Entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis): häufige Ursache für geschwollene, schmerzende Finger und Hände

Symptome: Typisch sind pralle, weiche Schwellungen an beiden Händen. Sie treten bevorzugt an Grund- und Mittelgelenken der Finger sowie an den Handgelenken auf und fühlen sich oft heiß an. Sind mehr als drei Gelenke länger als sechs Wochen geschwollen, ergibt sich ein erster möglicher Verdacht. Richtungweisend ist zudem der gleichmäßige Befall auf beiden Seiten. Die Entzündung zeigt sich häufig auch an anderen Gelenken, zum Beispiel an den Zehengelenken. Schmerzen setzen vor allem nachts und in Ruhehaltung ein. Aber auch bestimmte Bewegungen und Druck auf die Hand (schmerzender Händedruck) können weh tun. Die Hände fühlen sich darüber hinaus kraftlos an und die Finger sind morgens steif. Sie werden erst nach einer Stunde wieder beweglicher (Morgensteifigkeit).

Die Krankheitszeichen können sich schubweise einstellen, mit Phasen heftiger Entzündungsreaktionen, gefolgt von oft wochenlangen beschwerdefreien Zeiten. Weitere mögliche begleitende Symptome sind Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Fieber, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Diese Allgemeinbeschwerden können den Gelenkveränderungen Wochen bis Monate vorausgehen. Manche Betroffene bemerken auch kleine, nicht schmerzhafte Knoten (Rheumaknoten) unter der Haut, vor allem in der Nähe des Ellbogens oder der Ferse.

Ursache: Die rheumatoide Arthritis ist die entzündliche Gelenkerkrankung, die am häufigsten vorkommt. Frauen sind stärker betroffen als Männer, und zwar überwiegend im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Wenn Männer erkranken, dann meist etwas später (65 bis 75 Jahre). Wie genau es zu den Entzündungsvorgängen in der Gelenkkapsel kommt, ist letztlich noch nicht geklärt. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der sich die Abwehrkräfte gegen körpereigene Stoffe richten.

Die fehlerhafte Immunreaktion, in diesem Fall in der Gelenkinnenhaut, führt zu Entzündungen, entzündlichen Schwellungen und Ergüssen. Die Gelenkinnenhaut wird dicker, überwuchert allmählich den Gelenkknorpel und greift die Knorpelschicht an. Knochen und Gelenke werden so mit der Zeit dauerhaft geschädigt. Schließlich kann das Gelenk bis zur Bewegungsunfähigkeit versteifen. Bisweilen greift die Entzündung auch auf benachbarte Nerven und Sehnen über. So kommt es zu Nervenentzündungen wie beim Karpaltunnelsyndrom oder zu Sehnenscheidenentzündungen.

Je nachdem, welche Strukturen besonders angegriffen sind, verformen sich die Hände und nehmen charakteristische Fehlstellungen an. Die Betroffenen können alltägliche Handgriffe dann nur noch unter Mühen oder gar nicht mehr ausführen. Die Erkrankung schreitet chronisch fort und erfasst neben den Händen und Füßen mitunter auch große Gelenke, wie Knie und Schultern, manchmal auch die Halswirbelsäule. Ebenso kann sie innere Organe in Mitleidenschaft ziehen, etwa Lungen, Lungenfell und Leber oder sogar das Herz. Mit einer rechtzeitigen Behandlung lässt sich der Zerstörungsprozess jedoch häufig aufhalten beziehungsweise verzögern.

Es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung von entzündlichem Rheuma begünstigen können. Dazu gehören vor allem eine familiäre Veranlagung, das Alter, Rauchen sowie Infektionskrankheiten. Solche Einflüsse, wie etwa das Rauchen,  wirken sich teilweise auch ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus.  Wichtig ist es in jedem Fall, frühe Krankheitszeichen ernst zu nehmen,  gerade auch die oben genannten leider wenig typischen Allgemeinsymptome,  und rechtzeitig einen Hausarzt oder Internisten beziehungsweise  Rheumatologen aufzusuchen.

Diagnose: Richtungweisend für den Arzt, meist der Hausarzt als  erster Ansprechpartner, sind zunächst einmal die Symptome. Er wird sich  vor allem nach den Schmerzen erkundigen und prüfen, welche und wie  viele Gelenke geschwollen sind. Aufschlussreich ist auch, wie lange eine  eventuelle Morgensteife anhält, ob weitere Beschwerden bestehen, ob die  Beweglichkeit beeinträchtigt ist und ob Rheumaknoten an anderen Stellen  als vom Betroffenen angegeben zu sehen sind.

