Gynäkologische Krebsfrüherkennungsuntersuchungen auf einen Blick

Sie umfassen folgende kostenlosen Maßnahmen:

  • Jährlich ab dem Alter von 20 Jahren eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) zu Unterleibsbeschwerden oder beobachteten Verändungen in diesem Bereich, außerdem die Untersuchung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane und Entnahme eines Abstrichs zur Beurteilung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals;
  • Voraussichtlich ab Ende 2018 für Frauen ab 35 Jahren statt jährlichen Abstrichkontrollen alle drei Jahre eine Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test;
  • Ab 30 Jahren eine Anamnese bezüglich Brustbeschwerden oder getasteter Verändungen; Abtasten der Brüste und Lymphabflussgebiete auf beiden Körperseiten durch den Arzt; ab dem Alter von 50 bis 69 Jahren außerdem alle zwei Jahre Einladung in ein zertifiziertes Mammografiezentrum zur Röntgenuntersuchung beider Brüste (Mammografie-Screening);
  • Frauen über 65 Jahren sollten weiterhin auch an den gynäkologischen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen der Unterleibsorgane teilnehmen.

Gutartige Geschwülste, zum Beispiel Polypen, und Krebsvorstufen

Symptome: Ein schleimiger, manchmal hell- bis  dunkelbräunlicher Ausfluss kann auf Polypen in der Scheide, im  Gebärmutterhals und in der Gebärmutter hindeuten. Auch für unregelmäßige Blutungen sind solche gutartigen Schleimhautveränderungen mitunter  verantwortlich, etwa als Zwischenblutungen wie Schmier- oder Kontaktblutungen, aber auch als irreguläre Blutung nach den Wechseljahren (eigentlich sollten dann ja keine Blutungen mehr auftreten). Viele betroffene Frauen haben anfangs jedoch keinerlei  Beschwerden. Allerdings kann auch ein Fremdkörper in der Scheide, etwa  ein vergessener Tampon, einen bräunlichen Ausfluss verursachen.

Ursachen:
Polypen sind ganz überwiegend gutartige Schleimhautwucherungen, die unter anderem im  Bereich der Scheide, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter auftreten können. Sie entstehen, wenn sich die Schleimhautzellen  übermäßig teilen. Neben entzündlichen Vorgängen durch Infektionen  spielen auch die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen  eine Rolle. Polypen können in jedem Alter auftreten, gehäuft aber in  beziehungsweise nach den Wechseljahren. Eine geschwächte Immunabwehr, Stress und  psychische Belastungen sowie eine falsche Intimhygiene beeinflussen das  Scheidenmilieu (siehe dazu Kapitel "Ausfluss bei der Frau – Überblick")) und fördern damit  Schleimhautveränderungen.

Krebsvorstufen: Gewebeveränderungen  am Gebärmutterhals  (siehe dazu auch: Entzündungen durch  humane Papilloma-Viren, Kapitel "Scheidenentzündungen") oder Veränderungen an anderen Stellen der Gebärmutter können je nach  Ausprägung auch Vorstufen für eine  Krebserkrankung sein. Das bedeutet  zwar nicht, dass daraus auch immer  ein bösartiger Tumor entsteht, aber  der Frauenarzt wird sie regelmäßig  kontrollieren und entsprechend  behandeln.

Diagnose:

Mit Hilfe eines Kolposkopes beziehungsweise Videokolposkopes kann der Arzt den Muttermund am unteren Gebärmutterhals wie unter einer Lupe betrachten und gezielt einen Zellabstrich entnehmen. Ultraschalluntersuchungen können Aufschluss über weiter innen liegende Wucherungen geben. Spezielle Verfahren wie eine Hysteroskopie, eine Spiegelung des Gebärmutterinneren, ermöglicht es, Polypen von Myomen abzugrenzen. Letztere sind gutartige Geschwülste von Muskelzellen, im vorliegenden Fall solche,  die in die Gebärmutterhöhle hineinragen (submuköse Myome). Diese gehen  nicht vorherrschend mit verstärktem Ausfluss einher. Gewebeproben können zum Beispiel bei Krebsvorstufen am Gebärmutterhals die Diagnose bestätigen.

Therapie:
Polypen müssen nicht unbedingt Beschwerden  verursachen. Sie werden zur  Sicherheit und auch für feingewebliche  Untersuchungen in der Regel  mittels einer bestimmten Ausschabungstechnik entfernt.

