Leishmaniose: Ansteckung, Symptome, Behandlung

Die Infektionskrankheit Leishmaniose (auch Leishmaniase, Orientbeule, Kala Azar) kommt weltweit in warmen Ländern vor – in Europa zum Beispiel im Mittelmeerraum. Die Erreger werden von Sandmücken übertragen

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 10.09.2018
Hunde

Leishmaniose kann Menschen und Tiere, beispielsweise Hunde, befallen


Kurz zusammengefasst: Was ist eine Leishmaniose?

Die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die durch Kleinstlebewesen – Leishmanien – verursacht wird. Übertragen werden sie mit dem Stich der Sand- oder Schmetterlingsmücke, die in warmen Regionen lebt.

In Deutschland erworbene Krankheitsfälle sind selten. Meistens trifft es Urlauber, die eine Leishmaniose aus Risikoregionen mitbringen. In vielen Mittelmeerländern, zum Beispiel Spanien, Italien oder der Türkei ist die Leishmaniose verbreitet – ebenso im Nahen Osten oder im Norden und Osten Afrikas. Auch in Asien kommt Leishmaniose vor, insbesondere in Indien. Außerdem gibt es die Leishmaniose in warmen Regionen Süd- und Mittelamerikas.

Es existieren viele Leishmania-Arten und verschiedene Varianten der Leishmaniose. Die Krankheit kann leicht oder schwer verlaufen. In leichten Fällen einer Hautleishmaniose ist manchmal keine Behandlung nötig. Üblicherweise wird die Krankheit mit Medikamenten therapiert.

Ursachen: Wie steckt man sich an?

Ursache der Leishmaniose ist eine Infektion mit Leishmanien. Das sind längliche Einzeller, die nur wenige Tausendstel Millimeter groß sind.

Die Leishmanien nutzen Mücken – Sandmücken, auch Schmetterlingsmücken genannt – als Transportmittel. Sticht die Sandmücke einen mit Leishmaniose infizierten Mensch oder ein erkranktes Tier, kann sie dabei die Krankheitserreger aufnehmen. Die Leishmanien entwickeln sich in der Mücke weiter und wandern bei einem der nächsten Mückenstiche in ihr neues Opfer.

Die winzigen, beige- bis schwarzfarbenen Sandmücken sind hauptsächlich in der Dämmerung und nachts aktiv. Ihre Stiche können unauffällig sein, werden nicht immer bemerkt.

Leishmanien befallen Menschen und Tiere. Im Süden Spaniens, Italiens, Griechenlands oder in Nordafrika sind zum Beispiel viele streunende Hunde infiziert. Bei einer Häufung von Krankheitsfällen in Spanien um das Jahr 2010 stellte sich heraus, dass Hasen in einer städtischen Grünanlage infiziert waren. Der Erreger gelangte damals mit der Sandmücke auf kurzem Weg von den zutraulichen Hasen zum Menschen.

Eine Ansteckung ist auch denkbar, wenn fremdes, infiziertes Blut in die eigene Blutbahn gerät – zum Beispiel, wenn Injektionsnadeln benützt werden, die mit dem Blut eines Erkrankten verunreinigt sind. Eine Mutter kann die Leishmaniose an ihr ungeborenes Kind weitergeben.

Sandmücke

Wo gibt es Sandmücken?

Sandmücken leben vor allem in warmen, südlichen Regionen. Doch auch nördlich der Alpen gibt es schon dauerhafte Vorkommen. Tropenmediziner nehmen an, dass die Blutsauger die Leishmaniose auch in Deutschland weiterverbreiten könnten, sofern der Klimawandel anhält und die Temperaturen steigen.

Derzeit wird der Erreger häufiger mit Hunden nach Deutschland eingeschleppt. Eine direkte Übertragung der Leishmaniose vom infizierten Hund auf den Menschen (ohne eine Sandmücke), wurde bisher jedoch noch nicht beschrieben.

Vor Ansteckung schützen

Bei Reisen in Risikogebiete ist es ratsam, auf einen guten Schutz vor Mückenstichen zu achten. So sollte die Kleidung möglichst viel Haut bedecken. Auch Anti-Mücken-Mittel (Repellents) zum Auftragen halten die lästigen Blutsauger fern. An Türen und Fenstern und über dem Bett angebrachte feinmaschige Moskitonetze sind eine weitere Möglichkeit, Mückenstichen vorzubeugen.

Frau betrachtet sich im Spiegel

Leishmaniose: Welche Symptome kommen vor?