Blutuntersuchungen im Labor zeigen deutliche Entzündungszeichen und   geben Hinweise auf vorhandene Rheumafaktoren sowie weitere spezielle   Antikörper. Ergibt sich ein Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung,   wird der Hausarzt unverzüglich einen Rheumatologen hinzuziehen. Eine Urinuntersuchung hilft, eine Nierenschädigung aufzudecken, zu der es im Rahmen   verschiedener rheumatischer Erkrankungen kommen kann. Die Ergebnisse   tragen auch dazu bei, andere Erkrankungen auszuschließen, etwa   Kollagenosen (siehe Kapitel "Bindegewebserkrankungen").

Röntgenaufnahmen von  beiden Händen und Füßen wiederum lassen teilweise frühzeitig   Gelenkveränderungen erkennen, zum Beispiel in Nähe des Gelenks eine   gewisse "Knochenarmut" (Osteopenie). Zusätzliche Ultraschallbilder   können Gelenkergüsse und Wucherungen im Gelenk aufzeigen. Die   Untersuchung der Gelenkflüssigkeit ergibt entzündliche Veränderungen,   die aber wie alle anderen Untersuchungen keine eindeutigen Beweise   liefern. Erst aus dem Gesamtbild wird der Rheumatologe die Diagnose   ableiten. Weitere bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie setzt er nur in besonderen Fällen ein.

Therapie: In ihrer Anfangsphase lässt sich diese chronische    Erkrankung am erfolgreichsten behandeln. Eine vollständige Heilung ist    nicht möglich, aber die fortschreitende Gelenkzerstörung kann    aufgehalten oder verzögert werden. Bei einem Teil der Betroffenen    verläuft die rheumatoide Arthritis vergleichsweise mild, andere sind    schon früh deutlich beeinträchtigt und benötigen eine intensive    Therapie. Den Behandlungsweg richtet der Arzt sehr individuell danach    aus, wie ausgeprägt die Krankheit ist und in welcher Lebenssituation    sich der Patient befindet. Wichtig ist dabei, dass mehrere Therapieebenen von Anfang an ineinandergreifen.

Neben den unterschiedlichen Rheumamedikamenten gehören dazu Krankengymnastik, praktische Bewegungsanleitungen für den Alltag (Ergotherapie)    sowie psychologische Unterstützung. Manchmal sind darüber hinaus    operative Maßnahmen angezeigt, zum Beispiel eine Entfernung der    Gelenkinnenhaut (Synovektomie). Dieser Eingriff kann auch schon im    frühen Krankheitsstadium sinnvoll sein. Kälteauflagen oder eine    spezielle Kältetherapie in Kältekammern lindern die Schmerzen für eine    gewisse Zeit.

Die tragende Säule bildet die Therapie mit geeigneten Rheumamedikamenten.     Sie lindern nicht nur die Symptome, sondern beeinflussen den     Krankheitsprozess direkt. Damit können sie die Gelenke schützen und ihre     Funktion soweit wie möglich erhalten. Zur akuten Behandlung von     Schmerzen und Entzündungen setzen die Ärzte Kortison, oft begleitend zur     Ersttherapie mit einem Basismedikament wie Methotrexat ein. Nach    Bedarf  sind kurzfristig auch nichtsteroidale Antirheumatika, wie    Diclofenac,  Ibubrofen, Naproxen und sogenannte Cox-2-Hemmer, angezeigt.

Die langfristige Basistherapie umfasst sogenannte     krankheitsmodifizierende, die Krankheit verändernde Arzneistoffe. Zu     Beginn der Therapie geben Rheumatologen hiervon bevorzugt nur den     Wirkstoff Methotrexat. Methotrexat greift in die fehlgeleiteten     Immunaktivitäten ein. Nach einer Anfangsphase folgen dann häufig     Kombinationen mit anderen Basismedikamenten. Dazu gehören neben weiteren     Immunsuppressiva (das Immunsystem unterdrückende Mittel, zum  Beispiel    Leflunomid) Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder die  Malariamittel    Hydroxychloroquin beziehungsweise Chloroquin.  Sogenannte Biologicals    kommen als Alternative infrage, wenn die  ersten Behandlungsmaßnahmen    nicht greifen. Die Wirkung der  Medikamente zeigt sich, je nach Mittel,    allerdings erst nach einigen  Wochen.

Der Arzt wird die medikamentöse Therapie genau überwachen und      eventuell das Mittel wechseln, wenn ein Patient nicht darauf anspricht      oder es nicht verträgt. Auch kann der Arzt es als sinnvoll ansehen,      Medikamente unterschiedlich zu kombinieren oder im Laufe der Therapie      umzustellen, um so die Wirksamkeit optimal zu steuern und mögliche      Nebenwirkungen zu verringern. Wie lange ein Rheumakranker  Medikamente     einnehmen muss, ist sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall  sollte ein     Patient sich eingehend von seinem Arzt beraten lassen.  Hierbei werden     Hausarzt und Rheumatologe eng zusammenarbeiten. Je  besser ein Patient     informiert ist, umso besser kann er mit seiner  Erkrankung umgehen und     dazu beitragen, dass seine Lebensqualität  soweit wie möglich erhalten     bleibt.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien im Ratgeber  "Rheumatoide Arthritis".

Psoriasis-Arthritis: geschwollene Gelenke als Folge einer Schuppenflechte

Symptome: Die  Krankheitszeichen sind der einer rheumatoiden Arthritis vergleichbar (siehe oben). Finger- oder  Handgelenke sind geschwollen, gerötet, fühlen sich heiß an  und schmerzen. Allerdings sind häufig nur vereinzelte Gelenke betroffen. Möglich sind auch Entzündungen an den Fußgelenken, an Hüfte und Knie oder an den Kreuz-Darmbein-Gelenken und der Wirbelsäule. Es können  auch alle Gelenke eines Fingers stark geschwollen sein (Wurstfinger)  oder nur (nicht symmetrisch) einige Endgelenke.

An den Nägeln zeigen sich  mitunter gelb-braune Flecken, Verdickungen,  runde Einkerbungen (Tüpfelnägel) oder ein gestörtes Wachstum. Dazu stellen sich manchmal die für eine Schuppenflechte typischen Hautveränderungen ein, aber nicht immer. Die erhabenen, geröteten Hautstellen mit weißlich-silbrigen Schuppen (Plaques) und Juckreiz treten vor allem  an Ellbogen, Knien und der behaarten Kopfhaut auf. Auch die Augen können sich entzünden.

Ursache: Die Psoriasis oder Schuppenflechte ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung,  die zu den Autoimmunerkrankungen gezählt wird. Sie verläuft in Schüben  und tritt auch schon im Kindes- und Jugendalter auf. Am häufigsten  entwickelt sich die Gelenkerkrankung im dritten bis vierten  Lebensjahrzehnt. Die Gelenkentzündung kann der Hautkrankheit  vorausgehen, bei der Mehrzahl der Betroffenen zeigen sich jedoch  zuerst die Hautveränderungen. Allerdings entwickeln nur etwa zehn bis 20  Prozent der Psoriasis-Patienten eine Arthritis. Eine erbliche  Veranlagung spielt eine Rolle, die genauen Ursachen und Zusammenhänge  zwischen Haut- und Gelenkerkrankung sind noch nicht geklärt.

Diagnose: Die kennzeichnenden Merkmale der Haut erleichtern  dem Arzt die Diagnose. Da sie auch fehlen können, kommt der Familien-  und Krankengeschichte und einer genauen Einschätzung der  Gelenkbeschwerden wesentliche Bedeutung zu. Im Blutbild fehlt häufig der  Rheumafaktor. Auch das ist ein Hinweis. Eine Röntgenaufnahme zeigt aber oft schon Knochenschäden und -wucherungen. Die Ultraschalluntersuchung der Sehnen und Sehnenscheiden kann helfen,  Entzündungen in diesen Bereichen zu erkennen.

Therapie: Für den Hautbefall gibt es eine Reihe spezieller  Therapiemaßnahmen. Gegen die Gelenkentzündung selbst kommen mitunter  nichtsteroidale Antirheumatika infrage, ebenso Kortisoninjektionen in die  erkrankten Gelenke. Positiv sowohl auf das Hautbild als auch auf die Gelenkprobleme können sich entzündungshemmende Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente wie Methotrexat und Leflunomid auswirken. Sogenannte Biologicals stellen eine Alternative dar, wenn die ersten Behandlungsmaßnahmen nicht anschlagen. Unterstützend wirkt physikalische Therapie, zum  Beispiel Kälteanwendung.

