Was ist das elektronische Rezept (E-Rezept)?

Das E-Rezept ist die digitale Version der herkömmlichen Verschreibung. Auch wenn das Rezept nur digital vorliegt, hat sie den Rechtsstatus einer Urkunde.

Für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur ist die Gematik GmbH beauftragt. Sie war einst auch für die elektronische Gesundheitskarte zuständig.

Wie soll das E-Rezept funktionieren?

Zunächst bleibt alles wie gewohnt: Wer Beschwerden hat und ein Medikament benötigt, macht einen Termin bei seiner hausärztlichen Praxis. Diese erstellt anschließend eine entsprechende Verordnung im Praxisverwaltungssystem. Neu ist: Die Verordnung wird nicht mehr auf rosafarbenem Papier ausgedruckt und händisch unterschrieben. Arzt oder Ärztin signieren diese digital. Anschließend werden die Rezeptdaten auf einem zentralen Server (Fachdienst E-Rezept) in der Telematikinfrastruktur abgelegt und gespeichert.

Patient oder Patientin bekommen einen QR-Code auf ihr Smartphone. Besitzt er oder sie keines, wird der Code auf ein Blatt Papier gedruckt. Über diesen QR-Code wird das Rezept in der Apotheke abgerufen. Soll das Rezept eingesehen oder digital an eine Apotheke übermittelt werden, braucht es eine spezielle App. Diese wird aktuell von der Gematik entwickelt und kostenlos zur Verfügung stehen. Um sich in der App zu identifizieren, benötigt man ein Smartphone und die elektronische Gesundheitskarte. Zudem ist eine PIN von der Krankenkasse nötig.

Der Patient kann mit dem QR-Code auf dem Papier oder auf dem Smartphone in die Apotheke gehen. Die Apothekerin scannt den Code und erhält über die Computersoftware Zugriff auf das E-Rezept. Die Apothekerin händigt das Medikament aus und berät die Kundschaft. „Alle Apotheken in Deutschland werden in der Lage sein, E-Rezepte zu verarbeiten“, erklärt Thomas Dittrich, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

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Kann ich auch für andere das Rezept einlösen?

Auch zukünftig soll es möglich sein, dass Angehörige das Rezept einlösen. „Das funktioniert in der analogen und in der digitalen Welt eigentlich gleich“, sagt Dittrich. „So wie ich das Papierrezept einem Angehörigen geben kann, damit er es für mich einlöst, kann ich ihm genauso den Rezept-Code anvertrauen, damit er für mich die Medikamente besorgt.“ Wie das innerhalb der App genau funktionieren wird, muss noch geklärt werden.

Was hat der Patient oder die Patientin davon?

Das E-Rezept erspart ihm vor allem Zeit und Wege. Denn: Mithilfe der App kann der Patient das Rezept auch einer Apotheke zuweisen. Er hat die Möglichkeit, zuvor unverbindlich bei bis zu drei Apotheken gleichzeitig anzufragen, ob oder wann das Medikament verfügbar ist. Auch erfährt er, wie das Arzneimittel bereitgestellt werden kann. Zum Beispiel, ob die Apotheke einen Botendienst hat.

Nach Rückmeldung der Apotheke entscheidet sich der Patient verbindlich und löst das Rezept dort ein. „Danach kann sich der Patient die vorbereiteten Medikamente abholen, oder der Botendienst der Apotheke bringt sie bei Bedarf vorbei“, erklärt Dittrich. Apothekerin Heike Zweydinger, die an einem der Pilotprojekte in Berlin teilnimmt, fügt hinzu: „Das hat natürlich große Vorteile, vor allem, wenn man krank ist.“

Die digitale Verordnung sei schneller und sicherer, sagt Heike Zweydinger. Zum Beispiel sind E-Rezepte schwerer zu fälschen und besser lesbar. Entsprechend weniger Fehler können beim Einlösen passieren.

Patientinnen und Patienten selbst sehen darin einen Beitrag zum Umweltschutz, da das Rezept nicht mehr auf Papier ausgedruckt werden muss. Außerdem erhoffen sie sich dadurch mehr Komfort und dass die Kommunikation mit der Apotheke besser läuft. So das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Einlösen: Der Patient geht in die Apotheke seiner Wahl. Sie liest den Code des E-Rezeptes aus und stellt das Arzneimittel bereit. Oder ein Bote bringt das Medikament nach Hause

Einlösen: Der Patient geht in die Apotheke seiner Wahl. Sie liest den Code des E-Rezeptes aus und stellt das Arzneimittel bereit. Oder ein Bote bringt das Medikament nach Hause

Gibt es weitere Vorteile?

Verordnete Arzneien sollen in Zukunft in den ebenfalls elektronischen Medikationsplan übernommen werden können. Darin sieht man alle Mittel, die man einnimmt, auf einen Blick. "Der Apotheker kann gefährliche Wechselwirkungen so schneller ­erkennen", erklärt Ralf König, Apotheker und Digital­experte am Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums.

Wann wird das E-Rezept bundesweit eingeführt?

Im Juli 2021 startet das digitale Rezept mit einer Testphase in Berlin und Brandenburg. Ab 2022 soll es für apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneien die Regel sein, denn ab Januar 2022 greift die Einführungspflicht.

Obwohl das E-Rezept bald die herkömmliche Verschreibung ablöst, ist das Wissen um das digitale Rezept in Deutschland nicht weit verbreitet. Erst 37 Prozent haben davon gehört, so die ABDA-Umfrage.

Welche Vorbereitungen braucht es noch?

Bis Ende des Jahres haben Arztpraxen Zeit, sich an die Telematikinfrastruktur anzuschließen – sofern noch nicht geschehen – und nötige Vorbereitungen in der Praxis zu treffen. Auch die Apotheken müssen noch letzte Schritte für einen reibungslosen Ablauf gehen. Wenn Sie planen, das E-Rezept digital an Ihre Apotheke zu übermitteln, können auch Sie technisch aufrüsten: Sie benötigen ein Smartphone und eine Gesundheitskarte, die beide NFC-fähig sind. Das heißt, dass Daten zwischen zwei Geräten in kurzer Entfernung ausgetauscht werden können. Auch hierfür ist eine PIN von der Krankenkasse nötig.