Welche Beschwerden auftreten, hängt von der Art der Leishmaniose, der Art des Erregers und der individuellen Immunantwort des Patienten ab. Unterschieden werden drei Hauptformen:

1) Haut-Leishmaniose

Diese Form kommt am häufigsten vor. Sie heißt auch kutane Leishmaniose, Orientbeule, Bagdad-, Orient- oder Aleppobeule.

An der Einstichstelle schwillt die Haut zu einem Knötchen an und rötet sich. Später wird daraus ein Geschwür. Es ist von einem Randwall umgeben und manchmal von Schorf bedeckt. Typischerweise tut es nicht weh. In der Mitte des Geschwürs kann das Gewebe zerfallen und absterben. Die Hautleishmaniose kann allerdings sehr vielfältig in Erscheinung treten.

Meistens bleibt es bei einer veränderten Hautstelle. Manchmal schwellen die benachbarten Lymphknoten vorübergehend an. Es können aber auch mehrere oder sogar zahlreiche Geschwüre gleichzeitig im Verlauf der Lymphbahnen auftreten.

Die Gewebedefekte heilen oft von alleine wieder ab. Das dauert üblicherweise einige Monate. Es können entstellende Narben zurückbleiben, vor allem, wenn keine Therapie erfolgt. Häufig sind Gesicht, Arme oder Beine von der Haut-Leishmaniose betroffen.

An den erkrankten Hautstellen können weitere Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze in den Körper eindringen. So entsteht manchmal eine zusätzliche Infektion, die ihrerseits Krankheitssymptome verursacht und auch gefährlich werden kann.

2) Schleimhaut-Leishmaniose

Diese Form heißt auch mukokutane Leishmaniose, Espundia oder Uta. Sie kommt vor allem, aber nicht ausschließlich, in Südamerika vor.

Die Schleimhaut-Leishmaniose beginnt meistens wie die Haut-Leishmaniose – mit einem Hautgeschwür. Ist es abgeheilt, befällt die Krankheit bei einem Teil der Patienten die Schleimhäute – vor allem die Nasen- und Rachenschleimhaut. Das kann sich mit häufigem Nasenbluten und einer eingeschränkten Atmung durch die Nase bemerkbar machen. Seltener sind auch andere Schleimhäute betroffen, zum Beispiel an Mund, Kehlkopf, Luftröhre oder Genitalien.

Wird die Krankheit nicht behandelt, zerstört sie allmählich Haut, Knorpel und Bindegewebe. So können zum Beispiel in der Nasenscheidewand Löcher entstehen. Erfolgt keine Therapie, kann die Nasenform Schaden nehmen, so dass die Betroffenen schlimmstenfalls entstellte Gesichtszüge erleiden.

3) Leishmaniose der inneren Organe

Diese Form heißt auch viszerale Leishmaniose, Kala-Azar, Dum-Dum-Fieber, Schwarzes Fieber.

Hier breitet sich der Parasit auf die inneren Organe aus. Befallen sind vor allem Milz und Leber, aber auch das Knochenmark. Die Krankheit verläuft schwer, ist ohne Therapie sogar lebensgefährlich.

Manchmal verschlechtert sich das Befinden der Erkrankten plötzlich. Häufiger verläuft diese Variante der Krankheit über längere Zeit schleichend mit eher uncharakteristischen Symptomen: Die Betroffenen bemerken zum Beispiel Lymphknotenschwellungen. Sie leiden unter Fieberschüben, magern ab und fühlen sich geschwächt. Es kann zu Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfällen kommen. Handflächen, Fußsohlen und Schleimhäute färben sich manchmal auffällig dunkel. Leber und Milz können stark anschwellen, eine Blutarmut kann entstehen – was meistens bei der ärztlichen Untersuchung auffällt. Die Anfälligkeit für Infektionen ist erhöht, die Blutgerinnung gestört durch eine Verminderung der Blutplättchen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Beschwerden können auf eine Leishmaniose hindeuten. Der Verdacht erhärtet sich, wenn der Patient in den vergangenen Monaten oder Jahren Risikogebiete bereist hatte. Der Arzt erkundigt sich nach den Symptomen und nach der Krankengeschichte des Patienten. Dann folgt eine körperliche Untersuchung.

Eine Blutuntersuchung ist außer bei leichtem Hautbefall immer sinnvoll. Dabei bestimmt der Arzt die Menge an Abwehrstoffen (Antikörpern), welche der Körper im Kampf gegen die Leishmanien produziert hat. Bei Menschen mit Immundefekten können diese aber fehlen.

