Seit die Tablette in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfunden wurde, hat sie den Apothekerstand revolutioniert. Fast die Hälfte aller heutigen Arzneimittel sind Tabletten: Es gibt runde, ovale, eckige oder längliche. Manche sind weiß, andere rosa oder blau. Es gibt solche mit und solche ohne Bruchkerbe, Prägung oder Überzug, 1,5 Millimeter kleine und 2,5 Zentimeter große.

Herstellung nach dem Brikett-Prinzip

Dank der festen Form lassen sich Wirkstoffe genau dosieren. Hergestellt wird die Tablette immer noch nach dem Brikett-Prinzip, nach dem sie erfunden wurde: Wirkstoff, Füllstoffe wie Milchzucker oder Stärke und gegebenenfalls Sprengmittel, die sie in feuchtem Milieu quellen lassen, werden gemischt und zu einer festen Form gepresst.

Wir schlucken die Pillen, lutschen oder kauen sie. Wir legen sie unter die Zunge oder lösen sie im Wasserglas auf. Spezielle Tabletten stecken wir uns sogar in die Vagina. Alles, damit sie an der richtigen Stelle ihre Wirkung entfalten.

Klicken Sie bitte auf die jeweilige Art der Tablette auf der linken Seite, um rechts zu sehen, wo sie im Körper wirkt:

Lutschtablette

Sie soll im Mund- und Rachenraum wirken. Darum löst sich die Lutschtablette auch dort auf. Ihr Wirkstoff vermischt sich mit dem Speichel und verteilt sich im Mundraum, idealerweise, bevor er geschluckt wird. Damit es einigermaßen schmeckt, enthalten Lutschtabletten meistens einen aromatisierten oder gesüßten Grundstoff. Typisch sind Präparate gegen Halsschmerzen, die örtlich betäubend oder desinfizierend wirken. Manche Lutschtabletten bilden auch einen Schutzfilm auf der Schleimhaut, salzhaltige wiederum verhindern, dass diese austrocknet. Durch die Mundschleimhaut gerät der Wirkstoff dann in den Blutkreislauf.

Lingual- oder Sublingualtablette

Sie hat keinen Überzug und wird auf oder unter die Zunge gelegt, wo sie zerfällt. Das kann innerhalb weniger Sekunden geschehen, aber auch bis 20 Minuten dauern. Für eine rasche Wirkung gibt sie ihren Wirkstoff direkt an die Mundschleimhaut ab. Typisch ist diese Darreichung für starke Schmerz-Stopmittel, wie sie bei Migräne zum Einsatz kommen. Wirkstoffe in Lingual- oder Sublingual-Form sind aber immer auch dann sinnvoll, wenn der Verdauungstrakt krank ist und Stoffe nicht weiter transportieren kann, oder wenn die Wirkstoffe in Magen oder Darm inaktiviert oder verdaut werden würden.

Kautablette

Wie Nahrung wird sie im Mund zerkaut und anschließend geschluckt. Für einen guten Geschmack enthält die Kautablette Aroma- oder Süßungsstoffe. Ein Teil ihres Wirkstoffs wird schon vom Speichel ausgelöst und kann nach dem Schlucken schneller von der Magenschleimhaut aufgenommen werden. Mittel gegen Sodbrennen, die die Magenschleimhaut mit einem schützenden Film überziehen, werden häufig als Kautablette verabreicht. Speziell für Kinder und Patienten, die Probleme beim Tabletten-Schlucken haben, kann Kauen sinnvoll sein. Das gilt auch für Wirkstoffe, die in großer Menge eingenommen werden müssen, so dass sie zu groß zum Schlucken wären: Osteoporose-Mittel können bis zu 1000 Milligramm Kalzium enthalten.

Brausetablette

Damit sie sich in Wasser auflöst, enthält die Brausetablette Carbonat und Säure: In Kontakt mit Wasser bilden beide zusammen Sprudel, also Kohlenstoffdioxid. Die Tablette zerfällt, ihr Wirkstoff löst sich im Wasser. Der Patient trinkt die Lösung, so dass ihr Wirkstoff schnell durch die Magen- oder Darmschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt. Weil sie nicht als Ganzes geschluckt oder gekaut werden, können Brausetabletten größer sein als alle anderen Tabletten und sind trotzdem geeignet für Patienten mit Schluckschwierigkeiten. Typische Wirkstoffe in Brauseform sind Schmerzmittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Enthält eine Brausetablette Natriumcarbonat, ist sie für Patienten mit Nierenschaden nicht geeignet.

Dragee

Mehrere Schichten aus Zucker, Cellulose oder Schellack schützen den Wirkstoff im Kern des Dragees. Diese Verpackung macht ihre Produktion aufwändig und teuer. Die glatte Oberfläche erleichtert das Schlucken und überdeckt bei Bedarf Geruch oder Geschmack des Wirkstoffs. Je nach Einsatzgebiet lösen sich die äußeren Schichten im Magen oder – magensaftresistent – erst im Dünndarm. So werden Wirkstoffe, die die Magenschleimhaut angreifen würden, häufig als Dragee verabreicht und im vorderen Dünndarm absorbiert. Dasselbe gilt für Stoffe, die von der Magensäure zerstört werden würden. Typisch für Dragees sind Mittel gegen Bauchkrämpfe.

Retard-Tablette

Durch mehrere äußere Schichten löst sie sich nach dem Schlucken nur sehr langsam auf und gibt den Wirkstoff kontinuierlich ab. Meist zerfällt die Retard-Tablette auf ihrem Weg durch den gesamten Dünndarm über zwölf Stunden und zieht eine Wirkstoffspur nach sich. Damit bleibt der Pegel im Blut über einen längeren Zeitraum konstant hoch und die Nebenwirkung gering. Außerdem muss der Patient seltener an die Einnahme denken. Meistens geben unverdauliche Trägerstoffe, zum Beispiel ein Kunststoffgerüst, den Wirkstoff frei und werden scheinbar unverändert wieder ausgeschieden. Typische Retard-Tabletten sind Blutdrucksenker, Hormonpräparate oder schmerzstillende Mittel.   

Vaginaltablette

Sie wird nicht eingenommen, sondern vaginal eingeführt. Sie wird verordnet, wenn die Vaginalflora gestört ist, zum Beispiel durch eine Infektion oder Pilzerkrankung. Meist enthält die Vaginaltablette Milchsäurebakterien, antimikrobielle oder antimykotische Wirkstoffe. Wie Lutschtabletten wirkt ihr Wirkstoff lokal auf die Schleimhaut.    

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