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Schon die Namen klingen zum Verwechseln: Grippe und grippaler Infekt. Letzteres sagen Mediziner, wenn sie von einer klassischen Erkältung sprechen. Die ist zwar lästig, aber meist harmlos. ­Etwas anders sieht das bei der echten Grippe aus, zu der Mediziner ­Influenza sagen. Die Unterschiede zwischen den beiden Krankheitsbildern beginnen schon mit den Erregern. Für die Erkältung können über 200 verschiedene Viren verantwortlich sein – was zugleich erklärt, warum sie uns so oft erwischt. Die echte Grippe wird hingegen nur durch ­Influenza-Viren (Typ A, B oder C) ausgelöst. „Und die haben jetzt Saison“, sagt Dr. Till Reckert, Kinder- und ­Jugendarzt aus Reutlingen.

So unterscheiden sich Grippe und Erkältung

Wie man eine Grippe von einer Erkältung unterscheiden kann, zeigt sich laut Reckert schon beim Verlauf: „Die Kinder bekommen schlagartig Fieber und haben ein deutliches Krankheitsgefühl“, sagt Reckert. Die Grippe kommt praktisch aus dem Nichts. „Die Kinder haben vorher weder Schnupfen noch andere Beschwerden – da ist einfach auf einmal das hohe Fieber da“, erklärt der Mediziner. Ganz im Gegensatz zur klassischen Erkältung. Die kündigt sich oft mit einem Kratzen im Hals an und verläuft allmählich hin zu Schnupfen, Husten und Halsschmerzen.

Das Fieber macht den Unterschied. Denn bei einer Erkältung erhöht sich die Körpertemperatur meist nur etwas. Bei einer Grippe sind Werte jenseits der 40 Grad keine Seltenheit. „Das Fieber dauert bei ­einem ganz ­typischen Verlauf drei Tage. Am vierten Tag wird es etwas besser und am fünften Tag erhöht es sich noch einmal, bevor es ­abklingt“, erläutert Reckert. Er betont, dass Fieber zunächst nichts sei, was man bekämpfen müsste. „Der Körper macht das Fieber. Es ist ein Mechanismus, der sich über Millionen Jahre in unserer Evolution etabliert hat. Man muss es nicht zwingend mit Medikamenten unterdrücken“, betont der Kinderarzt.

Hausmittel bei Fieber

Fieber sei vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Immunabwehr funktioniert. Daher solle man auch die Temperaturregulation des Körpers unterstützen: Steigt das Fieber an, wird die Stirn warm, Hände und Füße werden aber kalt. „Da würden sich Eltern selbst instinktiv warm halten und ins Bett legen – genau das sollten sie mit ihrem Kind in der Situation auch machen“, sagt Reckert. Dabei immer wieder die Temperatur prüfen. „Wenn der Fieberanstieg vorbei ist und sich Hände und Füße wieder warm anfühlen, muss man die Decken etwas abnehmen, sonst schwitzt das Kind“, sagt Reckert. In dem Fall empfiehlt der Kinderarzt, zwischendurch die feuchte Kleidung und Bettwäsche zu wechseln, um es dem Kind etwas angenehmer zu machen.

Auch Wadenwickel, also feuchte, um die Waden gewickelte Tücher, helfen, die Körpertemperatur etwas zu senken. Zumal das Fieber oft noch Kopf- und Gliederschmerzen verstärkt. Auch bei Wadenwickeln gilt es, die Temperaturregulation des Körpers im Blick zu behalten. „Lau­warme Wadenwickel können nur helfen, wenn sich Hände und Füße warm anfühlen“, sagt der Kinderarzt. „Wenn das Kind das nicht möchte und vielleicht lieber schlafen will, sollte man auch das unterstützen.“

Fiebersenkende Medikamente geben Eltern eher im Ausnahmefall. „Wenn das Kind Schmerzen hat, es ihm schlecht geht, es gar nicht schlafen kann, dann kann man mit einem Medikament wie Ibuprofen oder Paracetamol Schmerzen und Fieber vorübergehend unterdrücken“, sagt Reckert. „Ein Kind, das über 40 Grad Fieber hat und damit zurechtkommt, kann man auch fiebern lassen und dabei in der Wärmeeigenregulation unterstützen.“

Krank: Für Säuglinge gelten andere Regeln

Es gibt jedoch Ausnahmen: Bei Säuglingen suchen Eltern sofort ab einer Körpertemperatur von 38 Grad Celsius den Kinderarzt auf – bei Kleinkindern ab einem Jahr, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält oder grundsätzlich wenn es dem Kind erkennbar schlecht geht. „Ebenso bei angestrengter Atmung, unklaren Schmerzen, schlechtem Allgemeinzustand, Hautflecken bei Fieber, Auffälligkeiten des ­Urins oder spätestens am dritten Tag“, betont Reckert. Symptome wie eingeschränktes Bewusstsein oder Nackensteifigkeit sind ein Notfall.

Eine Erkältung verläuft meist ­ohne Fieber. Tritt es doch auf, dann selten hoch. „Je nach Virus dauert es unterschiedlich lang, bis Erkäl­tungs­symp­tome auftreten und bis sie wieder verschwinden. Meist sind Symptome wie Schnupfen und Husten stark ausgeprägt, Mittelohrentzündungen sind möglich“, sagt Reckert.

Erkältung und Grippe haben ­einen gemeinsamen Nenner: Gegen beide gibt es quasi kein Medikament. „Es können praktisch nur die Symp­tome gelindert werden“, betont Reckert. „Bei Erkältungen können zum Beispiel warme Bienenwachsauf­lagen auf der Brust eine Hilfe sein“, sagt Franziska Müller, Apothekerin aus Leipzig und Mutter zweier Kinder. Ebenso könne ein Balsam mit Thymian und Myrte, der am besten auf dem Rücken eingerieben wird, etwas Erleichterung bringen. Vorsicht ist geboten bei Präparaten mit ätherischen Ölen wie Eukalyptus, Kampfer, Menthol oder Pfefferminz (auch der Tee). Sie eignen sich nicht für Kinder unter drei Jahren, da sie Atemnot und Krämpfe auslösen können.

Um die Atmung etwas zu erleichtern, können Kinder bei einer Erkältung die Nase mit einer Kochsalzlösung spülen. Nur: „Erfahrungsgemäß machen die das nicht so gerne mit“, sagt Müller. Alternativ: Mit Tropfen aus einer Lösung mit natürlichen Salzen wie Meersalz die Nasenschleimhäute feucht halten. Ebenso auf hohe Luftfeuchtigkeit im Raum achten.

Bei Halsschmerzen unterstützt ein Salbeitee zum Spülen und Gurgeln. Das halte die Schleimhäute feucht, lindere die Schmerzen und wirke entzündungshemmend, sagt die Apothekerin. Für ältere Kinder, die schon lutschen können, gibt es Pastillen, die die Schleimhäute im Hals befeuchten. Die wichtigste Medizin sei ­jedoch nicht in der Apotheke zu finden, sagt Müller: „Kinder brauchen Zuwendung und Zeit. Das ist bei einem grippalen Infekt das A und O.“

Grippe: Impfen oder nicht?

Soll man alle Kinder gegen Grippe immunisieren? Nötig ist das nicht unbedingt. Die Ständige Impfkommission (­STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin ­empfiehlt derzeit die Impfung nur für chronisch kranke Kinder ab sechs Monaten. Seit einiger Zeit gibt es die Impfung in Form eines Nasensprays. Er ist für Kinder ab zwei Jahren geeignet.

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