Seit kurzem können Patientinnen und Patienten in der Apotheke kostenlos eine Medikationsanalyse durchführen lassen. An wen richtet sich dieses Angebot?

So eine ausführliche Medikationsberatung steht Menschen zu, die mindestens fünf ärztlich verordnete Arzneimittel dauerhaft einnehmen müssen. Sie haben einmal im Jahr Anspruch auf eine Medikationsanalyse in der Apotheke. Wenn sich in der Medikation etwas gravierend verändert, zum Beispiel eine neue Diagnose hinzukommt oder nach einem Krankenhausaufenthalt die Medikamente umgestellt werden, können sie sich auch zwischendurch noch einmal beraten lassen. Das gehört zu den pharmazeutischen Dienstleistungen, die die Krankenkassen seit kurzem bezahlen.

Je mehr Medikamente, desto eher passieren Fehler bei der Einnahme, oder?

Genau. Es fällt oft schwer, den Durchblick zu behalten: Wann muss ich welches Mittel wie einnehmen? Vertragen sich die Wirkstoffe? Kann es zu Neben- und Wechselwirkungen kommen? Warum wirkt ein Stoff plötzlich schwächer oder stärker? Oft kommen auch Angehörige und bitten um Hilfe. Denn je mehr Medikamente ein Patient gleichzeitig einnehmen muss, desto höher das Risiko, dass ihre zuverlässige Wirkung gefährdet ist.

Was unterscheidet die Medikationsanalyse von dem üblichen Beratungsgespräch?

Sie ist viel ausführlicher, schon weil sie aus zwei Terminen besteht. Zunächst erfassen wir alle, wirklich alle Arzneimittel des Patienten: die auf Rezept, die nicht verschreibungspflichtigen Präparate wie Schmerzmittel und nicht zuletzt die Nahrungsergänzungsmittel. Das heißt auch solche, die nicht unbedingt auf der Stammkundenkarte von der Apotheke gespeichert sind.

Wie Schmerzmittel wirken

Bietet jede Apotheke diesen Sevice an?

Nur geschulte Apothekerinnen und Apotheker dürfen Medikationsanalysen durchführen. Deutschlandweit gibt es inzwischen aber sehr viele. Es lohnt sich, in der Stammapotheke nachzufragen. Viele Apotheken informieren auch auf ihrer Homepage über diesen Service.

Wie läuft so eine Medikationsanalyse konkret ab?

Der Patient bringt einfach alles in einer Tüte mit. Zu manchem Kunden gehen wir auch nach Hause, wenn er das wünscht. Das hat den Vorteil, dass wir auch über den geeigneten Aufbewahrungsort der Medikamente reden können.

Weiß nicht der Hausarzt über die gesamte Medikation seines Patienten Bescheid?

Nicht unbedingt. Wenn Fachärzte zusätzliche oder andere Präparate verordnen, etwa ein Kardiologe ein neues Blutdruckmittel, bekommt der Hausarzt es mitunter nicht mitgeteilt. Es kann deshalb passieren, dass Patienten ähnlich wirkende Mittel gleichzeitig einnehmen, anstatt das eine gegen das andere auszutauschen.

Sprechen Sie auch über Einnahmefehler?

Und ob! Viele Patienten nehmen ihre Medikamente völlig anders ein, als es Arzt oder Apotheker vorgesehen oder ihnen aufgeschrieben haben. Das ist leider Alltag. In einem zweiten Schritt kontrollieren wir deshalb nicht nur die Dosis, Einnahmezeitpunkte und mögliche Wechselwirkungen, sondern lassen uns auch bestimmte Handhabungen zeigen, etwa wie der Patient ein Spray inhaliert, aber auch wie er Blutzucker misst.

Und was steht am Ende der Anal­yse, was kommt dabei heraus?

Danach erstellen wir einen neuen Medikationsplan, der idealerweise auch mit dem Hausarzt abgesprochen ist. Diese Liste enthält die aktuelle Medikation zusammen mit der Information, wie viel der Patient von welchen Präparaten einnehmen soll und warum. Und zwar in verständlicher Sprache. Das ist ganz wichtig.

Aber der Patient weiß doch, wogegen eine Arznei hilft?

Nein. Oft weiß ein Patient nicht, warum er ein Mittel einnehmen soll. Dann weiß er aber auch nicht, welche Wirkung er erwarten kann. Die Enttäuschung, dass etwas nicht hilft, beruht oft auf falschen Erwartungen.

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