Sollte ich in der Kaffeeküche noch eine Maske tragen, wenn ich dort meine Kolleginnen und Kollegen treffe? Wir sind alle geimpft.

Die Frage nach dem richtigen Verhalten im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen ist auch für Professor Dr. Eva Annette Rehfuess, Leiterin des Lehrstuhls für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München, keine leichte. „Die Impfung schützt gut gegen schwere Krankheitsverläufe, aber nur bedingt gegen eine Übertragung der Omikron-Variante. Dessen muss ich mir – auch als Geimpfte oder Geimpfter – bewusst sein. Pauschal gibt es deshalb keine Antwort.“ Allerdings gibt Sie auch Kriterien vor, die die Entscheidung über das eigene Verhalten vereinfachen sollen: Hat der Raum Fenster und ist gut belüftet? Ist er groß genug, um Abstand zu halten? Treffe ich auf die immer gleichen acht bis zehn Menschen aus meiner Abteilung oder ist dort viel Durchgangsverkehr? Testen sich alle regelmäßig auf das Coronavirus? Die Eigenverantwortung muss für Rehfuess auch nach den Lockerungen noch eine große Rolle spielen, denn: „Letztlich sollten wir je nach Situation entscheiden und vor allem weiterhin darauf achten, dass wir andere nicht gefährden, weil wir möglicherweise selbst – unbemerkt – infiziert sind.“

Ich habe Omikron gehabt. Welchen Schutz habe ich? Worauf sollte ich jetzt achten?

Die Pandemie beschäftigt Deutschland nun schon seit zwei Jahren. Viele haben sich bereits ein oder mehrere Male angesteckt und die Erkrankung überstanden. Unsicherheit über die eigene Verhaltensweise nach einer Infektion mit Omikron ist natürlich verständlich. „Die Schutzwirkung vor weiteren Infektionen wird gerade intensiv untersucht. Wir müssen davon ausgehen, dass mehrfache Infektionen möglich sind“, sagt Professor Dr. Eva Annette Rehfuess. Deswegen betont sie gegenüber der Apotheken Umschau: „Eigen- und Fremdschutz – insbesondere der Schutz von Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen und Ungeimpften im direkten Umfeld – sind immer noch wichtig.“ Obwohl sich die Corona-Lage etwas entspannt hat, ist das Virus für viele nicht ungefährlicher geworden. Laut Rehfuess sollte man deshalb eigenverantwortlich mit der Lage umgehen: „Kontakte reduzieren und Kontakte, die stattfinden, möglichst sicher gestalten.“

Kann ich zur Begrüßung wieder die Hand geben oder jemanden umarmen?

Während die Lockerungen uns den zwanglosen Umgang mit anderen wieder größtenteils erlauben, sind viele Menschen dennoch unsicher, wie sie sich aufgrund der immer noch hohen Infektionszahlen verhalten sollen. Professor Dr. Eva Annette Rehfuess geht im privaten Bereich so vor: „Mit dem kleinen Kreis an Menschen, der mir wirklich wichtig ist – das heißt Familie und enge Freunde – gehe ich weitgehend so um, wie vor der Pandemie, da gehören Umarmungen dazu.“ Allerdings sieht die Epidemiologin einen klaren Unterschied zwischen dem engeren Familien- und Freundeskreis und dem Arbeitsumfeld. „Im beruflichen Kontext würde ich dagegen auch in der nächsten Zeit Abstand halten, Händeschütteln gilt zwar als höflich, ist aber nicht essenziell für ein gutes soziales Miteinander.“ Eigenverantwortung wird auch hier das Maß aller Dinge sein.

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Was wir nach der Pandemie beibehalten

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Die Diskotheken öffnen wieder. Kann ich da wirklich bedenkenlos hingehen?

Laut dem Stufenplan der Regierung ist es durch Lockerungen seit dem 4. März wieder möglich, in Diskotheken zu gehen. Expertin Rehfuess sagt dazu: „Gerade in Diskotheken kommen sehr viele Menschen auf engem Raum zusammen – und Tanzen mit Abstand und Maske und am besten noch alle 20 Minuten lüften, würde ja den Spaß nehmen.“ Für sie ist es demnach nicht möglich, bedenkenlos wieder zu feiern. Einige Vorkehrungen wären für die Epidemiologin deshalb für einen schönen und sicheren Abend in der Diskothek nötig: „Wenn man sich selbst und andere schützen möchte, ist hier die Kombination aus Impfen und Testen, also 2G+, die einzig tragfähige Strategie.“

Inzwischen reicht es an vielen Orten wieder, OP-Masken zu tragen. Ist der Schutz ausreichend?

