Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Impfung gegen Affenpocken für Risikogruppen empfohlen. Dies betreffe Erwachsene, die engeren Kontakt zu Infizierten hatten oder ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.

Mehr als 2000 Fälle in Deutschland bekannt

Hintergrund der Empfehlung sind die seit Spätfrühling in zahlreichen Ländern Europas auftretenden Affenpocken-Infektionen. Rund zwei Monate nach dem ersten nachgewiesenen Fall von Affenpocken in Deutschland ist die Zahl der entdeckten Erkrankungen hierzulande auf mehr als 2000 gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies am Dienstag (19.7.22) auf seiner Webseite genau 2033 Betroffenein Deutschland aus. Mit Ausnahme von zwei Frauen sind demnach alle Erkrankten Männer.

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Affenpocken: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was es mit den „monkeypox“ auf sich hat, welche Symptome Betroffene haben und wie man sich ansteckt.

Der Pockenimpfstoff Imvanex, der auch zum Schutz vor Affenpocken eingesetzt werden kann, ist inzwischen dazu auch in der EU zugelassen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von mehr als 28 Tagen. Bei Personen, die zuvor bereits eine Pockenimpfung erhalten haben, reicht eine Impfstoffdosis.

Wer zählt zu den Risikogruppen?

Laut Stiko sollen die Impfung insbesondere zwei Gruppen erhalten. Zu der ersten Gruppe zählten:

  • Erwachsene nach engem körperlichen Kontakt über nicht-intakte Haut oder über Schleimhäute mit einer erkrankten Person oder bei längerem ungeschützten Face-to-face-Kontakt (Abstand von weniger als einem Meter)
  • Erwachsene, die in der medizinischen Versorgung ohne Schutzausrüstung in Kontakt mit einem Erkrankten oder dem Virus gekommen sind
  • Labormitarbeiter, die versehentlich mit Affenpockenmaterial Kontakt hatten

Die Impfung soll schnellstmöglich innerhalb von 14 Tagen verabreicht werden.

Die zweite Gruppe, für die eine Impfung empfohlen werden soll, sind Personen mit einem erhöhten Expositionsrisiko. Dazu zählen laut Stiko:

  • Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben. Grund für diese Empfehlung sei, dass die Fälle in Deutschland bisher ausschließlich unter homosexuellen Männern aufgetreten seien und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden solle
  • Personal von Speziallaboratorien mit gezielten Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, die Orthopockenmaterial enthalten, nach individueller Risikobewertung durch Sicherheitsbeauftragte

Da der Impfstoff zunächst nur eingeschränkt verfügbar sein werde, sollen laut Stiko bevorzugt Personen aus der ersten Gruppe geimpft werden. Für die Bekämpfung des Ausbruchs sei neben der Impfung unter anderem wichtig, Fälle und Kontaktpersonen früh zu identifizieren, Isolation und Quarantäne rasch einzuleiten und Risikogruppen aufzuklären.

Bei Impfstoffmangel rät die Stiko dazu, zunächst nur die erste Dosis zu verabreichen. Die für die Grundimmunisierung nötige zweite Dosis könne zu einem späteren Zeitpunkt gegeben werden, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht.

Studien zufolge verleihe bereits die erste Impfdosis einen Basisschutz gegen die Affenpocken. Die zweite Dosis, die im Abstand von mindestens 28 Tagen verabreicht werden soll, diene hauptsächlich dazu, den Impfschutz zu verlängern. Die Empfehlung, die zweite Impfung aufzuschieben, beziehe sich sowohl auf die vorbeugende Impfung als auch für Menschen, die bereits Kontakt mit dem Erreger hatten.

Prof. Dr. Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Affenpocken

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