Über die mit der Impfung gegen das Coronavirus verbundenen Impfreaktionen und anderen seltenen Nebenwirkungen wird viel diskutiert. Wie ist die Faktenlage? Hier finden Sie ausführliche Antworten auf drei Fragen, die viele Menschen beschäftigen:

1. Gibt es Nebenwirkungen bei der Impfung gegen Covid-19?

Vor einer Zulassung lässt die Europäische Arzneimittelbehörde alle Mittel von unabhängigen Fachleuten untersuchen. "Der Nutzen eines Impfstoffs, der Menschen vor Covid-19 schützt, muss weitaus größer sein als jede Nebenwirkung oder jedes mögliche Risiko", schreibt die EU-Behörde. Sie ist wie viele weitere Institute weltweit zu dem Schluss gekommen, dass dies bei den vier bisher in Europa zugelassenen Mitteln von Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna oder Johnson & Johnson der Fall ist. Daher: grünes Licht.

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Impfreaktionen sind normal

Es kann sein, muss aber nicht, dass der Körper nach einer Impfung mit einem der vier Wirkstoffe beispielsweise mit erhöhter Temperatur oder Schmerzen an der Einstichstelle reagiert. Diese Impfreaktionen sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt.

Studien zufolge können die beobachteten Reaktionen nach einer Impfung gegen Covid-19 etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen und Schüttelfrost sein, zuweilen auch Fieber. Sie treten üblicherweise kurz nach der Impfung auf und dauern wenige Tage.

Der Unterschied zwischen Impfreaktion und Komplikation

Von durchaus erwartbaren Reaktionen des Körpers (Impfreaktion) müssen schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen unterschieden werden. Solche Impfkomplikationen belasten den Gesundheitszustand der Geimpften deutlich und müssen in der Regel ärztlich behandelt werden. Obwohl tausende Menschen an den Zulassungsstudien der Impfstoffe gegen Covid-19 teilnahmen, können solche Nebenwirkungen erst einmal unentdeckt bleiben. Eben weil sie so selten sind (siehe unten). Nachdem weltweit inzwischen Millionen von Dosen verimpft worden sind, konnten aufgrund der hohen Zahlen auch unerwünschte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Impfung ermittelt werden, die bei der Zulassung noch unbekannt waren.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) können bei den Impfstoffen gegen Covid-19 zum Beispiel genauso wie bei allen anderen Impfstoffen allergische Reaktionen bis hin zum allergischen Schock (sogenannte Anaphylaxie) möglich sein.

Menschen, die allergisch auf die Inhaltsstoffe reagieren oder unter schweren allergischen Reaktionen nach der ersten Dosis litten, sollten nach Ansicht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) nicht mit dem jeweiligen Impfstoff geimpft werden. Das PEI ist in Deutschland dafür zuständig, dass Impfstoffe geprüft und zugelassen werden. Wichtig für die Patientinnen und Patienten ist es, Allergien und allergische Reaktionen in der Vergangenheit bei der Anmeldung zur Impfung und im Aufklärungsgespräch korrekt anzugeben.

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Entstehung von Blutgerinnseln (Thrombosen)

Bereits im März 2021 wurden seltene Formen von Thrombosen nach Verabreichung des Impfstoffes der Firma AstraZeneca als weitere schwere Nebenwirkung bekannt. Später wurden sie auch bei dem Impfstoff der Firma Janssen beobachtet. Diese Blutgerinnsel verstopften unter anderem Venen im Gehirn, aber auch von Leber oder Milz. In einigen Fällen betrafen die Blutgerinnsel auch Arterien. Verbunden waren sie meistens mit einer Senkung der Blutplättchenzahl und sich daran anschließenden, im Einzelfall auch schweren Blutungen.

Bis zum 13. Juli wurden dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut 166 solcher Fälle in Deutschland gemeldet, die nach eine Spritze des Impfstoffs von AstraZeneca (Vaxzevria) auftraten, 25 Menschen waren daran verstorben. Die erschreckend klingenden Zahlen müssen allerdings im Zusammenhang mit der Zahl der Impfungen gesehen werden. Etwa 12 Millionen Menschen hatten bis zum 6. Juli mindestens eine Vaxzevria-Spritze erhalten. Umgerechnet betreffen die seltenen Thrombosen demnach einen bis zwei Menschen unter 100.000 Geimpften, etwa einer von 440.000 stirbt daran.

