Ein proteinbasiertes Vakzin

Der Novavax-Impfstoff NVX-CoV2373 ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff - wie die Präparate von Biontech und Moderna - noch ein Vektor-Impfstoff wie die Präparate von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Sondern das Vakzin enthält bereits winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Im Gegensatz zu mRNA-Impfstoffen wird also die Phase übersprungen, in der der Körper das Protein selbst herstellen muss.

Dieses Prinzip des Novavax-Impfstoffs ist bereits von Vakzinen gegen andere Erkrankungen bekannt. Beispielsweise funktionieren Grippeimpfstoffe so ähnlich. Dabei reagiert das Immunsystem auf die Proteine im Impfstoff, sodass es bereit ist, wenn es später in Kontakt mit dem vollständigen Virus kommt. Ähnlich wie bei AstraZeneca kann der Impfstoff im Kühlschrank aufgehoben werden.

Bisherige Studien deuten auf hohe Wirksamkeit hin

Der Impfstoff NVX-CoV2373, der zweimal gespritzt werden muss, hat laut den Ergebnissen einer Phase-3-Studie eine Wirksamkeit von 90,4 Prozent, wie Novavax im Juni mitteilte. Das heißt, dass bei geimpften Probanden rund 90 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als bei den Teilnehmern der nicht geimpften Kontrollgruppe. Der Schutz vor mittelschweren und schweren Erkrankungsverläufen lag demnach sogar bei 100 Prozent.

Die Studie wurde zudem für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen erweitert. Die Sicherheit und Wirksamkeit wird bei rund 3000 Jugendlichen überprüft.

Was ist bisher über Nebenwirkungen bekannt?

Generell sei die Impfung gut vertragen worden, hieß es. Teilnehmer berichteten demnach über zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. An der Studie hatten 29.960 Menschen ab 18 Jahren in den USA und Mexiko teilgenommen.

Datum der Zulassung noch offen

Die Entwicklung des Impfstoffs war von der US-Regierung finanziell stark gefördert worden. Im vierten Quartal des Jahres wolle man eine Zulassung beantragen, hieß es von Novavax. In der EU läuft seit Februar ein beschleunigtes Prüfverfahren. Dieser sogenannte Rolling-Review-Prozess wird so lange fortgesetzt, bis ausreichend Daten für einen formellen Zulassungsantrag vorhanden sind.

Warum ist die EU so an dem Impfstoff interessiert?

«Da sich neue Coronavirus-Varianten in Europa und weltweit ausbreiten, ist dieser neue Vertrag mit einem Unternehmen, das seinen Impfstoff bereits erfolgreich an diesen Varianten testet, eine weitere Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung», sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. 

Was bedeutet das Zugriffsrecht?

Wie die für den Einkauf zuständige EU-Kommission mitteilte, wurde am Mittwoch, den 4. August 2021, der Abschluss eines entsprechenden Vertrags mit dem US-Hersteller Novavax genehmigt. Über die neue Vereinbarung können Mitgliedstaaten zunächst 100 Millionen Dosen von Novavax kaufen. Zudem gibt eine Option für den Kauf von weiteren 100 Millionen, sobald das Vakzin von der EMA überprüft wurde.

Bis Ende 2021 könnten rund 150 Millionen Dosen des Impfstoffes hergestellt werden, teilte Novavax mit.

Studienstart mit Kombi-Impfstoff gegen Covid-19 und Grippe

Für die Infektionskrankheiten Covid-19 und Influenza werden zumindest für Risikogruppen voraussichtlich jährliche Auffrischungs-Impfungen benötigt. Novavax startet nun in Australien eine klinische Studie mit einem kombinierten Impfstoff gegen die saisonale Grippe und Covid-19. An Phase 1/2 sollen 640 Erwachsene zwischen 50 und 70 Jahren teilnehmen, die bereits mit dem Coronavirus infiziert waren oder die mindestens acht Wochen zuvor einen zugelassenen Covid-19-Impfstoff erhalten haben. Die Probanden sollen den Impfstoff zweimal im Abstand von 56 Tagen in unterschiedlichen Dosierungen erhalten. Die Ergebnisse der Studie erwartet das US-Biotechunternehmen im ersten Halbjahr 2022.

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