Heute morgen meldete das Robert-Koch-Institut 4732 Neuinfektionen. Montags sind die Zahlen meist kleiner als an anderen Wochentagen, am Dienstag auch. In der Vorwoche wurden am Montag 4369 Neuinfektionen gemeldet. Naja, könnte man sagen, da ist dieselbe vier vorne dran, und natürlich schwanken die Zahlen immer etwas zufällig, also tut sich nicht viel. Medien und Politiker reden deshalb momentan gerne von einem stagnierenden Infektionsgeschehen, und führen auch gerne sinkende Patientenzahlen auf Intensivstationen an, oder eine geringere Zahl an Todesopfern.

Warum verbreiten dann manche Experten Panik, indem sie schon von einer dritten Welle sprechen, und unken, in den kommenden Wochen könnten wir Zahlen wie vor Weihnachten erreichen?

Sieben Tage lang ein höherer Wert als in der Vorwoche

Die Antwort ergibt sich, wenn man die Zahlen aller Tage der letzten Woche mit den jeweiligen Zahlen der Vorwoche vergleicht. Ganze sieben mal hintereinander war die gemeldete Zahl höher als am jeweiligen Tag der Vorwoche. Sieben Mal in Folge! Wären die Zahlen aber wirklich noch auf demselben Niveau wie die Woche davor Woche, müsste der Wert zufallsbedingt mal drüber und mal drunter liegen.

Die gemeldeten Neuinfektionen im Wochenvergleich, Quelle der Zahlen: www.bundesregierung.de

Die gemeldeten Neuinfektionen im Wochenvergleich, Quelle der Zahlen: www.bundesregierung.de

Wie eine Münze, die immer Kopf zeigt

Lassen Sie uns folgendes Gedankenexperiment machen: Sie werfen eine Münze hoch, und sieben mal hintereinander landet sie so, dass sie Kopf zeigt statt Wappen. Würden Sie dann denken, dass es sich um ein zufälliges Ergebnis handelt? Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine normale Münze sieben mal hintereinander Kopf zeigt, bei unter einem Prozent. Selbst der vertrauensseligste Spieler würde deshalb vermuten, dass die Münze gezinkt sein muss.

Um so eine gezinkte Münze handelt es sich beim aktuellen Infektionsgeschehen. Trotz aller aktuellen Bemühungen und Kontaktbeschränkungen bleibt es bei der Tendenz, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder ansteigt. Das zeigt auch der 7-Tages-R-Wert, der seit einigen Tagen konstant über 1 bleibt. 100 infizierte Menschen stecken also im Durchschnitt mehr als 100 weitere Menschen an, derzeit sind es 108. Bleibt es dabei, kann die Pandemie durch exponentielles Wachstum erneut Fahrt aufnehmen. Vermutlicher Hauptgrund: Die Ausbreitung der ansteckenderen Virusvarianten.

Auch weltweit steigen laut WHO die Infektionszahlen wieder an, nach dem in den letzten sechs Wochen eine Abwärtstendenz vorherrschte.

Warum die Zahlen hinterher hinken

Und die Zahl der gemeldeten Fälle hinkt dem grassierenden Infektionsgeschehen grundsätzlich hinterher, weil ja erst der Patient zum Test muss, und nach der Auswertung das positive Ergebnis dann weiter zum Robert Koch-Institut.

Aber wir sehen ja geringere Todesfälle und nicht mehr so stark ausgelastete Intensivstationen, wenden nun manche ein. Bloß hinken diese Zahlen noch stärker hinterher, weil neu infizierte Menschen auch bei einem schweren Verlauf meist nicht sofort auf die Intensivstation müssen und erst recht nicht sofort sterben. Sie zeigen also weniger die aktuelle Dynamik an.

Und nun lassen wir landesweit wieder mehr Kontakte zu, indem wir je nach Bundesland Friseure, Fußpfleger, Gartencenter, Blumenläden und Baumärkte öffnen.

So bleibt nur der Appell an Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie weiterhin auf sich und ihre Mitmenschen achten und vielleicht nicht jede neue Lockerung sofort auskosten. Bleiben Sie gesund!