Nach einem anstrengenden und für viele belastenden Jahr ist die Sehnsucht groß nach einem besinnlichen Weihnachtsfest im Kreise der Liebsten.

Doch angesichts der grassierenden Delta-Variante und der sich ausbreitenden, vermutlich noch ansteckenderen Omikron-Variante des Virus steht wieder die drängende Frage im Raum: Was ist möglich und welche Vorkehrungen sollten wir für das Beisammensein treffen?

Allein auf den Schutz der Impfung oder den Genesenen-Status zu vertrauen, ist jedenfalls nur bedingt ratsam - insbesondere, wenn man sich mit Personen trifft, die ein höheres Erkrankungsrisiko haben: Ältere, Oma und Opa etwa, oder Menschen mit Immunschwäche.

Was ist also ratsam, um das Infektionsrisiko unterm Christbaum möglichst weit zu senken?

Zusätzliche Sicherheit bietet ein Antigen-Schnelltest. Das Robert Koch-Institut rät aktuell explizit: „Personen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sollten unbedingt selbst geimpft sein und nur Kontakt zu Geimpften oder Genesenen mit negativem tagesaktuellem Testergebnis haben.“

Lieber täglich testen

Gerade in diesem Fall wäre es schlau, wenn sich alle täglich testen, sagt die Virologin Daniela Huzly vom Uniklinikum Freiburg. Der Grundist: Gerade bei einer beginnenden Infektion können diese Tests häufig falsch-negativ sein. „Am Tag danach sind sie dann mitunter positiv.“

Man sollte wissen: Geimpfte, die sich infizieren, sind ähnlich infektiös wie ungeimpfte Menschen, die sich angesteckt haben. Allerdings sinkt bei Geimpften in der Regel die Menge des Virus im Körper und damit die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken, viel schneller wieder.

Die Expertin betont mit Blick auf den Besuch bei den Großeltern: Ältere Menschen haben selbst dann, wenn sie ihre Auffrischungsimpfung schon bekommen haben, im Vergleich zu jüngeren Immungesunden einen nicht so optimalen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf im Fall einer Ansteckung. Gerade deshalb ist es ratsam, dass sich alle vorher vorsichtshalber testen – das gilt auch für Kinder.

Nicht alle Antigen-Tests zuverlässig

Eine Untersuchung von Antigen-Schnelltests durch das Paul-Ehrlich-Institut und andere Institutionen hatte kürzlich gezeigt, dass sich die einzelnen Tests in ihrer Zuverlässigkeit sehr unterscheiden. Von den 122 geprüften Produkten boten demnach 26 nicht die geforderte Sensitivität von 75 Prozent – Sensitivität meint die Fähigkeit, das Sars-CoV-2-Virus nachzuweisen.

Die gute Nachricht: Unter den 96 Tests, die diese Anforderungen erfüllten, finden sich auch Produkte, die oft bei Discountern und Supermärkten vergleichbar günstig angeboten werden. Virologin Huzly rät dazu, sich vor dem Kauf in den Ergebnislisten, die im Internet einsehbar sind, schlauzumachen. „Man sollte schauen, dass man da einen möglichst guten nimmt.“ Ein Problem ist allerdings, dass die Tests in Drogerien und Apotheken teilweise schon vergriffen sind.

Welche Antigentests sind geeignet?

Hier finden Sie die Liste des Paul-Ehrlich-Institutes mit den dem derzeitigen Stand der Technik ensprechenden Produkten.

Gut sitzende FFP2-Maske senkt Risiko immens

Doch selbst in dem Fall gilt ganz grundsätzlich, was schon vergangenes Weihnachten wichtig war: Ein negativer Schnelltest sollte einen nicht in Sicherheit wiegen. Grundlegende Hygieneregeln werden lieber weiterhin so gut es geht eingehalten, wenn einem der Infektionsschutz wichtig ist.

Dazu zählt das regelmäßige Lüften der Räume, das Husten und Niesen in die Armbeuge und gegebenenfalls das Tragen der Maske.

Letztgenanntes kann aus Sicht von Huzly gerade für Menschen aus Risikogruppen ein sehr guter zusätzlicher Schutz sein. Insbesondere, wenn sie eine gut sitzende FFP2-Maske tragen. Das zeigte jüngst eine Studie von Forschenden am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Demnach sank das Ansteckungsrisiko bereits markant, wenn nur die nicht-infektiöse Person eine FFP2-Maske trug.

Hatten beide eine gut sitzende Maske aufgesetzt, lag das Ansteckungsrisiko selbst auf kurzer Distanz von 1,5 Metern und einer Stunde Beisammensein bei nur 0,4 Prozent.

Das bedeutet von 1000 Menschen, die sich dieser Situation aussetzten, würden sich nur vier anstecken.

Was die Studie auch zeigte: Allein auf Abstand zu gehen, bringt in Innenräumen kaum was, wenn man sich mit einer infizierten Person unterhält. Bei einer „typischen Coronavirus-Last“ beträgt das Risiko einer Ansteckung demnach schon nach einigen Minuten bis zu 90 Prozent – bei drei Metern Distanz.

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PCR-Test kann Option sein

Was ist eigentlich mit den im Vergleich zu Antigen-Schnelltests deutlich sensibleren PCR-Tests? Lohnt sich im Vorfeld eines Treffens die Investition von – je nach Anbieter – rund 40 bis zu mehr als 100 Euro (für Express-Tests)?

Klar ist, dass sie deutlich sensitiver sind als die Schnelltests – das heißt: Sie schlagen auch schon bei einer sehr geringen Viruslast an und erkennen eine mögliche Infektion dadurch eventuell eher.

Wenn man eine Person aus einer Risikogruppe für einen Tag besucht, sei ein vorheriger PCR-Test durchaus ein guter Plan, schätzt Daniela Huzly ein. Doch wenn man länger als einen Tag bleibt, ist auch deren Ergebnis nicht mehr verlässlich. Das gilt auch schon dann, wenn zwischen Abstrich und Ergebnis mehr als ein Tag liegt.

Bleibt noch die Option, sich mindestens eine Woche vor dem Fest selbst zu isolieren. Wer schulpflichtige Kinder hat, stößt bei dem Vorhaben natürlich an Grenzen – in vielen Bundesländern beginnen die Weihnachtsferien erst am 23. Dezember.

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