Reaktive Arthritis: Gelenkschwellungen nach Infektionen

Symptome: Einzelne Gelenke, meist an Hüfte, Knie oder Füßen, aber  mitunter auch an Hand und Fingern, sind entzündlich geschwollen, nur mehr eingeschränkt beweglich und schmerzen. An Hand oder Fuß werden dann oft alle Gelenke eines  Fingers oder einer Zehe dick (Wurstfinger, Wurstzehe). Die  Schwellungen zeigen sich Tage oder Wochen nach einer Infektion. Dazu  können Harnwegsinfektionen, Hautausschläge, Geschwüre der Mundschleimhaut, Rückenschmerzen, Fieber und Augenentzündungen kommen.

Ursache: Bisweilen sind Gelenkentzündungen, auch an der Hand,  eine Folgeerkrankung einer bakteriellen Infektion im Magen-Darm-Trakt,  im Harnwegs- und Genitalbereich oder in den Atemwegen. Häufige  auslösende Bakterien sind hier Chlamydien,  Gonokken (die Erreger der Gonorrhö), Mykoplasmen oder Salmonellen und  andere Erreger von Darminfekten sowie Streptokokken. Auch nach einer  Infektion mit Borrelien, einer Lyme-Borreliose, durch einen Zeckenbiss kann sich eine Arthritis entwickeln. Ebenso können Vireninfektionen, zum Beispiel eine Hepatitisinfektion,  manchmal als Vorerkrankung infrage kommen. Die genauen Zusammenhänge  zwischen Infektionen und reaktiven Arthritisformen sind noch nicht  geklärt.

Diagnose: Die vorausgegangenen Infektionen können eventuell  entsprechende Hinweise geben, auch die Symptome. Doch wird der vorausgehende Infekt nicht immer bemerkt. Rheumafaktoren fehlen  im Blutbild, dafür sind die Entzündungszeichen erhöht oder es finden  sich Antikörper gegen die Erreger. In weiteren Laboruntersuchungen von  Stuhl, Urin, Genital- oder Atemwegssekret lassen sich die jeweiligen  Erreger nachweisen, allerdings nicht immer, wenn es schon zu  Gelenkentzündungen gekommen ist. Bei einem Teil der Patienten zeigen die Befunde  ein bestimmtes Merkmal im Blut, HLA-B-27. Das kommt häufiger bei  Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke vor.  Der Ausschluss anderer rheumatischer Erkrankungen ist bei der reaktiven  Arthritis wegweisend.

Therapie: Antibiotika helfen gegen bakterielle Infektionen und  können bei rascher Gabe verhindern, dass sich eine reaktive Arthritis  entwickelt. Ist es bereits dazu gekommen, ist die Wirksamkeit einer antibiotischen Therapie nicht gesichert. Der positive Nachweis von Chlamydien im Urin oder  Genitalabstrich begründet die gezielte antibiotische Behandlung – auch  des Partners. Sie erfolgt jedoch in der Regel noch bevor sich die Gelenkschwellung  zeigt. Je nach Erreger kann ihr Einsatz hier auch danach noch erfolgreich sein.  Bei einem Infekt der oberen Atemwege durch Streptokokken geben die Ärzte oft Penicillin oder bei einer Penicillinallergie ein anderes geeignetes Antibiotikum.

Gegen die Gelenkentzündung kann der Arzt nichtsteroidale   Antirheumatika einsetzen und gegebenenfalls Kortison direkt in das  betroffene  Gelenk oder den entzündeten Sehnenbereich spritzen. Eine  längerfristige  Behandlung mit weiteren Medikamenten, die auch gegen  Rheuma eingesetzt  werden, beispielsweise Sulfasalazin, ist mitunter   bei schwereren Verläufen angebracht. Wie bei anderen Gelenkerkrankungen  spielt auch bei einer reaktiven Arthritis die begleitende   krankengymnastische Therapie eine wichtige Rolle, um die Gelenke  beweglich zu erhalten.

Enteropathische Arthritis: Darmkrankheiten als möglicher Auslöser für geschwollene Hände und Finger

Im Zuge von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa können entzündliche Gelenkschwellungen auch an Händen und Fingern   auftreten. Die Entzündungen bessern sich jedoch häufig mit der   Behandlung der Grunderkrankung und führen dann nicht zu   fortschreitenden Gelenk- und Knochenschäden.