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Die Hauptwirkung von Statinen ist die Senkung des Cholesterinspiegels im Blut. Sie können Nebenwirkungen haben, aber diese sind vergleichsweise selten – die meisten Menschen vertragen Statine gut. Im Folgenden werden einzelne, oft diskutierte Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit und Risiken genauer unter die Lupe genommen.

Behauptung: Statine sorgen häufig für Muskelschmerzen und Muskelschwäche

Bewertung: Stimmt teilweise

Fakten: Tatsächlich klagen manche Menschen, die Statine einnehmen, über Muskelschmerzen, ähnlich wie bei einem Muskelkater. Etwa 18 von 100 Behandelten klagen über solche Muskelbeschwerden im ersten Behandlungsjahr mit Statinen. Bei genauerer Betrachtung dürfte aber nur ein Bruchteil der Muskelschmerzen auf die Statine zurückzuführen sein. Denn erhalten die Menschen ein Scheinmedikament (Placebo), dann klagen 17 von 100 ebenfalls über Muskelschmerzen.

Das liegt vermutlich daran, dass viel über Muskelschmerzen in Verbindung mit Statinen gesprochen wird und Muskelschmerzen recht allgemeine Beschwerden sind. Vergleicht man die beiden Zahlen, liegt es nahe, dass Statine nur bei einem von 100 Behandelten tatsächlich Muskelschmerzen hervorrufen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100 gehören die Muskelschmerzen schon zu den häufigen Nebenwirkungen, aber trotzem treten sie vielleicht nicht so häufig auf, wie manche denken.

Eine äußerst seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist die sogenannte Rhabdomyolyse: Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf, was zu Muskelschwäche und wegen der frei werdenden Abbaustoffe auch zu Nierenschädigungen führen kann. Zu einer solchen Rhabdomyolyse kommt es laut Studien aber nur bei etwa 1 von 10.000 Menschen, die Statine einnehmen. Wer Statine einnimmt sollte Schmerzen in den Muskeln daher sicherheitshalber abklären lassen.

Behauptung: Statine begünstigen die Entstehung von Diabetes

Bewertung: Stimmt teilweise

Fakten: Tatsächlich scheinen Statine den Nüchtern-Blutzucker leicht ansteigen zu lassen – vor allem, wenn sie in höheren Dosen eingenommen werden. „Das kann die Stoffwechselsituation bei einem Menschen mit Typ-2-Diabetes verschlechtern, oder es kann zu einem neu aufgetretenen Diabetes führen“, sagt Professor Wolfgang Koenig, Oberarzt an der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München. Eine Studie aus den Niederlanden mit Patienten im Alter von im Schnitt 64 Jahren kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko für die Enstehung eines Diabetes unter Statintherapie um 38 Prozent erhöht ist.

Das klingt erst einmal viel, ist aber bei genauerer Betrachtung überschaubar. Koenig betont, dass die Erhöhung des Risikos vor allem für Menschen gelte, die älter, sehr übergewichtig oder mit dem Nüchtern-Blutzucker ohnehin schon am oberen Limit seien. Wenn beispielsweise das Risiko eines Menschen, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes zu erkranken, bei fünf Prozent liegt, dann erhöht es sich durch die Einnahme von Statinen auf bis zu 7 Prozent.

Wer Statine einnehmen muss, kann aber beispielsweise auf ausreichend Bewegung, eine gesunde Ernährung und ein normales Körpergewicht achten, um vorzubeugen. Ein Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin kann klären, ob er oder sie weitere Maßnahmen wie eine Kontrolle des Blutzuckers in bestimmten Abständen für sinnvoll hält.

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Behauptung: Die langjährige Einnahme von Statinen kann zu Demenz führen

Bewertung: Stimmt nicht

Fakten: Für diese Behauptung gibt es keine Belege. Das Gegenteil könnte der Fall sein: Weil Statine zu einer Verbesserung der Gesundheit der Gefäße auch im Gehirn führen, dürften sie sogar eher das Entstehen einer sogenannten vaskulären Demenz verhindern, bei deren Entstehung Ablagerungen in den Gefäßen eine tragende Rolle spielen.

Behauptung: Die Einnahme von Statinen hilft, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen vorzubeugen

Bewertung: Stimmt.

Fakten: „Statine gehören zu den am besten untersuchen Medikamenten. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass eine Cholesterinsenkung mit Statinen das Risiko für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauferkrankungen senkt“, sagt Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig. „Personen mit hohem Cholesterin haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und kardiovaskulären Tod, daher profitieren sie von Statinen“, so Laufs.