Die Maskenregeln änderten sich in den letzten zwei Jahren immer wieder. In manchen Bundesländern reichte zeitweise die OP-Maske in Bus, Bahn und Supermarkt. In anderen Regionen war und ist teilweise explizit das Tragen einer FFP-2-Maske Pflicht. OP- oder FFP2-Maske – was ist besser für den Alltag? Der Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen, Professor Doktor Hajo Zeeb, hat eine klare Antwort auf diese Frage: „OP-Masken sind gut, FFP-2 Masken sind besser“. Daher bekräftigt er auch für die Zeit nach den Lockerungen: „Wo es machbar ist, sollten auch weiterhin eher FFP-2 Masken mit ihrer höheren Schutzwirkung getragen werden.“

Man steckt sich auch mit Impfung an, ständig gibt es ja auch neue Varianten, ist die Impfung wirklich noch sinnvoll?

Auf jeden Fall. „Die Impfung, insbesondere mit Booster, schützt gut vor schweren Verläufen und Tod, weniger vor Infektion. Die Impfung bleibt daher die Kernkomponente im Umgang mit Corona“, sagt Professor Doktor Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Wie groß dürfen die Konferenz-Runden in Präsenz guten Gewissens sein?

Manche Betriebe haben während der letzten zwei Jahre auf Konferenzen und Meetings in Präsenz verzichtet. Durch die weitreichenden Lockerungen wird dieser Umstand wohl in vielen Unternehmen Geschichte sein. Experte Hajo Zeeb meint dazu: „Wenn Lüftung und Abstand gewährleistet wird, und sich Geimpfte treffen, können sich allmählich auch wieder größere Runden treffen. Eine obere Grenze ist nicht sinnvoll anzugeben, es kommt auf die Raumgröße an.“

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Wie kurz sollte der Kontakt zum Beispiel in einer Kaffeeküche mit Kollegen sein (mit oder ohne Maske)?

Ein lockeres Gespräch am Kopierer oder in der Kaffeeküche war für viele Menschen ein fester Bestandteil des Arbeitstages und gehört zum kollegialen Miteinander. Doch wie sollte ich mich in Zeiten höher Inzidenzen im Betrieb verhalten? Die Länge des Kontakts mit Kolleginnen und Kollegen kann dafür ausschlaggebend sein. Hajo Zeeb kann hier fachlichen Rat geben: „Gerade wenn man länger unter weniger Bekannten zusammensteht, ist es schon noch sinnvoll, weiter Maske zu tragen und die Zeit zu begrenzen“. Daher ist er auch für die erste Zeit nach den Lockerungen der Meinung: „Wenige Minuten sind besser als ein stundenlanger Austausch.“

Könnte für mich noch eine vierte Corona-Impfung (Booster nach dem Booster) sinnvoll sein? Und wenn ja, ab wann?

Die meisten Deutschen haben sich bereits für eine Impfung gegen Sars-CoV-2 entschieden. Viele von ihnen haben auch bereits eine zweite, beziehungsweise dritte Impfung, erhalten. Doch ist das genug? Für Professor Dr. Andreas Dotzauer vom Laboratorium für Virusforschung der Universität Bremen, steht fest: „Eine vierte Impfung ist sinnvoll, wenn die Schutzwirkung der bisherigen Impfungen wegen einer schwach ausgefallenen Immunantwort deutlich abgefallen ist.“ Eine schwache Immunantwort kann vor allem bei älteren Menschen der Fall sein. „Das heißt, Personen über 60 Jahre und besonders über 70 Jahre, deren Immunsystem altersbedingt schwächer reagiert, sowie Personen mit einer vorliegenden Immunschwäche sollten sich nochmals boostern lassen.“

Laut dem Virologen ist eine vierte Impfung allerdings nicht nur für besonders vulnerable Menschen sinnvoll. „Auch Personen mit häufigen Kontakten zu möglichen Infizierten oder zu Risikogruppen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sollten ihren Immunschutz auffrischen. Um eine gute Wirkung zu erreichen, sollte die vierte Impfung zwischen drei Monaten bei Risikogruppen und sechs Monaten bei beruflichen Indikatoren, nach der vorhergehenden Impfung erfolgen.“

Wichtig: Die Ständige Impfkomission empfiehlt die vierte Impfung bisher nur für über 70-jährige, Personen mit Immunschwäche und Bewohnerinnen und Betreute in Pflegeeinrichtungen sowie für Menschen, die in medizinischen oder Pflegeeinrichtungen tätig sind. Wer sich ein zweites Mal boostern lassen möchte und nicht zu diesen Personengruppen gehört, sollte sich vorher von der Ärztin oder dem Arzt beraten lassen.