Krebsvorstufen am Gebärmutterhals: Bei ungünstigen  Untersuchungsergebnissen, zum Beispiel hohen  Werten in einem Pap-Test und Hinweisen auf eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals in weiteren Untersuchungen, wird nach den aktuellen Leitlinien (siehe auch Kapitel "Ausfluss bei der Frau, Fachliteratur", letztes Kapitel dieses Beitrags) folgendes Vorgehen empfohlen):

Vorbeugung Gebärmutterhalskrebs

Bei Frauen bis 24 Jahren mit einem feingeweblich gesicherten Befund aus dem Gebärmutterhals wie CIN 2 (cervikale intraepitheliale Neoplasie Grad 2; cervikal steht für Gebärmutterhals, Neoplasie für mittelschwere Gewebeveränderung) soll, bei CIN 3 (Grad 3, fortgeschritten) kann eine konservative Vorgehensweise festgelegt werden, wenn diese Gewebeveränderung

• in ihrer gesamten Ausdehnung mittels Kolposkopie (Scheidenspiegelung, Lupenbetrachtung des Gebärmuttermundes am unteren Gebärmutterhals) überwachbar ist

• keine atypische Drüsenzellanteile enthält und

• eine beginnend bösartige Entwicklung mit hoher Sicherheit ausgeschlossen ist.

Ansonsten oder wenn die CIN 2 für mehr als 24 Monate beziehungsweise die CIN 3 für mehr als 12 Monate bestehen bleibt oder die Gewebeveränderung bis in den Kanal des Gebärmutterhalses reicht, sollte eine schonende Entfernung des veränderten Gewebes erfolgen. Welche Technik zur Entfernung des Gewebestücks (Konisation) sich im Einzelnen anbietet, etwa mit Laser, elektrischer Schlinge oder Skalpell, wird der Frauenarzt individuell mit der Patientin besprechen.
! Achtung: Zur krebsvorbeugenden HPV-Impfung siehe ebenfalls im Kapitel "Ausfluss bei der Frau – Überblick" in diesem Beitrag.

Gebärmutter

Was wird bei einer Konisation gemacht?

Frühformen und bestimmte Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs behandeln Ärzte mit einer Konisation. Dabei...

Bei auffälligen Befunden in Ruhe und sorgfältig beraten lassen

Bei auffälligen Befunden in Ruhe und sorgfältig beraten lassen

Unterleibskrebs: Die verschiedenen Formen und wie der Arzt vorgeht

Symptome: Ein stark riechender, wässriger, teils blutiger Ausfluss, Blutungen sowie Schmerzen im Beckenbereich gehören zu   möglichen Symptomen für bösartige Tumoren im Bereich der   Geschlechtsorgane. Blut im Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel beziehungswiese   nach der Menopause sind immer Warnzeichen, die umgehend der Arzt   abklären sollte. Allerdings entwickeln sich Krebserkrankungen zunächst   vielfach ohne deutliche Beschwerden. Deshalb ist es so wichtig, die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (siehe ebenfalls oben) regelmäßig wahrzunehmen.

Ursachen: [44145]

Gebärmutterhalskrebs: Diese Krebserkrankung entsteht überwiegend durch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren   (Warzenviren, siehe oben und Kapitel "Scheideninfektionen", Abschnitt Humane Papilloma-Viren). Allerdings bergen vor allem bestimmte   Virentypen die Gefahr einer Krebsentwicklung. Doch selbst eine Infektion   mit diesen sogenannten Hochrisikotypen muss nicht unbedingt zu   bösartigen Veränderungen der Gebärmutterhalszellen führen.

Die Viren   können sich nach einer Erstinfektion aber in den Zellen einnisten und   diese bisweilen erst nach Jahren unbemerkter Aktivität verändern.   Weitere vorhandene Entzündungen im Genitalbereich könnten einen solchen   ungünstigen Verlauf fördern, ebenso die langjährige Einnahme der   Antibabypille, Rauchen oder Therapien, die das Immunsystem unterdrücken.[44155]

Gebärmutter(körper)krebs ist eine sehr häufige Krebsform bei Frauen vor allem im höheren   Lebensalter, nach den Wechseljahren. Hauptrisikofaktoren sind neben dem   Alter unter anderem Übergewicht, Kinderlosigkeit, Diabetes, hormonelle   Störungen wie beim Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom, Veränderungen an den Eierstöcken) oder eine bestimmte Form des  HNPCC-Syndrom, bei dem es schon im jungen Alter zu Krebs an mehreren  Organen, darunter der Gebärmutter, kommt.

