Warum schmeckt Sahneeis so gut? Warum hat der vollfette Käse so ein feines Aroma? Fett ist ein Geschmacksträger. Viele Aromen lösen sich nur darin. Kein Wunder, dass wir Torte, Braten und Buttercroissants lieben. Doch manchmal liegt die üppige Kost schwer im Magen.

Woher Probleme bei der Verdauung kommen

Der Eindruck, dass der Magen drückt, kann auf Probleme im Dünn oder Dickdarm hinweisen. "Für die Betroffenen sind die Beschwerden oft sehr schwer zu unterscheiden", sagt Dr. Rainer Stange, Präsident des Zentral­verbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. "Schlecht verdaute Fette reizen den tiefen Dünn- sowie den Dickdarm."

Die Fettverdauung findet erst im Dünndarm statt. Dort emulgiert die Galle ähnlich wie Spülmittel das Fett aus dem Nahrungsbrei in winzige Tröpfchen. Nur in dieser Form können sie weiterverarbeitet werden. Die Gallenflüssigkeit wird von der Leber gebildet und in der Gallenblase konzentriert gespeichert. Hormone aus dem Dünndarm melden den Bedarf an die Galle. Daraufhin zieht sich die Muskulatur der Gallenblase zusammen und gibt den Emulgator über die Gallengänge ab.

Manchmal produziert die Leber mit zunehmendem Alter weniger Gallensaft. "Zahlreiche Medikamente können Störungen im Verdauungssystem hervorrufen", sagt Stange. Dazu gehören zum Beispiel Antibiotika, aber auch Proto­nen­pumpenhemmer gegen Sodbrennen.

Was der Verdauung hilft

Wer weiß, dass er auf Gänsebraten und Sahnehering empfindlich reagiert, sollte schwere Speisen nur in kleinen Mengen genießen oder sie meiden. Gewürze und Kräuter regen die Produk­tion der Verdauungssäfte an und machen Speisen bekömmlicher.

Genügen diese Maßnahmen nicht, können Heilpflanzen helfen. Artischockenblätter und Löwenzahn steigern die Galleproduktion in der Leber. Pfefferminze und Gelbwurz (Kurkuma) fördern den Gallefluss und die Entleerung der Gallenblase. Zubereitungen aus den Heilpflanzen helfen bei Bedarf oder auch zur dauernden Unterstützung der Fettverdauung. Viele Bitterpflanzen wie Wermutkraut oder Gelber Enzian, welche die Magensaftbildung ­anregen, wirken auch stimulierend auf die gesamte Verdauung.

Verdauungsorgane

So werden Sie Magenbeschwerden los

Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Sodbrennen plagen viele Menschen nach dem Essen. Was Sie dagegen tun können

Anzeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

An der Fettverdauung ist nicht nur die Galle beteiligt, sondern auch die Bauchspeicheldrüse. Sie bildet das blutzuckersenkende Hormon Insulin und den Ver­dau­ungs­saft mit den En­zymen, die Eiweiße, Fette und Koh­len­hy­drate in kleinste Bau­steine zerlegen. Das Enzym Lipase spaltet die winzigen Fetttröpfchen, damit sie über den Darm ins Blut gelangen. Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig, kommen ungespaltene Nahrungsmolekü­le in den Dickdarm. Das kann zu Blähungen und Bauchschmerzen oder Durchfall führen.

Bauchspeicheldrüse (Schematische Darstellung)

Was die Bauchspeicheldrüse leistet

Die Bauchspeicheldrüse spielt im menschlichen Stoffwechsel eine wichtige Rolle, denn sie produziert Verdauungsenzyme und Hormone. Mehr zum Aufbau

Die Ursache der schwächelnden Produktion von Verdauungssäften ist in der Regel eine chronische, meist in Schüben verlaufende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Sie zerstört das Organ nach und nach. Verdauung und Insulinproduktion sind betroffen. Besonders während eines akuten Schubes können heftigste, oft gürtelförmige Oberbauchschmerzen auftreten.

Die chronische Pankreatitis stellt eine schwere und lebens­verkürzende Erkrankung dar. Die Diagnose wird häufig viel zu spät gestellt, wenn das Organ schon weitgehend zerstört ist. Die mangelhafte Verdauung macht sich dann durch deutliche Fettspuren in ölig glänzendem Stuhl bemerkbar. Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Deshalb sollten Menschen mit starken oder anhaltenden Oberbauchschmerzen immer zum Arzt gehen.

Bauchschmerzen

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung

Alkohol gilt als eine der Hauptursachen einer chronischen Pankreatitis. Aber auch weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Häufigstes Symptom: Schmerzen im Oberbauch. Was dagegen hilft

So wird eine chronische Pankreatitis behandelt

Bei Verdacht auf eine Pankreatitis wird der Arzt das Organ im Ultraschall sowie das Blut untersuchen. Ob die Bauchspeicheldrüse noch genügend Enzyme produziert, kann er mit einem Sekretin-Test messen. "Alkohol und Nikotin, häufig in Kombination, sind zu etwa 80 Prozent Ursache einer chroni­schen Pankreatitis", erläutert Professor Christian Trautwein, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Dann gilt es, sofort den Alkohol- und Nikotinkonsum einzustellen, um zu verhindern, dass die Entzündung fortschreitet. Die Patienten müssen sich fettarm ernähren und zusätzlich zu den Mahlzeiten Enzympräparate schlucken.

"Trotzdem bleibt die Verdauung eingeschränkt, und die Betroffenen nehmen weniger Nährstoffe zu sich", sagt Trautwein. Vor allem die Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K ist gefährdet. Ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen muss ausgeglichen werden. Die Nahrung sollte ausreichend Eiweiße enthalten. Weil eine chronische Pankreatitis das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht, müssen die Betroffenen regelmäßig zur Kontrolle.