Bei der Impfkampagne in der Corona-Pandemie geht es vor allem darum, schwere Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle zu verhindern. Das gelinge mit den in Deutschland zugelassenen Vakzinen von Biontech, Moderna und Astrazeneca, betont der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan als Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut. Es gibt viele Fragen rund ums Impfen - auch zum Vergleich mit schon länger verwendeten Vakzinen. Eine Auswahl:

Wie groß ist derzeit die Wirksamkeit beim Piks gegen Corona?

Der exakte Prozentwert der Wirksamkeit sei für das Impfziel in der Pandemie nicht entscheidend, betont Experte Bogdan. Trotz unterschiedlicher Impfstofftechnologien lösten die Vakzine letztlich eine Immunantwort gegen die gleiche Viruskomponente, das sogenannte Stachel- oder Spikeprotein der Virushülle, aus.

Wer durch zwei Impfungen vollständig geimpft ist, ist auch bei der aktuell vorherrschenden Delta-Variante relativ gut vor schwerer Erkrankung geschützt, vor allem in den ersten sechs Monaten nach der zweiten Impfung. So ermittelte die britische Gesundheitsbehörde Public Health England, dass der Pfizer Biontech-Impfstoff zu 96 Prozent vor einer Krankenhauseinlieferung schützt, AstraZeneca zu 92 Prozent. Mit nur einer von zwei Dosen sei der Effekt jedoch nicht so gut.

Das zeigt auch eine in Nature publizierte Studie: In Laborexperimenten seien die nach einer Einzeldosis von Biontech und Astrazeneca gebildeten Antikörper kaum in der Lage gewesen, an die Delta-Mutante zu binden und sie unschädlich zu machen, berichten Forscher um Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. Eine effiziente Reaktion gegen Delta hätten beide Vakzine erst nach der zweiten Dosis hervorgerufen - bei 95 Prozent der Personen (nach einer Dosis: 10 Prozent).

Auffrischungsimpfung bei Johnson&Johnson

Die STIKO berichtet, dass im Verhältnis zur Anzahl der verabreichten Impfstoffdosen in Deutschland die meisten COVID-19-Impfdurchbruchserkrankungen bei Personen beobachtet werden, die mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson geimpft wurden. Im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen wurde eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante beobachtet. Deshalb sollten Personen, die bisher eine Impfstoffdosis Johnson&Johnson erhalten haben, eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis ab 4 Wochen nach der ersten Impfung erhalten.

Wie unterscheiden sich die Impfstoffe zur Eindämmung der Corona-Pandemie von schon länger verwendeten Vakzinen etwa gegen Grippe?

„Die bisherigen Corona-Impfstoffe gehören wie die meisten Grippe-Impfstoffe zur Gruppe der Totimpfstoffe“, so Bogdan. Die Benutzung von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) als Impfstoff sei aber ein neues Prinzip, bei dem die mRNA als Bauanleitung für die Viruskomponente direkt in den Zellen wirke und dort zunächst als fremd erkannt werde. „Rezeptoren bemerken das.

Und das führt zu der initialen Impfreaktion. Danach wird dann sehr wirksam eine Antikörper- und eine T-Zell-Immunantwort gegen die Viruskomponente aufgebaut.“ Die neuen Impfstoffe seien einerseits sehr potent, das heißt, sie lösten eine sehr starke Immunantwort aus.

Andererseits seien sie sehr reaktogen, das heißt, es gebe vorübergehende Nebenwirkungen in Form von Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopf- und Muskelschmerzen sowie eventuell Fieberreaktionen. „Diese Impfreaktionen sind deutlich stärker als bei einer Grippeimpfung.“

Warum sind Grippe-Impfstoffe üblicherweise weniger wirksam als die Covid-19-Impfstoffe?

Grippeimpfstoffe seien Totimpfstoffe, die aus Virusfragmenten bestünden, erläutert Bogdan. Der Grippeschutz erreiche selten mehr als eine Wirksamkeit von 60 Prozent - manchmal deutlich weniger. „Diese Variabilität in der Wirksamkeit kommt aber nicht dadurch zustande, dass der Impfstoff grundsätzlich eine geringe Immunantwort auslöst“, sagt Bogdan.

Vielmehr liege das daran, dass zum Zeitpunkt der Impfstoff-Herstellung nur aufgrund von stichprobenartigen Erhebungen vermutet werden könne, mit welchen Influenzaviren in der jeweils kommenden Wintersaison zu rechnen sei. Die Zusammensetzung der Impfstoffe beruhe deshalb auf Analysen im Vorfeld.

„Wenn sich die zirkulierenden Influenzaviren aber in der Zwischenzeit verändern oder Virustypen auftreten, mit denen nicht gerechnet wurde, dann ist die Schutzwirkung des jeweiligen Impfstoffs geringer.“

Warum sind zum Beispiel Impfungen gegen Masern im Vergleich dazu so erfolgreich?

Der Masernimpfstoff sei so unglaublich erfolgreich, weil er ein lebendes Virus enthalte, sagt Bogdan. „Es kann sich vermehren, aber es hat durch vorherige Passagen in Zellkulturen an krankmachender Wirkung verloren.“ Nach einer Impfung könne man sich fühlen wie bei einer beginnenden Grippe und sogar eine leichte, masernähnliche Erkrankung (Impfmasern) bekommen. „Das ist eine ganz abgeschwächte und undramatische Reaktion.“

Der Schutz nach der ersten Masernimpfung liege in der Größenordnung von 93 bis 95 Prozent, nach zwei Impfungen bei 98 bis 99 Prozent. „Wirksamkeiten von über 90 Prozent findet man bei einer ganzen Reihe von Impfstoffen“, sagt Bogdan. Dazu zählten zum Beispiel die Impfungen gegen Tetanus, Hepatitis A und B sowie die Impfung gegen FSME. Anders als bei der Masernimpfung müssen einige von ihnen aber regelmäßig aufgefrischt werden.