Wir bringen’s Ihnen gern!" Für Apotheken ist dieser Satz fast schon selbstverständlich. Denn sie liefern wichtige Arzneimittel, die erst bestellt werden müssen, den Patienten an die Haustür – wenn ihnen eine persönliche Abholung nicht zuzumuten ist.

Beliebter Apothekendienst

Gerade ältere Menschen profitieren von dem Service, den fast jede deutsche Apotheke anbietet. "Von den Kunden wird das heute schon vorausgesetzt", sagt die Dortmunder Apothekerin Dr. Dörte Rühl.

Laut einer Erhebung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände schicken 88 Prozent ihrer Mitglieder mindestens einmal täglich einen Boten los. Bisher durften Apotheken nur in begründeten Einzelfällen Medikamente nach Hause liefern, also etwa dann, wenn die Patienten nicht mehr so gut zu Fuß oder aufgrund einer Krankheit bett­lägerig sind.

Diese Einschränkung wurde mit der Änderung der Apothekenbetriebsordnung vom Oktober 2019 aufgehoben. Seither sei die Zustellung von Arzneimitteln grundsätzlich auf Kundenwunsch zulässig, erklärt eine Sprecherin der Bayerischen Landesapothekerkammer.

Investition in die Zukunft

Für die Apotheken ist diese Anpassung ein wichtiger Schritt: "So sind wir endlich auf der rechtlichen Ebene mit dem Versandhandel gleichgestellt", freut sich Dörte Rühl. Sie geht davon aus, dass der Service künftig deutlich mehr nachgefragt wird. Auch wenn sich die Dienstleistung nicht direkt rechnet: Für die Apotheken ist sie eine Investition in die ­Zukunft.

Eines müssen sie aber seit jeher gewährleisten: Jeder Patient erhält eine individuelle Beratung. Oft bekommen die Patienten ihre Informationen persönlich, wenn sie ihr Rezept in der Apotheke vorlegen. Dann genügt es, wenn der Bote das Präparat am Abend vorbeibringt.

Bei Online-Reservierungen sieht es anders aus: In diesen Fällen kontaktiert die Apotheke den Kunden meist telefonisch, um offene Fragen zu beantworten. Spätestens aber bei der Übergabe des Medikaments müssen alle wichtigen Punkte geklärt werden: ­Wofür ist das Präparat gedacht? Welche Risiken gibt es? Wie muss es eingenommen werden? "Vielleicht kann es zu Wechselwirkungen kommen, die der Arzt noch nicht angesprochen hat", ­­erklärt Apothekerin Rühl.

Beratung an den Haustür

Gerade Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, sind manchmal verwirrt, wenn sie aufgrund von Rabattverträgen oder Lieferengpässen nicht das gewohnte Arzneimittel erhalten. Ein fachfremder Bote kann sie in solchen Fällen allerdings nicht beraten.

"Dann schicke ich eine pharmazeutisch-technische Assistentin raus oder fahre selbst zum Kunden", erklärt Rühl. Zudem muss die Lieferung bei der Übergabe manchmal mit dem Originalrezept abgeglichen werden – auch dann, wenn der Patient die ärztliche Verordnung vorab gefaxt oder abfotografiert und per E-Mail geschickt hat. Mitunter stehen auch Vermerke auf den Rezepten, die der Patient bei der telefonischen Bestellung nicht ­­berücksichtigt hat.

Vorteil Kundenkonto

Informationen aus dem Kunden­konto helfen der Apotheke bei der Beratung. Dafür muss der Kunde einmalig schriftlich zustimmen.

Apothekerin Dörte Rühl will bei Bedarf einen zweiten Boten einstellen, auch um den Kreis der Lieferungen ausweiten zu können. Sollte dann irgendwann zudem das elektronische Rezept bundesweit flächendeckend eingeführt werden, wird sie zusätzliches pharmazeutisches Personal benötigen, um die beratungsbedürf­tigen Lieferungen bewältigen zu können. Denn auch wenn sich der Apothekenmarkt in den kommenden Jahren verändert, die vertrauenswürdige Beratung wird bleiben.