Diabetes Ratgeber

Schweiß schützt unseren Körper vor Überhitzung, wird aber ganz schön lästig, wenn ständig das Hemd am Rücken klebt. Eine Grenze, wie viel Schweiß normal ist, gibt es nicht. "Für manche sind schon ein paar Tropfen ein Problem", sagt Professor Dr. Reinhard Zick, Facharzt für Innere Medizin in Osnabrück. Und die Angst, unangenehm aufzufallen, verschärft die Sache. Dr. Stefan Rapprich, Hautarzt aus Bad Soden, jedoch beruhigt Schweißgeplagte: "Wir können jedem helfen." Betroffene sollten ihren Hausarzt aufsuchen. Er wird fragen, ob sich das Schwitzen auf eine Körperregion wie Hände, Füße, Achseln, Gesicht beschränkt oder ob der ganze Körper betroffen ist. Auslöser wie scharfes Essen oder Stress und der Zeitpunkt, etwa nachts, geben Hinweise auf mögliche Ursachen.

Welche Gründe es für starkes Schwitzen gibt

Bei Diabetes kann anfalls­artiges Schwitzen mit Herzrasen auf eine Unterzuckerung hindeuten. Nervenschäden durch Diabetes gehen zu Beginn manchmal mit Schwitzen einher. Später geht die Schweißbildung dann oft zurück. Auch eine Überfunktion der ­Schilddrüse kann starkes Schwitzen auslösen. "Bei Frauen mittleren Alters sind die Wechseljahre die Hauptursache", sagt Internist Zick. Welche Hilfen es gibt, sollten Betroffene mit ihrem Frauenarzt besprechen. "Auch Medikamente können schweißtreibend wirken", sagt Apotheker Kai-Peter Siemsen aus Hamburg: "Fragen Sie Ihren Arzt und Ihren Apotheker, ob ein Präparatewechsel sinnvoll ist." Findet sich keine medizinische Ursache, sprechen Ärzte von primärer Hyperhidrose. Das Schwitzen tritt anfallsartig ohne erkennbaren Auslöser auf. Allerdings kann es  durch Stresssituationen verstärkt werden. "Vermutlich sendet das Temperaturregulations­zentrum des Gehirns falsche Signale an die Schweißdrüsen", so Rapprich.

Die richtige Behandlung finden

Bei übermäßigem Schwitzen und hohem Leidensdruck reichen allgemeine Maßnahmen oft nicht aus. Dann kommen Rezepturen mit Aluminiumchlorid infrage. "Sie sind nicht verschreibungspflichtig, sollten aber vom Hautarzt verordnet werden", sagt Apotheker Siemsen. Aluminium verschließt die Drüsenkanäle. Niedriger dosiert steckt Aluminium auch in vielen Deos. "Zu dem Verdacht, dass es das Krebs- und Demenzrisiko erhöht, gibt es bislang keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse", sagt Rapprich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät aber vom Anwenden auf geschädigter Haut und nach der Rasur ab.

An Füßen und Händen eignet sich oft die Iontophorese: also eine Therapie  mit Gleichstrom. Außer­dem sind Injektionen mit Botuli­num­toxin an  Händen, Füßen und Achseln für bis zu neun Monate wirksam, allerdings  schmerz­haft. Gesetzliche Kassen zahlen meist nur die Behandlung der  Achseln. Bei Hyperhidrose beispielsweise der Achseln können  Schweiß­drü­sen operativ ent­fernt oder mit Mikrowellen behandelt  werden. Zudem kann der Arzt Anticholinergika verschreiben. Sie lindern  das Schwitzen, verursachen aber Nebenwirkungen wie Mund­trockenheit und  Verstopfung.

Cool bleiben — das hilft gegen zu viel Schwitzen

  • Verzichten Sie auf Alkohol, Nikotin und Koffein. Auch scharf Gewürztes oder Heißes verstärkt die Schweißbildung
  • Tragen Sie Kleidung aus Baumwolle oder Leinen, Schuhe möglichst aus Leder. Wechseln Sie Ihre Socken täglich
  • Waschen Sie sich mit Wasser und hautverträglichem Syndet: Erst durch die Bakterien auf der Haut beginnt der Schweiß zu riechen
  • Entfernen Sie die Achselhaare. Auf nackter Haut fühlen Bakterien sich weniger wohl
  • Gehen Sie regelmäßig in die Sauna oder zum Sport, rät Hautarzt Rapprich: Das soll helfen, die Schweißabgabe zu regulieren
  • Nutzen Sie Deos gegen Geruchs- und Schweißbildung

Lesen Sie auch:

Gesichtspflege

Gesunde Haut bei Diabetes

Menschen mit Diabetes haben oft eine trockene Haut, die anfällig für Verletzungen ist. Hier erfahren Sie, welche Pflege Ihre Haut benötigt