Baby und Familie

Ja, auch Kinder können sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, das steht fest. Zum Glück verlaufen die Erkrankungen laut Robert Koch-Institut (RKI) in der Regel aber milder als bei Erwachsenen oder gar asymptomatisch, also ohne erkennbare Beschwerden.

Nachdem Kita-Einrichtungen und Schulen mittlerweile zur Präsenz zurückgekehrt sind, ist es nur logisch, dass manchmal selbst die Kleinen in Quarantäne müssen, wenn sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Doch wie soll das bei Kindern überhaupt funktionieren? Unser Expertengremium, bestehend aus Entwicklungspsychologin, Virologen, Kinderschutzbeauftragte und Rechtsanwalt, gibt Orientierung.

Nicht alle infizieren sich

Halten Sie sich als erstes vor Augen: Nur weil Ihr Kind Kontakt zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person hatte, muss es sich nicht selbst angesteckt haben. Und selbst wenn, bedeutet es nicht, dass es automatisch an Covid-19 erkrankt. Das bestätigt auch Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie, am Universitätsklinikum Essen: "Kinder erkranken tendenziell seltener und weniger stark. Wahrscheinlich weil bei ihnen Rezeptoren zum Andocken des Virus noch nicht so stark ausgebildet sind wie bei Erwachsenen."

Doch weil infizierte Kinder das Virus auch übertragen können, gilt auch für sie: Wer sich aufgrund des engen Kontakts zu einer Person mit SARS-CoV-2 angesteckt haben könnte, muss – falls es das Gesundheitsamt anordnet – für 14 Tage in Quarantäne. Grundlage dafür ist § 30 des Infektionsschutzgesetzes.

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Kinder: Sensiblere Umsetzung der Quarantäne-Regeln empfohlen

Wenn ein Kind also als enge Kontaktperson und damit als besonders von einer Infektion gefährdet eingestuft ist, ruft in der Regel zunächst einmal das Gesundheitsamt bei den Eltern an. Der Sachverhalt und die Umsetzungsoptionen einer Quarantäne werden telefonisch besprochen. Anschließend folgt ein rechtliches Anschreiben mit der Quarantäne-Verfügung.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt zwar weiterhin eine zeitliche und räumliche Trennung der von der Quarantäne betroffenen Person von anderen Haushaltsmitgliedern, weist jedoch darauf hin: "Für im Haushalt lebende Kinder müssen die Quarantäneregelungen altersentsprechend angepasst werden. Beispielsweise ist eine räumliche Trennung von Eltern und gegebenenfalls Geschwistern im Haushalt nur einzuhalten, wenn sie für die Eltern vertretbar ist und vom Kind gut toleriert wird." So bietet es sich während der Quarantäne für ein Kind beispielsweise an, dass es ausschließlich von einem Elternteil betreut wird, um das Ansteckungsrisiko für die anderen Familienmitglieder zu minimieren, rät beispielsweise das Gesundheitsamt Frankfurt.

Wichtig zu wissen: So lange das Kind keinen positiven Test hat und keine Krankheitssymptome aufweist, sind Eltern und Geschwisterkinder nicht von der Quarantäne betroffen und dürfen beispielsweise zur Arbeit gehen. Es ist jedoch sinnvoll, dass auch sie ihre Kontakte außerhalb des Haushaltes freiwillig reduzieren.

Mit rechtlichen Folgen (Geld- oder Freiheitsstrafen) müssen allerdings diejenigen rechnen, die bewusst und wiederkehrend gegen die Anordnungen verstoßen, etwa mit ihrem positiv getesteten Kind auf einen Spielplatz oder in einen Supermarkt gehen. "Ich kenne solche Fälle nicht, weil Eltern in der Regel sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgehen", sagt Dr. Alexander Koch, Rechtsanwalt und Honorarprofessor an der Philipps-Universität in Marburg. "Sollten sie es aber nicht tun, wie wir es aus der Vergangenheit zum Beispiel von sogenannten Masern-Partys kennen, sind Konsequenzen wichtig und richtig. Sie dienen der Gefahrenabwehr und dem Gesundheitsschutz der Allgemeinheit."

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Betreuung daheim – gibt es weiterhin Lohn?

