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Warum ist die Quarantäne so wichtig?

Das Coronavirus überträgt sich über eine Tröpfcheninfektion, aber auch über die Aufnahme kleinerer virushaltiger Teilchen – sogenannter Aerosole – über die Atemwege. Das bedeutet: Es verbreitet sich vor allem durch Niesen, Husten oder durch die feinsten Tröpfchen und unsichtbare Aerosole, die zum Beispiel beim Sprechen ausgestoßen werden. "Wenn der klinische Verdacht besteht, dass jemand an Corona erkrankt ist, wird er isoliert, weil das Virus sonst durch Kontakte übertragen werden könnte", sagt Dr. Sebastian Dolff, Leitender Oberarzt der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen. "Durch die Isolation lässt sich die Infektionskette unterbrechen."

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Betroffene, die keine oder nur leichte Symptome haben, können meist zu Hause bleiben. Das gilt auch für Personen, die Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Erkrankte, die in die Klinik müssen, werden dort isoliert. Maßgeblich für die Quarantäne-Bestimmungen ist das Infektionsschutzgesetz.

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Wer darf eine Quarantäne überhaupt vorschreiben?

Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin haben die Meldepflicht gegenüber den Behörden, sind aber nicht ermächtigt, eine Quarantäne durchzusetzen. "Hier ist grundsätzlich das Gesundheitsamt zuständig", sagt Professor Ulrich Gassner, Kodirektor des Instituts für Bio-, Medizin- und Gesundheitsrecht der Universität Augsburg. Ist jemand nachweislich infiziert, werden die engen Kontaktpersonen ermittelt, die dann ebenfalls isoliert werden können.

"Die Quarantäne ist ein Verwaltungsakt, der jemanden zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet. Das sind erhebliche Eingriffe in Freiheitsgrundrechte", gibt Gassner zu bedenken. Wie lange und wo der Betroffene untergebracht wird, entscheiden die Behörden. Hier spielt allerdings die Verhältnismäßigkeit und die Gefahrenlage eine Rolle. Üblicherweise bedeutet das also: Das zuständige Gesundheitsamt ordnet die Quarantäne an.

Wie lange dauert eine Quarantäne?

Wie lange die Qurantäne genau dauert und wann sie aufgehoben werden kann, legt das zuständige Gesundheitsamt fest.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt für enge Kontaktpersonen eine Quarantäne von 14 Tagen ab dem letzten Kontakt zur infizierten Person. "So lange dauert nach derzeitiger Einschätzung die Inkubationszeit und solange empfiehlt man die häusliche Quarantäne", bestätigt auch Oberarzt Dolff. "Wer wegen seines Gesundheitszustands im Krankenhaus untergebracht ist, hat den Vorteil, dass man mittels PCR testen kann, ob das Virus noch nachweisbar ist." Für einen Klinikaufenthalt sprechen zum Beispiel Atemprobleme oder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf durch bestimmte Vorerkrankungen Auch ältere Menschen werden eher im Krankenhaus überwacht.

Wie sieht die Quarantäne zu Hause aus?

Das Gesundheitsamt legt das Vorgehen im Einzelfall immer individuell fest. Ist jemand am Coronavirus erkrankt oder ist man als Kontaktperson einer mit dem Virus infizierten Person unter häuslicher Quarantäne, muss deshalb aber nicht die komplette restliche Familie ausziehen. Ein paar Regeln gibt es dennoch zu beachten: Auf Besuch von Personen, die nicht zum Haushalt gehören, sollte man in dieser Zeit verzichten. Die betroffene Person sollte in einem eigenen Zimmer, das gut gelüftet wird, untergebracht sein. Muss man Räume wie das Badezimmer teilen, sollte die Nutzung zeitlich von einander getrennt stattfinden. Das bedeutet: Die infizierte Person sollte alleine im Bad sein und – wenn möglich – vor dem Verlassen des Raumes das Fenster zum Lüften öffnen.

"Regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht. Desinfizieren ist hingegen nicht notwendig. Das gilt eher im Gesundheitswesen", erklärt Oberarzt Dolff, also in Kliniken und Arztpraxen. "Husten und Niesen sollte man in die Armbeuge. Und – wenn möglich – einen Abstand von mindestens zwei Metern zu anderen halten." Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kann dazu beitragen, das Risiko noch weiter zu verringern. Leben im Haushalt Personen, die zur Risikogruppe gehören, wie ältere Menschen, Schwangere oder geschwächte Menschen, sollte man dies mit dem Gesundheitsamt besprechen und die Regeln besonders streng beachten. Also: konsequent Abstand zu diesen gefährdeten Menschen halten.

Wie wird die Quarantäne kontrolliert?

Grundsätzlich ist eine Überprüfung der Quarantäne durch die Behörden möglich. "Aber auch hier ist Verhältnismäßigkeit wichtig", sagt Gassner. "Kommt jemand der Bestimmung nicht nach, kann er beispielsweise in einem Krankenhaus untergebracht werden. Hier geht der Gesundheitsschutz vieler dem Freiheitsrecht des einzelnen vor." Auch eine Zwangsunterbringung in einer anderen geeigneten abgeschlossenen Einrichtung ist möglich. "Dafür braucht es aber eine richterliche Anordnung", so Gassner.

Zugleich gibt es die Möglichkeit, sich gegen eine Quarantäne-Auflage zu wehren. Man könne einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht stellen, mit dem Gesuch die Quarantäne aufzuheben, erklärt der Jurist. Bei einer Zwangseinweisung ins Krankenhaus könne man gegen die Entscheidung des Amtsgerichts eine Beschwerde einlegen.

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Wer bezahlt in der Quarantäne mein Gehalt?

Ist man krankgeschrieben, gilt wie bei jeder anderen Erkrankung, dass der Lohn in den ersten sechs Wochen vom Arbeitgeber fortgezahlt wird. Aber auch, wenn die Quarantäne nur eine Vorsichtsmaßnahme ist, gilt: "Arbeitnehmer, die unter Quarantäne gestellt werden, haben gegen ihren Arbeitgeber – solange das Arbeitsverhältnis besteht – für längstens sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung ihres Netto-Entgelts", erklärt Professor Gassner. Der Arbeitgeber könne sich aber von der in seinem Bundesland zuständigen Behörde, zum Beispiel dem Gesundheitsamt, die ausgezahlten Beträge erstatten lassen.