skincare Schritt für Schritt – was macht wirklich Sinn?

  • Reinigungsmilch, -gel oder -schaum sollten am Abend benutzt werden, weil die Haut vielen Faktoren ausgesetzt war – etwa Schweiß, Talg, Staub, Sonnenschutzcreme, Abgasen. Am Morgen allerdings reicht normaler Haut meist lauwarmes Wasser, das bewahrt die Feuchtigkeitsbalance, rät Experte Korsing. Bei der Neigung zu Akne und sehr fettiger Haut sollte jedoch auch morgens ein Reinigungsprodukt angewendet werden.
  • Toner, früher hieß das Gesichtswasser, ist in einer Hautpflegeroutine nicht notwendig, wenn man sich auf das Wesentliche beschränken will“, sagt Korsing. Reinigung bewirken Sie bereits mit Schritt eins, und Feuchtigkeit bringt eine entsprechende Pflege.
  • Peelings entfernen abgestorbene Hautpartikel und reinigen die Haut gründlich. Sind Sie ein Wellness-Typ, dann werden Sie das Gefühl mögen. „Um die Hauterneuerung zu unterstützen, können milde Peelings ein- bis zweimal wöchentlich angewendet werden. Chemische Peelings mit beispielsweise Glykol- oder Salicylsäure sind eher zu empfehlen als grobe, mechanische Peelings. Bei sehr empfindlicher Haut sind Polyhydroxysäuren eine Option“, sagt Korsing.
  • Seren beinhalten beispielsweise Hyaluron, Retinol oder Niacinamid. Braucht Ihre Haut grundsätzlich mehr Pflege, können Sie ein Serum dauerhaft in Ihre Routine integrieren. Oder aber darauf verzichten und auf eine passende Feuchtigkeitscreme mit Wirkstoffen setzen.
  • Feuchtigkeitscremes sollen die Haut langfristig mit Feuchtigkeit versorgen. Wer eher trockene Haut hat, benötigt eine reichhaltige Pflege, bei fettiger Haut sollte man ölhaltige Cremes meiden. „Eine Feuchtigkeitspflege kann abends angewendet werden und sollte an den Hauttyp angepasst sein“, erklärt Korsing.
  • Sonnenschutz ist das Wichtigste gegen vorzeitige Hautalterung. Sie sollten ihn ohne Ausnahme täglich benutzen, auch an wolkenverhangenen Tagen. Das schützt vor Hautkrebs, Falten und Pigmentstörungen und ist das, was Dermatologen absolut empfehlen. Wichtig ist ein Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30, allerdings haben kombinierte Produkte meist einen niedrigen LSF. „Der Sonnenschutz kann morgens die Feuchtigkeitscreme einfach ersetzen“, empfiehlt Korsing.

Was genau ist Wirkstoffkosmetik?

Dermokosmetik, wie Wirkstoffkosmetik auch genannt wird, ist darauf ausgerichtet, spezifische Hautprobleme wie Alterungsanzeichen, Hyperpigmentierung, Unreinheiten und Trockenheit zu behandeln. Die ausgewählten Wirkstoffe sind durch Studien belegt. Die leistungsfähige Hautpflege kann individuell Erfolge erzielen. Experte Korsing empfiehlt, sich auf wenige Wirkstoffe zu fokussieren, um die Haut nicht zu überfordern und Unverträglichkeiten zu verhindern.

Die wichtigsten Wirkstoffe

  • Ectoin ist eine natürliche Substanz, die in extremen Umgebungen von Mikroorganismen produziert wird. Es schützt Zellen vor Stress und Austrocknung und wird wegen seiner entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften eingesetzt.
  • Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil unserer Haut, mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion jedoch ab. In Cremes oder Seren kann es Studien nach aufpolsternd wirken. Laut Korsing hilft Hyaluronsäure allerdings nur für den Moment und nicht nachhaltig.
  • Retinoide wie Retinol und Retinal sind Formen von Vitamin A. Sie sind die bestuntersuchte und effektivste Wirksubstanz gegen Hautalterung. Retinol reduziert Falten und verbessert das Hautbild, indem es die Kollagenproduktion anregt.
  • Vitamin C in der Hautpflege hilft, Kollagen zu produzieren, dunkle Flecken zu verblassen, Sonnenschäden zu reduzieren und die Haut vor freien Radikalen zu schützen, was zu einem strahlenden, jugendlichen Teint führen kann.
  • Panthenol ist eine Vorstufe von Vitamin B5, bindet Feuchtigkeit und beruhigt die Haut. Es fördert die Heilung, lindert Irritationen und verbessert die Hautelastizität, oft in Cremes, Lotionen und Haarpflegeprodukten verwendet.
  • Niacinamid beziehungsweise Vitamin B3 reguliert die Talgproduktion, reduziert Akne, minimiert Poren, verbessert die Hautstruktur und fördert ein ebenmäßiges Hautbild.
  • Salicylsäure kann entzündungshemmend wirken und die Hautstruktur verbessern. Sie wirkt keratolytisch, das heißt, sie löst abgestorbene Hautzellen und Krusten. Sonnenschutz ist unter der Behandlung mit Salicylsäure extrem wichtig.
63356341_8872dc1722.IRWUBPROD_RA3F.jpeg

Vitamin A (Retinol)

Vitamin A spielt für den Körper eine wichtige Rolle. Der individuelle Bedarf kann meist leicht über die Nahrung gedeckt werden zum Artikel

Wann sollte man mit Skincare anfangen?

Da Skincare-Routine in Social Media so beliebt ist, sind vor allem Teenager zu echten Hautpflege-Nerds geworden. Nur: Viele der aufwendigen Prozedere braucht auch Teenie-Haut nicht – und schon gar nicht Kinder-Haut.

Die Veränderungen der Pubertät betreffen oft die Haut, sie neigt zu Pickeln und Pusteln. Bei Akne sei eine Beratung bei Expertinnen oder Experten unausweichlich, denn nur die können die speziellen Bedürfnisse einschätzen, die passende Wirkstoff-Kosmetik empfehlen oder medizinische Salben verordnen. Eine beruhigende Hautpflege für den Abend, beispielsweise mit Panthenol, ist zusätzlich möglich. Andere Wirkstoffe etwa gegen Hautalterung brauchen Teenager nicht.

Fazit: Weniger ist mehr – auch für die Skincare-Routine

Reinigung, Feuchtigkeit und Sonnenschutz sind die wichtigsten Elemente. Wenn Sie an Hautunreinheiten leiden, sollten Sie sich in der Apotheke oder von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten lassen, welche Pflege sich für Ihren Hauttyp eignet. Wollen Sie mit Wirkstoffen Ihrer Haut etwas Gutes tun, sollten Sie vorsichtig ausprobieren, wie Ihre Haut reagiert und niemals mit mehreren Produkten gleichzeitig starten.


Quellen:

  • Barańska-Rybak W, Antoszewska M: Combination of hyaluronic acid fillers and personalized skincare as a perfect tool in aesthetic medicine. Dermatologic Therapy: https://doi.org/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • Bayerl C: Topisches Anti-Aging – Evidenz und Wirkprinzip. Akt Dermatol: https://www.thieme-connect.com/... (Abgerufen am 20.06.2024)
  • Hien Thi H,Ju-Young M, Young-Chul L: Natural Antioxidants from Plant Extracts in Skincare Cosmetics: Recent Applications, Challenges and Perspectives. Cosmetics 2021: https://doi.org/... (Abgerufen am 20.06.2024)