Herr Schulenberg, im Rahmen eines Pilotprojekts impfen Sie als Hausarzt bereits Ihre Patienten. Welche Erfahrungen machen Sie?

Es ging erstmal darum, ob der Impfstoff von Biontech-Pfizer überhaupt außerhalb der Impfzentren vernünftig einsetzbar ist. Der Impfstoff muss ja bei minus 70 Grad gekühlt werden. Und da kann ich sagen: Ja, es geht, denn der Impfstoff ist nach dem Auftauen noch fünf Tage bei normaler Kühlschranktemperatur haltbar. Das ist dann von der Handhabung nicht anders als bei anderen Medikamenten, die wir kühlen müssen. Man muss nur gut planen.

Wen haben Sie geimpft?

Ausschließlich über 80-jährige Patienten in der Häuslichkeit. Sie könnten gar nicht in die Praxis kommen, etwa weil sie stark gehbehindert sind oder einen Schlaganfall hatten. Diese Menschen hat man bisher nicht genügend auf dem Schirm gehabt: Man hat in den Heimen geimpft, in den Kliniken und im betreuten Wohnen. Aber nicht die große Gruppe der pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause leben. Außerdem konnte ich jeweils eine Betreuungsperson im Haushalt impfen. Insgesamt waren es etwa 50 Personen.

Wie nehmen die Patienten die Impfung wahr?

Das ist schon berührend zu erleben. Sie sind geradezu überwältigt. Die Angehörigen sind oft auch froh, endlich wieder einkaufen gehen zu können, ohne die Angst zu haben, sich anzustecken. Mein Eindruck ist ohnehin: Die ganze Bevölkerung wartet sehnsüchtig darauf, geimpft zu werden.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Wurden Sie nach Nebenwirkungen der Impfung gefragt?

Überhaupt nicht. Die Angst vor Corona ist zu groß. Aber jeder fragte mich, von welchem Hersteller der Impfstoff kommt. Wir haben das Glück, mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer zu impfen, so dass wir jetzt auch nicht pausieren mussten. Man muss ja sagen, dass der Impfstoff von Astrazeneca in den Medien quasi durchgefallen ist, das spürt man schon bei den Leuten. Auch wenn er medizinisch und auch nach meiner persönlichen Meinung durchaus positiv einzuschätzen ist.

Ab Mitte April sollen Hausärzte flächendeckend impfen. Halten Sie das für eine gute Idee?

Unbedingt. Es geht nur mit uns Hausärzten. Ich sehe das ja bei meinen Patienten, vor allem. den älteren – die warten geradezu darauf, die wollen nicht ins Impfzentrum gehen. Menschen auf dem Land müssten ja auch manchmal 40 oder 50 Kilometer bis zum nächsten Impfzentrum fahren.

Schaffen die Hausärzte das Impfen denn überhaupt?

Sie schaffen es, wenn es uns gelingt, den ganzen Vorgang von Bürokratie zu befreien. Dokumentation, Patientenaufklärung – das ist alles viel zu aufwändig. Unser Verbandschef (des Hausärzteverbands, d. Red.) hat nicht umsonst gesagt: Deutschland bekommt noch einen Oskar für Bürokratie. Aber die Botschaft scheint jetzt in der Politik auch angekommen zu sein.

Das Projekt:

Hausarzt statt Impfzentrum – neun Hausarztpraxen nehmen zurzeit an einem Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und des niedersächsischen Gesundheitsministeriums teil. Mehr erfahren Sie hier.

Mehr zum Impfen in der Hausarztpraxis hören Sie auch in unserem Podcast