Was jedoch gilt eigentlich rechtlich, wenn ein berufstätiges Elternteil entscheidet, zur Betreuung des Kindes daheim zu bleiben? "Wenn ein Kind in Quarantäne kommt, handelt es sich zwar nicht um einen Krankheitsfall", stellt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh und Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein, klar. Gerade kleine Kinder können aber natürlich nicht allein bleiben. In einem solchen Fall greift laut Schipp der Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Der besagt, dass Arbeitnehmer, die aus einem Grund, für den sie selbst nichts können, vorübergehend nicht zur Arbeit kommen können, trotzdem weiterhin Lohn bekommen.

"Die entscheidende Frage ist aber: wie lange?", so Fachanwalt Schipp. Wenn das Kind nicht selbst krank ist, könne diese Norm nicht endlos lange gelten. Auch von einem gängigen Zeitraum von 14 Tagen Quarantäne könne man eher nicht ausgehen. Eine pauschale Zeitangabe gäbe es aber nicht, da es immer auf die Umstände des Einzelfalls ankomme, erklärt der Jurist.

Quarantäne: So wird es für Kinder erträglicher

Isolation dürfe jedenfalls nicht in Einsamkeit ausarten, sagt Martina Huxoll-von Ahn vom Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband e.V. Auch sie setzt auf eine Betrachtung des Einzelfalles: "Bei aller Notwendigkeit der Gesundheitsschutzmaßnahmen dürfen wir keine weiteren Schäden bei unseren Kindern riskieren. Untersuchungen zeigen, dass das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen während und nach dem Lockdown sehr gelitten hat. Auch ein Kind in Quarantäne braucht beispielsweise Bewegung."

Doch ab wann und wie kann ich denn nun meinem Sohn, meiner Tochter Quarantäne erklären und die Zeit erträglicher machen? Dazu Dr. Heike Buhl, Professorin für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn: "Wenn Sie es altersgerecht erklären, verstehen schon Kindergartenkinder, was Covid-19 ist, und warum wir uns und andere im Fall der Fälle durch Quarantäne schützen müssen." Heißt konkret? "Bringen Sie den Vergleich mit einer Erkältung. Die kennen die meisten Kinder aus Erfahrung und wissen, warum sie mit einer Triefnase und Fieber zu Hause bleiben müssen: um gesund zu werden und andere nicht anzustecken. Reagieren Sie am besten eher auf Fragen als von sich aus viel und detailliert zu erklären. Das kann kleine Kinder auch überfordern." Das Verwöhnprogramm darf hochgefahren werden, das Lieblingsbuch außer der Reihe geschenkt werden, auch mal zwei Folgen der Lieblingsserie geguckt werden.

Über Alternativen nachdenken, um Entlastung zu finden

Grundsätzlich empfiehlt die Entwicklungspsychologin Mamas und Papas, so ruhig wie möglich zu bleiben: "Kinder sind oft deutlich belastbarer als wir glauben. Sorgen machen sich häufig mehr die Eltern. Beispielsweise tragen die Kinder die Mund-Nase-Bedeckungen einfach ohne zu meckern. Und in anderen Fällen, etwa bei ansteckenden Kinderkrankheiten wie Röteln, würden wir auch ohne zu zögern das infizierte Kind, so weit es geht isolieren, damit die Geschwister nicht angesteckt werden."

Eltern, die zur Risikogruppe gehören, also beispielsweise an Krebs erkrankt sind, sollten alle Alternativen durchspielen. Buhl: "Gibt es also im Ernstfall Familienmitglieder oder Freunde, die sich ein paar Tage um das Kind kümmern können?" Geimpfte Personen sind zwar nicht hundertprozentig davor geschützt, sich zu infizieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich tatsächlich anstecken oder gar schwer erkranken ist geringer. Sie sind daher auch von der Quarantäne befreit. Sie sollten dennoch in den folgenden 14 Tagen auf Symptome einer COVID-19 Erkrankung achten und Kontakte zu Personen aus Risikogruppen vermeiden.

Wichtig für alle Haushaltsangehörigen ist natürlich die Einhaltung der üblichen Hygienemaßnahmen: Viel lüften, Abstand zu anderen Menschen halten und wo nötig eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen sowie die Nies- und Hustenetikette beachten.

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