Wie es dazu kommen kann, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine internationale Forschergruppe um Professor Andreas Greinacher von der Universität Greifswald hat Blutproben von Betroffenen analysiert und beschreibt zumindest einen möglichen Bestandteil des Ablaufs: Bei der Impfung entstehen Antikörper, die bei manchen Geimpften die Blutplättchen (Thrombozyten) aktivieren. Es bilden sich Blutgerinnsel und gleichzeitig sinkt die Zahl der Thrombozyten im Blut.

Experten haben sich auf die Bezeichnung TTS (Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom) nach Impfung verständigt - die englische Abkürzung lautet VITT. Thrombozytopenie ist der Fachbegriff für eine erniedigte Blutplättchenzahl.
Die selbe Nebenwirkung kann beim Impfstoff von Johnson&Johnson (Janssen) auftreten. Er beruht auf dem gleichen Wirkprinzip wie Vaxzevria: Er ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Für den Johnson&Johnson Impfstoff liegen in Deutschland bislang neun Meldungen eines TTS vor, drei Personen verstarben. Allerdings ist der Impfstoff, von dem nur eine Dosis gespritzt werden muss, in Europa erst seit dem 11. März zugelassen, bis zum 13. Juli wurden nur etwa zwei Millionen Dosen verabreicht.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese beiden Impfstoffe inzwischen nur noch für Menschen ab 60 Jahre. Nach der ersten Impfung mit AstraZeneca sollte die zweite Impfung nach Empfehlung der STIKO immer mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen.

Damit ein TTS rechtzeitig entdeckt und behandelt wird, sollten Personen, die mit den Impfstoffen von AstraZeneca oder Janssen gegen Covid-19 geimpft wurden, auf entsprechende Symptome achten. Dazu zählen Kopfschmerzen, die stark sind oder auch Tage nach der Impfung nicht nachlassen. Ein Arzt oder eine Ärztin sollte auch unverzüglich kontaktiert werden, wenn nach der Impfung Symptome wie verschwommenes Sehen, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder kleine Blutergüsse auftreten. In Notfällen, wie zum Beispiel bei Atemnot, bitte direkt den Rettungsdienst über die Nummer 112 rufen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Eine andere Nebenwirkung der Impfung betrifft dagegen offenbar den anderen Typ der Impfstoffe, die mRNA-Impfstoffe (BioNTech/Pfizer, Moderna). Hier sprechen Daten aus Israel und den USA dafür, dass vor allem bei jungen Männern nach der zweiten Impfung häufiger eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung (Myokarditis oder Perikarditis) auftritt, als dies normalerweise zu erwarten wäre.

Der Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur hat daher beschlossen, Myokarditis und Perikarditis als Nebenwirkung in die Gebrauchsinformation der beiden mRNA-Impfstoffe aufzunehmen. Laut den bisherigen Daten sind vor allem junge Männer nach Gabe der zweiten Dosis betroffen. Die Komplikation tritt typischerweise innerhalb von zwei Wochen nach der Impfung ein. Für Deutschland hat das Paul-Ehrlich-Institut ein Risiko von höchstens einem Fall unter 200.000 Impfungen für alle Altersgruppen errechnet. Wie hoch das Risiko bei jungen Männern ist, lässt sich mangels entsprechender Daten noch nicht sagen.

Guillain-Barré-Syndrom

Die FDA hat vor kurzem verlautbaren lassen, dass sie nach einer Impfung mit dem Impfstoff gegen Covid-19 von Johnson & Johnson ein erhöhtes Risiko für das sogenannte Guillan-Barré-Syndrom (GBS) beobachtet. Bei dieser Krankheit greift die Körperabwehr Nervenzellen an, so dass die Signalübertragung gestört ist. Es kann zu Lähmungen der Gliedmaßen und teilweise auch des Gesichts kommen, bei schwerem Verlauf müssen Betroffene beatmet werden. Das Leiden bildet sich meistens innerhalb von Wochen oder Monaten zurück, ein Teil der Patienten behält allerdings Beschwerden.

