Wer es nicht selbst erlebt, versteht das Leiden wahrscheinlich kaum. Es hört sich auch so banal an: trockenes Auge. "Es eine reine Befindlichkeitsstörung zu nennen, verharmlost das Problem zu sehr", sagt Professor Claus Cursiefen, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde an der Universitätsklinik Köln. "Aber zum Glück hat das trockene Auge nur äußerst selten schwere Folgen."

In bestimmten Fällen sollte man zum Arzt: Unter anderem, wenn das Auge rot wird, schmerzt oder an Sehschärfe verliert. Die Beschwerden lassen sich in der Regel leicht lindern – auch deshalb, weil Mediziner die Ursachen immer besser verstehen. So haben sie zum Beispiel erkannt, dass meist nicht die Tränendrüsen versagen, sondern die Zusammensetzung der Flüssigkeit nicht stimmt (siehe Grafik).

Drei-Schichten-Schutz: Der Tränenfilm schützt die Hornhaut und ermöglicht scharfes Sehen

Drei-Schichten-Schutz: Der Tränenfilm schützt die Hornhaut und ermöglicht scharfes Sehen

Bei der Mehrzahl der Patienten ist die schützende Fettschicht der Tränen  zu dünn oder löchrig. Das fördert die Verdunstung des Tränenfilms, er  reißt rascher auf. Die sogenannten Meibom-Drüsen bilden das Fett und  scheiden es an den Lidrändern aus. Sie können sich entzünden, zu viel  oder zu wenig Fett oder eine falsche Mischung produzieren. Dann  verstopft das Sekret oft die Ausführgänge.

Therapie der Meibom-Drüsen

Der Fokus der Behandlung liegt deshalb auf dem Lidrand. Feuchtwarme  Kompressen helfen, das Sekret aufzuweichen, eine Lidrandmassage  unterstützt die Drüsen. Die Technik lässt man sich am besten beim  Augenarzt zeigen.

Zudem gibt es in der Apotheke spezielle Tropfen und  Gele, die Fettanteile enthalten und so die Tränenschicht stabilisieren.  Verursachen Erreger die Entzündung der Drüsen, wird der Arzt Antibiotika  verordnen. In hartnäckigen Fällen kann er die Ausführgänge mit  Mini-Sonden weiten.

Hilft die Behandlung der Meibom-Drüsen nicht, bilden Augentropfen die  Basistherapie. Sie sollten bei regelmäßiger Anwendung kein  Konservierungsmittel enthalten. Bezahlen muss der Patient die Tropfen  selbst. Dabei gilt: ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Im Allgemeinen  beginnt man mit dünnflüssigen Lösungen. Reichen sie nicht aus oder muss  man zu oft nachtropfen, kann ein Umstieg auf dickflüssigere Präparate  helfen.

Diese können allerdings die klare Sicht beeinträchtigen. Manche  Patienten träufeln deshalb tagsüber die Tropfen ins Auge und geben  nachts ein spezielles Gel oder eine Salbe in den Bindehautsack. Andere  dagegen bevorzugen ein Spray, das auf die geschlossenen Lider gesprüht  wird und – Färbetests beweisen es – über die Lidränder tatsächlich ins  Auge gelangt.

Therapie der entzündeten Augenoberfläche

Neue Erkenntnisse belegen, dass eine entzündete Tränendrüse oder eine entzündete Augenoberfläche ein wichtiger Faktor bei der Entstehung und Verschlechterung eines trockenen Auges darstellt. "Da gibt es viele Gemeinsamkeiten mit einer Autoimmunerkrankung, einem Angriff des Abwehrsystems auf körpereigene Strukturen", erklärt Professorin Elisabeth Messmer, Oberärztin an der Universitäts-Augenklinik München.

Als Therapie sind antientzündliche Ciclosporin-A-Augentropfen für das trockene Auge mit Oberflächenstörung zugelassen. Entzündungshemmende Kortison-Augentropfen eignen sich für einen Kurzzeiteinsatz. Sie erhöhen jedoch das Risiko für einen grauen Star (Katarakt) und einen grünen Star (Glaukom) und dürfen daher nicht für eine Langzeittherapie verwendet werden.