Warum kann ich nicht aufs Klo?

Stress, Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel, eine ballaststoffarme Ernährung – für einen trägen Darm gibt es viele Gründe. Stopfend wirken etwa bestimmte Lebensmittel, darunter Schokolade, Heidelbeeren, Rotwein oder schwarzer Tee.

Medikamente kommen ebenfalls als Ursachen infrage, vor allem starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate sowie bestimmte Blutdrucksenker und manche Antidepressiva. Stoffwechsel- und Nervenerkrankungen können eine Verstopfung begünstigen, etwa eine schlecht eingestellte Schilddrüsenunter­funktion, Parkinson sowie Demenz und Depressionen.

Muss ich wirklich täglich "müssen"?

Zweimal am Tag oder zweimal in der Woche: Wie oft ein Mensch Stuhlgang hat, ist individuell verschieden. Die Erwartung, dass es täglich passieren sollte, ­erzeugt unnötigen Druck. Eine chronische Verstopfung liegt erst vor, wenn mindestens drei Monate lang weniger als zwei Stuhlgänge pro Woche die Regel sind sowie Beschwerden wie Völlegefühl und Schmerzen beim Pressen hinzukommen.

Gut zu wissen: Eine Selbstvergiftung durch zu seltene Darmentleerung gibt es nicht.
Auch die Norm der Stuhlmenge wird oft überschätzt: Im Durchschnitt scheidet der Mensch nur 100 bis 200 Gramm pro Tag aus.

Ich will keine Abführmittel nehmen. Geht es auch ohne?

Eine  ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche Ernährung und  regelmäßige Bewegung sind für eine gesunde Verdauung unentbehrlich. Doch  bei hartnäckiger Verstopfung reicht eine Änderung der  Lebensgewohnhei­ten oft nicht aus.

Dann helfen Ballaststoffe wie  Leinsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie, die mit viel Wasser  eingenommen werden. Sie quellen im Darm, erhöhen das Stuhlvolumen und  eignen sich zur längerfristigen Einnahme. Um Blähungen und Krämpfe zu  vermeiden, sollte die Dosis langsam gesteigert werden.

Lässt sich  damit innerhalb von zwei Wochen kein Erfolg erzielen, können sogenannte  osmotisch wirksame Laxanzien wie Lactulose und Macrogol versucht  werden. Sie binden Flüssigkeit im Darm und machen seinen Inhalt weicher  und voluminöser. Bisacodyl und ­Natriumpicosulfat regen zusätzlich die  Dickdarmmuskulatur an. Wer unter Verstopfung leidet, sollte sich in der  Apotheke individuell beraten lassen.

Ich muss nicht gleich zum Arzt ­gehen – oder?

Verstopfung  ist keine Bagatelle. Die Grenzen der Selbstmedikation  sind spätestens  dann erreicht, wenn zusätzliche Symptome auftreten. Bei  krampfartigen  Schmerzen, Druckgefühl, Fieber, Übelkeit und Blut im  Stuhl sollte man  nicht zögern, zum Arzt zu gehen. Vor allem ältere  Menschen sollte  vorsichtshalber immer medizinischen Rat suchen, wenn  sich die  Stuhlgewohnheiten verändern.

Bei chronischer Verstopfung, die  länger als drei Monate besteht,  raten Apotheker von Selbstmedikation ab:  Wenn rezeptfreie Abführmittel  nicht ausreichend wirken oder dauerhaft  benötigt werden, sollten die  Patienten einen Arzt aufsuchen. Das gilt  auch, wenn sich Verstopfung  und Durchfall abwechseln.

Seit ich älter bin, habe ich verstärkt Probleme. Warum?

Schätzungen  zufolge leiden bis zu 40 Prozent der über 60-Jährigen  unter chronischer  Verstopfung – wobei Frauen häufiger betroffen sind  als Männer und das  Problem mit dem Alter zunimmt. Mögliche Gründe:  Ältere Menschen  schlucken häufiger Medikamente oder leiden an  Erkrankungen, die eine  Darmträgheit begünstigen.

Mit den Jahren wird  auch die Darmmuskulatur  schwächer, sodass der  Speisebrei langsamer  transportiert wird. Hinzu  kommt, dass Senioren  oft zu wenig trinken und  sich nicht genügend  Bewegung verschaffen.

Machen Abführmittel wirklich abhängig?

Laxanzien  haben zwar keine psychischen Wirkungen, die eine   missbräuchliche  Anwendung begünstigen würden. Trotzdem werden sie vor   ­­allem von jungen  Frauen mit Ess­störungen in oft viel zu hohen   Dosierungen zur  Gewichtsreduktion missbraucht. Das damit erzielte   geringere Gewicht ist  aber nicht nachhaltig, sondern beruht lediglich   auf starken Wasser- und  Elektrolytverlusten.

Vorsicht ist auch geboten, wenn Patienten  zusätzlich entwässernde   Mittel einnehmen: Diese verstärken das Risiko  für Elektrolytverluste,   sodass Komplikationen wie etwa  Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Bei bestimmungsgemäßem  Gebrauch sind rezeptfreie Abführmittel gut    verträglich. Quellmittel wie  Flohsamen oder Weizenkleie eignen sich    auch zur längerfristigen  Einnahme.

Kann mir der Apotheker helfen?

Bei Verstopfung  ist der Leidensdruck oft hoch, doch viele Betroffene    scheuen sich,  darüber zu sprechen. "Die Apotheke bietet die    Möglichkeit diskreter und  persönlicher Beratung, die jeder nutzen    sollte", erklärt Christian  Schulz, Fachapotheker für Allgemeinpharmazie    aus Bielefeld. Das sei  besser, als aus falscher Scham auf eigene   Faust  im Internet zu  recherchieren.

"Der Apotheker hilft bei der Wahl einer geeigneten  Arznei und    informiert, woran Patienten eine Über- oder Unterdosierung  selbst    erkennen können", sagt Schulz. Bei breiigem oder flüssigem  Stuhlgang    etwa sei das Abführmittel vermutlich zu hoch dosiert.

Beim  Beratungsgespräch achten Apotheker auch auf mögliche Anzeichen    eines  Arzneimittel-Fehlgebrauchs. "Manche Wirkstoffe sollten ohne    ärztlichen  Rat nicht länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden,    da sie bei  langfristiger Einnahme selbst Verstopfung auslösen   können",  sagt Mathias  Arnold, Vizepräsident der Bundesvereinigung   Deutscher   Apothekerverbände. Da sich der Körper an die regelmäßige   Einnahme   gewöhnt, wird eine bestehende Darmträgheit verstärkt.

Tipp: Dieses Frühstück bringt den Darm in Schwung

250 Gramm Naturjoghurt,
2 Esslöffel Haferflocken,
1/2 Esslöffel Chiasamen
und 1/2 Esslöffel Leinsamen mischen.

Etwas Obst dazu­geben. Gut eignen sich Äpfel, Nektarinen oder Beeren.
Dazu am besten ungesüßten Tee oder Wasser trinken.

Lesen Sie mehr: