"Etwa 2,5 Millionen Kinder sitzen noch immer im Lockdown. Konzepte, die eine dauerhafte Rückkehr zur Schule ermöglichen, fehlen. Die Folgen für die psychische Gesundheit der Kinder sind dramatisch.

Ab Montag dürfen Buchhandlungen, Fahrschulen und Kosmetikstudios öffnen, bei 7-Tage-Inzidenzen unter 50 sollen Zoos, Museen und der Einzelhandel folgen. Auch Theater und Kinos wurden um Öffnungsplan des Bund-Länder-Gipfels mit einer Perspektive bedacht. Es ist ein wenig so, als ob die Politik eine Gruppe völlig vergessen hat. Die rund 2,5 Millionen Schüler zwischen 11 und 18 Jahren, die seit Dezember kein Klassenzimmer mehr gesehen haben. Die Bund-Länder-Runde sieht die Verantwortlichkeiten für die Schulen bei den Kultusministerien der Länder, kein Wort zum Thema Schule in der Pressekonferenz nach dem Treffen.

Ein Kommentar von Katja Töpfer

Ein Kommentar von Katja Töpfer

Zahlenspiele statt Konzepte

Nach dem Willen der Kultusminister sollen die Schüler zwar noch im März wieder in die Schule gehen können, aber nur, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz unter 100 liegt. Ob es soweit kommt, ist fraglich. Denn die Inzidenzen steigen schon jetzt kontinuierlich an. Nach Einschätzung zahlreicher Experten befinden wir uns aufgrund der hochansteckenden Virus-Mutationen am Fuße einer Dritten Corona-Welle.

Impfung, Testung, Digitale Unterstützung: Deutschland ist zu langsam

Die Werkzeuge, die diese dritte Welle abbremsen, die Zahl der Neu-Infektionen niedrig halten und damit auch einen dauerhaften Schulbesuch ermöglichen könnten, sind bekannt. Impfen, Testen, digitale Anwendungen wie Corona-Warn-Apps nutzen. Und überall steht Deutschland nicht gut da. Warum, so fragt man sich, wurde erst jetzt, eine "Taskforce  Schnelltests" eingerichtet? Von standardmäßigen Schnelltests vor dem Schulbesuch wie in Österreich ist Deutschland nach wie vor weit entfernt. Erinnern Sie sich an die Versprechungen der Politiker vom Sommer, als es hieß, das Wohl der Kinder müsse in der Pandemie oberste Priorität haben. Davon ist ein Jahr nach Beginn der Pandemie wenig zu spüren.

Die Folgen für die Schüler sind fatal. Eine Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf liefert hierzu besorgniserregende Daten. Knapp ein Drittel der befragten Kinder leidet ein Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste, depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden  haben deutlich zugenommen. Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte warnt vor massiven Langzeitschäden durch die andauernden Schulschließungen.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist überlastet
Erschwerend kommt hinzu, dass Kinder mit psychischen Problemen in ein System der Kinder- und Jugendpsychiatrie gespült werden, das schon lange vor Corona heillos überlastet war. Schon im Jahr 2018 warteten Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen nach einem Ersttermin im Durchschnitt fünf Monate auf einen Therapieplatz beim Psychotherapeuten. Durch Corona hat sich die Versorgungslage weiter verschärft und Kinder mit psychischen Problemen werden allein gelassen. Kinder brauchen Schule. Die Kultusminister der Länder müssen hier schnellstmöglich Antworten liefern, die dem Wohl der Kinder gerecht werden. Der Schulbesuch muss höchste Priorität haben. Das sind wir unseren Kindern schuldig."