Kapseln und Tropfen mit dem Wirkstoff Dihydrotachysterol (Handelsnamen AT10® oder Tachystin®) werden nicht mehr verkauft. Um die Therapie rechtzeitig auf verfügbare Alternativen umzustellen, rät die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) allen betroffenen Patientinnen und Patienten zu einer schnellen Terminvereinbarung mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Endokrinologen.

Wie sich eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse bemerkbar macht

Die Nebenschilddrüse liegt außen an der Schilddrüse und besteht aus vier linsengroßen hormonproduzierenden Drüsen. Diese produzieren das Parathormon (PTH), welches den Kalziumstoffwechsel im Körper reguliert. Kalzium wird vom Organismus für den Knochen- und Zahnaufbau, die Muskel- und Nervenfunktion sowie für die Blutgerinnung benötigt. Symptome, die auf eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse (Hypoparathyreoidismus) hindeuten können, sind leichtes Zittern, Gefühlsstörungen bis hin zu Muskelkrämpfen.

Ursachen des Hypoparathyreoidismus

Laut Professorin Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin des Medizinischen Versorgungszentrums Endokrinologikum Göttingen, gilt die versehentliche Schädigung der Nebenschilddrüse im Rahmen einer Schilddrüsenoperation als häufigste Ursache der Unterfunktion. In Deutschland führt eine operative Schilddrüsenentfernung in ein bis sechs Prozent der Fälle zu einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse. Zudem gehören auch Autoimmunerkrankungen zu den Auslösern der Störung.

Therapie: Wie wird behandelt?

Bei einer Nebenschilddrüsenunterfunktion muss der Kalziumspiegel durch Medikamente reguliert werden. Dabei werden Calcium- und Vitamin-D-Präparate verabreicht. Um den Vitamin-D-Spiegel langanhaltend stabil einzustellen, eignen sich Kapseln oder Tropfen mit Dihydrotachysterol (AT10® oder Tachystin®). Dieses Medikament steht allerdings nun nicht mehr zur Verfügung.

Alternativen zu Dihydrotachysterol

Als Alternative kommen andere Substanzen wie Alfacalcidol oder Calcitriol infrage. Problematisch hierbei sei jedoch laut Siggelkow die deutlich kürzere Wirkdauer der Alternativpräparate, die statt 21 Tagen nur für die Dauer von drei bis sieben Tagen wirken. Daher ist die Umstellung auf die Alternativsubstanzen nicht unproblematisch und kann bei Betroffenen individuell unterschiedlich verlaufen.

Demnach sollen Betroffene nun ihren Vorrat an AT10® oder Tachystin® prüfen und rechtzeitig einen Termin bei ihrem behandelnden Arzt vereinbaren, so DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Stephan Petersenn von der ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg.

Was ist bei der Umstellung zu beachten?

Aufgrund der längeren Wirkdauer empfiehlt die Endokrinologin Siggelkow das Dihydrotachysterol zunächst abzusetzen und nach Ablauf einer Woche mit der neuen Medikation, also dem entsprechenden Ersatz-Präparat, zu beginnen.

Messungen von Parathormon, Vitamin D und 1,25 Vitamin D sind in dieser Phase nicht notwendig. Allerdings sei eine ausführliche Kontrolle der Kalziumausscheidung unter der geänderten Medikation erforderlich, um die individuelle Medikamentendosis und -verträglichkeit zu ermitteln. Es sollten zudem Calcium, Calcium adaptiert für Albumin, Phosphat, Kreatinin und Magnesium überprüft werden.

Weitere Informationen zur Umstellung der Vitamingabe mit Dosierungshinweisen sind hier abrufbar (PDFs):

Für Patientinnen und Patienten

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