Wie entstehen Depressionen? Wer ist betroffen?

Depressionen haben in den meisten Fällen mehr als eine einzige Ursache. Körperliche und genetische Einflüsse treten mit psychischen und psychosozialen Auslösern in Wechselwirkung und verstärken sich gegenseitig. Aus der Komplexität dieses Zusammenspiels folgt, dass es weder die typische Depression, noch den typischen Depressiven gibt.

Körperliche Auslöser

Bei Depressionen ist der Hirnstoffwechsel aus dem Lot geraten. Die Botenstoffe Serotonin und / oder Noradrenalin liegen nicht mehr in der optimalen Konzentration vor. Sie dienen der Kommunikation zwischen den Nervenzellen, helfen uns zum Beispiel Sinneseindrücke zu verarbeiten. Ist das Gleichgewicht dieser Botenstoffe gestört, können die Impulse zwischen den Hirnzellen nicht mehr richtig übertragen werden. Das schlägt sich in den Gefühlen und Gedanken des Betroffenen nieder.

Andere Erkrankungen als Ursache

Auch Krankheiten wie Parkinson, Tumore, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Hormonstörungen können Depressionen mitverursachen. Inwieweit die Depression in solchen Fällen als Reaktion auf die Erkrankung entsteht oder die Depression auslösende Ursache ist, lässt sich oft nicht trennscharf feststellen. Auch in diesem Zusammenhang kann von einem Zusammenspiel physischer, psychischer und psychosozialer Faktoren ausgegangen werden.

Reaktion auf Stress

Forschungen haben gezeigt, dass bei chronischem Stress, einem akuten psychischen Trauma oder während einer Infektionserkrankung die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöht ist. Und dass eine erhöhte Stresshormon-Konzentration Verhaltensänderungen verursacht, wie sie auch für Depressionen typisch sind: Denk-, Schlaf- und Appetitstörungen, Verlust des sexuellen Verlangens und eine Verstärkung von Angstreaktionen. Die Veranlagung eines Menschen, davon gehen Depressions-Experten heute aus, spielt für die Entstehung einer solchen Stresshormon-Disbalance, eine wichtige Rolle.

Sind Depressionen vererbbar?

Noch nicht geklärt ist aber, ob dabei die erworbene Veranlagung zur Depression entscheidend ist – ob also der Umgang mit Stress, Problemen, Krisen oder Verlusterlebnissen nicht effektiv erlernt wurde. Oder ob die genetische, sprich angeborene Veranlagung den größeren Einfluss hat – ob also Erbanlagen in bestimmter Art und Weise zusammenwirken und die Krankheit begünstigen.

Vertreter beider Richtungen erkennen aber mittlerweile die Relevanz des jeweils anderen Ansatzes an. Und sie sind sich einig darin, dass die Anlagen die Anfälligkeit für Depressionen erhöhen, die dann häufig durch den Stress belastender Lebensumstände wie chronischer Arbeitsüberlastung oder durch einschneidende Lebensereignisse ausgelöst werden.

Lebensumstände

Studien haben gezeigt, dass etwa ein Drittel aller depressiven Patienten vor dem Ausbruch ihrer Erkrankung unter belastenden akuten oder auch anhaltenden Lebensereignissen litten. Und dass nach einschneidenden Lebensereignissen, die mit einem Verlust und Rollenwechsel zu tun haben, wie dem Tod eines nahen Verwandten, der Berentung (insbesondere der erzwungenen oder vorzeitigen) oder der Geburt eines Kindes, das Depressionsrisiko erhöht ist. Zu solchen Be- und Entlastungs-Faktoren zählen auch Konflikte beziehungsweise Unterstützung im Freundes- und Familienkreis. Dass solche Aspekte für das Entstehen einer Depression von Bedeutung sein können, ist unstrittig.

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Auch persönliche Eigenschaften wie extreme Leistungsorientierung, hohes Verantwortungsbewusstsein und eine stark selbstkritische, perfektionistische Haltung können die Anfälligkeit für Depressionen erhöhen.

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