Angesichts der steigenden Zahl an Geflüchteten und der schlechter werdenden humanitären Lage in der Ukraine, rufen immer mehr private Initiativen zu Spenden auf.

Neben Kleiderspenden, Decken und Hygieneartikeln werden Privatpersonen auch konkret dazu aufgefordert Medikamente zu spenden. Warum davon abgeraten wird, erklärt der Apotheker Andreas Portugal, Projektkoordinator von der Organisation Apotheker ohne Grenzen.

Herr Portugal, in den sozialen Netzwerken wird von privaten Initiativen zu Medikamentenspenden für die Geflüchteten aus der Ukraine aufgerufen. Ich habe noch Penicillin, Heparin und Schmerzmittel in meinem Medizinschrank. Kann ich die spenden?

Die Medikamente, die Sie jetzt weggeben wollen, haben Sie irgendwann einmal speziell für ihre eigenen Bedürfnisse gekauft oder verschrieben bekommen. Die Anwendung wurde Ihnen in der Apotheke erklärt und bei weiteren Fragen können Sie im Beipackzettel nachlesen. Die medizinischen Bedürfnisse der Menschen in Krisen sind oft anders. Auch verstehen sie in den seltensten Fällen Deutsch und können die Packungsbeilagen (sofern vorhanden) nicht lesen. Arzneimittel unterliegen auch Abbauprozessen. Das heißt, die Wirksamkeit lässt mit der Zeit nach, es sei denn sie werden unter besonderen Lagerbedingungen aufbewahrt. Das ist aber in Privathaushalten oft nicht gewährleistet und kann eben dazu führen, dass die Arzneimittel nicht mehr so gut wirken.

Apotheker Andreas Portugal ist Projektkoordinator bei Apotheker ohne Grenzen

Apotheker Andreas Portugal ist Projektkoordinator bei Apotheker ohne Grenzen

Darf ich überhaupt etwas spenden? Sind Medizinprodukte wie Diabetesbedarf, zum Beispiel Lanzetten oder Teststreifen, denn okay?

Auch Medizinprodukte sind sehr spezielle Geräte, die oft aus mehreren Teilen bestehen, die aufeinander abgestimmt sind, zum Beispiel Insulin Pen und Kanüle. Kann eine andere Person damit ohne Einweisung umgehen? Auch bekommt man für gespendete Geräte im Ausland oft keine Ersatzteile und keine Auffüllpackungen. Das bedeutet, das Gerät ist nach kurzer Zeit unbrauchbar.

Wie sieht es aus mit Verbandsmaterialien? Sterile Kompressen oder Verbandsmaterialien kann ich doch mitgeben?

Auch davon rate ich ab. Denn sind diese noch in den originalen Packungen, noch nicht abgelaufen und richtig gelagert? Können Sie gewährleisten, dass diese Verbandsstoffe wirklich steril sind und nicht zu einer Infektion der Wunde führen?

Wie kann ich denn dann dazu beitragen, dass die Bevölkerung Medikamente und Medizinprodukte bekommt, die sie benötigt? Da besteht doch bestimmt ein Versorgungsengpass.

Sprechen Sie mit Ihrem Apotheker oder ihrer Apothekerin. Sie sind Arzneimittelexperten und können Ihnen sicher beantworten, welche Organisationen Menschen in Kriegsgebieten mit den geeigneten Medikamenten und Verbandsstoffen unterstützen. Sicher gibt es auch in Ihrem Ort Sammelaktionen für Geflüchtete, bei denen Sie vielleicht andere Sachen spenden können, als Ihre Medikamente.

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Ukrainekrieg: Wie Sie Hilfsorganisationen jetzt unterstützen können

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