Viele Eltern und Kinder in Deutschland atmen auf diese Woche. Denn die Mehrzahl der Bundesländer öffnet für die Kleinsten die Grundschulen. In vielen Kommunen dürfen die Erst- bis Drittklässler wieder in der Schule lernen. In den meisten Ländern nur jeden zweiten Tag und meist auch nur in halber Klassenstärke. Doch immerhin sehen die Kinder nach zwei Monaten Winter-Lockdown mit Homeschooling wieder ihre Lehrinnen und Lehrer, ihre Mitschüler und Freunde. Das ist wichtig für ihre Entwicklung, wichtig um ein Auseinanderfallen der Gesellschaft zu stoppen und wichtig für den Frieden in den Familien.

Und jetzt kommt das große Aber! Warum jetzt? Und warum sind die Schulen nicht besser vorbereitet? Der Anteil der ansteckenderen Virusvarianten im Land nimmt zu. Die Zahl der Menschen, die sich mit Corona anstecken, steigt wieder. Der Sieben-Tage-R-Wert liegt aktuell bei 1,1. Das heißt, 100 Menschen mit Corona stecken 110 weitere Personen an. Die Kurve, die die Neuinfektionen im Lande zeigt, dürfte in den nächsten Wochen steiler werden. Der zweite Lockdown ist noch nicht mal beendet, da müssen wir schon mit einer dritten Welle und einem dritten Lockdown rechnen. Das ist absurd. Warum verspielen wir jetzt unseren Erfolg der mühsam erkämpften niedrigen Infektionszahlen?

Die ansteckenderen Coronavarianten haben der Politik einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Länderchefs müssen jetzt reagieren und "Marschbefehl zurück" rufen. Zumindest, bis überall geeignete Maßnahmen getroffen sind, um die Ausbreitung von Covid-19 an Schulen zu unterbinden. Es ist nicht zu verstehen, dass es Deutschland innerhalb eines Jahres nicht geschafft hat, die Klassenzimmer mit geeigneten Luftfilteranlagen auszustatten. Dass noch nicht mehr Menschen geimpft sind, ist ebenfalls ein Trauerspiel.

Eine große Hoffnung sind jetzt Schnelltests für den Eigengebrauch, die ab März erlaubt sind. Allerdings müssen sie erst noch zugelassen werden. Sie könnten echte Gamechanger werden, ein Stück Normalität zurückbringen, etwa Schulbesuche ermöglichen. Österreich macht es vor. Nasenbohren vor Unterrichtsbeginn: Das ist die Strategie, mit der das Land die Schulen offen halten will. Anders als die gängigen Tests, bei denen das Wattestäbchen unangenehm in den oberen Nasenraum geschoben wird, muss das Wattestäbchen hier nur unteren Nasenschleim erfassen. Das ist nur einer der möglichen Selbsttests.

Bis diese Tests ausreichend zur Verfügung stehen und mehr Menschen geimpft sind – auch die Lehrer und Erzieher – müssen wir uns noch gedulden. Eine Rückkehr zum Schulbetrieb wird vorher nicht dauerhaft möglich sein. Wir sollten jetzt noch ein wenig durchhalten. Und die Politik muss alles daran setzen, die nötigen genannten Maßnahmen zu treffen. Dann atmen Eltern nicht nur auf, wenn sie ihre Kinder in die Schule schicken, sondern sie haben dabei auch ein besseres Bauchgefühl.