Es war eine absurde Situation auf den ersten Blick: Beinahe täglich brach Deutschland im März neue Rekorde bei den Infektionszahlen – und dennoch hat der Bundestag für das Ende vieler Corona-Schutzregeln gestimmt. Bereits am 20. März trat das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft, zunächst allerdings nutzten die meisten Länder eine Übergangsfrist bis Anfang April. Seit gestern nun sind die neuen Regeln in weiten Teilen Deutschlands in Kraft. Ein Überblick.

Welche Regeln greifen auf Bundesebene?

Ab sofort gibt es zwei Modi für den Umgang mit der Pandemie: den Basisschutz und die sogenannte Hotspot-Regelung. Der Basisschutz gilt weitgehend unabhängig von den Infektionszahlen und nimmt vor allem die vulnerablen Gruppen in den Blick. Das Pandemie-Management liegt dabei fast vollständig in der Verantwortung der Länder. Auf Bundesebene ist nur eine einzige Vorgabe verankert. So bleibt die Maske im Flug- und Fernverkehr bis auf Weiteres Pflicht.

Was gilt jetzt in den Bundesländern?

In den meisten Bundesländern ist das Tragen einer Maske im öffentlichem keine Pflicht mehr. Auch Zugangsbeschränkungen wie die 3G-Regel fallen weitgehend weg. Beides dürfen dei Länder im Normalfall nicht mehr vorschreiben.

Stattdessen bleiben ihnen zwei wesentliche Stellschrauben im Kampf gegen das Virus. Dazu zählt die Maskenpflicht in Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen und Krankenhäusern, ebenso wie in Rehaeinrichtungen und Pflegheimen. Auch in Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünften und im öffentlichen Nahverkehr können die Länder Masken vorschreiben. Darüber hinaus kann jedes Land Testpflichten anordnen. Möglich ist das in Klinken und der Pflege, aber auch in Kitas und Schulen, Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünften sowie im Strafvollzug. Die meisten Bundesländer nutzen diesen Spielraum.

Was ist eine Hotspot-Region?

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Länder auch strengere Auflagen verhängen. Im Kern geht es dabei um sogenannte Hotspot-Regionen, in denen die Infektionszahlen deutlich steigen und eine Überlastung der Krankenhäuser droht. Auch bei Ausbreitung einer besonders gefährlichen Virusvariante sollen die Länder härter durchgreifen können. Zunächst allerdings muss das jeweilige Landesparlament eine Region per Beschluss zum Hotspot erklären.

Welche Regeln gelten in Hotspot-Regionen?

In Hotspot-Regionen haben die Länder weitreichendere Möglichkeiten, gegen das Virus vorzugehen. Möglich ist dann eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum also etwa in Supermärkten, aber auch in Schulen. Zudem kann die Landesregierung einen Mindestabstand vorschreiben und Zugangsbeschränkungen verhängen. Auch Hygienekonzepte können dann wieder zur Pflicht in bestimmten Einrichtungen oder bei Veranstaltungen werden.

Welche Regionen gelten derzeit als Hotspot?

Bislang haben sich nur Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg zu Hotspot-Regionen erklärt. Dort bleibt die Maske damit etwa auch im Einzelhandel oder in Restaurants vorerst Pflicht. Zudem gelten in einigen Bereichen Zugangsbeschränkungen, die eine Impfung oder einen tagesaktuellen Test erforderlich machen.

Wer gilt künftig als vollständig geimpft?

Die Bundesregierung regelt mit dem Gesetz auch neue Vorgaben zum Impfschutz. In Zukunft gelten in Deutschland nur noch Personen mit drei Coronavirus-Impfungen als vollständig geschützt. Die Drittimpfung soll dabei frühestens drei Monate nach der zweiten Dosis erfolgen. Allerdings zählt auch eine Infektion unter bestimmten Voraussetzungen wie eine Einzelimpfung. Wer sich nach der ersten oder zweiten Dosis mit dem Coronavirus infiziert und einen entsprechenden PCR- Test vorlegen kann, braucht also nur zwei Einträge im Impfpass. Auch ein positiver Antikörpertest wird akzeptiert, sofern er vor der ersten Impfdosis stattgefunden hat.

Greifen soll die Pflicht zur Drittimpfung ab Oktober, bis Ende September gilt zunächst eine Übergangsfrist.

Wer gilt als genesen?

Ab sofort nimmt die Bundesregierung die Vorgaben für Impf-, Genesenen- und Testnachweise wieder selbst in die Hand nehmen. Bislang lag das weitgehend in der Verantwortung des Robert-Koch-Instituts. Das hatte Anfang des Jahres die Laufzeit von Genesenenzertifikaten kurzfristig heruntergesetzt. Jetzt gibt die Ampel per Gesetz die Regeln vor: Der Genesenenstatus läuft 90 Tage nach dem positiven PCR-Testergebnis aus, unabhängig vom Impfstatus der Person.

Eine Einschätzung zu den neuen Regelungen - aus Sicht der Medizin - gibt auch Apotheken-Umschau-Chefredakteur Dr. Dennis Ballwieser im Podcast „Ne Dosis Wissen“.