100 Fälle im Zusammenhang mit der Impfung hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde verzeichnet, ein Mensch starb, berichten US-Medien. Die Behörde hat bereits einen Warnhinweis verhängt. Die meisten Patienten erholten sich vollständig. Bei dort über 12 Millionen verimpften Johnson&Johnson-Dosen ist das Risiko absolut gesehen ebenfalls gering.

In Deutschland wurden nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff mehr Fälle des Guillain-Barré-Syndroms beobachtet, als zu erwarten gewesen wären - nämlich 54 - was laut dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institutes auf ein Risikosignal hinweist. Das Guillain-Barré-Syndrom wurde in Deutschland auch im zeitlichen Zusammenhang nach der Impfung mit anderen Covid-19 Impfstoffen beobachtet, aber seltener.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie gibt eher Entwarnung. Sie hat errechnet, wie viele Erkrankungen auch ohne Impfungen auftreten müssten - meist aufgrund einer Infektion. Eine besorgniserregende Erhöhung der Zahlen sei in Europa nicht zu erkennen. „Es gibt auch keinen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung“, sagt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Fachgesellschaft.

Kontraindikation Kapillarlecksyndrom bei Johnson & Johnson

Nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson sind sehr selten Fälle des sogenannten Kapillarlecksyndroms aufgetreten - nämlich etwa ein Fall bei sechs Millionen verimpften Dosen. Einige davon endeten tödlich. Daher darf der Impfstoff nicht mehr an Personen verabreicht werden, die in der Vergangenheit schon einmal ein Kapillarlecksyndrom hatten. Das Kapillarlecksyndrom ist eine selten auftretende Entzündungsreaktion, die bis zum Schock und Organversagen führen kann und die auch bei einer Covid-19-Infektion beobachtet werden konnte.

2. Ist die Impfreaktion bei der zweiten Impfdosis stärker?

Besonders nach der zweiten Impfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe können stärkere Reaktionen spürbar sein. Das RKI schreibt mit Blick auf die mRNA-Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer: "Die Impfreaktionen sind zumeist mild oder mäßig ausgeprägt und treten etwas häufiger nach der zweiten Impfung auf."

Wie so ein mRNA-Impfstoff funktioniert, erklärt folgendes Video:

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Beim Mittel von AstraZeneca liegen der Ständigen Impfkommission Informationen des Herstellers vor, nach denen Reaktionen häufiger nach der ersten Dosis auftraten als nach der zweiten.

Jüngere Menschen reagieren wohl eher auf den Impfstoff

Bereits die Zulassungsstudien der Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca zeigten: Die meisten Impfreaktionen sind, wenn sie denn auftreten, etwas seltener bei älteren Geimpften zu beobachten als bei jüngeren.

3. Gibt es Langzeitfolgen?

Die Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 wurden schneller entwickelt als sämtliche Impfstoffe zuvor. Dennoch gilt es als eher unwahrscheinlich, dass Jahre nach einer Impfung plötzlich Schäden auftreten.

Das PEI verweist auf jahrelange Erfahrungen mit vielen Impfstoffen. Der Wissenschaft zufolge treten die meisten Nebenwirkungen "kurze Zeit nach der Impfung" auf.

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Komplikationen nicht immer vor Zulassung erkennbar

"Bestimmte seltene oder sehr seltene Nebenwirkungen treten möglicherweise erst auf, wenn Millionen von Menschen geimpft werden", schreibt die EMA.

Deswegen muss die Sicherheit der Corona-Impfstoffe auch während des Einsatzes weiter überwacht werden. PEI und EMA haben dafür Meldeportale eingerichtet und bieten regelmäßige Überblicke über Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Komplikationen. Zusätzlich gibt es die vom PEI entwickelte Smartphone-App SafeVac 2.0. Hier können Geimpfte eingeben, wie sie die Impfung vertragen haben. "Dabei ist jedoch zu beachten, dass unerwünschte Reaktionen im zeitlichen, nicht aber unbedingt im ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung gemeldet werden", heißt es etwa vom PEI.

Es gibt auch die Möglichkeit, Nebenwirkungen und Impfreaktionen über dieses Portal zu melden.

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