Corona-Schnelltests müssen seit dem 11. Oktober meist selbst bezahlt werden. Generell gratis bleiben sie noch für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, darunter Kinder unter 12 Jahren. Das legt eine neue Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums fest, die einen entsprechenden Bund-Länder-Beschluss umsetzt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten vereinbart, dass das vom Bund seit Anfang März finanzierte Angebot für kostenlose «Bürgertests» für alle enden soll. Da inzwischen kostenlose Impfungen für alle möglich sind, sei eine dauerhafte Übernahme der Test-Kosten durch die Steuerzahler nicht länger nötig, hieß es zu Begründung.

Wer darf kostenlose Tests weiterhin in Anspruch nehmen?

Gratistests bekommen generell weiter Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Kinder von 12 bis 17 Jahren und Schwangere können noch bis 31. Dezember mindestens einen kostenlosen Test pro Woche machen. Grund ist, dass für sie erst seit kürzerer Zeit eine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorliegt - daher soll noch länger Zeit für eine Impfung bleiben.

Generell weiter gratis testen lassen können sich laut der Verordnung Kinder, die das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder erst in den letzten drei Monaten vor dem Test 12 Jahre alt geworden sind. Gratis bleibt es unter anderem auch für Menschen, die zum Beenden einer Quarantäne wegen einer Corona-Infektion einen Test brauchen.

Asymptomatische Personen, die in stationären Einrichtungen betreut oder durch ambulante Dienste gepflegt werden, oder sich in Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation befinden erhalten auch einen kostenlosen Test.

Welche Nachweise werden für kostenlose Tests benötigt?

Um auch nach dem 11. Oktober kostenlose Schnelltests zu bekommen, muss man bei der Teststelle einen amtlichen Ausweis mit Foto vorlegen - bei Kindern ist so auch das Alter nachzuweisen. Extra Nachweise wie ein ärztliches Zeugnis sind nötig, wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann - eine Diagnose muss nach Ministeriumsangaben nicht angegeben werden. Zum Nachweis einer Schwangerschaft kann demnach der Mutterpass genutzt werden.

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Und was sollen Corona-Tests künftig kosten?

Wie teuer Tests werden, muss sich unter den neuen Marktbedingun-gen erst noch zeigen. Zuletzt gingen Angebot und Nachfrage wegen immer mehr Impfungen zurück. So waren auf einem Info-Portal zeitweise rund 6000 Apotheken zu finden, die Tests machen. Inzwischen sind es nach Verbandsangaben noch 4400.

Generell zu kalkulieren sei mit Kosten für Material, separate Räume und Personal. Bisher bekommen Anbieter pro Schnelltest 11,50 Euro Vergütung, für genauere PCR-Tests gibt es etwa 43 Euro. Für Selbstzahler sind diese aber oft teurer - u–so mehr, je schneller das Laborergebnis kommt. Die Bundesregierung wies darauf hin, dass Beschäftigte sich in Firmen kostenlos testen lassen können.

Welche Argumente gegen kostenpflichtige Tests gibt es?

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnte, die Umstellung komme zu früh. „Ohne Gratistests werden wir weniger Testergebnisse bekommen, mehr Infektionen werden unerkannt bleiben», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Wir laufen in eine Schattenpandemie.» Statt kostenlose Tests zu streichen, sollten sie mit der Impfkampagne verknüpft werden. «Wer eine Impfberatung annimmt, sollte im Gegenzug einen Gratistest bekommen.» So oder so sind für den Bund erhebliche Kosten zusammengekommen. Allein seit Beginn einer separaten Erfassung der «Bürgertests» durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung Anfang Juli wurden mehr als eine halbe Milliarde Euro dafür abgerechnet.

Gibt es spezielle Fälle?

 

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Sonderregelungen fürAlten- und Pflegeheime. Für Besucher müsse es weiterhin kostenloseTestmöglichkeiten geben, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Denn viele Heime verlangten auch von vollständig geimpften Besuchern einen aktuellen zertifizierten negativen Schnelltest. Wenn es bald weniger Testzentren gebe, sei der Nachweis aber besonders auf dem Land schwer zu bekommen. «Manchmal 20 Kilometer Anfahrtsweg sind für Angehörige unzumutbar.» Die Einrichtungen müssten daher verpflichtet werden, Schnelltests vor Ort anzubieten. Die Kosten sollten ihnen von den Krankenkassen oder dem Gesetzgeber zeitnah erstattet werden.

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