Chronischer Schnupfen: Wenn die Nase ständig verstopft ist

Häufige Erkältungen, Allergien oder die ständige Einwirkung von Reizen, auf die die Schleimhaut überempfindlich reagiert (siehe Kapitel "Übersensible Nase"), können zu einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut und sehr häufig auch der Schleimhäute in den Nebenhöhlen führen. Trifft beides zusammen, sprechen die Mediziner von (chronischer) Rhinosinusitis. Behandlungen mit Antibiotika aus anderen Gründen können nach neueren Erkenntnissen das Risiko einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung erhöhen. Ärzte wägen heute aus verschiedenen Gründen sehr sorgfältig ab, wann sie ein Antibiotikum verordnen.

Mögliche Auslöser sind zudem anatomische Veränderungen in der Nase und im Nasen-Rachenraum, wie eine krumme Nasenscheidewand, ein Sporn oder andere Hindernisse wie Fremdkörper (häufiger bei Kindern), vergrößerte Nasenmuscheln oder Folgen von operativen Eingriffen im Nasenbereich. Nasenpolypen und Polypen im Nasen-Rachenraum (Adenoide), mit denen vor allem Kinder öfter zu tun haben, führen nicht selten zu dauerhaften Beschwerden. Ebenso können vergrößerte Rachenmandeln eine Rolle spielen. Eine bestimmte nicht allergische Form des chronischen Schnupfens (NARE-Syndrom, siehe Kapitel "Übersensible Nase") geht wiederum häufig mit Nasenpolypen einher.

Nasenpolypen

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind Schleimhautwucherungen in den Nasennebenhöhlen. Meistens stehen sie im Zusammenhang mit einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung

Symptome: Es fällt schwer, durch die Nase zu atmen, die in gewissen Abständen immer wieder oder dauerhaft meist auf beiden Seiten verstopft ist. Häufig kommt aus der Nase schleimiges, farbloses bis gelbliches Sekret. Der Schleim läuft zudem auch innen ab, so dass die Betroffenen sich häufig räuspern oder freihusten müssen. Einige sind oft heiser und haben Rachenschmerzen. Sind die Nasennebenhöhlen mit erkrankt, können Beschwerden wie Kopf- und Gesichtsschmerzen, Riechstörungen, Müdigkeit und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte dazukommen.

Ein blutiger Schnupfen, behinderte Nasenatmung, etwa auf einer Seite, und schlechter Geruch aus der Nase können auch Hinweise auf Tumore in der Nase und im Nasen-Rachenraum sein.

Therapie: Die Behandlung eines chronischen Schnupfens richtet sich immer nach der Ursache (zur Diagnose siehe Kapitel "Diagnose"). Häufig setzen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte bei einer chronischen Rhinitis beziehungsweise Rhinosinusitis Kortison-Nasensprays ein. Mitunter sind auch zusätzlich Antibiotika oder operative Eingriffe notwendig. Die Symptome lindern können unterstützende Maßnahmen wie Inhalieren oder Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung. In Apotheken gibt es beispielsweise vorportionierte Salzpackungen. Sie erhalten auch weitere Informationen zur Zubereitung der Lösung und ihrer Anwendung.

Weitere Ursachen für chronischen Schnupfen

Bestimmte Erkrankungen, die Entzündungen in unterschiedlichen Körperbereichen hervorrufen, erfassen auch die Nase. Dazu gehören:

  • Granulomatose mit Polyangiitis (früherer Name: Wegener Granulomatose)

Bei dieser Autoimmunkrankheit entzünden sich Blutgefäße und damit verbundene Organe erkranken. Zuerst sind der Nasen-Rachenraum, die Bronchien und die Lunge betroffen.

Symptome: Chronischer, oft blutiger Schnupfen, starke Krusten und Borken in der Nase, entzündete Nasennebenhöhlen, Ohrentzündungen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit. Später kann sich der Nasenrücken verformen ("Sattelnase") und es kommen andere Symptome hinzu, je nachdem, in welcher Form die Krankheit fortschreitet. Dabei bilden sich Knötchen (Granulome) im Bindegewebe.

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Granulomatose mit Polyangiitis (GPA)

Hartnäckiger blutig-krustiger Schnupfen, chronische Mittelohrentzündung, gegen die nichts hilft – manchmal lautet die Diagnose dann: Granulomatose mit Polyangiitis, früher Wegener Granulomatose genannt

  • Systemkrankheit Sarkoidose

Ebenfalls Granulome bilden sich bei der Sarkoidose. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Systemerkrankung, die viele Organe betreffen kann. So erkranken unter anderem auch die Nase mit der Nasenschleimhaut, die Ohren, mit am häufigsten die Lungen, sodann die Augen und die Haut.

Symptome: Die Beschwerden sind abhängig vom Krankheitsstadium (akut oder chronisch, hier geht es um die chronische Sarkoidose) und der Krankheitsentwicklung in den Lungen. Husten, Atemnot, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme, manchmal auch chronischer Schnupfen können Hinweise sein. Im Bereich des Brustkorbs schwellen Lymphknoten an. Das sieht man anhand von Röntgenbildern. Es treten aber nicht immer, vor allem anfangs nicht immer, Symptome auf.

Bei einigen Krankheiten gehört chronischer Schnupfen nicht zu den Hauptsymptomen, er kann sich jedoch zusätzlich einstellen, meist in bestimmten Krankheitsstadien. So entwickelt sich eine chronische Rhinitis etwa bei einer Tuberkulose oder einer Syphilis, vor allem in einem späteren Stadium.

Auch eine Mukoviszidose geht mit wiederholten Atemwegsinfekten und Nasennebenhöhlenentzündungen einher. Hartnäckige Pilzerkrankungen in der Nase und in den Nebenhöhlen, wie die Aspergillose, können ebenfalls für Dauerschnupfen verantwortlich sein. Ein geschwächtes Immunsystem spielt für den Verlauf dieser seltenen Erkrankung eine wesentliche Rolle.

Dr. Thomas E. Wessendorf

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Bei Sarkoidose bilden sich Gewebeknötchen (Granulome), meistens in der Lunge, aber auch anderen Körperstellen. Kurzatmigkeit und Husten sind zwei von vielen möglichen Symptomen

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