Heute kann man meistens aus dem Blut auch mittels moderner molekulargenetischer Techniken (PCR) die Erbsubstanz der Leishmanien nachweisen. Oft weiß man dann schon, um welche Art es sich handelt. Das ist wichtig für die Behandlung. Spezialisierte Einrichtungen wie die Tropeninstitute weisen den Erreger schon aus kleinsten Blut- oder Gewebemengen zuverlässig nach.

Eventuell ist die Menge der roten Blutzellen vermindert, so dass eine Blutarmut entstanden ist. Auch die Zahl weißen Blutzellen und der Blutplättchen kann erniedrigt sein.

Oft entnimmt der Arzt unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) aus einer veränderten Hautstelle. Eventuell sind darin unter dem Mikroskop bereits Leishmanien erkennbar. Oder es ist möglich, die Parasiten aus den Proben anzuzüchten und so nachzuweisen.

Hat die Krankheit innere Organe befallen, kann es erforderlich sein, das Knochenmark mittels einer Knochenmarkspunktion zu untersuchen. Hierzulande eher selten werden auch Proben aus Milz oder Leber gewonnen.

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes zeigt unter anderem, ob Milz und Leber vergrößert sind.

Therapie: Wie wird eine Leishmaniose behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Form und Schwere der Erkrankung, nach der genauen Erregerart, dem Ort der Infektion und dem individuellen Krankheitsfall.

Ärzte orientieren sich an den detaillierten Empfehlungen der ärztlichen Leitlinien, zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit. Auf die Behandlung kann hier nur sehr verkürzt eingegangen werden.

Die kutane Leishmaniose heilt bei mildem Verlauf in 50 Prozent der Fälle von selbst wieder aus. In einigen Fällen spritzt der Arzt ein Antimon-Präparat unter die betroffene Hautstelle. Bei Antimon handelt es sich um ein Schwermetall, das den Stoffwechsel der Leishmanien beeinträchtigt. Viele andere Therapieformen werden je nach Art der Infektion angewendet. Bei schweren Hautfällen oder südamerikanischen Erregertypen kommen auch Tabletten oder Infusionen zum Einsatz.

Bei einem schweren Verlauf (zum Beispiel bei viszeraler Leishmaniose, sehr ausgeprägten Hautgeschwüren oder gleichzeitiger HIV-Infektion) wird in der Klinik eine bestimmte Form des Amphotericin B, eines klassischen Pilzmedikamentes, als Infusion gegeben. Zur Bekämpfung der Erreger sind gelegentlich mehrere Behandlungszyklen notwendig.

In manchen Fällen schlägt die Therapie nicht an, weil die Leishmanien resistent gegenüber dem Wirkstoff sind. Hier kommen alternative Wirkstoffe infrage – zum Beispiel Miltefosin.

Herr Dr. Sudeck

Beratender Experte

Dr. Hinrich Sudeck ist Internist und Tropenmediziner. Nach seiner Ausbildung in Hamburg und Liverpool war er von 1990 bis 2006 am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg tätig. Von 2002 bis 2006 war er dort leitender Oberarzt. Von 2006 bis 2014 war er Oberarzt am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und Leiter des Fachbereiches Tropenmedizin der Bundeswehr am Bernhard-Nocht-Institut. Dr. Sudeck war mehrere Jahre in Westafrika tätig. Er ist Weltgesundheitsorganisations-Experte für das Management von viralen hämorrhagischen Fiebern und war langjährig Schriftführer der deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DTG). Dr. Sudeck ist spezialisiert auf seltene und importierte Krankheiten. Ende 2014 war er fünf Wochen in Liberia im Rahmen der Ebolabekämpfung. Inzwischen ist er freiberuflich im Bereich Tropenmedizin tätig.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG): Diagnostik und Therapie der viszeralen Leishmaniasis, Stand 11/ 2016

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) in Zusammenarbeit mit der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Diagnostik und Therapie der kutanen und mukokutanen Leishmaniasis in Deutschland, Stand: 11/2010

Robert Koch-Institut: Leishmaniose  (Abruf 09/2018)
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/L/Leishmaniose/Leishmaniose.html

Centers for Disease Control and Prevention: Leishmaniasis
https://www.cdc.gov/parasites/leishmaniasis/index.html (Abruf 09/2018)

World Health Organisation: Leishmaniasis
http://www.who.int/leishmaniasis/en/ (Abruf 09/2018)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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