Die Impfkampagne nimmt in Deutschland immer mehr an Fahrt auf. Und mit ihr kommen vollständig geimpfte Menschen in den Genuss von wiedererlangten Rechten. Hier die Lockerungen für Geimpfte:

  • Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gelten nicht mehr für Geimpfte. Sie werden daher etwa bei privaten Zusammenkünften nicht mehr mitgezählt. Auch etwaige nächtliche Ausgangsbeschränkungen entfallen für sie.
  • Geimpfte Menschen stehen auf einer Stufe mit Menschen, die negativ getestet wurden. Sie müssen kein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen, wenn sie etwa in Geschäfte, zum Friseur oder in den Zoo gehen wollen.
  • Für Nichtgeimpfte ist kontaktloser Individualsport nur allein, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts möglich. Geimpfte brauchen sich daran nicht zu halten.

Auch Quarantäne-Pflichten gelten nicht für Geimpfte – zum Beispiel bei Einreisen aus dem Ausland. Außer es handelt sich um Reisen aus sogenannten Virusvarianten-Gebieten. (Stand: 08.06.21)

AHA-Regeln gelten weiterhin

Doch auch geimpfte Personen müssen sich noch an so manche Einschränkung halten. Die AHA-Regeln (Abstand halten – Hygiene beachten – im Alltag Maske tragen) gelten für sie nach wie vor. Vollständig Geimpfte müssen also weiterhin eine Maske tragen und Abstandsgebote einhalten.

"Das ist sinnvoll", sagt der Immunologe Professor Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover. Und habe vor allem einen politischen Hintergrund. „Denn man kann im öffentlichen Raum überhaupt nicht kontrollieren, wer geimpft ist und wer nicht.“

Auch aus medizinischer Sicht seien die Einschränkungen sinnvoll. Dass die Fallzahlen derzeit so erfreulich zurückgehen, habe mit einem Dreiklang an Faktoren zu tun. „Wichtig waren und sind Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht.“ Darüber hinaus seien in Deutschland fast 50 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft.

„Wir wissen von Studien aus anderen Ländern, dass Geimpfte schon 14 Tage nach der ersten Impfung einen relativ guten Schutz haben“, so Förster. Und außerdem helfe uns das gute Wetter. „Diesen Erfolg sollte man nicht unnötig gefährden, indem man etwa geimpfte Menschen von der Maskenpflicht in Innenräumen befreit.“

Manche Einschränkungen bleiben wohl erhalten

Die Menschen in Deutschland müssen sich wohl oder übel darauf einstellen, dass manche Einschränkungen noch eine Weile bleiben werden. Als positives und Hoffnung machendes Beispiel wird zwar immer wieder Israel herangezogen. Das Land im Nahen Osten ist Deutschland mit der Impfkampagne um einige Monate voraus und ist zu einem weitgehend normalen Leben zurückgekehrt.

„Ob uns das aber auch gelingt, bleibt abzuwarten“, sagt Reinhold Förster. „Im Herbst wird sich entscheiden, ob wir die Pandemie soweit eingedämmt haben, dass man wieder einzelne Infektionsfälle nachverfolgen kann.“ Oder ob wie im letzten Herbst eine Mischung aus Sorglosigkeit, Virusmutanten und schlechtem Wetter zu einem Anstieg der Fallzahlen führe.

Welche Rolle die Herdenimmunität spielt

"Wir werden wohl selbst im Herbst nicht so tun können, als wäre Corona vorbei“, sagt der Infektiologe PD Dr. Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Denn die Impfungen sollen nicht nur den Einzelnen schützen, sondern auch für einen Gemeinschaftsschutz sorgen. Und damit erheblich die Wahrscheinlichkeit senken, dass das Virus übertragen wird. Doch das braucht Zeit.

Deutschland werde die sogenannte Herdenimmunität gar nicht so leicht erreichen, so Spinner. Berechnungen zufolge müssen dafür wahrscheinlich über 80 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus aufweisen – etwa durch Impfung oder durch eine überstandene Infektion.

Die derzeitigen Impfungen alleine reichten noch nicht, um Einschränkungen aufheben zu können, sagte der Präsident des Robert Koch-Institutes Professor Lothar Wieler am 1. Juni: "Um weitgehend auf Maßnahmen verzichten zu können, müssen mehr als 80 Prozent vollständig geimpft sein." Und selbst wenn die Herdenimmunität erreicht ist, wird es immer noch lokale Ausbrüche geben. Das betont Christoph Spinner. Zudem ist fraglich, ob überhaupt genügend Menschen bereit sind, sich impfen zu lassen.

Herdenimmunität essentiell für Menschen ohne Impfschutz

Der Gemeinschaftsschutz ist umso wichtiger, weil nicht alle Menschen durch eine Impfung einen Schutz aufbauen können. Es gibt Erkrankungen des blutbildenden Systems und des Immunsystems, bei denen das Training des Immunsystems durch eine Impfung nicht möglich ist. Für Reinhold Förster bedeutet das vor allem eines: „Diese Betroffenen sind besonders darauf angewiesen, dass sich die Mitmenschen impfen lassen.“

So lässt sich vermeiden, dass sich die Personen ohne Impfschutz anstecken. „Jetzt muss die Politik Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Reinhold Förster. „Das Risiko eines Impfschadens ist so minimal im Vergleich dazu, was passieren kann, wenn sich selbst junge Erwachsene infizieren .“

Mission Massenimpfung: Covid-19 Impfstoff

Ein Überblick zur Coronavirus-Impfung

Welche Impfstoffe gibt es? Wie sicher sind diese? Und bin ich nach der Impfung vollständig immun? Einen...