Hilft Rosmarinöl wirklich gegen Haarausfall?
Manche schwören bei ihrer Haarpflege auf Rosmarinöl. Man sollte es allerdings nicht unverdünnt auf Haare und Kopfhaut auftragen.
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Gesundes, glänzendes Haar gehört für die meisten zu einem gepflegten Erscheinungsbild dazu. Umso größer der Schock, wenn die Mähne plötzlich lichter wird. Erblich bedingter Haarausfall, aber auch hormonelle Gründe, Stress oder Krankheit können dafür sorgen, dass die kahlen Stellen immer größer werden. Glaubt man der Werbung und zahlreichen Videos auf Social Media, sollen Pflegeprodukte mit Rosmarin Abhilfe schaffen. Vor allem Rosmarinöl soll ein wahres Wundermittel sein. Was ist dran?
Warum soll Rosmarinöl gegen Haarausfall helfen?
Die Heilpflanze aus dem Mittelmeerraum wird seit Jahrhunderten wegen ihrer medizinischen Eigenschaften kultiviert. So wird Rosmarin in der Naturheilkunde beispielsweise gegen Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Die Pflanze enthält unter anderem Carnosolsäure, was antientzündlich und antioxidativ wirkt. Ein weiteres Plus: Die ätherischen Öle regen die Durchblutung an. Das könnte Haarausfall verhindern beziehungsweise das Wachstum der Haare anregen.
Das bestätigt auch Dermatologin Dr. Alice Martin – mit einer Einschränkung: „Rosmarinöl ist kein Wundermittel, kann aber aufgrund seiner entzündungshemmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften in Einzelfällen unterstützend wirken.“ Ein positiver Nebeneffekt sei, dass Betroffene durch die Behandlung anfangen, die Kopfhaut täglich zu massieren – was wiederum die Durchblutung anregt. „Damit erhält die Kopfhaut deutlich mehr Zuwendung als im regulären Alltag“, sagt Martin. Das könne sich ebenfalls positiv auf die Haargesundheit auswirken.
Wieso gibt es nicht das eine Mittel gegen Haarausfall?
Dr. Andreas Maronna, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Oberarzt an der Universitätsklinik Erlangen, warnt jedoch vor zu viel Euphorie: Haarausfall könne unterschiedliche Ursachen haben beziehungsweise auf verschiedene Erkrankungen zurückgeführt werden.
Da der Mechanismus, der zu Haarausfall führt, bei diesen Erkrankungen ebenfalls sehr unterschiedlich sein könne, müsse auch entsprechend therapeutisch an die unterschiedlichen Ursachen herangegangen werden. „Das eine Medikament oder Wundermittel, das bei allen Formen von Haarausfall hilft, gibt es leider nicht“, so Maronna. Wer herausfinden will, ob er oder sie überhaupt etwas gegen den Haarausfall tun kann, sollte das mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen.
Das eine Medikament oder Wundermittel, das bei allen Formen von Haarausfall hilft, gibt es leider nicht.
Gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Rosmarinöl bei Haarausfall belegen?
Eine Vergleichsstudie aus dem Jahr 2015 hat bei der einen Hälfte der Probandinnen und Probanden sechs Monate lang Rosmarinöl getestet. Die andere Hälfte hat, ebenso lange, den medizinischen Wirkstoff Minoxidil benutzt. Beide Gruppen konnten anschließend positive Effekte auf Haaranzahl und -dichte vorweisen. Rosmarinöl hatte dabei sogar einen entscheidenden Vorteil: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten seltener von einer juckenden Kopfhaut.
Alice Martin ordnet das wie folgt ein: „Die Studie deutet auf eine vergleichbare Wirksamkeit wie niedrig dosiertes Minoxidil hin, allerdings bei kleiner Teilnehmerzahl und ohne breite Reproduzierbarkeit. Die aktuelle Studienlage ist insgesamt dünn. Es gibt Hinweise auf einen Nutzen, aber keine ausreichende Datenlage für eine klare Empfehlung in Leitlinienqualität.“ Und: „Nicht alles, was als Studie bezeichnet wird, verdient bei näherem Hinsehen die Bezeichnung wirklich“, ergänzt Maronna.
Man kann also durchaus ausprobieren, Rosmarinöl in die Haarpflegeroutine zu integrieren. Wunder sollte man jedoch nicht erwarten.
Um ein Haar: Die verschiedenen Formen des Haarausfalls
Worauf sollte man achten, wenn man Rosmarinöl zur Haarpflege nutzen will?
„Wenn man sich pures Rosmarinöl besorgt, sollte es natürlich nicht unverdünnt angewendet werden“, sagt Maronna. Stattdessen sollte man es mit pflegenden Ölen verdünnen. Fertigprodukte dürften üblicherweise von vornherein eine verträgliche Konzentration enthalten. Wichtig ist, dass man die Produkte so verwendet, wie es auf der Verpackung empfohlen wird. „Jenseits der Kopfhaut sollte es nicht aufgetragen werden, also beispielsweise nicht im Gesicht“, so Maronna.
Manche schwören auch auf Rosmarinwasser: Dabei handelt es sich um einen abgekühlten Aufguss, der mit Rosmarinblättern und kochendem Wasser hergestellt wird. Möchte man Rosmarinwasser als Serum nutzen, sprüht man es am besten mit Hilfe einer Sprühflasche direkt auf die Kopfhaut auf oder massiert es mit den Fingern ein. Für eine besonders gute Wirkung wird empfohlen, die Lösung abends vor dem Schlafengehen aufzutragen und die Haare über Nacht mit einer Haube oder einem Handtuch zu bedecken, damit die Nährstoffe gut einziehen können.
Quellen:
- Panahi Y, Taghizadeh M, Tahmasbpour Marzony E et al. : Rosemary oil vs minoxidil 2% for the treatment of androgenetic alopecia: a randomized comparative trial . https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/... (Abgerufen am 19.11.2025)