Wenn es keine Pflicht zum Homeoffice mehr gibt und mein Arbeitgeber mir freistellt ins Büro zu kommen oder von zu Hause zu arbeiten. Was sollte ich tun?

Das Arbeiten im Homeoffice ist für viele Beschäftigte in den letzten zwei Jahren zur Normalität geworden. Doch was tun, wenn es nun kein „Muss“ mehr, sondern einem freigestellt ist? Professor Dr. Andreas Dotzauer vom Laboratorium für Virusforschung der Universität Bremen hat hierzu eine klare Meinung: „Wenn es die Tätigkeit erlaubt, sollte man die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten so oft wie möglich nutzen.“ Der Experte rät dazu mit Bedacht vorzugehen, denn: „Die Pandemie ist immer noch in vollem Gang und jede Kontaktreduktion trägt dazu bei, das Infektionsgeschehen abzuschwächen.“

Ich bin geboostert. Wie oft sollte ich mich noch zu Hause selbst testen bzw. ins Testzentrum gehen?

Vor allem für Geimpfte gibt es schon seit einiger Zeit immer weniger Gründe, sich testen zu lassen, da sie auch ohne einen Test zu vielem Zugang erhalten. Doch machen regelmäßige Tests dann überhaupt noch Sinn? „Auf jeden Fall, wenn eine Warnmeldung über die Warn-App erfolgt, nach wissentlichem Kontakt mit einem Infizierten und wenn man Erkältungssymptome hat“, sagt Professor Dr. Andreas Dotzauer vom Laboratorium für Virusforschung der Universität Bremen. Er hält es außerdem für wichtig, sich ebenso vor dem Kontakt mit besonders gefährdeten Personen zu testen. Auch, wenn man selbst das Gefühl hat, dass man möglicherweise mit einer infizierten Person zusammen getroffen ist, sollte man einen Test machen oder machen lassen. „Denn auch wer selbst symptomlos ist, kann sich dennoch angesteckt haben und auch andere anstecken“, sagt Andreas Dotzauer.

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Ein Verwandter im Haus ist frisch genesen. Sollte ich mein Haus regelmäßig und großzügig reinigen und desinfizieren?

Der richtige Umgang mit frisch Genesenen in unserem Umfeld bereitet vielen Menschen Kopfschmerzen. Gerade bei den derzeitigen Höchstwerten der Infektionszahlen, wissen viele Menschen nicht, wie sie die Wohnung oder das Haus nach einer Infektion reinigen und desinfizieren sollten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt, häufig berührte Gegenstände wie Lichtschalter, Türklinken oder auch Smartphones mit einem haushaltsüblichen Reinigungsmittel täglich zu säubern. Doch ist dies notwendig, oder schürt es nur noch größere Verunsicherung?

Peter Walger vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sieht das anders. Seiner Meinung nach sei es „absolut überflüssig“ nach einer Covid-Infektion das ganze Haus mehrfach zu desinfizieren, denn „Auf diesem Wege werden keine Infektionen übertragen“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Intensivmedizin und Infektiologie. Da die Infektion „im Wesentlichen über die Atmung“ übertragen wird, ist das flächendeckende desinfizieren von Oberflächen im Bad oder der Küche nicht nötig. Zu einer Ansteckung würde es meistens nur dann kommen, wenn „jemand hustet, Sie in das Erhustete fassen und anschließend berühren Sie mit Ihren Händen auch noch die eigenen Schleimhäute.“

Bei besonders gefährdeten Personen, gelten natürlich andere Regeln. Hier sollte man für die Desinfektion von Flächen besondere Produkte verwenden, die mit Bezeichnungen wie „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzidPLUS“ oder „viruzid“ versehen sind.