Innere Erkrankungen stehen bei Tinnitus eher selten im Vordergrund

Innere Erkrankungen stehen bei Tinnitus eher selten im Vordergrund

Erkrankungen innerer Organe als Tinnitusauslöser?

Nicht immer geht ein Tinnitus von Schäden unmittelbar im Ohrbereich aus. Um gut funktionieren zu können, müssen Hörorgan und Nervenbahnen im Gehirn über die Gefäße ausreichend durchblutet und so mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Auch ein ausgeglichener Stoffwechsel ist wichtig.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden als Tinnitusverursacher häufig genannt, spielen aber im Vergleich zu den anderen Auslösern wie Lärm eine untergeordnete Rolle. 

Bei einem Blutdruckabfall im Stehen (orthostatische Hypotonie) kommen zum Ohrensausen häufig Schwindel, gegebenenfalls ein beschleunigter Pulsschlag dazu. Bei einem starken Blutdruckabfall können Betroffene sogar ohnmächtig werden.

Blutarmut (Anämie) kann zu globalem Sauerstoffmangel im Gehirn führen, der neben Schwindel mitunter auch Ohrgeräusche auslöst.

Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselprobleme wirken sich ebenfalls auf die Gefäße und Durchblutung aus. Dennoch gibt es wenig Bezug zwischen Diabetes und Tinnitushäufigkeit. 

Verspannt im Nacken und tinnitusgeplagt: Ohrgeräusche hängen manchmal auch mit Problemen an der Halswirbelsäule zusammen

Verspannt im Nacken und tinnitusgeplagt: Ohrgeräusche hängen manchmal auch mit Problemen an der Halswirbelsäule zusammen

Tinnitus bei Problemen an der Halswirbelsäule und im Kopf (somatosensorischer Tinnitus)

Verändern sich die Ohrgeräusche bei Hals- und Kopfbewegungen, ist auch an Störungen im Bereich der Halswirbelsäulenmuskulatur zu denken. Dieser sogenannte somatosensorische Tinnitus entsteht über Nervenverbindungen zwischen einzelnen Halswirbelsäulenabschnitten und dem Hörsystem und kommt bei 20 bis 40% der Fälle mit chronischen Ohrgeräuschen oft zusätzlich vor. 

Über die gleichen Mechanismen können Überlastungen der Kiefer-Kaumuskulatur den Tinnitus in seiner Intensität beeinflussen. Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) etwa als Ausdruck erhöhter seelischer Belastungen verstärkt mitunter den nächtlichen Tinnitus und die Betroffenen wachen mit einem lauten Tinnitus auf, der aber bei Entspannung rasch wieder zurückgeht.

Einige Medikamente sind im Einzelfall tinnitusrelevant

Einige Medikamente sind im Einzelfall tinnitusrelevant

Medikamente, die Ohrgeräusche auslösen können

Eine Reihe von Medikamenten haben Nebenwirkungen, die sich auf das Hörsystem auswirken und manchmal Tinnitus hervorrufen. Hier seien nur einige Beispiele genannt:

  • Bestimmte Schmerz- und Rheumamedikamente führen in seltenen Fällen zu vorübergehenden Ohrgeräuschen. Das ist auch bei Acetylsalicylsäure möglich, allerdings nur in sehr hohen Dosierungen ab 2000 Milligramm. Sprechen sie darüber immer mit Ihrem Arzt.
  • Mittel gegen Malaria (zum Beispiel Chloroquin) kommen ebenfalls als Auslöser infrage.
  • Tinnitus ist möglich bei Medikamenten zur Behandlung von Depressionen, insbesondere bei trizyklischen Antidepressiva, wobei hier oft unklar bleibt, ob nicht die bestehende seelische Erkrankung der eigentliche Tinnitusauslöser ist.
  • Eine seltene Nebenwirkung bestimmter wassertreibender Mittel (Diuretika) sind meist wieder heilbare Hörstörungen und Ohrgeräusche. Auch einige Bluthochdruckmedikamente, darunter ACE-Hemmer oder Betablocker, bewirken mitunter Ohrgeräusche.
  • Medikamente zur Chemotherapie sowie inzwischen seltener eingesetzte Antibiotika (Aminoglykoside) können unter Umständen das Innenohr angreifen und bleibende Beschwerden verursachen. Hier wird der Arzt jedoch in der Regel engmaschige Kontrollen durchführen.

Wenn Sie die Vermutung haben, Ihre Ohrgeräusche könnten mit einem Medikament zusammenhängen, das Sie einnehmen, fragen Sie Ihren Arzt um Rat. Setzen Sie kein Mittel, das er Ihnen verschrieben hat, ohne Rücksprache einfach ab.

Ein objektivierbarer Tinnitus erfordert gezielte Untersuchungen

Ein objektivierbarer Tinnitus erfordert gezielte Untersuchungen

Ursachen für einen objektivierbaren Tinnitus

Nur in wenigen Fällen beruht ein Tinnitus auf einer im Körper objektivierbaren Schallquelle (siehe auch Kapitel "Tinnitus: Diagnose"). So können zum Beispiel Gefäßfehlbildungen wie Kurzschlussverbindungen zwischen Arterien und Venen im Ohrbereich pochende Geräusche (pulsierender oder pulsatiler Tinnitus) erzeugen.

Auch Verengungen der Gefäße in der Nähe des Mittel- oder Innenohrs infolge einer Arteriosklerose führen manchmal zu hörbaren Turbulenzen im Strömungsbereich.

Ein gutartiger Tumor am Mittelohr (Glomustumor) löst ebenfalls ein im Rhythmus des Herzschlags pulsierendes Rauschen im Ohr, dazu zunehmende Schwerhörigkeit aus.

Die Diagnostik und Therapie solcher Veränderungen wird der Arzt nach genauer Abklärung der individuell vorliegenden Tinnitusform gestalten. Da dies teilweise invasive neuro- und gefäßradiologische Verfahren notwendig macht, ist vorher eine sorgfältige und gut abgestimmte Nutzen- und Risikoabwägung durch die verantwortlichen Ärzte geboten.

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