Krebsfördernd könnte auch eine  längere Wirkungszeit des Geschlechtshormons Östrogen sein, etwa  aufgrund einer natürlichen Verteilung über die Lebensphasen, weil die  Periode früh eingesetzt hat und die Wechseljahre erst spät eintreten, oder  durch eine längere Hormonersatztherapie ohne ausreichenden "Gestagenschutz" (Gestagene sind ebenfalls weibliche Geschlechtshormone). Daneben gibt es aber auch östrogenunabhängig entstehende Gebärmutterkrebsformen. Hormonpräparaten mit Östrogenen und Gestagenen zur Verhütung können das Risiko für Gebärmutter(körper)krebs und Eierstockkrebs senken. Da diese Krebsform mehrheitlich frühzeitig wegen des Warnzeichens einer anomalen Blutung entdeckt und behandelt werden kann, ist die Prognose häufig recht gut.

Krebsfrüherkennung auch in der zweiten Lebenshälfte: Gut so

Krebsfrüherkennung auch in der zweiten Lebenshälfte: Gut so

Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom): Diese Krebsform kommt sehr selten vor und betrifft Frauen im  höheren Lebensalter, zwischen 60 und 65 Jahren. Scheidenkrebs kann die Folge einer  Krebserkrankung der umliegenden Organe sein, vor allem von  Gebärmutterkrebs. Auch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV, in erster Linie Hochrisikotyp HPV 16) spielt eine Rolle.
Symptome: siehe oben.
! Hinweis: Blutungen nach den Wechseljahren, Ausfluss, Schmerzen und Druckgefühl sind eher Spätsymptome.

Vulvakrebs bezeichnet bösartige Veränderungen an den äußeren Geschlechtsorganen,  wie äußere und innere Schamlippen, Klitoris. Die Krebserkrankung kommt ebenfalls eher selten vor. Zu den Risikofaktoren gehören Rauchen, Immunschwäche, wiederum Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV, in erster Linie Hochrisikotyp 16). Diese Faktoren kommen vor allem bei Frauen zum Tragen, die im Alter von 30 bis 50 Jahren erkranken. Die zweite Altersgruppe, die vermehrt von Vulvakrebs betroffen ist, sind Frauen über 70 Jahren. Bei ihnen spielen chronisch-entzündliche Hautleiden als Risikofaktoren die Hauptrolle.
Symptome: siehe Abschnitt oben; weitere Anzeichen: Ständiger Juckreiz,  überriechender Ausfluss, sichtbare Flecken und tastbare Erhebungen in  diesem Bereich sowie Blutungen.

Diagnose:

Damit eine Krebsentwicklung frühzeitig  erkannt und erfolgreich behandelt werden kann, ist es unerlässlich, dass  Frauen regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen.  Tastuntersuchungen, Scheidenspiegelung und Zellabstriche können erste  Hinweise auf einen beginnenden Tumor geben, denn vielfach fehlen  Erstsymptome. Bei Verdacht führen dann Gewebeanalysen sowie  Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall weiter. Um  die Diagnose zu sichern und eine Einteilung in die verschiedenen  Krebsstadien zu erlauben, wird der Arzt eine  Gebärmutterspiegelung mit Ausschabung der Gebärmutter beziehungsweise des Gebärmutterhalses (oder dessen Konisation) durchführen, um das erhaltene Gewebe genau zu untersuchen. Auch bei mutmaßlichem Scheiden- oder Vulvakrebs ist eine feingewebliche Untersuchung, hier anhand einer Biopsie, notwendig.

Therapie:

Die  Behandlung richtet sich nach dem Stadium des jeweiligen Tumors. Manche  Vorstufen können mit kleineren Eingriffen (siehe oben Konisation bei Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals) oder mit einer hormonellen Therapie  (Vorstufen bei Gebärmutterkrebs) beseitigt werden. Ansonsten wird bei  Gebärmutterkrebs die Gebärmutter meist zusammen mit den übrigen inneren  Fortpflanzungsorganen chirurgisch entfernt, eventuell auch mit  bestimmten Lymphknoten.

Es gibt für jede der genannten Krebsformen und  dabei wiederum für jedes Stadium angepasste operative Vorgehensweisen  sowie gezielte Anwendungsformen der Strahlen- und Chemotherapie.  Richtschnur für die Ärzte ist dabei immer, die individuellen  Voraussetzungen und Wünsche der betroffenen Patientinnen bestmöglich mit  den Behandlungserfordernissen in Einklang zu bringen.

Weibliche Geschlechtsorgane

Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom, Gebärmutterkörperkrebs)

Beim Endometriumkarzinom handelt es sich um eine bösartige Neubildung der Schleimhaut des...

Frau hält sich den Bauch

Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom)

Scheidenkrebs kommt sehr selten vor und betrifft in erster Linie ältere Frauen. Der Tumor wächst oft lange...

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |