Was sind Aerosole?

Aerosole sind kleinste Tröpfchen, ein feines Gemisch aus festen und flüssigen Teilchen in einer Größe von weniger als fünf Mikrometern (ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter). Im Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 100 Mikrometer dick. Jeder Mensch produziert Aerosole zum Beispiel beim Sprechen und beim Atmen. Und jeder Mensch atmet sie ein, ohne es zu merken.

Aerosole sind also deutlich kleiner als die normalen Tröpfchen, die wir beim Husten oder Niesen ausstoßen. Doch beide können Krankheitserreger wie Viren und Bakterien übertragen. In der Medizin wird bei Ansteckungen daher zwischen sogenannten Tröpfchen- und Aerosol-Infektionen unterschieden.

Wie sich Krankheiten über Aerosole verbreiten

Größere Tröpfchen werden meist von der Schwerkraft schon nach kurzer Zeit zu Boden gezogen. Mit Abstandsregeln von 1,5 bis zwei Metern lässt sich das Ansteckungsrisiko deshalb senken. Aerosole können sich noch viel weiter verteilen und verbleiben auch länger in der Luft.

Ob und wie schnell die Tröpfchen und Aerosole absinken oder in der Luft schweben bleiben, ist abhängig von der Größe der Partikel, der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und vielen weiteren Faktoren, so das Robert Koch-Institut.

Der Übertragungsweg über die Luft macht es Krankheitserregern ziemlich leicht. Nichts nimmt der Mensch so oft am Tag auf wie Luft. „Man atmet etwa zwölf Mal pro Minute, mehrere tausend Mal pro Tag“, sagt Privatdozent Dr. Michael Mühlebach vom Paul-Ehrlich-Institut, der zu neu auftretenden Infektionskrankheiten forscht.

Einige hochansteckende Erreger nutzen das für sich. Masernviren zum Beispiel, die bei einem Kontakt mit ungeimpften Menschen in neun von zehn Fällen eine Infektion verursachen. Oder Windpocken, bei denen man früher gar vermutete, dass der Wind sie verbreite. „Bei diesen Krankheiten ist es schon seit geraumer Zeit bekannt, dass die Erreger ausreichend lange infektiös in der Luft bleiben und so auch Distanzen für eine Neuansteckung überbrücken“, sagt Mühlebach.

Doch auch bei weniger ansteckenden Viren, wie etwa Grippe-Erregern, spielen nach aktuellem Kenntnisstand Aerosole bei der Übertragung zumindest teilweise eine Rolle.

Befeuern Aerosole die Verbreitung von SARS-CoV-2?

Bei SARS-CoV-2 diskutierten Fachleute von Gesundheitsorganisationen zu Beginn immer wieder, ob sich Menschen denn nun ausschließlich über Tröpfchen- oder Schmierinfektion anstecken können – oder auch über Aerosole.

Inzwischen ist klar, das Aerosole eine relevante Rolle bei der Infektionsübertragung spielen.

Wichtig dabei zu wissen ist allerdings: Ob man sich über Tröpfchen oder Aerosole ansteckt, hängt von der Menge der Viren ab, die in den Körper gelangen. Dabei können Tröpfchen (die größer sind und zum Beispiel beim Niesen ausgestoßen werden) mehr Viren enthalten und sind damit möglicherweise infektiöser. Dafür bleiben sie nicht so lange in der Luft. Kleinere Teilchen tragen dagegen eher weniger Viren mit sich, können dafür aber deutlich länger über größere Distanzen infektös sein.

Wieso sich Viren besonders in geschlossenen Räumen ausbreiten

Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Tröpfchen und Aerosolen ausgesetzt ist, im Umkreis von ein bis zwei Metern um eine infizierte Person herum erhöht. Allerdings reicht dieser Abstand nicht immer aus. Gerade in kleinen Räumen, die nicht oder nur schlecht belüftet sind, können sich Aerosole gut ausbreiten und die Viren dabei mehrere Stunden lang im Raum schwebend überleben.

Werden besonders viele Viren über die Aerosole verteilt - weil die infizierte Person lange in dem Raum ist oder besonders tief ein- und ausatmet - steigt damit das Risiko, dass sich andere Menschen im Raum anstecken. Auch, wenn sie den Mindestabstand einhalten. Das ist zum Beispiel im Fitnessstudio oder bei Chorproben der Fall. Eine Versuchsreihe hat beispielsweise in einem Experiment mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks sichtbar gemacht, wie sich Aerosole beim Singen verteilen.

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Im Freien ist das Ansteckungsrisiko dagegen deutlich geringer, denn an der frischen Luft verdünnen sich die ausgeatmeten Partikel schnell. Mit Sicherheitsabstand von 1,5 bis zwei Metern ist das Risiko dort relativ gering.

Es macht also Sinn, dass man Aktivitäten, die mehrere Personen zusammenbringen, möglichst nach draußen verlagert. Den Mindestabstand dabei trotzdem einhalten!

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So verringern Sie die Virenlast in Räumen

Das Lüften gilt als eine der einfachsten und wirksamsten Methoden, um potenziell virushaltige Aerosole aus Räumen zu entfernen.

  • Für zu Hause wird vor allem das sogenannte Querlüften empfohlen. Im Raum werden möglichst alle Fenster und die gegenüberliegende Tür weit geöffnet, der Luftaustausch dauert dann nur wenige Minuten.
  • Stoßlüften über weit geöffnete Fenster ist im Alltag ebenfalls eine empfehlenswerte Technik. Dauer: zwischen 10 und 15 Minuten, im Sommer 20 bis 30 Minuten.
  • Spaltlüftung dagegen, bei der die Fenster im Raum nur gekippt werden, ist nicht so gut: Der Luftaustausch braucht zu lange.

Zudem gilt: Starkes Atmen, zum Beispiel beim Sport, Schreien oder Singen kann die Aerosolkonzentration steigern. Daher - wo möglich - darauf verzichten.

Weitere Schutzmaßnahmen: Maske, Desinfektionsgeräte, Filter

Wo sich das Zusammensein mit an deren Menschen in geschlossenen Räume nicht vermeiden lässt und der nötige Luftaustausch nicht gesichert ist, sollten zumindest alle eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Sie verringern das Risiko einer Infektion durch virushaltige Partikel, die beim Sprechen, Niesen oder Husten in die Luft gelangen. Alle Partikel abfangen können sie jedoch nicht. Zusätzlich sollte auch hier der Mindestabstand eingehalten werden.

Gesichtsvisiere sind nicht geeignet, solange sie ohne zusätzliche Verwendung von Masken getragen werden. Denn die Luft mit Partikeln und Viren strömt einfach ungefiltert um die Visiere herum.

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Beim Einsatz technischer Hilfsmittel sind dagegen noch viele Fragen offen. Zum Beispiel bei sogenannten UV-C-Desinfektionsgeräten. Die Methode wird schon länger genutzt, um Lebensmittel, Wasser oder Luft zu desinfizieren und von Keimen zu befreien. Das Bundesamt für Strahlenschutz betont jedoch, dass die offene Geräte zur Luftdesinfektion nur verwendet werden sollten, wenn kein Mensch im Raum anwesend ist.

Kein Ersatz fürs Lüften sind auch mobile Luftfilter, die etwa in Klassenzimmern Aerosole aus der Luft entfernen sollen. Denn deren Effekt hänge von vielen Variablen ab – etwa Bauart, Raumgröße, Personenanzahl oder der Positionierung.

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Bis eine praktikable Lösung gefunden ist, gelten die Grundsätze: Mit möglichst viel Frischluft den Raum belüften und sich möglichst wenig und möglichst kurz gemeinsam mit anderen Personen in Innenräumen aufhalten. Und - je größer der Raum, desto kleiner das Ansteckungsrisiko.

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