Behauptung: Statine vertragen sich nicht mit manchen anderen Medikamenten

Bewertung: Stimmt

Fakten: Tatsächlich kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit einzelnen Medikamenten kommen. So kann etwa die gleichzeitige Einnahme mit bestimmten Calciumantagonisten oder Antibiotika das Risiko für Muskelbeschwerden erhöhen, umgekehrt können auch Statine die Wirkung einzelner anderer Medikamente beeinflussen. Wie bei jedem neu zu verordnenden Medikament sollte die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt daher darauf achten, dass nicht Kombinationen von Medikamenten eingenommen werden, die zu unerwünschten Wechselwirkungen führen können.

Sie als Patientin oder Patient können dazu beitragen, indem Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin über alle Mittel informieren, die sie einnehmen – auch über freiverkäufliche. Außerdem können Sie sich hier über mögliche Wechselwirkungen informieren.

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Behauptung: Die Einnahme von Statinen kann auch Kindern helfen

Bewertung: Stimmt teilweise

Fakten: Wenn bereits Kinder sehr hohe Cholesterinblutwerte haben, dann liegt das häufig an einer erblichen Störung, dass zu viel LDL-Cholesterin im Blut ist. Experten sprechen auch von einer Familiären Hypercholesterinämie (FH). Etwa eines von 300 Kindern ist davon betroffen. Leider fällt die Erkrankung meist erst im Erwachsenenalter auf, dann sind die Gefäße häufig schon geschädigt. Deshalb gibt es zunehmend Initiativen, den LDL-Cholesterinwert von Kindern im Rahmen eines Screenings zu bestimmen, um die Erkrankung frühzeitig zu entdecken. Auch im Rahmen des geplanten Gesundes-Herz-Gesetzes diskutiert man über die Einführung eines solchen Screenings.

Für die von einer FH betroffenen Kinder werden Statine zur Behandlung empfohlen: „Auch bei Kindern senken Statine wirksam das LDL-Cholesterin. Einzelne Statine können ab sechs beziehungsweise acht Jahren und alle dann ab zehn Jahren verschrieben werden“, sagt Kardiologe Koenig aus München.

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Behauptung: Statine braucht man ab dem 75. Lebensjahr nicht mehr einzunehmen

Bewertung: Stimmt nicht.

Fakten: Statine senken das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – auch und gerade nach dem 75. Lebensjahr, wo das Risiko häufig ja besonders erhöht ist. Deshalb sollten Statine Experten zufolge auch nach Erreichen des 75. Lebensjahres weiter eingenommen werden. Ob ein Start einer Therapie mit Statinen nach dem 75. Lebensjahr sinnvoll ist, sollte individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.


Quellen:

  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): An sich bin ich gesund – Brauche ich trotzdem ein Statin, um die Blutfette zu senken?. Gesundheitsinformation online: https://www.bundesaerztekammer.de/... (Abgerufen am 21.06.2024)
  • Ahmadizar F, Ochoa-Rosales c, Glisic M et al.: Associations of statin use with glycaemic traits and incident type 2 diabetes. In: British Journal of Clinical Pharmacology: 05.03.2019, https://doi.org/...
  • Norddeutscher Runfunk: Cholesterinsenker: Nebenwirkungen bei Statinen vermeiden. Online: https://www.ndr.de/... (Abgerufen am 21.06.2024)
  • Ference B, Ginsberg H , Graham I et al.: Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. 1. Evidence from genetic, epidemiologic, and clinical studies. A consensus statement from the European Atherosclerosis Society Consensus Panel. In: European Heart Journal Online: 24.04.2017, https://doi.org/...
  • Dharmayat K, Vallejo-Vaz A, Stevens C: Familial hypercholesterolaemia in children and adolescents from 48 countries: a cross-sectional study . In: TheLancet online: 06.01.2024, https://doi.org/...
  • Dieplinger: Familiäre Hypercholesterinämie bei Kindern und Jugendlichen:, hohe Prävalenz – niedrige Diagnoserate. Online: https://www.i-med.ac.at/... (Abgerufen am 21.06.2024)
  • Kathrin Heydebreck: Herz­in­farkt mit 35! Bayern setzt auf Scree­ning und Aufklä­rung . tk online: https://www.tk.de/... (Abgerufen am 21.06.2024)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wann sind Statine sinnvoll?. gesundheitsinformation.de: https://www.gesundheitsinformation.de/... (Abgerufen am 21.06.2024)