Die ungeliebten Corona-Schnelltests durch Abstriche in Nase oder Rachen könnten demnächst vielleicht der Vergangenheit angehören: In Singapur haben die Gesundheitsbehörden einen Atemtest vorläufig zugelassen, der das Virus „akkurat innerhalb einer Minute“ nachweisen soll, wie die National University of Singapore (NUS) am Montag mitteilte. Der Test wurde von der Firma Breathonix entwickelt.

Corona-Test ohne Teststäbchen

Das von NUS-Absolventen gegründete Unternehmen arbeitet in der Probephase eng mit dem Gesundheitsministerium des südostasiatischen Stadtstaates zusammen. Das „BreFence Go Covid-19 Breath Test System“ soll den Angaben zufolge nun an der Grenze zwischen Malaysia und Singapur am so genannten Tuas Checkpoint bei Einreisenden verwendet werden. 

„Der Atemtest kann einfach von geschultem Personal durchgeführt werden, erfordert aber kein medizinisch geschultes Personal oder Laborverarbeitung“, heißt es in der Mitteilung. „Eine Person muss nur in ein Einweg-Ventilmundstück pusten, das an einen hochpräzisen Atemprobenehmer angeschlossen ist.“

Der Atem wird dabei zur Messung in ein Massenspektrometer eingespeist. Das Gerät identifiziert flüchtige organische Verbindungen im Atem (VOC; volatile organic compounds) als Biomarker für eine Corona-Infektion. Ergebnisse werden in weniger als einer Minute generiert. Fällt ein Test in der Probephase positiv aus, wird zur Bestätigung ein PCR-Test durchgeführt.

Unternehmen plant 200.000 Corona-Atmetests pro Monat ab Juli

In den vergangenen Monaten wurde die Breathonix-Technologie bereits erfolgreich unter anderem am Flughafen von Singapur und in Dubai stichprobenartig getestet.

Auch andere Unternehmen arbeiten an Corona-Atemtests. Ähnliche Atemtests kommen schon seit längerem zu Einsatz, etwa bei der Erkennung von Aids. 2014 wurde zudem eine Studie durchgeführt, um mithilfe eines Atemtests Darmkrebs zu diagnostizieren. Forscher des Klinikums in Dortmund und der University of Edinburgh haben im vergangenen Jahr untersucht, inwieweit die Atmeluft als Testmaterial für einen Coronanachweis dienen kann. Allerdings schreiben die Forscher den Atemtests noch keine hohe Verlässlichkeit zu.

In Asien wurden Corona-Atemtests schon 2019 an Flughäfen durchgeführt. Mittlerweile hat etwa die Firma Silver Factory Technology ein Gerät mit dem Namen „TracieX“ entwickelt, von dem ab Juni 200.000 Stück pro Monat produziert werden könnten.