Eine Impfung gegen Covid-19 soll vor allem vor der Erkrankung schützen. Neben diesem Schutz gewinnt aber noch ein anderer Aspekt an Bedeutung: Wer geimpft ist, hat mehr Freiheiten. Um diese Vorteile aber nutzen zu können, muss man belegen, dass man vollständig geimpft ist.

Vorzüge des digitalen Impfnachweises

Der gelbe Impfpass – mit den Stempeln und Aufklebern, die bei der Verabreichung einer Dosis eingetragen werden – reicht zwar als Beweis für den Impfstatus aus. Doch der gelbe Impfpass kann verloren gehen. Eine digitale Lösung ist eventuell handlicher.

So gibt es seit dem 14. Juni den digitalen Impfnachweis, den jede geimpfte Person erhalten kann, wenn sie vollständig immunisiert ist. Auf dem Smartphone gespeichert, vergisst man ihn eher nicht.

Doch der Eintritt ins Digitale erfolgt oft schon viel früher, bei der Einrichtung eines Impfaccounts:

In diesen Bundesländern können Sie sich ein Konto einrichten

Einige Bundesländer bieten die Möglichkeit, im Internet einen Impfaccount zu eröffnen. Mit diesem Konto kann man sich auf eine Warteliste für Termine in Impfzentren in der Nähe setzen lassen, man wird eventuell benachrichtigt wenn Termine frei sind.

Derzeit (Stand 25. Juni) gilt das in diesen Bundesländern:

- Mecklenburg-Vorpommern

- Niedersachsen

- Rheinland-Pfalz

- Saarland

- Schleswig-Holstein

- Bayern

Vorsichtiger Umgang mit sensiblen Daten

Bei diesen Impfaccounts stehen allerdings zwei Interessen gegeneinander: Datenschutz auf der einen Seite – Praktikabilität auf der anderen Seite. „Natürlich sind Datenlecks auch auf solchen Seiten vorstellbar“, sagt  Johannes Pepping, Sprecher der Landesbeauftragen für den Datenschutz in Niedersachsen. Insbesondere wenn man Gesundheitsdaten angeben müsse, etwa warum man zu welcher Prioritätengruppe gehört, könne dies problematisch werden. „Wenn ich etwa angeben muss, ob ich unter einer psychischen Erkrankung leide, und dann werden diese Informationen etwa für künftige Arbeitsgeber oder Versicherungen zugänglich, kann das erhebliche Auswirkungen haben“, so Pepping. Er glaubt, dass der Stempel im gelben Heft und der digitale Impfnachweis auch in Zukunft ausreichten und ein Impfkonto nicht notwendig sei.

Andererseits erleichtert das Impfkonto vieles, angefangen beim Impftermin: Es kann enorm nervenaufreibend sein, täglich bei einer Impfterminvergabe-Hotline anzurufen, um doch immer wieder nur zu hören, dass gerade keine neuen Termine vergeben werden.

Wie angenehm ist es da, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen und zu wissen, dass man dort kontinuierlich vorrückt und irgendwann benachrichtigt wird, wenn ein Impftermin zur Verfügung steht.

Stadt rät, Konto nicht gleich zu löschen

Viele Menschen wählen deshalb eine Art Mittelweg: Sie registrieren sich, aber wenn sie geimpft wurden, löschen sie zügig das Konto wieder. Doch – noch steht hier nichts fest – natürlich könnte das Impfkonto nicht nur bei der Terminvergabe, sondern auch etwa bei einer nachträglichen Vergabe des digitalen Impfpasses hilfreich sein als zusätzlicher Beleg, oder beim Bemühen um Termine für eine dritte Auffrischungsimpfung.

So rät beispielsweise die Stadt Nürnberg dazu, das Konto bei der bayerischen Impf-Plattform BayIMCO nicht zu löschen, weil das Konto in vielen Fällen den Erhalt des digitalen Impfpass erleichtere.

Mit dem gelben Impfpass zum digitalen Nachweis

Doch auch wer sein Konto nach der Impfung gelöscht hat, noch bevor er einen digitalen Impfpass erhalten hat, braucht sich keine Sorgen zu machen. Es gibt die Möglichkeit, eine Apotheke aufzusuchen, die anhand des gelben Impfpasses prüft, ob man geimpft ist, und anschließend einen sogenannten QR-Code ausstellt, den man einscannen kann. Auch in der Praxis oder dem Impfzentrum, in dem man die Immunisierung erhalten hat, kann man sich den digitalen Impfnachweis nachträglich ausstellen lassen.

„Ein Tipp, den wir in der Beratung derzeit häufig geben: Lassen Sie sich bei der Zertifikatserstellung in jedem Fall eine Papierversion des QR-Codes mitgeben. Denn der lässt sich auf einem neuen Gerät einfach wieder hinterlegen“, sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). So hat man den Zugriff zum digitalen Impfpass also auch auf Papier „gespeichert“.

Konto behalten für Auffrischimpfungen?

Vielleicht wird es bei Auffrischimpfungen, sei es in einem halben Jahr oder auch erst in zwei Jahren, wieder Knappheit an Impfstoff und Terminen geben. Ob noch vorhandene Daten und Registrierungen auf Impfkonten dann weiterhelfen?

Pepping hält das für fraglich. Klar, theoretisch kann es nützlich sein, ein bereits vorhandenes Konto auch nach Erhalt des digitalen Impfpasses zu behalten. Aber wer es löscht oder gelöscht hat, etwa für eine gewisse eigene Datenhygiene, der dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch keine Probleme bekommen. Tatsächlich steht in den Fragen und Antworten zur Online Registrierung in Bayern, Accounts könnten sogar automatisch gelöscht werden, wenn bekannt ist, dass der Registrierte bereits die Erst- und Zweitimpfung erhalten hat.

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